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Perspektiven zum Wirtschaftsstandort Deutschland - Im Zuge der Globalisierung

Am konkreten Fallbeispiel

Facharbeit (Schule) 2011 20 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Zielsetzung

2. Aktuelle wirtschaftliche Situation in Deutschland
2.1 Historische Entwicklung der Wirtschaft nach 1945
2.2 Wirtschaftliche Ziele der BRD
2.3 Deutschland im Zuge der Globalisierung
2.3.1. Definition der Globalisierung
2.4 Globalisierung - Standort Deutschland
2.4.1 Der deutsche Export
2.4.2 Auswirkungen auf Lohn und Arbeitsplätze
2.4.2.1 Verlagerungsmotive der Unternehmen

3. Zukunft des Wirtschaftsstandortes Deutschland
3.1 Perspektiven
3.1.1 Dynamisierung der Wirtschaft
3.2 Differenzierung der Industriesektoren
3.2.1 Automobilindustrie
3.2.2 Maschinenbau
3.2.3 Chemieindustrie
3.2.4 Dienstleistungen
3.2.5 Hightech- Sektor
3.3 Fallbeispiel Hightech: Infineon Technologies AG
3.4 Einflussfaktoren auf die Globalisierung

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Zielsetzung

Katastrophale demographische Verwerfungen, zehnmal höhere Lohnkosten als bspw. in Bulgarien1, Konkurrenzländer wie Indien oder China, die den Unternehmen einen gigantisches Investitionspotenzial verheißen und dazu riesige, unerschlossene Märkte bieten: Kann ein Land wie Deutschland, das selbst bereits kolossales Wirtschaftswachstum u.a. nach dem zweiten Weltkrieg erlebt hat, dieser Konkurrenz trotzen und weiterhin ein attraktiver Wirtschafts- und Investitionsstandort für Unternehmen bleiben?

Wie genau sehen die Perspektiven aus, was sind Probleme und wo stehen die Chancen, mit denen sich Deutschland im internationalen Vergleich behaupten kann?

Dies sind die Fragen, denen ich mich in dieser Facharbeit nähern und abschließend eine Prognose abgeben möchte, in welchen Sektoren Deutschland Vorteile vorzuweisen hat und was für ein positives Wirtschaftswachstum und einen gesicherten Wohlstand nötig ist.

Einleitend soll die Entwicklung der deutschen Wirtschaft nach dem zweiten Weltkrieg betrachtet werden, um so einen Einstieg in die historischen Zusammenhänge zu geben. Darauf aufauend soll die aktuelle wirtschaftliche Zielsetzung Deutschlands anhand des „magischen Vierecks“ veranschaulicht werden. Damit will ich aufzeigen, wie sich Deutschland bereits innerhalb der letzten Jahrzehnte im Zuge der Globalisierung verändert hat und ob es bisher eher als Verlierer oder als Gewinner dieser Entwicklung anzusehen ist.

Nachdem diese „Grundlagen“ beantwortet worden sind, gilt es, sich dem eigentlichem Thema der Facharbeit, nämlich den Perspektiven zum Wirtschaftsstandort Deutschland zu widmen. Es soll anhand einiger Studien führender Unternehmensberatungen2 ein Einblick geben werden, auf welche Kernsektoren sich Deutschland konzentrieren muss und wo genau die Chancen liegen, sich weiter im internationalen Wettbewerb behaupten zu können und ein positives Wirtschaftswachstum zu erwirtschaften, das einen gesicherten Wohlstand für die BRD impliziert.

Um einen dieser Kernsektoren genauer zu beleuchten, wird exemplarisch ein Unternehmen aus der Halbleiterbranche, die Infineon Technologies AG, für die Chancen Deutschlands als Wirt- schaftsstandort herangezogen. Der Fokus liegt hierbei auf einer Flexibilisierung der Arbeitszeit sowie einem damit einhergehenden neuen Entgeltsystem.

2. Aktuelle Wirtschaftliche Situation in Deutschland

2.1 Historische Entwicklung der Wirtschaft/ Wirtschaftswunder

Mit der Entwicklung der Wirtschaft in Deutschland nach 1945 ist ein Begriff unwiderruflich verknüpft, nämlich der des „Wirtschaftswunders“.

Dieses „Wirtschaftswunder“ bezeichnet den rasanten Aufschwung der Wirtschaft in den Nach- kriegsjahren. Als Vorraussetzung und gleichzeitig als Beginn dieses Aufschwungs kann die Wäh- rungsreform im Jahre 1948 gesehen werden. Nach 1945 verlor die damalige Reichsmark haupt- sächlich durch die Kriegsfinanzierung, aber auch durch das Missverhältnis zwischen Gütern und Nachfrage, rapide ihren Wert. Daher wurde im Frühjahr 1945 unter Führung der drei Besat- zungsmächte die neue Währung, die deutsche Mark, eingeführt. Sie sollte kurzfristig den Geld- überhang an Reichsmark beseitigen und langfristig die Weichen für eine funktionierende deut- sche Marktwirtschaft stellen.3

Eine Währungsreform allein konnte aber nicht die Wirtschaft eines vom Krieg gezeichneten Landes wiederherstellen, grundlegende Reformen mussten beschlossen werden. Notwendigerwei- se zu nennen ist an dieser Stelle der Gründervater der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland: Ludwig Erhard. Das Modell der sozialen Marktwirtschaft wandte sich anders als die freie Markt- wirtschaft oder gar die Planwirtschaft den Grundzügen zu: das Recht auf Privateigentum, die Si- cherung des Wettbewerbs vor Monopolen und Kartellen. Damit sollten langfristig Vollbeschäfti- gung und Geldwertstabilität gesichert werden. Eine weitere Grundlage für diesen Wirtschaftsauf- schwung bildete der „Marshallplan“. Dieses von der amerikanischen Regierung initiierte Projekt beabsichtigte den Wiederaufau des zerstörten Europas. Hierfür gab es Zuschüsse, aber vor allem Kredite in zweistelligem Milliardenbereich. Dadurch konnten Firmen wiederaufgebaut, Investiti- onen getätigt und somit Arbeitsplätze geschaffen werden.

Entscheidend für das Wirtschaftswunder waren jedoch die Arbeitsumstände in Deutschland: Es wurde länger gearbeitet als in anderen Ökonomien, die Löhne waren geringer und die Sozialleis- tungen befanden sich erst im Aufau. Im ganzen Land herrschte eine „Aufaumentalität (man sah, dass sich harte Arbeit lohnte und auszahlte, was natürlich auch Eifer und Ehrgeiz, sowie Arbeitswillen hervorrief).“4

Bereits zur Gründung der BRD waren die Löhne wieder auf Vorkriegsniveau. Mitte der fünfziger Jahre herrschte Vollbeschäftigung und die Lebensqualität lag auf einer Höhe mit den USA. Produkte wie der VW Käfer wurden zum Symbol für den deutschen Export und das Wirt- schaftswunder. Ein Ende nahm dieser gewaltige Aufschwung erst mit der Rezession im Jahre 1967 und letztendlich mit der weltweiten Ölkrise im Jahre 1973. Spätestens seit diesem Zeitpunkt ha- ben sich Deutschlands Kernkompetenzen weg von den eben beschriebenen günstigen Arbeitsbe- dingungen hin zu der Kompetenz als Standort für Hochindustrie, Hightech und Dienstleistungen entwickelt.

2.2 Wirtschaftliche Ziele der BRD

Die wirtschaftliche Zielsetzung eines Landes bezeichnet erst einmal lediglich, welche Grundsätze einer Ordnungspolitik angestrebt werden, und welche Ziele für die gesamte Volkswirtschaft wün- schenswert sind. Das Ziel einer sozialen Marktwirtschaft, wie wir sie in Deutschland verfolgen, ist es, langfristig den Wohlstand (Indikator sind z.B. das BIP oder der NWI)5 für das Volk zu si- chern.

Um die Zielsetzung der BRD kurz anschaulich zu erklären, ist es hilfreich, sich das magische Vierecks anzusehen (vgl. Anhang S.20).

Das magische Viereck bezeichnet ein volkswirtschaftliches System, das vier zu erstrebende, wirtschaftspolitische Ziele angibt: einen hohen Beschäftigungsgrad, ein außenwirtschaftliches Gleichgewicht, ein stabiles Preisniveau sowie angemessenes und stetiges Wirtschaftswachstum. Diese vier Ziele sind in Deutschland im sogenannten „Stabilitätsgesetz“6 von 1967 verankert. Eben diese vier Ziele sind im Laufe der Jahre um zwei Faktoren bzw. „Ecken“ erweitert worden. Denn im Zuge globaler Erwärmung und wachsender Umweltverschmutzung hat man den Faktor Umwelt- und Ressourcenschutz erkannt und eingebunden. Auch der soziale Ausgleich hat in Anbetracht des Wandels in der Sozialstruktur an Bedeutung gewonnen.

Weil einzelne Ziele im magischen Sechs- bzw. Viereck nur schwer vereinbar sind, wie z.B. stei- gendes Wirtschaftswachstum und Preisniveaustabilität, muss jederzeit ein Kompromiss gefunden werden, so dass langfristig alle Ziele in angemessenem Maß erreicht werden können. Zusammenfassend sind also ein stetiges Wirtschaftswachstum sowie eine gesicherte Finanzierung der Sozialsysteme auf gewohntem Niveau das Ziel der bundesdeutschen Wirtschaftsausrichtung.

2.3 Deutschland im Zuge der Globaliserung

2.3.1. Definition Globalisierung

Um sinnvoll über die Einflüsse sprechen zu können, die die Globalisierung auf Deutschland hat, gilt es zu versuchen, eben diesen abstrakten Begriff Globalisierung, zu definieren. Dieser Begriff wurde bereits im Jahre 1944 verwendet, aber publik wurde er erst durch einen deutschen Emigranten namens Theodore Levitt, Professor an der Harvard Business School, der den Begriff in seinem Publikationen bekannt machte und deshalb auch als Prägevater des Begriffs gilt.7

Einer anderer, aber weit weniger üblicher Begriff ist Mondialisierung, der aus dem Französischen stammt und vom Wort „le monde“ - „die Welt“ hergeleitet ist. Letztendlich wird mit dieser Be- zeichnung, eher als mit dem Begriff Globalisierung, eine Entnationalisierung verbunden, was eventuell auf Machtverlust deuten könnte, weshalb die Verwendung dieses Begriffs politisch unat- traktiver ist.

Unter Globalisierung im volkswirtschaftlichen Sinne wird ein Prozess verstanden, bei dem eine zunehmende Verflechtung der weltweiten Märkte und Beziehungen stattfindet. So ist der „inter- nationale Warenhandel nahezu viermal so stark gestiegen wie die Produktion von Gütern“8. Da Globalisierung nicht nur in der Wirtschaft erfolgt, sondern unter diesem Begriff auch die zuneh- mende Verzahnung von Mechanismen in anderen Bereichen wie der Politik, der Kultur und der Umwelt verstanden wird, soll im Folgenden der Schwerpunkt auf der wirtschaftlichen Bedeutung liegen. Ihren Ursprung fand die Globalisierung vor allem im technischen Fortschritt, der weltwei- te Kommunikation sowie Transportwege einfacher und günstiger machte.9 Heute gelingt Unter- nehmen in kürzester Zeit ein gigantischer Informationsaustausch, sodass Produktions - und Log- istikprozesse genau auf einander abgestimmt werden können, was letztendlich die Effizienz der einzelnen Produktionsstandorte enorm steigert.

2.4 Globalisierung - Standort Deutschland

Bei kaum einem anderem Thema sind die Anschauungen der Menschen so gespalten wie bei der Globalisierung. „Die Globalisierung und der Standortwettbewerb werden in der Bevölkerung oft als Bedrohung empfunden.“10 Die wenigsten wagen ein Urteil darüber zu fällen, ob die Globalisie- rung in Deutschland nun Auf - oder Ableben geschafft hat. Niemand weiß so genau, ob die Wirt- schaft eigentlich gewachsen ist, wobei das noch die einfachste dieser Fragen ist. Komplizierter wird es, wenn man fragt, wie sich Lohnquote oder Arbeitslosenzahl verändert haben. Ein Um- stand, der immer mit Globalisierung verbunden wird, ist die Verlagerung von Arbeitsplätzen: Sind im Endeffekt mehr entstanden als verlagert wurden? Wie hätte sich Deutschland ohne die Globa- lisierung entwickelt?

2.4.1 Der deutsche Export

Einen guten Einstieg in diese Fragen bringt die Betrachtung des Wirtschaftswachstums.

Der Begriff „Exportweltmeister“ prägte in den letzten Jahren das Bild der Menschen von der deutschen Wirtschaft. Aber was genau heißt das eigentlich?

Als Exportweltmeister bezeichnet man einen Staat, der „innerhalb eines Jahres den höchsten Gesamtwert an Waren exportiert“11.

Diesen Titel trug bis 2009 Deutschland, denn der deutsche Export hatte sich seit 1985 bis 2008 fast vervierfacht, das Gesamtvolumen des deutschen Außenhandels lag 2008 bei 995 Milliarden €.12 Das ist fast doppelt so viel wie Frankreich im Jahre 2008 und fast viermal so viel wie Spanien im selben Zyklus.13 Diese Zahlen belegen die Relevanz, die der Export für die deutsche Volkswirt- schaft hat. Dieser starke Export ist im Wesentlichen auf drei Faktoren zurückzuführen: Zum ei- nen ist Deutschland mit seiner geografischen Lage mitten in Europa von Handelspartnern nahe- zu umringt. Zweitens ergeben sich innerhalb der EU kaum Handelshindernisse und zum Dritten ist der Export durch die geringe interne Nachfrage unweigerlich von Nöten.

[...]


1 vgl.http://www.focus.de/finanzen/karriere/berufsleben/lohnkosten-arbeitsstunde-in-deutschland-zehnmal-teurer-als-in- bulgarien_aid_494364.html, 24.3.2011

2 Mc Kinsey & Company; Boston Consulting Group

3 „Vom totalen Krieg zum Wirtschaftswunder: die Vorgeschichte der westdeutschen Währungsreform 1948“ M Brackmann - 1993 - Klartext Verlag, Essen

4 vgl. http://fmsg.bildung-rp.de/infoschul/infoschul/html/wirtschaftswunder.html, 24.3.2011

5 BIP = Bruttoinlandsprodukt ; NWI = Nationaler Wohlstandsindex nach Diefenbacher

6 vgl. § 1 des Bundesgesetzes: http://bundesrecht.juris.de/stabg/__1.html, 1.4.2011

7 http://de.wikipedia.org/wiki/Theodore_Levitt, 24.3.2011

8 http://www.globalisierung-fakten.de/globalisierung/was-ist-globalisierung.html

9 vgl. Grafik bpb Anhang S. 19

10 vgl. Monographien der List Gesellschaft e.V. N.F. Band 20, Nomos Verlag, S.13

11 http://de.wikipedia.org/wiki/Exportweltmeister, 24.3.2011

12 Diese und folgende Zahlen entstammen : http://destatis.de und der WTO (World Trading Organisation) vgl. Grafi- ken Anhang S.20

13 http://www.europa-auf-einen-blick.de/spanien/export.php bzw. Frankreich, 24.3.2011

Details

Seiten
20
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656130628
ISBN (Buch)
9783656130802
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v189125
Institution / Hochschule
Gymnasium Wilnsdorf
Note
1,0
Schlagworte
Perspektiven zum Wirtschaftsstandort Deutschland Automobilbranche High-Tech-Sektor Maschinenbau Chemiesektor Infineon Globalisierung wirtschaftswunder BIP Arbeitsmarkt Wirtschaftspolitik

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