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Sozialisation in der Schule

Hausarbeit 2009 21 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Sozialisation

3 Zur Institution Schule

4 Rollenhandeln nach Parson/ Struktur-funktionale Theorie

5 Einschulung, Familie , Schüler, Milieus
5.1 Kinder ab der Mittelschicht an aufwärts
5.2 Arbeiterkinder
5.3 Peer-Group

6 Schulische Selektion
6.1 Selektion

7 Aufgaben und Funktionen Schulischer Sozialisation
7.1 Qualifikationsfunktion
7.2 Selektions- und Allokationsfunktion
7.3 Legitimitäts- und Integrationsfunktion
7.4 Funktion der Kulturüberlieferung

8 Heimlicher Lehrplan
8.1 Raum
8.2 Zeit
8.3 Leistung und Persönlichkeit
8.4 Maskierung und Strategien

9 Fazit

Literaturverzeichnis

Monographien

1 Einleitung

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema Sozialisation in der Schule. Um die spezielle Form der Sozialisation in der Schule zu erfassen, muss jedoch erst einmal geklärt werden, was sich hinter dem Begriff der Sozialisation verbirgt. Im ersten Teil der Arbeit wird verstärkt das Individuum und die Persönlichkeitsentwicklung behandelt (Kapitel 1). Hauptaugenmerk dieser Arbeit liegt auf der struktur-funktionalen Theorie Parsons (Kapitel 4). Oft wird und wurde diese Theorie kritisiert, allerdings ist sie überaus interessant und trotzdem aktuell, weswegen sie in dieser Arbeit thematisiert wird. Schwerpunktmäßig wird die Selektion (Kapitel 6), die in der Institution Schule (Kapitel 3) einen hohen Stellenwert hat, behandelt. Dazu werden vorab die verschiedenen Akteure und im speziellen die differierenden Ausgangspositionen der Schüler, aus verschiedenen Milieus stammend, untersucht. Hierbei wird ausschnittsweise auf die Einschulung und die ersten Unterschiede zwischen den Schülergruppen eingegangen (Kapitel 5).

Um die Sozialisation in der Schule zu verstehen, ist es unabdingbar die drei Aufgaben und Funktionen schulischer Sozialisation nach Fend und zusätzlich die vierte Funktion nach Klafki darzustellen (Kapitel 7). Dieses Modell ist aber nicht vollständig und wird durch das folgende und letzte Kapitel dieser Arbeit ergänzt. Denn Fend und Klafki vernachlässigen, was auf der sogenannten Hinterbühne schulischer Sozialisation passiert. Der Begriff der Hinterbühne wurde durch Jürgen Zinnecker geprägt und auf sein Werk zum heimlichen Lehrplan wird im letzten Kapitel Bezug genommen. Alles was außerhalb von Lehrplänen, Schulordnungen und Richtlinien der Schule abläuft, wird unter dem Begriff des heimlichen Lehrplans thematisiert (Kapitel 8). Dies ist insofern bedeutsam, da er einen wichtigen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung der Heranwachsenden leistet. Die zentrale Fragestellung, die diese Arbeit verfolgt wird sein, welche Funktionen die Schule in unserer Gesellschaft hat und wie sich die Schule auf die Persönlichkeitsentwicklung des Individuums auswirkt.

2 Sozialisation

Für den Begriff Sozialisation gibt es keine allumfassende und allgemein gültige Definition. Gemeinsam ist vielen Definitionen, dass sie nicht alle Aspekte von Sozialisation berücksichtigen. Man kann lediglich die verschiedenen Definitionen vergleichen und so zu einer Annäherung an diesen Begriff gelangen. Der Begriff der Sozialisation wurde vor allem durch Emile Durkheim begründet. Nach Durkheim „[…] bringt der Mensch von Geburt aus zunächst seine Physis in Bezug auf alle späteren Eigenschaften nur unbestimmte und plastizierbare Dispositionen mit. Der Säugling, dessen Persönlichkeit sich erst in der sozialen Umwelt entwickeln muss, sei nahezu eine Tabula rasa. Er müsse auf das gesellschaftliche Leben vorbereitet, vergesellschaftet, d.h. sozialisiert werden."(Durkheim, zitiert nach Zimmermann (2000) S.13). Durkheim drückt damit aus, dass der Mensch von Geburt an nur eine Basis und verschiedene Anlagen für einen Sozialisationsprozess mitbringt. Der Mensch, beziehungsweise, der Säugling muss durch Erwachsene einen Sozialisationsprozess erfahren, um auf die Gesellschaft vorbereitet zu werden. Diese Vorbereitung hat zwei Aspekte. Zum einen ist Sozialisation überall dort, „wo eine arbeitsteilige Gesellschaft bestehe“. (Zitiert in Rolff (1997) S.39 – 40), denn die Arbeitsteilung bedingt unterschiedliche Vorbereitungen auf die verschiedenen Berufe. Wobei sich hier nach Rolff bereits die Erziehung des Bürgers und die des Arbeiters unterscheiden (vgl. ebd. S.39). Zum anderen verfügt jede Gesellschaft über eine gemeinsame Basis hinsichtlich Kultur, Moral, Werten, Normen, etc., die sich in einer allgemeinen Lebensart wiederfinden. Diese Kultur kann sich allerdings milieuspezifisch unterscheiden. Daher benötigt sie ein ausgewogenes Maß an Ähnlichkeit zwischen ihren Mitgliedern. Dies wird durch die Erziehung ermöglicht (vgl. ebd. S.39 – 40).

Allerdings ist der Begriff der Erziehung deutlich von dem der Sozialisation abzugrenzen. Durkheim versteht die Erziehung als methodische Sozialisation. Für ihn ist das Handeln zwischen dem erziehendem Erwachsenen und dem Kind ein bedeutender Teil des Sozialisationsprozesses (vgl. Zimmermann (2000) S.14). Sozialisation ist vielmehr das, was durch die Erziehung überhaupt möglich wird, nämlich die Aneignung von gesellschaftlichen Erfahrungen. Hierbei ist zu beachten, dass Sozialisation nicht Anpassung meint, vielmehr ist es ein Aneignungsprozess von Werten, Normen und Fertigkeiten, um in der Gesellschaft bestehen zu können. Kinder sind jedoch nicht reine Informationsempfänger und Verarbeiter von Informationen, so wie Maschinen oder Computer. Vielmehr sind sie aktive Subjekte, die die Fähigkeit haben sich zu ändern. Dieser Punkt wird oft in den funktionalistischen Sozialisationstheorien vernachlässigt (vgl. Zimmermann (2000) S.14 - 16). „Die Betonung des aktiven Charakters des Subjekts im Sozialisationsgeschehen, bedeutet, dass man nicht nur sozialisiert wird, sondern sich auch zum Teil selbst sozialisiert“. (Zitiert in ebd. S.15) Diese Positionen werden bei Ottomeyer als „identitätsstiftende menschliche Praxis“ und bei Bilden als „Selbst-Bildung in sozialen Praktiken“ (Zitiert in ebd. S.15) beschrieben. Der subjektive Faktor ist mittlerweile entscheidender Bestandteil aller neuen Sozialisationstheorien.

Sozialisation ist […] zu verstehen als Prozess der Entstehung und Entwicklung der Persönlichkeit in wechselseitiger Abhängigkeit von der gesellschaftlich vermittelten sozialen und materiellen Umwelt“. (Zitiert in ebd. S.16) Dieses Zitat umschreibt sehr gut was Sozialisation ausmacht.

Nach Hurrelmann geschieht die Persönlichkeitsentwicklung durch verschiedene Sozialisationsinstanzen und Prozesse. Er definiert sie in primäre, sekundäre und tertiäre Sozialisationsinstanzen. Primäre Sozialisationsinstanzen umfassen die Familie, die Verwandtschaft und die Freunde. Der Mensch wird innerhalb der Familie überwiegend durch seine Eltern sozialisiert (vgl. Hurrelmann (2002) S.33 - 35).Bereits hier ist zu unterscheiden, welche Rahmenbedingungen in den Familien für den Sozialisationsprozess vorliegen. Unter sekundären Sozialisationsinstanzen versteht Hurrelmann Institutionen wie den Kindergarten, die Schule also allgemein Bildungseinrichtungen. Hierbei sind besonders die Beziehungen außerhalb der Familie hervorzuheben. Eine entscheidende Rolle spielen die peers. Der Schule kommt hier ein sehr hoher Stellenwert bei, indem sie bereits früh die Verteilung individueller Berufs- und Lebenschancen festlegt. An dieser Stelle sind die vor allem die Selektion und die Allokation zu nennen. Tertiäre Sozialisationsinstanzen umfassen Medien, Freizeitorganisationen und Gleichaltrige. Hier befindet sich der Mensch im Übergang zur Berufswelt oder übt bereits einen Beruf aus. Die Sozialisation, die der Mensch in diesem Stadium erfährt, verändert seine Persönlichkeit in der Regel nicht mehr grundlegend. Sie wird lediglich modifiziert und entwickeln sich weiter. Zusammenfassend ist zu sagen, dass die primäre Sozialisation die Ausgangsvoraussetzungen für die nachfolgende sekundäre und tertiäre Sozialisation schafft (vgl. Tenorth/Tippelt: Lexikon Pädagogik (2007), S.673 – 674). Auf die sekundäre Sozialisation, die hauptsächlich in der Institution Schule stattfindet, wird in der weiteren Ausarbeitung der Fokus gelegt.

Zur Sozialisation gibt es viele unterschiedliche Theorien von denen besonders drei zu erwähnen sind (vgl. Marotzki/Nohl/Ortlepp (2006) S.128). Erstens ist die Interaktionstheorie zu nennen, in der es darum geht „Wie sich die Identität des Einzelnen in der sozialen Interaktion konstituiert, in welcher Verbindung also Individuum und Sozialität stehen […].“(Zitiert in ebd. S.128) Dieser Theorie wurde durch George Herbert Mead begründet. Als zweites ist die Rollentheorie hervorzuheben. Diese Theorie handelt von den Rollen, die der Mensch in Institutionen oder in der Gesellschaft einnimmt und diesen an Erwartungen geknüpften Rollen entspricht oder nicht. „Rollen lassen sich insofern als sozial definierte und institutionell abgesicherte Verhaltenserwartungen verstehen.“ (Zitiert nach ebd. S.131 - 132) Diese Sichtweise, deren Hauptvertreter Talcott Parson ist, wurde und wird viel kritisiert. Gleichwohl wird in dieser Ausarbeitung gerade jene Theorie hauptsächlich zur Analyse der schulischen Sozialisation hauptsächlich verwendet. Die dritte Theorie, die Milieutheorie, charakterisiert die Sozialisation wie folgt „Sozialisation findet nicht nur in Interaktionssituationen und in Auseinandersetzungen mit institutionellen Rollenerwartungen statt, sie vollzieht sich auch in der kollektiven Einbindung des Individuums in ein Milieu“. (Zitiert in ebd. S.133) Das Individuum lebt mit anderen in einem bestimmten Raum, unter bestimmten Umständen. Desweiteren ist festzuhalten, dass das Individuum zumeist nicht weiß, dass es in einem Milieu lebt, ohne dies zu wollen (vgl. ebd. S.133 - 134). Die kurze Vorstellung der drei Theorien war insofern wichtig, da ich mich im Laufe der Ausarbeitung immer wieder darauf beziehen werde.

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Details

Seiten
21
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656125907
ISBN (Buch)
9783656126430
Dateigröße
396 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v188842
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,0
Schlagworte
sozialisation schule

Autor

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Titel: Sozialisation in der Schule