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Das Mediensystem der USA und Deutschlands im Vergleich

Am Beispiel der Tagespresse unter besonderer Berücksichtigung des Investigativjournalismus

Projektarbeit 2011 33 Seiten

Medien / Kommunikation - Medienökonomie, -management

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Historische Entwicklung der Medien.
2.1 Geschichte der Medien in den Vereinigten Staaten
2.1.1 Printmedien
2.1.2 Hörfunk
2.1.3 Fernsehmarkt
2.1.4 Internet
2.2 Geschichte der Medien in der Bundesrepublik Deutschland
2.2.1 Printmedien
2.2.2 Rundfunk
2.2.3 Internet

3 Mediensysteme im Vergleich
3.1 Die Geographie
3.2 Sprache und Kultur
3.3 Die Wirtschaftsverfassung
3.4 Das politische System
3.5 Das Medienrecht
3.5.1 Die USA
3.5.2 Deutschland
3.6 Die Medientechnologie

4 Medienphänomen Tageszeitung
4.1 Die Situation der Printmedien am Beispiel der Tageszeitungen
4.1.1 Pressemarkt der USA
4.1.2 US-amerikanische Tageszeitungen
4.1.3 Der deutsche Pressemarkt
4.1.4 Tageszeitungsmarkt in Deutschland.
4.1.5 Vergleich der Pressemarktstrukturen
4.2 Joumalismuskultur in Deutschland und den USA
4.3 Die Rolle des Investigativjoumalismis
4.4 Investigativjoumalismus in den USA und Deutschland

5 Zukunftsaussichten der Tagespresse

6 Quellenverzeichnis

Executive Summary

Im Zuge der technischen und gesellschaftlichen Entwicklung entstehen Medien. Sie gewinnen an Bedeutung, sie verändern sich oder sie werden durch neue Medien verdrängt. Ein aktuelles Beispiel ist der Konkurrenzkampf zwischen Internet und Printmedien. Insbesondere die Tagespresse leidet unter dem neuen virtuellen Medium.1

Ein globales Phänomen: Neben dem kommerziell orientierten Mediensystem der USA, sieht sich auch das Deutschlands vor einer großen Herausforderung. Beide Länder stehen nicht nur vor der Aufgabe ein etabliertes und bewährtes Medium zu schützen, die Tagespresse und ihren Auftrag, sondern auch, der mit dem Internet einhergehenden Kommerzialisierung der Medien(inhalte), entgegenzuwirken.

In den USA lässt sich insbesondere unter Jugendlichen eine klare Abwendung von den Printmedien und vor allem von den Tageszeitungen erkennen.2 Und auch in Deutschland ist das Internet als Informationsmedium unter Jugendlichen beliebter als die Tagespresse. Da Trends aus den USA erfahrungsgemäß zeitlich verzögert auch Deutschland erreichen, kann der Markt davon ausgehen, dass sich die Abkehr vom Printprodukt als Informationsmedium hierzulande noch verstärkt.

Zudem ist ein Zusammenhang zwischen kostenfreien Informationsangeboten im Internet3 und mangelnder journalistischer Qualität unstrittig. Insofern könnte eine Renaissance der Tageszeitungen mittels konsequenter und zügig eingeführter „Premiumstrategie“4 erreicht werden. Hierzu bedarf es eines Umdenkens in der deutschen Journalismuskultur und damit im Selbstverständnis der Journalisten. Dabei könnte der deutsche Tagespressemarkt aus dem Erfahrungsschatz der US-amerikanischen Investigativjournalisten schöpfen und die Recherche per se ganz neu definieren.

Insofern könnte aus den USA als Trendsetter in Sachen Internetnutzung auch ein Vorbild für eine neue Journalismuskultur in Deutschland werden. Im Idealfall schafft die deutsche Tagespresselandschaft damit eine Symbiose aus wirtschaftlichen Interessen und der vorbildlichen Erfüllung ihrer Rolle als wichtiger Teil der vierten Gewalt im Staat.

Der Weg aus der Krise könnte demnach in der Offensive liegen - mit Qualität und Investigativjournalismus könnte die Tagespresse den Medienkrimi für sich entscheiden.

1. Einleitung

Im Zuge der technischen und gesellschaftlichen Entwicklung entstehen Medien. Sie gewinnen an Bedeutung, sie verändern sich oder sie werden durch neue Medien verdrängt. Ein aktuelles Beispiel ist der Konkurrenzkampf zwischen Internet und Printmedien. Insbesondere die Tagespresse leidet unter dem neuen virtuellen Medium.5 Ein globales Phänomen: Neben dem kommerziell orientierten Mediensystem der USA, sieht sich auch das Deutschlands vor einer großen Herausforderung. Beide Länder stehen nicht nur vor der Aufgabe ein etabliertes und bewährtes Medium zu schützen, die Tagespresse und ihren Auftrag, sondern auch, der mit dem Internet einhergehenden Kommerzialisierung der Medien(inhalte), entgegenzuwirken.

Um glaubwürdig und, vor allem für Nachwuchsleser, attraktiv zu sein und zu bleiben, müssen die Blätter neue Strategien entwickeln. Ein Weg aus der Krise könnte in der Offensive liegen - mit Qualität und Investigativjournalismus könnte die Tagespresse den Medienkrimi für sich entscheiden.

Anhand einer Gegenüberstellung des US-amerikanischen- und des Deutschen Mediensystems filtert die Autorin zunächst Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Mediennutzung beider Länder heraus. Daraufhin werden die Pressemärkte der USA und Deutschlands kurz vorgestellt und am Beispiel des Medienphänomens Tageszeitung näher beleuchtet. Es folgt eine allgemeine Betrachtung der Journalismuskulturen beider Länder und im Speziellen des Investigativjournalismus und seiner Bedeutung für die (Tages-) Presse. Die Autorin schließt mit einem Plädoyer für die Tagespresse.

2. Historische Entwicklung der Medien

Sowohl Deutschland als auch die USA haben - in unterschiedlicher Ausprägung - einen Wandel hin zur Mediokratie6 vollzogen.7 Die historische Entwicklung der Medien, die hinter dieser Metamorphose steckt, wird im Folgenden knapp dargestellt.

2.1. Geschichte der Medien in den Vereinigten Staaten

Das US-amerikanische Mediensystem „gilt weltweit als der .marktwirtschaftliche Prototyp'8 der durch eine (...) .fast unverwässerte privatwirtschaftlich-kommerzielle Grundstruktur'9 (...) charakterisiert ist.“4 510 Im Folgenden wird der Aufbau des US-amerikanischen Mediensystems kurz vorgestellt.

2.1.1. Printmedien

Auf etwa 1830 lässt sich die Geburt der Massenpresse in den USA datieren, als11 mit „The Sun“ das erste so genannte „One-Penny-Blättchen“ entstand.12

Viele der bis heute meinungsführenden US-amerikanischen Zeitschriften wurden Ende des 19. Jahrhunderts vor dem Hintergrund von wirtschaftlichem Aufschwung, Bevölkerungswachstum und einer verbesserten Infrastruktur gegründet.13 Wegen des flächenmäßig großen Landes bildete sich die noch heute vorherrschende Printmedienlandschaft aus vielen regionalen und lokalen, aber wenigen überregionalen Printprodukten.14 Aus finanzwirtschaftlichen Gründen entwickelten sich Zeitungsketten, so genannte „Newspaper Chains“, die untereinander mit überregionalen und internationalen Beiträgen handelten.15 Damals schon finanzierten sich die Printprodukte jedoch vorwiegend über Anzeigen.

2.1.2. Hörfunk

Bereits 1920 ging der US Hörfunk auf Sendung. Die Radiolandschaft ist in den USA oligopolistisch strukturiert. Das heißt, es existieren viele lokale, regionale und ausschließlich privatwirtschaftliche16 Anstalten, die von staatlichen Kontrollinstanzen, wie etwa der FCC (Federal Communication Commission) kontrolliert werden, beispielsweise auf Ihre inhaltliche Unabhängigkeit hin.17 Das amerikanische Verständnis des Hörfunksystems basiert zwar auf einem Handeln im öffentlichen Interesse, aber „nicht unbedingt unter öffentlicher Trägerschaft.“18 Träger sind primär Medienunternehmen, aber auch private Einrichtungen, wie Unis, Stiftungen oder Kommunen, die sich neben den staatlichen Zahlungen über Spenden finanzieren.19 Als bis dahin das wichtigste elektronische Medium wurde der Hörfunk in den Fünfzigern durch das Fernsehen abgelöst.

2.1.3. Fernsehen

Die USA strahlten den ersten Sender - die National Broadcasting Comapany (NBC) - zur Weltausstellung 1939 das erste Mal aus. Mit der NBC teilen sich heute drei weitere Networkgesellschaften, die Columbia Broadcasting System (CBS), die American Broadcasting Company (ABC) und Fox TV, den Großteil des Marktes.20 Sie versorgen etwa 1000 angegliederte lokale Fernsehstationen mit Programmmaterial. Rund 400 weitere Stationen arbeiten unabhängig.21 Anders als in Europa die öffentlich-rechtlichen Sender, etablierten sich auf dem amerikanischen Fernsehmarkt kommerzielle und marktabhängige Senderformate, das Pay-TV.22

2.1.4. Internet

Schließlich wurden in Amerika die technischen Rahmbedingungen für das Internet entwickelt. „War das Internet ursprünglich für den Austausch von Daten und die gemeinsame Nutzung von Rechnern gedacht, entwickelte es sich zunehmend zu einem einfacheren und schnelleren Kommunikationsmedium.“23 Allerdings war die zunächst komplizierte Bedienung des Internets, die Fachkenntnisse erforderte, eine Hürde für die Massennutzung. Erst im Laufe der Neunziger Jahre, mit der Erfindung des World Wide Web (www) und der Anwendersoftware, dem Browser, gelang der Durchbruch des Internets als Massenkommunikationsmedium.24

2.2. Geschichte der Medien in der Bundesrepublik Deutschland

„Die (...) deutsche Medienlandschaft ist geprägt von Gegensätzen und Umbrüchen. Aufgrund der spezifischen () Geschichte entwickelte sich ein in der Organisationsstruktur (...) fragmentiertes Mediensystem (..,).“25

2.2.1. Printmedien

Der Buchdruck, erfunden26 1445 in Deutschland von Johannes Gutenberg, war die Geburtsstunde der Massenkommunikation. Doch erst 1605 erschien die erste deutschsprachige Tageszeitung in Straßbourg.27 Zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert entwickelte sich der Markt nach privatwirtschaftlichem Muster.28 Während der nationalsozialistischen Regierung des Landes erfolgte eine redaktionelle Gleichschaltung der Verlage. Nach Beendigung des Krieges etablierten sich mit der Lizenzpresse, einer kurzen Phase in der die Presseerzeugnisse von den Siegermächten genehmigt werden mussten, die freien Printmedien wie wir sie heute kennen.29

In ihren Strukturmerkmalen ist die deutsche Printmedienlandschaft recht übersichtlich. Die Verlage sind private Wirtschaftsunternehmen. Dabei sind die Tageszeitungen stark lokal bis regional gebunden.30 Meist bestehen lokale Pressemonopole.31 Überregional gibt es so genannte Qualitätszeitungen mit Meinungsführerschaft32 Die Parteipresse per se ist schwach ausgeprägt. Politische Profile zeichnen sich in der deutschen Presselandschaft jedoch ab.

Aufgrund der oligopolistischen Struktur des Zeitungsmarktes und komplexeren Verflechtungen von Printmedienunternehmen mit Rundfunkanbietern reduziert sich die Meinungsvielfalt auf immer wenigere Blätter.33

2.2.2. Rundfunk

In den 1920ern setzte sich der Hörfunk in Deutschland durch.34 Nach Beendigung der nationalsozialistischen Herrschaft wurde das Modell des öffentlich rechtlichen Rundfunks, nach dem Vorbild des Senders BBC in Großbritannien, eingeführt.35 1954 schlossen sich die Landesrundfunkanstalten zur ARD, der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland, zusammen.36 Parallel dazu entwickelte sich in der DDR ein zentralistisch orientiertes Rundfunksystem nach sowjetischem Vorbild.37 Der Rundfunkstaatsvertrag verpflichtet den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gesellschaftliche Strukturen zu berücksichtigen.38

Das deutsche Mediensystem ist föderal organisiert,39 das heißt, die Zuständigkeit für Presse und Rundfunk liegt bei den Ländern.40

Als Leitmedium unter den Rundfunkmedien wurde 1954 das Radio vom Fernsehen abgelöst.41 Das Erste- und Zweite Fernsehen wurden durch die Dritten Programme ergänzt. 1984 kamen die privaten Sender hinzu, weswegen das bis dahin öffentlich-rechtliche Rundfunksystem, erweitert durch ein privatwirtschaftliches System, zur dualen Rundfunkordnung fand.42 Anders, als in den USA konnten sich Pay-TV Anbieter in Deutschland bislang, aufgrund der starken Konkurrenz durch die Programmangebote der öffentlich-rechtlichen Sender, kaum etablieren.43

2.2.3. Internet

„Zwar gab es Ende der 90er Jahre schon seit über 20 Jahren das Internet, dennoch war das Internet (...)“ bis dahin „eine eher akademische Angelegenheit, die (...) von Universitäten, Forschungsinstituten und in den USA auch von militärischen und behördlichen Einrichtungen genutzt wurde.“44 Abhängig von den US-amerikanischen Technologien erlebte das Internet in Deutschland erst ab etwa 1989 mit der Entwicklung des www seinen Siegeszug und avancierte schnell zum wichtigsten Medium im Land.45

3. Mediensysteme im Vergleich

Inwieweit das Mediensystem der USA und das Deutschlands Gemeinsamkeiten und Gegensätze aufweisen, zeigen die nachfolgenden Ausführungen.

3.1. Die Geographie

50 Bundesstaaten haben sich zu den Vereinigten Staaten Amerikas zusammengeschlossen. Auf dieser Fläche von fast 10.000.000 km2, womit die USA das drittgrößte Land der Erde sind, leben knapp 300.000.000 Menschen.46 Somit kommen auf einen km2 etwa 30 Bürger. Im Vergleich zu Deutschland, mit einer Fläche von 357.104 kirF, leben in den USA wenig Menschen auf einem km2 Land.47 Denn bei 82.200.000 Einwohnern kommen in der Bundesrepublik 230 Einwohner auf einen km2.48

Zudem unterteilen sich die USA in mehrere Zeitzonen. In den USA führte zum einen die Zeitverschiebung innerhalb eines Landes dazu, dass bis heute Zeitungen zeitversetzt gedruckt und verteilt werden und Fernsehen und Radio zeitversetzt senden.49 Und zum anderen ist, aufgrund der großen geographischen Distanzen, der Abonnentenanteil im Vergleich zu Deutschland verhältnismäßig höher.50

3.2. Sprache und Kultur

Die USA sind ein Melting-Pot unterschiedlicher Ethnien, Religionen, Kulturen und Sprachen. Die Unterschiede führen zu Konflikten51 oder aber die Menschen leben friedlich miteinander - und jedes Mal leisten die Medien ihren Beitrag.52

Auch in Deutschland sind im Zuge von Einwanderungswellen beispielsweise aus Süd- und Osteuropa, fremdsprachige Sender und Pressetitel entstanden.53

Doch die Satellitentechnik hat die TV Landschaft in beiden Ländern grundlegend verändert. Inzwischen kann in jedem beliebigen Land das Fernsehen eines beliebigen anderen Landes per Satellit empfangen werden. Eine ähnliche Form der Globalisierung hat sich im Internet vollzogen. So können etwa Onlineangebote nationaler und regionaler Zeitungen überall auf der Welt gelesen oder via Internetradio an jedem Ort beliebige nationale Radiosender via Livestream empfangen werden.54

3.3. Die Wirtschaftsverfassung

„Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung und Situation eines Staates prägt die Ökonomie der Medien -und damit auch das Mediensystem.“55

„Wirtschaftliche Faktoren sind eine treibende Kraft bei der Aufbereitung der Informationen“56, die die amerikanische Öffentlichkeit über die Medien bezieht. Mit 242 Milliarden Dollar Einkünften pro Jahr ist die US-amerikanische Medien- und Kommunikationsbranche mit der größte Wirtschaftszweig des Landes. Aufgrund des privatwirtschaftlich-kommerziell organisierten US-amerikanischen Mediensystems verfolgen die meisten Medienunternehmen primär monetäre Interessen.57 Die aktuelle prekäre Finanzsituation der USA wird sich entsprechend zeitversetzt negativ auf die Vielfalt, Zuverlässigkeit und vor allem Detailgenauigkeit der Medienberichterstattung auswirken.

Wie US-amerikanische Zeitungen sind auch deutsche Zeitungen von Werbeanzeigen abhängig. Große Automobilkonzerne beispielsweise sind wichtige Werbekunden der deutschen Tagespresse.58 Gehen deren Umsätze zurück, wird sich dies dauerhaft auf Umfang und Qualität der Zeitungen auswirken. Problematisch in Deutschland sind zudem die sich verschlechternden Löhne für (vor allem freie) Journalisten und die Verkleinerung oder Zusammenlegung von Redaktionen.59 Daran anknüpfend sieht sich eine sinkende Zahl Journalisten einer (bedingt durch die voranschreitende Globalisierung und die Ausbreitung des Internets) wachsenden Flut an Informationen gegenüber.

Gemeinsam ist folglich beiden Ländern, dass eine schlechte wirtschaftliche Verfassung eine ebenso schlechte Verfassung der Medienbranche nach sich zieht.

3.4. Das politische System

„Europäer gehen als Partei in den Wahlkampf, Kandidaten in den USA als Individuen. Europäer betonen Grundsätzliches. Amerikaner legen den Schwerpunkt auf praktische Themen ohne Bezug zur Programmpolitik.“60

Um sich vom absoluten Staat, wie man ihn aus Europa Ende des 18. Jahrhunderts kannte, abzugrenzen, entwickelten die USA ein von der multikulturellen Vielfalt seiner Bürger geprägtes Staatssystem. Festgelegt ist diese Form der Gewalten- und Machtaufteilung, „das System der checks and balances“61, in der US-amerikanischen Verfassung. Dabei ist die Entscheidungsfindung im politischen System der USA formal transparenter als in Deutschland und damit „besser medial darstell- und vermittelbar“.62 Unter anderem deswegen bilden die US-amerikanischen Medien die vierte Gewalt im Staat, die den

Präsidenten, „die Exekutive, den Kongress und selbst die Judikative, beobachtet und kontrolliert.“63

Bei politischen Entscheidungsprozessen, haben die Staatsoberhäupter beider Länder dagegen eine ähnliche Hürde zu nehmen: die der Mehrheitsfindung. Ein deutscher Kanzler muss seine Mehrheit vorparlamentarisch in der eigenen Partei und beim Koalitionspartner, sofern es ihn gibt, sichern. Der US-amerikanische Präsident hingegen ist auf eine Mehrheit in der legislativen Phase angewiesen.64 Statt parlamentarischer Verhandlungen muss der Präsident mittels einer erfolgreichen Medienstrategie überzeugen.65 Tendenzen hierzu finden sich aber mittlerweile auch im Politiksystem Deutschlands.66

3.5. Das Medienrecht

3.5.1. USA

Bereits 1791, im ersten Verfassungszusatz zur „Bill of Rights“, wurde die Pressefreiheit verankert. Hierzu steht im ersten Zusatzartikel (First Amendment): „Der Kongress darf kein Gesetzt erlassen, das...die Rede- und Pressefreiheit (...) einschränkt“.67 Damit sichert das Gesetz zwar die Pressefreiheit und den ungehinderten Informationszugang der Bevölkerung. Allerdings kommt dies keiner gesetzlichen- beziehungsweise verfassungsrechtlichen Verankerung der „Gewährleistung der Medienvielfalt beziehungsweise Pluralität der Medienlandschaft“ gleich.68 Seitdem haben sich kaum weiterführende Regelungen entwickelt. So fehlt etwa ein „Informationsrechtsanspruch“69 der Bevölkerung. Stattdessen beruft sich das US-amerikanische Medienrecht weitestgehend auf allgemeine Rechtsquellen.70 Andererseits unterliegt das Mediensystem damit auch keinen Rechtspflichten oder einer staatlichen Überwachung.71 Das Selbstverständnis der US- amerikanischen Medien basiert vielmehr auf der so genannten „watch dog function“.72 Gleichzeitig verfolgen die Medien den Grundsatz „common good prevails over private interest“, womit auch das Privatleben etwa von Politikern nicht vor Aufdeckung und Kontrolle durch die Medien sicher ist.73 Vor allem deswegen haben die US-amerikanischen Medien einen enormen Einfluss auf das politische Geschehen.

[...]


1 Infofact AG (2011).

2 Niederberger (2010).

3 Refinanziert über Werbeeinnahmen und damit abhängig von wirtschaftlichem Erfolg.

4 Lüdecke (2011).

5 Infofact AG (2011).

6 Meyer (2002): „Die Parteiendemokratie (...) wird zur Mediendemokratie. Die Regeln der medialen Politikdarstellung - unterhaltsam, dramatisierend, personalisiert und mit Drang zum Bild, allesamt der Darstellungskunst des Theaters entlehnt - greifen (...) mit beträchtlichen Folgen auf das politische Geschehen selbst über.“ Dieser Wandel wird auch mit Politainment umschrieben.

7 frei nach Wagner (2005), S. 150.

8 Wentzel (2000), S. 303.

9 Kleinsteuber (2000), S. 845.

10 Wagner (2005), S. 151.

11 Kleinsteuber (1993), S. 273.

12 Kleinsteuber (1993), S. 273.

13 Wagner (2005), S. 152.

14 Wagner (2005), S. 152.

15 Wagner (2005), S. 152.

16 Wentzel, S. 194.

17 Wagner (2005), S. 153; Aufgrund der hohen Kosten für die vielen kleinen Sender formten sich so genannte Networks, wie NBC, CBS und ABC, die für die Sender zentral produzieren und Inhalte lediglich weiterleiten.

18 Wagner (2005), S. 153.

19 Wagner (2005), S. 153.

20 Kleinsteuber (1993), S. 280.

21 Kleinsteuber (1993), S. 280.

22 vgl. Karmasin, (2000), S. 25; hierzu Wagner (2005), S. 154: Es gibt knapp 1600 Fernsehsender. Davon bieten lediglich 360 nichtkommerzielle Programme an; weiterführend hierzu Kleinsteuber (1993), S. 279 : Eine, für die USA, aufgrund ihrer flächenmäßig weiten Ausdehnung, wichtige Weiterentwicklung des TVs, war die MAZ- Technologie. Die MAZ (magnetische Bild- und Tonaufzeichnung) -Technologie ermöglichte eine zeitversetzte Ausstrahlung an Ost- und Westküste. Aufgrund der großen Distanzen entwickelte sich zudem in den 1970er Jahren die Kabeltechnik als Alternative zum terrestrischen Rundfunk.

23 Krafft (2006), S.157.

24 vgl. Krafft (2006), S.159f.

25 Wagner (2005), S. 160.

26 Anmerkung der Verfasserin: In Asien entwickelte sich eine ähnliche Technik bereits vor Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks. Jedoch setzte sich die von Gutenberg eingeführte Technologie weltweit durch. Die fernöstliche „Buchdruck“-Tradition endete im 19. Jahrhundert mit der Übernahme westlicher Druckerpressen.

27 Weber (2005).

28 Wagner (2005), S. 161.

29 Wagner (2005), S. 161; vgl. hierzu Kleinsteuber (1999), S. 193: „Wer genau hinschauttrifft (...) auf amerikanische Vorbilder: Der Spiegel trägt (...) die Titel-Optik“ des Time Magazines und „im Stern lebt das Konzept des (...) Life Magazines weiter (...).“

30 Wagner (2005), S. 161.

31 Wagner (2005), S. 161.

32 Wagner (2005), S. 162.

33 Wagner (2005), S. 162.

34 vgl. Wentzel (2002), S. 136; Zusammen mit dem TV bildete er neben der Zeitung das wichtigste Medium zur Übermittlung von Propaganda während des Zweiten Weltkrieges.

35 Es basiert auf den von den Alliierten in den 1940er und -50er Jahren gegründeten Landesrundfunkanstalten, deren Nachfolgern, den Sendern der neuen Bundesländer, dem ZDF, der DW und dem Deutschlandradio; hierzu auch: Kaase (2000), S. 377; Wagner (2005), S. 162.

36 Wagner (2005), S. 163.

37 Anders, als in der BRD wurde der Rundfunk durch die Staatspolizei überwacht und konnte sich nicht frei entwickeln; hierzu: Altendorfer, (2001), S. 331.

38 vgl. Rundfunkstaatsvertrag vom 01.01.2001, §25 I; hierzu Möller (2011), S. 275: Sein wichtigstes Gremium, der Rundfunk- und Fernsehrat, der sich aus Vertretern gesellschaftlich relevanter Gruppen (wie Kirchen, politischen Parteien, Arbeitgeber- oder etwa Wohlfahrtsverbänden) zusammensetzt muss die Einhaltung dieser Verpflichtung gewährleisten.

39 Jarren (1998), 79.

40 Jarren (1998), 79.

41 vgl. Wagner (2005), S. 163: Schon Ende 1952 wurde ein Fernsehprogramm ausgestrahlt, allerdings wurde das Programm nur in einigen Regionen und an bestimmten Abenden ausgestrahlt und beschränkte sich zudem auf nur wenige Stunden Sendezeit.

42 Wagner (2005), S. 163.

43 Witt (k.A.), S. 6.

44 Berners-Lee (1989).

45 Quarks & Co (2009).

46 Fischer (2001).

47 Auswärtiges Amt (2001).

48 Auswärtiges Amt (2001 ).

49 Stipp (2009), S. 230.

50 hierzu auch Pasquay (2010b).

51 vgl. Wagner (2005), S. 182: So etwa die Rassenunruhen in den 60ern und 70ern, der Vietnamkrieg oder etwa politische Skandale, wie die Watergate-Affäre.

52 hierzu Filzmaier (1997), S. 205 & Wagner (2005), S. 184: So etwa entwickelte sich in den 60er Jahren der so genannte Televangelismus (religiöse Fernsehsendungen), der religiöse Interessensgruppen stärkte, welche wiederum Parteien infiltrierten, und der schließlich zu einer kulturellen Spaltung der Gesellschaft beitrug. Andererseits gibt es aber auch TV-Sender, die ihr Programm beispielsweise auf Spanisch senden.

53 so etwa Pasquay (2010a): Circa „125 fremdsprachige Titel werden täglich angeboten. Besonders groß ist der Markt für türkische Tageszeitungen - allein "Hürriyet" hat eine in Deutschland vertriebene Auflage von rund 36.000 Exemplaren (...)“ - und „englischsprachige Titel aus den USA und dem Vereinigten Königreich.“

54 Auf die Frage, inwieweit sich diese Medienentwicklung zu Gunsten der Entstehung von Parallelgesellschaften auswirken kann, geht die Autorin an dieser Stelle aus Platzmangel nicht näher ein.

55 Kleinsteuber (2004), S. 399.

56 US-Embassy (2010).

57 US-Embassy (2010).

58 Auf Ausführungen, inwiefern diese Abhängigkeit Einfluss auf eine automobilbranchenkritische Berichterstattung hat, geht die Verfasserin aus Platzmangel nicht näherein.

59 Hänke (2001).

60 Morris, S. 51.

61 Lösche (2008).

62 Wagner (2005), S. 146.

63 Lösche (2008).

64 Wagner (2005), S. 146.

65 Wagner (2005), S. 146.

66 vgl. Wippermann (2001): Strategiebeispiele sind etwa „Telepolitik“ und der „Chefsache-Mythos“.

67 Kleinsteuber (1993), S. 272; vgl. Kleinsteuber (1993), S. 273: 1969 untermauerte das Supreme Court die Medienverfassung mit den Worten: „It is the purpose of the First Amendment to preserve an uninhibited marketplace of ideas in which truth will ultimately prevail, rather than to countenance monopolization of the market.“

68 Wagner (2005), S. 155.

69 Wagner (2005), S. 155.

70 Wentzel (2002), S. 189.

71 Wagner (2005), S. 156.

72 Graber, (1997), S. 272; hierzu Norris (2000), S. 28: Damit ist die Aufgabe gemeint „(...) Rechte und Freiheiten der Bürger vor Übergriffen des Staates zu verteidigen (...)“.

73 Gerlach (2001), S. S. 3.

Details

Seiten
33
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656135265
ISBN (Buch)
9783656138280
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v189195
Institution / Hochschule
Macromedia Fachhochschule der Medien Stuttgart – Lehrstuhl für PR und Kommunikationsmanagement
Note
1
Schlagworte
Mediensystem Investigativjournalismus Tagespresse medienwirtschaftliches Phänomen Medienwirtschaft internationale Medienwirtschaft Printmedium Printprodukt Onlinmedium Internet virtuelles Medium virtuelle Medien Tagespresselandschaft Presselandschaft

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