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Der Nationalsozialismus und die antijüdische Propaganda im Film: Das Beispiel des Filmes „Jud Süß“

Hausarbeit 2010 20 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Eine historische Begebenheit: Der Fall des Joseph Süß Oppenheimer

3. Jud Süß und der Nationalsozialismus
3.1. Der Film „Jud Süß“: Inszenierung
3.2. „Jud Süß“: Umgang, Rezeption und Forschung

4. Schlussbemerkungen

5. Literatur und Quellen

1. Einleitung

Volksverhetzung - bzw. Volksgemeinschaft, Hass und Rassenlehre. Die Anführung dieser Worte bildet einen deutlichen Widerhall, welcher sich bis in die heutige Zeit im Gedankengut der Menschen niedergelassen und eingeprägt hat. Im Laufe der Geschichte treten diese Aussagen immer wieder in den Fordergrund, doch in keinem Zeitraum bzw. in keiner „Lehre“ filtern sich diese auf eine solche intensive Art und Weise heraus, wie in den ideologischen und propagandistischen Ansätzen des Dritten Reiches bzw. des Nationalsozialistischen Regimes unter Adolf Hitler. Neben tendenziellen Ideen, wie Beispielsweise dem bereits angedeuteten Nationalismus, Militarismus, in diesen eingebundenes Heldentum oder auch der Führerkult, heben sich jedoch, die zuvor benannten Aspekte stetig, unter äußerst zentraler Sichtweise hervor. Besonders die stark politisch werbenden Mittel wurden für jene gänzlich ausgeschöpft, um das Volk des nationalsozialistischen Staates nach ideologischem Willen zu lenken und zu beeinflussen.

Zu einem solchen Zweck setzte der Staat die verschiedensten Medien ein, wie anhand von Schriften, Bildern oder auch dem Rundfunk erkennbar gemacht werden kann. Hervorzuheben ist unter diesem Gesichtspunkt jedoch vor allem die nationalsozialistische Filmpolitik, welche mit den wesentlichsten Bestandteil in der massenhaften Verbreitung der Ideologie bildete. Kaum ein Medium wurde so intensiv eingesetzt wie dieses, wobei Beispielsweise vereinzelte Bereiche, wie Lehr- oder auch Dokumentarfilme, genutzt wurden. Die hohe Rolle, die diesen zugeordnet werden kann, lässt sich besonders an der schnellen und radikalen Veränderung des Filmwesens nach Machtantritt Adolf Hitlers 1933 erkennen. Innerhalb kürzester Zeit unterstand dies dem Wesen der Gleichschaltung, durch die Gründung des Ministeriums für „Volksaufklärung und Propaganda“, geleitet unter Joseph Goebbels[1], einem der damalig stärksten führenden Männer an der Seite des Reichskanzlers, Adolf Hitler. Hauptinhaltspunkt bzw. Merkmal dieser Vereinnahmung bildete sich in der NS- Ideologie durch die sogenannte Revolution des Geistes[2] bzw. die totale Massenbeeinflussung. Erst mit der Gleichschaltung konnte somit die „neue deutsche Weltanschauung… die beherrschende Stellung über allem anderen einnehmen“[3]. So sollte der Film, Ideen, dabei nicht nur an intellektuelle Personen vermitteln, sondern auch auf ein breites Publikum propagandistisch nachhaltig und eindringlich wirken. Verbreitet wurden dabei zum einem Kriegsansichten und – Mythen, Beispielsweise rankend um den Versailler Vertrag, von 1919, der sich zu einem anfänglich, häufig aufgegriffen Hass- Objekt herausbildete[4]. Zum anderem unter dieser Betrachtungsweise jedoch des Weiteren auch Lügen- und Durchhalteparolen, wie zum Beispiel in der Darstellung und Vermittlung angeblicher „Filmdokumente“, welche getötete Landsleute zeigten, mit denen sich sowohl eine Identifikation des Volkes, als auch die Anfachung dessen Wut auf andere Menschengruppen vollzogen werden sollte. Hierbei war vor allem die Vermittlung der arischen Kultur und deren Tugenden von Beispielsweise Sauberkeit, Disziplin, Tapferkeit, Opfermut, Treue usw. unter diesem Zusammenhang von vordergründiger Wichtigkeit. Sie kennzeichnete sich stetig durch die geforderte Hervorhebung der rassischen Überlegenheit gegenüber Artfremden Menschen[5], zu welchen nach ideologischer Vorstellung vordergründig das Judentum gezählt wurde. Die Übermittlung dieser Anschauungen und eine noch stärkere Entwicklung in ihrer Instrumentalisierung für den Film kennzeichneten sich in dem Zusammenschluss der Wochenschauen, Ufa, Tobis, Deulig und Fox im Jahr 1940, sodass eine deutlich verstärkte Propaganda durch die hierin eingeführte „Deutsche Wochenschau“ ermöglicht werden konnte[6]. Eine bereite Volksverführung und psychologische Beeinflussung sah Goebbels jedoch nicht nur in diesem Bereich des filmischen Mediums, sondern diese sollte in einem gänzlich größer angelegten Wesen erfolgen, dem Kino. Für ihn, der sich selbst als leidenschaftlichen Liebhaber der filmischen Kunst sah, konnte diese es ermöglichen auch indirekt, über Spielfilme, die Ideen der Ideologie fortzusetzen. Eine Zensur über jene schien in diesem Zusammenhang selbstverständlich und unerlässlich, ebenso wie die dauerhafte Kontrolle des Filmwesens und ebenfalls dessen Schauspieler, welches sich an dem „Gesetz über die Errichtung einer vorläufigen Filmkammer“ aufzeigen lässt. Hierin spiegelte sich besonders eine erneute Diffamierung des Judentums wieder, da dieses Gesetz die Kündigung aller jüdischen Schauspieler und Mitarbeiter, in der filmischen Tätigkeit, beinhaltete. Das Ziel dem Film ein arisches, deutsches Gesicht zu geben verstärkte sich immer deutlicher. Einen gänzlichen Höhepunkt errichte jenes in der vollkommenen Verstaatlichung der Filmindustrie im Jahr 1942, gekennzeichnet durch die Gründung der „Ufa- Film- GmbH“, welche Beispielsweise Elemente, wie Reichsfilmkammer beinhaltete.

Wie bereits zuvor angedeutet war es jedoch vor allen Dingen die Rassenideologe, die sich immer wieder vordergründig hervorhob und behauptete. Besonders im Bezug auf Filmvorstellungen bildete diese für Goebbels das wesentlichste aller Elemente, denn hierin konnten Haltungen manipuliert oder auch radikalisiert werden. Beachtet werden muss allerdings, nicht jeder Spielfilm, der in NS- Zeiten angefertigt wurde, unterstand einem solchen Aspekt. Des Weiteren ist wichtig dass diese einem stetigen Wandel unterlagen, d.h. Inhalte richteten sich häufig an bzw. auf die jeweilige soziale und politische Situation, welche zugleich immer wieder vordergründig gegen das Judentum gerichtet war.

Zu den vereinzelten, die dem propagandistischen Zweck zählten, können zum Beispiel Filme, wie „Hitlerjunge Quex“, aus dem Jahr 1933, welcher sich speziell auf die Hitlerjugend selbst und den zu fordernden Opfergeist der deutschen Jugend richtet oder „Die Grosse Liebe“, aus dem Jahr 1942, welcher indirekt zur Kriegsertüchtigung und dem Streben nach Macht bzw. Sieg aufruft, genannt werden. Zentral kennzeichnend für den Hass und die Schändung des Judentums ist vor allem das Jahr 1940, in welchem sich drei Filme herauskristallisierten : „Die Rothschilds“, „ Jud Süß“ und „ Der Ewige Jude“. Jedoch in keinem dieser wird die jüdische Diffamierung auf eine solche intensive Art und Weise offen gelegt, wie in „Jud Süß“.

Aufgrund dessen soll im Folgenden die Bedeutung dieses Filmes genauer ausgearbeitet werden. Vordergründig analysiert wird dabei die deutlich enthaltene antijüdische Propaganda, sodass auch dessen Entstehung, der Film selbst und die Nachwirkungen durch diesen beinhaltet sein werden.

2. Eine historische Begebenheit: Der Fall des Joseph Süß Oppenheimer

Wird vom nationalsozialistischen, antijüdischen Film „Jud Süß“ gesprochen bzw. ausgegangen, so ist wichtig zu beachten, dass dieser nicht einzig der Phantasie oder der Feder von Autoren entsprang, sondern vor allen Dingen einen historischen Ursprung besitzt, in der die Person des Jud Süß selbst eine wichtige epochale Persönlichkeit war. Die gleichnamige Hauptfigur jenes Filmes, bekannt als Joseph Süß Oppenheimer, lebte im 17. bis 18. Jahrhundert in Deutschland. Bekannt ist dies besonders durch eine ausgeprägte Quellenlage bezüglich seiner Person. Zu beachten ist unter einer solchen jedoch, dass diese überwiegend aus klar erkennbaren, negativen Inhalten bestehend ist. Sie ergeben sich besonders aus der persönlichen, gesellschaftlichen Entwicklung Oppenheimers.

Süß entstammte einer angesehenen jüdischen Familie von Finanzmännern und Rabbinern. Auch er betrieb später Geschäfte, bestehen aus Wechsel- und Warenhandel. Unter diesen Zusammenhang pflegte er unterschiedlichste Kontakte, zu denen im Lauf der Zeit auch eine Bekanntschaft zu Prinz Carl Alexander von Württemberg gezählt werden konnte. Zentral ist vor allem deren wechselseitiger „Handel“. Nach Quellenauskunft ist bekannt, dass Oppenheimer dem Prinzen, in einer langen Phase, immer wieder Geldsummen verlieh oder diesem auch selbige beschaffte. Das Verhältnis der beiden Personen bestärkte sich später intensiver, als Carl Alexander, im Jahr 1733, zum Herzog von Württemberg ernannt wurde. Süß, der selbst schon hoch aufgestiegen war, wie zum Beispiel durch seine Tätigkeit als fürstlicher Ratgeber erkennbar gemacht werden kann, wurde vom Herzog als persönlicher Berater und Diplomat an den Hof beauftragt[7]. Auch besaß er ein sogenanntes Agentenpatent für dessen Frau, die Prinzessin Maria Augusta von Thurn und Taxis[8].

Von Beginn seiner Herrschaft an stand Carl Alexander vor einer sehr angespannten, gesellschaftlichen Situation. Diese ergab sich vordergründig aus konfessionellen Gründen. Der Herzog war bereits vor einiger Zeit zum Katholizismus übergetreten und herrschte nun in Württemberg jedoch in einer streng lutherischen Orthodoxie, eine Begebenheit mit der sich der Herzog in der damaligen Zeit nur schwerlich einigen konnte. Hinzu kam dessen ablehnende Haltung gegenüber dem mit beherrschenden Landständen, von denen er deutlich abhängig war. Dies kann besonders an deren Entscheidungsbefugnis oder ihren finanziellen Bestimmungen, gegenüber dem Herzog, deutlich gemacht werden. Dennoch verfügten diese nur über einen geringen Zugriff auf die Hof- und Staatsfinanzen, welchen er sich eindeutig zu Nutzen machte. Er lebte in einem überschwänglichen Stil, eignete sich dabei ein Ballett oder auch eine eigene Leibgarde an, die ihm wiederum mit Hilfe Oppenheimers finanziert werden konnten. Besonders um sich ein solches Leben dauerhaft zu garantieren, beanspruchte er das wirtschaftliche Wissen Oppenheimers gänzlich für sich und benannte ihn zum Finanzienrat. Dieser beriet nun den Herzog und leistete ihm Hilfe in allen seinen Beschlüssen, zu welchen auch dessen Hauptziel der Einführung einer merkantilistischen Wirtschaftsführung gezählt wurde[9]. Deutlich machte sich jenes Ziel vor allem an der durch Süß eingeführten indirekten Steuerpolitik. Sie hatte allerdings deutliche Belastungen für die Bevölkerung zur Folge. Die persönliche, Finanzen anhäufende Politik des Herzogs fand von Seiten der Stände eine klar erkennbare Ablehnung, da sie jene als Angriff auf die Verfassung sahen, auf welche der Herzog selbst noch vereidigt wurden war.

In wesentlicher Hinsicht richteten sich die Vorwürfe jedoch weniger gegen Carl Alexander, als vielmehr gegen Süß Oppenheimer. Die Beweggründe hierfür ergaben sich vordergründig aus dessen jüdischer Herkunft, sodass der, schon seit Jahrhunderten, bestehende Judenhass erneut stärker angefacht und ausgelebt werden konnte. Sowohl die Lage für den Herzog, als auch für Süß, befand sich somit in einem immer zunehmenderen, angespannten Zustand. Der Hauptgrund der Vorwürfe gegen Oppenheimer richtete sich auf seine angebliche, persönliche Bereicherung mit der neuen Monopol- und Geldpolitik. Diese ergab sich ebenfalls aus dessen weiterer Tätigkeit als Kaufmann, in welcher er Beispielsweise, auch zu Gunsten, des Herzogs alle Konkurrenten, im Geschäft der Heereslieferung, ausschaltete. Die Sicht auf seine Person als skrupelloser und radikaler Mensch näherte sich ihm immer intensiver an. Auch in der ihm zugeordneten Aufgabe als Münzpächter widersprach er, in Haltung der Landstände, den Grundsätzen des alten Reichsgesetzes[10]. Deutlich verschärften sich hinter dem Rücken Oppenheimers Machenschaften, von denen er selbst keinerlei Wissen besaß. Sie kennzeichneten sich in dem Ziel des Herzogs, ohne Beteiligung von Süß den Absolutismus in seinem Reich durchzusetzen und jenes auch zum Katholizismus zurück zu führen[11]. Obwohl Carl Alexander noch in dieser planenden Phase verstarb, war es Oppenheimer an dem sich der gesamte Hass der Bevölkerung entlud und dem ein verschwörerisches Wesen vorgeworfen wurde. Obwohl dieser nicht auf die Verfassung vereidigt war, stellte man ihn unter Hausarrest und klagte ihn darauf folgend an. Dabei warf man ihm zum Beispiel Hochverrat, Majestätsbeleidigung, Beraubung staatlicher Kassen und Bestechung vor. Er wurde im Jahr 1738 in einem großen Schauprozess, durch den Galgen, hingerichtet[12].

Betrachtet man diese geschichtliche, persönliche Entwicklung des Joseph Süß Oppenheimer und auch die gesellschaftlichen Zustände, in welche er sich begab, so war es weniger seine Tätigkeit für den Herzog, welche ihm zum Verhängnis wurde, sondern deutlich dessen jüdischer Glaube. Somit ist es auch im Bestand der Quellen über ihn äußerst kompliziert ein einheitliches, nicht kritisches Bild seiner Person zu schaffen. Hauptsächlich überliefert sind Hetzschriften und Pamphlete, ohne kaum klar erkennbaren, korrekten Sachgehalt. Überwiegend unterstehen diese einem propagandistischen Charakter, der stetig auf bestimmte Bilder, Ideen, Aussagen und Begriffen über seine Person beruht. Unter diesem Zusammenhang beziehen sich die meisten von ihnen auf eine hofkritische Literatur, bezüglich der Tätigkeit Oppenheimers, sodass sich wiederum die Übertragung der Wut gegenüber des Herzogs auf Süß erkennen lässt. An ihm wird die allgemeine Entrüstung auf Hof und Herzogtum entlastet, da eine öffentliche Kritik, in dieser zeitlichen Phase, durch ein deutlich strenges Strafregister, nicht möglich war[13]. Weitere Hauptaussagen über ihn beziehen sich auch auf seinen angeblichen aussaugenden Charakter eines Vampirs, der Württemberg seiner Energie berauben wollte, sowohl im Bereich der Macht, als auch in Fruchtbarkeit und Geldern. Aufgrund dessen wurde er für die Menschen zum Betrüger an Fürst und Land, der sich in eine hohe Stellung eingeschlichen hat. Die mittelalterliche antijüdische Stereotype, die ihm hiermit aufgezwungen wurde, ließ ihn einzig als gewalttätig, bösartig und geldgierig erscheinen, auch als Vergewaltiger wurde er unter derartigen Gesichtspunkten bekannt[14].

Erneut lässt sich durch diese vorgegebenen Ansätze der Betrachtung betonen, das über die reale Person des Joseph Süß Oppenheimer, bis auf ein paar wenige, wesentliche Eckdaten, kaum Möglichkeiten gegeben sind fundierte Aussagen über ihn zu treffen. Eine biografische Darstellung über ihn, von Selma Stern[15], aus dem Jahr 1929, bekannt unter „ Jud Süß. Ein Beitrag zur deutschen und jüdischen Geschichte,“ gibt in guten Zügen die eigentliche Realität seiner damaligen Situation wieder. Sie zeigt Oppenheimer unter den gesellschaftlichen und höfischen Zuständen. Unter diesen wird verdeutlicht, wie er unter Gunsten des Herzogs vom Händler zum Wirtschaftspolitiker, von der Staatswirtschaft zum umgestaltenden Element, der politischen Struktur des Staates, aufstieg. Dabei nimmt sie vor allen Dingen Bezug auf den Weg eines Juden in einer antijüdischen Gesellschaft und dessen beschwerlicher Versuch in jener Bestand zu haben[16], in einer Zeit, welche sich durch eine starre Sozialordnung, Konfessionsgrenzen und eine ständische Lebensweise offen legte. Ausgegangen werden kann davon, auch wie von Selma Stern angedeutet, dass seine Person als nützliches Instrument des Judenhasses gesehen wurde. Dies macht sich besonders an den Veröffentlichungen, nach seiner Hinrichtung, erkenntlich. Seine Figur des Hofjuden als Sündenbock[17] wurde über mehrere Jahrhunderte nachhaltig immer wieder als Muster und „Vorbild“ gesehen und vor allem auch verschiedenartig umgesetzt bzw. genutzt, bekannt einzig noch unter dem Namen Jud Süß.

3. Jud Süß und der Nationalsozialismus

Wie bereits zuvor benannt animierten die Quellen und geschichtlichen Ereignisse um bzw. mit der Person des Joseph Süß Oppenheimer, nach dessen Tod, immer wieder zu einer starken Rezeption. Unter diesem Gesichtspunkt wurden Informationen, unter den verschiedensten Blickwinkeln, heraus bearbeitet. Da Berichte bezüglich Oppenheimers erst über ein Jahrhundert später eingesehen werden konnten, müssen vor allem die bestehenden Situationen jener bzw. seiner Zeit beachtet werden. Auf der einen Seiten sahen und sehen viele Historiker, trotz der Schwierigkeiten im Umgang seiner Wirkungsgeschichte, ihn als ein Opfer an der Justiz, welches zu Unrecht verklagt bzw. ermordet wurde[18]. Aussagen, der zuvor angeführten Selma Stern, haben diese Haltung bereits bekräftigt. Auf der anderen Seite filterte sich stetig der Hass auf ihn, aufgrund seines jüdischen Glaubens, heraus.

Zentral zeigt sich dabei die Rolle Oppenheimers in Verarbeitung in der Literatur. Kennzeichnend werden diesbezüglich besonders die gleichnamigen Romane Wilhelm Hauffs und Lion Feuchtwangers, bekannt unter „Jud Süß“. Ein Höhepunkt der Umsetzung zeigt sich besonders in der Süß Figur durch Feuchtwanger, aus dem Jahr 1925. Er kennzeichnet ausführlich dessen Auf- und Abstieg, unter Hinblick seiner historischen Situation. In diesem Zusammenhang problematisiert er besonders den auf Süß gerichteten Antisemitismus. Auf diese Art und Weise war es Feuchtwangers Ziel diese Konflikte auf das zwanzigste Jahrhundert zu übertragen bzw. diese mit der Geschichte Oppenheimers zu verdeutlichen. Aufgrund einer solchen Umsetzung werden im Roman deutlich die antisemitische Stimmung und die darin eingreifende Propaganda beschrieben. Hierbei blieb der Autor jedoch von einem moralischen Standpunkt fern, sondern setzte sich einzig mit der ungleichen Behandlung zweier Kulturen auseinander[19].

Mit seinem Haupausgangspunkt die zeitgenössischen Probleme Süß Oppenheimers zu spiegeln, um so zum Beispiel auch die nationale Überheblichkeit des deutschen Antisemitismus aufzuzeigen, erreichte Feuchtwanger jedoch hauptsächlich entgegen gesetzte Reaktionen. Somit wurde die eigentliche Aussage des Romans als gänzlich umgekehrt verstanden und mit als Unterstützung in der antisemitischen Hetze gesehen[20].

Erstmalig begann die Filmindustrie diese Vorlagen, über die Figur des Jud Süß, für sich zu verwenden, so zeigte sich bereits in den 1930er Jahren eine erste Verfilmung, bezüglich dieses Stoffes, wie anhand des englischen Filmes „Jew Suss“ kenntlich gemacht werden kann. Diese Umsetzung rückte sich in den Vordergrund der Nationalsozialistischen Auffassung, besonders da sie einen angeblichen, zu geringfügigen antisemitischen Standpunkt besaßen. Goebbels selbst hatte seit langem das Ziel einen Film zu schaffen, der die „Gefahren des Weltjudentums schonungslos aufdeckt“[21]. Für ihn konnte dieses besonders durch den Stoff des Jud Süß erreicht werden. Anders als in den vorherigen Gestaltungen war es somit der Antisemitismus, der sich hervorheben sollte, um die propagierte Andersartigkeit des Judentums aufzudecken, vielmehr noch einen Film zu verwirklichen, der die ideologische Rassenlehre gänzlich auslebte und deren Bezug auf Juden in allen ihren propagierten Facetten bestärkte. Aufgrund dessen wurde der Film dem Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda in Auftrag gegeben. Goebbels sah diesen als sein persönliches Meisterwerk, welches er nach dem Willen Adolf Hitlers und nach seinen eigenen Ideen gestalten konnte. Dies musste vor allen Dingen jedoch auch geschehen, da ein großer Druck auf ihm lastete, welcher sich aus Hitlers Kritik, an der geringen politischen Beteiligung der Filmschaffenden, ergab. Deutlich verstärkt sich noch einmal, „Jud Süß“, war nicht einfach nur ein Film, sondern ein Projekt, das einem umfassendem Zweck diente. Dieser untermalte sich nicht nur in einer antisemitischen Vermittlung, sondern besonders in einer Ziel gerichteten Manipulation der Zuschauer bzw. des Volkes, d.h. auch ein unpolitisches Publikum, welches den Film nur als Element der Unterhaltung auffasste, konnte bzw. musste verführt und langsam, aber stetig für den Judenhass gewonnen werden. Hierin bestärken sich Ideologie und Propaganda, welche sich anhand des Filmes, durch eine geistige Umstrukturierung des Publikums und der Wandel in nationalsozialistische Identifikationsfiguren, verwirklichen sollte. Goebbels hoffe diese Ziele mit dem Regisseur, Schauspieler und Drehbuchautor Veit Harlan ermöglichen zu können, sodass diesem die Leitung übergeben wurde. Dessen Handlungsfähigkeit war jedoch deutlich eingeschränkt, da der Propagandaminister die gesamte Entstehung genauestens überwachte und ebenso die Schauspieler für den Film bestimmte[22]. Ausgewählt wurden so zum Beispiel hauptsächlich filmische Größen der damaligen Zeit, wie Kristina Söderbaum[23], Werner Krauss[24] und besonders Ferdinand Marian[25], dieser sollte die Hauptfigur des Jud Süß übernehmen. Die Darstellung seiner Rolle musste nach ideologischem Sinn aufzeigen, dass alles Schlechte aus einer Wurzel kam[26].

[...]


[1] Joseph Goebbels ; 29.10. 1897 bis 1. 05. 1945 ( Suizid). Politiker und Führer in Kultur bzw. Propaganda des Nationalsozialismus.

In: Fest, C. Joachim: Das Gesicht des Dritten Reiches. Profile einer totalitären Herrschaft. Joseph Goebbels oder „Canaille Mensch“.11. Auflage, München/Zürich 1993.

[2] Hoffmann, Hilmar: "Und die Fahne führt uns in die Ewigkeit" : Propaganda im NS-Film . Frankfurt a.M.,1988.. Seite 93.

[3] Ebenda.

[4] Ebenda, Seite 94.

[5] Ebenda.

[6] Ebenda, Seite 95.

[7] Heiden, Anne von der: Der Jude als Medium : " Jud Süß ". Zürich, 2005. 19-32.

[8] Przyrembel, Alexandra ; Schönert, Jörg : " Jud Süß " : Hofjude, literarische Figur, antisemitisches Zerrbild. Frankfurt am Main, 2006. Seite 29.

[9] Ebenda, Seite 38.

[10] Der Jude als Medium. Jud Süß. Seite 19-23.

[11] „Jud Süß“: Hofjude, literarische Figur, antisemitisches Zerrbild. Seite 40.

[12] Der Jude als Medium. Jud Süß. Seite 19-23.

[13] Ebenda, Seite 43.

[14] Ebenda, Seite 42.

[15] Selma Stern; 24. 06. 1890 bis 17.08.1981, war deutsche Historikerin und mit Wegbegründerin in der Behandlung einer deutsch- jüdischen Geschichtsschreibung.

[16] Ebenda, Seite 19-21.

[17] Ebenda, Seite 22.

[18] Der Jude als Medium. Jud Süß. Seite 52.

[19] Ebenda, Seite 153.

[20] Ebenda, Seite 154-55.

[21] „Jud Süß“: Hofjude, literarische Figur, antisemitisches Zerrbild. Seite 222.

[22] Noack , Frank: Veit Harlan: "Des Teufels Regisseur". München, 2000. Seite 178- 179.

[23] Kristina Söderbaum;5. 09. 1912 bis 12. 02. 2001, war eine der großen, deutschen Schauspielerinnen in der Zeit des Nationalsozialismus, besonders auch in NS-Propagandafilmen , unter Regie ihres Mannes Veit Harlan.

[24] Werner Johannes Krauß; 23. 06.1884 bis 20. 10. 1959 ,war deutscher Schauspieler und etablierte sich als wichtiger Kultur-Repräsentant des NS-Regimes.

[25] Ferdinand Marian (eigentlich: Ferdinand Haschkowetz); 14. 08. 1902 bis 9.08.1946, war österreichischer Schauspieler, mit den größten Erfolgen im Nationalsozialismus.

[26] Ebenda, Seite 189.

Details

Seiten
20
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656133513
ISBN (Buch)
9783656133575
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v189228
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,7
Schlagworte
nationalsozialismus propaganda film beispiel filmes

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Titel: Der Nationalsozialismus und die antijüdische Propaganda im Film: Das Beispiel des Filmes „Jud Süß“