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Postpartale Depression – eine Erkrankung nach der Geburt eines Kindes

Hausarbeit 2010 15 Seiten

Psychologie - Biologische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Epidemiologie

3 Definition postpartale Depression

4 Abgrenzung postpartaler Depressionen vom „Babyblues“ und von den postpartalen Psychosen
4.1 Babyblues
4.2 Postpartale Psychosen

5 Die Ursachen
5.1 Biologische Ursachen
5.2 Psychische Ursachen
5.3 Soziale Ursachen
5.4 Bindung zwischen Mutter und Kind als Ursache

6 Hilfemöglichkeiten

7 Bezug zur Sozialen Arbeit

8 Schlusswort

Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Die Geburt eines Kindes soll für eine Frau zum schönsten und makellosesten Ereignis ihres Lebens werden. Leider kann nicht jede Frau diese Erfahrung teilen. Die Anforderungen an die Schwangerschaft und die Umstellung auf die neue Lebenssituation bergen die Gefahr depressiv zu werden. Es kommen Gefühle auf, wie Angst vor dem Versagen als Mutter, Angst vor der Zukunft, den Erwartungen der Gesellschaft nicht entsprechen zu können. Durch diese Stimmungen entsteht ein Druck auf die werdenden Eltern.

Viele Mütter sprechen von einem „Babyblues“ oder den „Heultagen“ in der ersten Woche nach der Geburt. Dies wird von der Gesellschaft mitunter noch verständ- nisvoll begegnet. Was aber, wenn die Trauer und Mutlosigkeit anhält? Hier rea- giert das Umfeld der Betroffenen nicht selten befangen und intolerant. Dieser pa- radoxe Aspekt hat mein Interesse für die postpartale Depression (PPD) geweckt. Es stellt sich für mich die Frage, was genau ist die postpartale Depression? Wie definiert sie sich und wie sehen die Symptome aus? Ich möchte herausfinden, wie sie sich von der klassischen Depression unterscheidet und ob es dort über- haupt Unterschiede gibt. Außerdem möchte ich aufzeigen wie sich die postparta- le Depression von dem Babyblues und der sogenannten postpartalen Psy- chose abgrenzt. Zusätzlich möchte ich mich dem Thema der Ursachen für die PPD widmen. Gibt es spezielle Ursachen und Auslöser für diese Beschwer- den? Und welche Hilfemaßnahmen gibt es, wo kann man ansetzen, vor al- lem, wo kann die Soziale Arbeit förderlich sein?

Ich hoffe, dass meine folgende Hausarbeit zur Beantwortung dieser vier Fragen dienlich ist.

2 Epidemiologie

Nach der Geburt verändert sich häufig die Stimmung der Mütter zu depressiver Verstimmung und stimmungsmäßiger Labilität. Dies sind die sogenannten „Heul- tage“, oder auch „baby blues“. „Nach Studien verschiedener Autoren sind solche Veränderungen nach etwa 40 bis 70% aller Entbindungen zu beobachten.“1

Die Angaben zu Häufigkeit der postpartalen Depression schwanken ebenfalls. Frauen im gebärfähigen Alter haben vergleichsweise hohe Depressionsraten. Es ist zu erkennen, dass „(…) die Rate schwerer, krankheitswertiger Depressionen bei Frauen in der Postpartalzeit im Vergleich zu gleichaltrigen Frauen ohne Geburt wahrscheinlich nicht erhöht“2 ist. Je nach diagnostischen Kriterien und Beobach- tungszeitraum erlangt man unterschiedliche Angaben zur Epidemiologie. „Zwi- schen zehn und 15 Prozent der jungen Mütter entwickeln eine Depression.“3 In einer „(…) Metaanalyse fanden O’Hara und Swain 1996 auf der Basis von 59 me- thodisch zuverlässigen Studien eine mittlere Prävalenzrate von 13 Prozent“ he- raus.4

Nach der Geburt ist auch das Auftreten von postpartalen Psychosen zu erkennen. Dies ist die schwerste Erkrankung post partum. „Die postpartale Psychose hat ei- ne Prävalenz von 0,1 bis 0,2 Prozent und zeigt sich in den ersten vier Wochen nach der Geburt.“5

Forscher aus Norfolk berichten Bemerkenswertes, nämlich, dass einer von zehn Vätern vor oder nach der Geburt seines Kindes ebenfalls an Depressionen er- krankt. Diese Bahnbrecher hatten eine Meta-Analyse von 43 Studien mit rund 28.000 Teilnehmern erstellt und kamen zu dieser Erkenntnis. Beobachtet wurden die ersten drei bis zwölf Monate nach der Geburt.6

Abb. 1

Psychische Störungen und Erkrankungen in der Postpartalzeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: B. Wimmer-Puchinger, A. Riecher-Rössler (Hrsg.), Postpartale Depression - von der Forschung zu Praxis, Wien, 2006, 12

3 Definition postpartale Depression

„Als „postpartale Depressionen“ werden im allgemeinen (sic!) alle schwereren, längerdauernden und behandlungsbedürftigen depressiven Erkrankungen bezeichnet, die im ersten Jahr nach der Entbindung auftreten oder bestehen.“7 Diese depressive Erkrankung in der Postpartalzeit scheint, wie bereits erwähnt, nicht deutlich häufiger vorzukommen als bei gleichaltrigen Frauen ohne Geburt, trotzdem wird der Begriff aufrechterhalten, da diese Störung besondere diagnostische und therapeutische Anforderungen stellt.8

Die Depression ist eine psychische Erkrankung. Sie zählt laut ICD-109 zu den af- fektiven Störungen. Als affektive Störungen werden Beschwerden bezeichnet, bei denen es häufig zu Schwankungen der Stimmung und des Antriebs kommt. Das ICD-10 beschreibt diese Erkrankung nach vorher festgelegten Kriterien. Im Vor- dergrund der Betrachtung stehen dabei die Symptomatik, der Schweregrad und der zeitliche Verlauf der Depression, nicht die Ursache. Nach dem oben genann- ten Klassifikationssystem wird die Depression in „ leichte (F32.0), mittelgradige (F32.1) oder schwere (F32.2 und F32.3) Episoden “10 unterteilt.

Symptome der Depression sind unter anderem, dass die Patienten unter einer gedrückten Stimmung leiden. Ihre Antriebskraft ist vermindert, ebenso die Fähig- keit zur Freude und ihr Interesse und ihre Konzentration. Auch erkennt man, dass diese Klienten nach einer kleinen Anstrengung sehr müde sind, denn sie können auch unter Schlafstörungen leiden. Das Selbstwertgefühl und das Selbstvertrauen von Menschen mit Depressionen sind fast immer beeinträchtigt. Auch der Libido- verlust ist ein Symptom der Depression, genauso wie der Gewichts- oder der Ap- petitverlust. Je nach Schweregrad sind eine unterschiedliche Anzahl der Krank- heitszeichen zu erkennen, so sind zum Beispiel bei der leichten depressive Episo- de gewöhnlich mindestens zwei oder drei der oben angegebenen Symptome vor- handen.11

Schwankungen der Stimmung und Gefühle der Traurigkeit kennt jeder, jedoch lassen diese Schwankungen bei einem normalen Trauerprozess mit der Zeit nach. Bei der Depression sitzt diese Traurigkeit zu tief.

Wie bereits bemerkt definiert das ICD - 10 Erkrankungen nicht nach der Ursache eines Leidens, sondern nach vorher festgelegten Kriterien. Aus diesem Grund finden wir in diesem Klassifikationssystem auch keine gesonderte Definition, beziehungsweise Kategorisierung für die postpartale Depression (PPD). Außerdem ist nicht ganz geklärt, ob die PPD „ ein eigenst ä ndiges Krankheitsbild darstellt oder als Depression angesehen werden sollte, die im zeitlichen Zusammenhang mit der Geburt eines Kindes auftritt (...) “12 , denn die Symptome ähneln sehr den Kriterien der Depression. Es sind jedoch „(…) immer wieder gewisse Besonderheiten aufgefallen, etwa die ausgeprägte emotionale Labilität.“13

[...]


1 www.embyotoxx.de/wochenbett.html, 04.05.2010

2 B. Wimmer-Puchinger, A. Riecher-Rössler (Hrsg.), Postpartale Depression - von der Forschung zu Praxis, Wien, 2006, 12

3 Deutsches Ärzteblatt, Heft 2, Februar 2007, 20.07.2010

4 B. Wimmer-Puchinger, A. Riecher-Rössler (Hrsg.), Postpartale Depression - von der Forschung zu Praxis, Wien, 2006, 12

5 Deutsches Ärzteblatt, Heft 2, Februar 2007, 20.07.2010

6 vgl. www.aerztezeitung.de/extras, 20.05.2010

7 B. Wimmer-Puchinger, A. Riecher-Rössler (Hrsg.), Postpartale Depression - von der Forschung zu Praxis, Wien, 2006, 11

8 vgl. ebd.

9 das ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) ist das wichtigste, weltweit anerkannte Diagnoseklassifikationssystem der Medizin

10 H. Dilling, W. Mombour, M.H. Schmidt (Hrsg.), Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V

(F), Bern, 2008, 151-153

11 vgl. ebd., 149ff

12 F. Gröhe, Nehmt es weg von mir - Depressionen nach der Geburt eines Kindes, Göttingen, 2003, 10

13 B. Wimmer-Puchinger, A. Riecher-Rössler (Hrsg.), Postpartale Depression - von der Forschung zu Praxis, Wien, 2006, 11

Details

Seiten
15
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656129400
ISBN (Buch)
9783656129783
Dateigröße
992 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v189115
Institution / Hochschule
Fachhochschule Erfurt – Angewandte Sozialwissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
postpartale depression erkrankung geburt kindes

Autor

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