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Malinche - Cyborg der Urzeit

Hausarbeit 2011 17 Seiten

Kulturwissenschaften - Sonstiges

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Wer ist Malinche? - historische Forschung

3. Woher kommt die Erkenntnis über Malinche? - Quellenrahmen
3.1 Wie hat nach Díaz del Castillo Malinche dargestellt? - erste Biografie Malinches
3.2 Was sieht Todorov in Malinche? - Dolmetscher der kulturellen Zeichen

4. Ist Malinche ist der Ur-Cyborg? - Die Verwirklichung des Cyborgmanifestes
4.1. Womit beschäftigt sich die Neuerfindung der Natur von Donna Haraway? - das Manifest für Cyborgs
4.2. Wer ist für Haraway ein Cyborg? - Cherrie Moraga

5. Ist Malinche ein Cyborg der Urhistorie? - Todorovs Bestätigung

6. Schlussfolgerung

7. Quellenverzeichnis

1. EINLEITUNG

Diese vor Ihnen liegende Hausarbeit beleuchtet die mythisch-historische Figur Malinche, Malintzin oder auch Marina. Die Existenz dieser indigenen Figur ist für die Mexikaner eine Etappe des nationalen Ursprungs, entstanden angesichts des weiblichen Volksverrates, der allerdings aktuell von den Historikern neuuntersucht wird. Seine Rahmenbedingungen verschieben sich, sodass mittlerweile Begriffe wie Opfer, Sklave oder Unschuldige repetitiv den neuen Diskurs skizzieren. Das Ensemble der individuellen sowie nationalen Projektionen auf Doña Marina, so hieß Malinche nach der Konvertierung zum Christentum, ist nicht explizit greifbar, da ihr Leben im Scheinwerfer der Skripte nur sechs Jahre festgehalten wurde. Ein Knotenpunkt der gesellschaftlichen Fragen, überschattet von Mythologie und nationaler Missgunst im diachronischen Verlauf, welcher die Denker des letzten Jahrhunderts in Bewegung brachte. Malinche zwingt zur Rezension im internationalen Format und ruft zu Revision, Prüfung und Modifikation ihrer selbst auf.

Im Rahmen dieser Arbeit erhellen wir etappenweise den Mythos der Malinche und versuchen in ihr die hybride Gestalt des Cyborgs zu entdecken, begleitet vom Hintergrund der Historie, den uns Señor Bernal Díaz del Castillo anbietet. In diesem Themenhorizont erfolgt ein Auftreten der folgenden Wissenschaftler: den einleitenden Todorov1, der in Malinche ein Zeichnen der Interkulturalität sah. Dicht begleitet von Donna Haraway2 und ihrer Sichtweise über die neue Konstitution der Gesellschaft, wobei in diesem Falle auch auf die Quellen Haraways eingegangen wird.

2. WER IST MALINCHE? - HISTORISCHE FORSCHUNG

Ein Ensemble an didaktischen Vorstellungen wird anhand der Figur Malinche projiziert. Zur aktuellen Zeit ist Malinche ein Symbol kultureller Repräsentanz für Mexikaner sowie für Chicana3. Im 17./18. Jahrhundert wurde die Hauptfigur dieser Arbeit als eine Nebenakteurin der spanischen Conquista betrachtet, d.h. als eine Mätresse Cortés ohne besonderen politischen Kontext. So etabliert sich ein Rezensionsfeld, der die „indigene Minderwertigkeit europäischer Überlegenheit mit neuer Entschiedenheit und Emphase entgegenstellt“4 kontextuale Wiederverwendung des Malincheverhaltens im mexikanischen Verhalten heißt eine Unterwerfung dem Anderen, dem Europäischen gegenüber. Aus dieser Konstellation einstehe der „Malinche-Komplex“, eine latente Grundannahme für die „Bereitschaft zur Unterwürfigkeit, an Malinche versinnbildlicht, weniger eine weibliche Schwäche als etwas, das der indigenen Kultur innewohnt.“5 Im 20. Jahrhundert erfährt die Geschichte Malinches eine Wiederverwertung, erstens angesichts der Industrialisierung. Zweitens im 21Jahrhundert, aufgrund der politischen Unruhen im latinoamerikanischen Raum und einer Bewegung hin zur Vereinheitlichung der nationalen Weltsegmente zu einer großen Struktur, gewinnt die Malinche-Emblematik in Essays, präziser gesagt in der Chicanaliteratur, eine neue identitätsstiftende positive Sichtweise des neuen Mexikos, eine Aufwertung der Figur Malinches.

„Erstmals besann sich das Land auf seine indigene Vergangenheit, und aus dieser Besinnung auf die eigene Tradition […] stand, resultierte eine recht eigenwillige Form des Nationalismus: der Indigenismus. Diese neue Ideologie, die den Indianer verherrlichte ( und das spanische erbe negierte)sich auch , gab Mexiko eine eigene Identität, woraus - im Verein mit dem revolutionären Elan - ein neues Selbstbewusstsein entstand. „6

3. WOHER KOMMT DIE ERKENNTNIS ÜBER MALINCHE? - QUELLENRAHMEN

Die Informationsquellen aus dem 16. Jahrhundert geben einen reichen Überblick über die Conquista Südamerikas in Form brieflicher Kommunikation, spanischer Berichterstattung an den in Europa sitzenden König, sowie geschichtlicher Chroniken. Der berühmteste Text aus dieser Zeit, „Historia verdadera de la conquista de la nueva España“7, speist zahlreiche historische Schriftsteller mit dem nötigen Wissensreichtum, unter anderem über die Provenienzbedingungen Malinches. Dieser darf allerdings nicht ohne den Hintergedanken betrachtet werden, dass die spanischen Interessen der damaligen Zeit darin bestanden, die Wahrheit zu verzerren, sodass die Projektionsfläche der späteren Anwendungstheorien schon von Beginn an vorevaluiert ist, auf den Rezipienten am spanischen Hofe gerichtet.

Die Eroberung Mexikos durch Hernán Cortés ist zeitgeschichtlich in die Jahre zwischen 1518 - 1528 einzuordnen. Díaz del Castillo hat seine Schrift hingegen erst in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts veröffentlicht.8 Angesichts der Tatsache, dass das Schriftstück bereits 1568 fertiggestellt worden war, treten hier Fehlerbezüge auf, historische Schattierungen und politische Kontexte zum Zeitpunkt der Publikation haben sich weiter entwickelt.

Im Rahmen dieser Arbeit werden anderen Werke z.B. „Historia de la conquista de México“ von Francisco López de Gómara (Erstpublikation 1552, Zaragoza)9, die unter anderem zu den Hauptquellen dieses Ereignisses zählen, nicht in den Referenzkatalog aufgenommen, da demnächst auf das Werk von Todorov eingegangen wird, welches sich an Chronik des Verfassers Díaz del Castillo orientiert.

Zeitgenössische Rezipienten solcher geschichtlichen Primärquellen finden im Werk Díaz del Castillos theoretische Grundlagen so wie auch Tzvetan Todorov, ein Literaturtheoretiker sowie Geisteswissenschaftler.

3.1 WIE HAT NACH DÍAZ DEL CASTILLO MALINCHE DARGESTELLT? - ERSTE BIOGRAFIE MALINCHES

Díaz del Castillo, ein Chronist der spanischen Conquista, schreibt über Malinche:

“Doña Marina was a person of greatest importance and was obeyed without question by the Indians throughout New Spain.”10

In der historischen Darstellung, die 1586 vollendet wurde, skizziert del Castillo das Bild einer anmutigen, edlen Fürstin, die einem adligen Geschlecht der Azteken entstand. Der Wert Malinches Figur in seiner Chronik ist offenbar so aufgewertet, dass die chronologische Narrative unterbrochen wird, um einen Exkurs im Volumen eines ganzen Kapitels in die Biografie jener Frau Platz zu gewähren. So berichtet Bernal Díaz, dass Malinche aus einer adligen aztekischen Familie abstammt, und im frühen Kindsalter als Sklavin von ihrer eigener Mutter verkauft wurde, ein Opfer des Familienverrates. Nach der Übergabe an die Spanier wurde Malinche in Doña Marina umgetauft und mit dem spanischen Offizier Juan Jaramillo verheiratet wurde.

„That she would rather serve her husband and Cortés than anything else in the world, and would not exchange her place to be Cacica of all the provinces in New Spain”

Mit ihrer Tätigkeit als Übersetzerin habe diese Frau eine absolute Befehlsgewalt über die Einheimischen, sodass Cortés, ihrer Treue gewiss, die sprachlichen Fähigkeiten für sich nutzbar machen konnte.

„I have made a point of explaining this matter, because without the help of Doña Marina we could not have understood the language of New Spain and Mexico.”

[...]


1 Todorov, Tzvetan: Die Eroberung Amerikas oder Das Problem des Anderen, Frankfurt, 1985.

2 Haraway, Donna: Die Neuerfindung der Natur, Frankfurt, 1995.

3 Moya, Paula: Postmodernist Cyborgs and the Denial of Social Location in: Hrsg.: Alexander, M. Jacqui/ Mohanty, Chandra Talpade: Feminist Genealogies, Colonial Legacies, Democratic Futures, Routledge, 1995, S. 73.

4 Leitner, Claudia: Der Malinche-Komplex, Conquista, Genus, Genealogie, München, 2009, S.18f.

5 Ebd., S 180f.

6 Westphal, Wilfried: Geschichte, Methoden, Ereignisse, Frankfurt, 1991, S. 53

7 Díaz del Castillo, Bernal: Historia verdadera de la cnoquista de la Nueva España, manuscrito "Guatemala" [Geschichte der Eroberung von Mexiko], Frankfurt, 1991.

8 Leitner, Claudia: Der Malinche-Komplex, Conquista, Genus, Genealogie, München, 2009, S.15.

9 Ebd., S.15.

10 Díaz del Castillo, Bernal: The true history of the conquest of New Spain, Wiesbaden, 1967, S. 135 [“From the only exact copy made of the Original Manuscript”; “Translated in English, with Introduction and Notes by Alfred Percival Maudslay “].

Details

Seiten
17
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656129073
ISBN (Buch)
9783656130093
Dateigröße
701 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v189020
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf – Medien und Kulturwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Malinche Cyborg Donna Haraway Chicana-Literatur Malinche-Komplex Cherríe Moraga Doña Marina Südamerikanische Literatur TzvetanTodorov Die Eroberung Amerikas oder Das Problem des Anderen interkulturelle Kommunikation

Autor

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Titel: Malinche - Cyborg der Urzeit