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Qualitätszirkel. Arbeitsorganisation und Teamarbeit in Unternehmen. Planung und Gestaltung

Seminararbeit 2003 17 Seiten

BWL - Personal und Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1.Begriffsdefinition und Ursprung des Qualitätszirkel
1.1 Ausgangssituation
1.2. Definition Qualitätszirkel
1.3. Die Entstehung und der Ursprung von Qualitätszirkeln

2.Theorie und Ziele des Qualitätszirkel – Konzeptes
2.1 Qualitätszirkel und Qualität
2.2.Qualitätszirkel als Management – Instrument
2.3.Arbeits – und organisationspsychologische Theorie des Qualitätszirkel Konzeptes
2.4. Ziele des Qualitätszirkel – Konzeptes

3. Die Durchführung der Zirkelarbeit
3.1. Die Einführungsphase
3.2. Die Aufgaben der Beteiligten
3.3. Das Vorgehen bei der Problemlösung
3.4. Qualitätszirkel – Methoden
3.5. Der Erfolg eines Qualitätszirkel
3.6.. Probleme bei Qualitätszirkeln

4. Praktisches Beispiel: Der VW - Zirkel
4.1. Das Kleingruppenkonzept „VW – Zirkel“
4.2. Ausgewählte Kennzeichen der VW – Zirkel

5. Quellen und Literaturverzeichnis

1. Begriffsdefinition und Ursprung des Qualitätszirkel

1.1 Ausgangssituation

In Zeiten national wie international verschärfter Wettbewerbsbedingungen kommt neben dem Einsatz von modernen innovativen Technologien, der Aktivierung der Motivations und Kreativitätspotentiale der Mitarbeiter eine zentrale Rolle zu.

Langfristig wird der Faktor Arbeit, beziehungsweise das Human Capital, eines Unternehmens immer mehr an Bedeutung gewinnen. Diese Annahme und die Auffassung, dass der Erfolg eines Unternehmens hauptsächlich von seinen Mitarbeitern abhängt, gewinnt in der Betriebswirtschaftslehre immer mehr an Bedeutung.

Daher wird in vielen innovationsorientierten Unternehmen aller Branchen und Größen durch die Einführung und Weiterentwicklung partizaptiver Führungs - und Veränderungsstrategien versucht, zum einen den Anforderungen der Märkte und zum anderen auch den veränderten Erwartungen der Mitarbeiter an ihre Arbeitssituation zu entsprechen.

Neben der Förderung des Mitarbeiterpotentials, resultiert auch ein gesteigertes Qualitätsbewusstsein aus diesem Wertewandel.

Eine Gestaltungsvariante partizipativer Veränderungsstrategien in Unternehmen, mit deren Hilfe diese Ziele erreicht werden sollen, stellt die Arbeit in Form von Zirkelarbeit dar.

1.2. Definition Qualitätszirkel

Eine besondere Form der Zirkelarbeit stellt der Qualitätszirkel dar.

Aufgrund der vielen Formen von Qualitätszirkeln in unterschiedlichen Unternehmen und Organisationen ist es schwer eine einheitliche prägnante Definition für einen Qualitätszirkel zu geben.

Qualitätszirkel sind auf Dauer angelegte Kleingruppen, in der Mitarbeiter einer hierarchischen Ebene mit einer gemeinsamen Erfahrungsgrundlage in regelmäßigen Abständen auf freiwilliger Basis zusammenkommen, um Themen des eigenen Arbeitsbereiches zu analysieren und unter Anleitung eines geschulten Moderators mit Hilfe spezieller, Problemlösungs – und Kreativitätstechniken Lösungsvorschläge zu erarbeiten und zu präsentieren, diese Vorschläge selbstständig oder im Instanzweg umzusetzen und eine Ergebniskontrolle vorzunehmen, wobei die Gruppe als Bestandteil in den organisatorischen Rahmen des Qualitätszirkel – Systems eingebunden ist und zu den anderen Elementen Kommunikationsbeziehungen unterhält.[1]

Der Einrichtung von Qualitätszirkeln liegt die Idee zugrunde, Problemlösungspotential von Mitarbeitern, das bisher weitgehend ungenutzt war, zu aktivieren. Der Mitarbeiter wird angeregt, seine Ehrfahrungen, sein Wissen und auch sein Engagement einzubringen, um an der Lösung seiner Problemsituation mitzuarbeiten, die seinem eigenen Arbeitsfeld entstammt. Der Grundgedanke ist, dass Probleme am besten dort erkannt und beseitigt werden können, wo sie auftreten – daher wird der vom Problem Betroffene an der Problemlösung beteiligt. Damit soll eine veränderte Einstellung der Mitarbeiter zu ihrer eigenen Arbeit erzeugt werden: Ihr Qualitätsinteresse soll geweckt, ihr Qualitätsbewusstsein und auch die Qualitätsverantwortung ausgebaut werden.[2]

Die wichtigsten Merkmale von Qualitätszirkel kann man folgenderweise darstellen:

- Bei den Qualitätszirkeln handelt es sich um Gesprächsrunden
- Von 5 – 10 Mitarbeitern aus unteren Hierarchiebenen,
- Die in der Regel aus einem Arbeitsbereich stammen,
- Die auf freiwilliger Basis regelmäßig arbeitsbezogene Probleme im weiteren Sinn besprechen und möglichst eigenverantwortlich zu lösen versuchen,
- Deren Moderation im Sinne der Diskussionsleitung übernimmt entweder der direkte Vorgesetzte der Mitarbeiter, also z.B. der Vorarbeiter bzw. der Meister, oder ein ausgewähltes Mitglied der Gruppe oder ein Moderator aus einem ganz anderen Bereich.
- Die Produktqualität ist dabei nur ein, wenn auch sehr wichtiger Teilaspekt; daneben werden Fragen der Arbeitssicherheit, der Arbeitsplatzgestaltung, der Zusammenarbeit mit den Vorgesetzten und vieles mehr diskutiert.[3]

In Japan entstand im Jahr 1946 die Nikka Giren, (Englisch: J apanes U nion of S cientists and E ngineers, im folgenden mit JUSE abgekürzt), die Qualitätssicherungsmethoden erforschte.

Die japanische, von der JUSE formulierte Definition der „Quality Circles“ )die allgemeine englische Bezeichnung der Qualitätszirkel) ist recht einfach gehalten und, da die von der JUSE landesweit durchgeführten Seminare die gesamte Zirkelbewegung prägten, einheitlich:[4]

Quality Circles

- sind Kleingruppen, die
- innerhalb desselben Arbeitsbereiches
- Qualitätskontrollaktivitäten
- Selbständig durchzuführen;

Diese Kleingruppen führen

- als Teil der Qualitätskontrollaktionen des Gesamtunternehmens
- Selbstschulung und gegenseitige Schulung durch,
- Sie wenden QC – Methoden an
- Und führen unter Teilnahme aller Mitarbeiter
- Kontinuierlich
- Kontrollen und Verbesserungen des Arbeitsbereichs durch

Der deutsche Begriff „Qualitätszirkel“ wird in der deutschen Literatur von Antoni kurz und prägnant charakterisiert:

„kleine Gruppe von Mitarbeitern der unteren Hierarchieebenen..., die sich regelmäßig auf freiwilliger Grundlage treffen, um Probleme aus ihrem Arbeitsbereich zu bearbeiten.“[5]

Dem Sammelbegriff Qualitätszirkel werden auch andere Arbeitsgruppenkonzepte zugeordnet, unter anderem:

- Zirkel
- Problemlösungsgruppen
- Mitarbeiterzirkel
- Qualitäts (gesprächs) kreise
- Q – Up – Movements
- Null – Fehler - Teams

In Japan werden die individuellen Zirkel häufig mit originellen Namen bezeichnet.

1.3. Die Entstehung und der Ursprung von Qualitätszirkeln

Über den Ursprung des Qualitätszirkel ist in der westlichen Literatur eine kontroverse Diskussion entbrannt.

„This is a Japanese innovation“[6],stellt Kauro Ishikawa, der bekannteste Theoretiker auf dem Gebiet der Qualitätszirkel – Bewegung fest.

Aber ob die Zirkelarbeit wirklich von japanischen Wissenschaftlern erfunden wurde sei dahingestellt, vielmehr war Japan das Land, indem die Zirkelarbeit zum ersten Mal in einem großen Rahmen praktiziert wurde.

Es ist sinnvoll Japans wirtschaftliche Situation und Entwicklung in der Vergangenheit näher zu betrachten um den Ursprung der Qualitätszirkel zu erklären:

Bis ins Jahr 1868 war Japan ein Land, das fast vollkommen abgeschlossen und isoliert war. Nach seiner Öffnung wurden sehr schnell westliche Techniken erlernt: neue Technologiebereiche wurden übernommen und daraus resultierte eine stark expandierende Wirtschaft.

Großer Wert wurde auf Lernen von und im Ausland gelegt, Japan bekam den zweifelhaften Ruf, Technologien und Wissen aller Art zu kopieren. Japan kopierte aber nicht nur Ideen und Technologien, sondern entwickelte, wenn auch teilweise nur minimal, weiter. Die Strategie wenige ausgesuchte Produkten, in großen Menge zu geringen Kosten und niedrigen Preisen herzustellen, verschaffte den Unternehmen des Landes auf einigen Märkte starke Wettbewerbsvorteile.

Nach den Zerstörungen des zweiten Weltkrieges, musste Japan nach 1945 wieder bei Null anfangen, wurde aber aufgrund seiner strategischen Lage von den USA beim Wiederaufbau unterstützt.

Doch das Image geklauter Ideen und billiger Massenware haftete noch immer den japanischen Produkten an. Ausserdem verfügte Japan über keine nenneswerte Rohstoffe und war daher stark importabhängig. Nun waren Strategien zur Qualitätssicherung gefragt, um die Stellung auf den Weltmärkten zu stärken, auch im Hinblick auf die zunehmende Konkurrenz von anderen Nationen.

Da man in den USA bereits Erfahrungen mit statistischen Qualitätskontrolle gesammelt hatte, lud man die Statistiker Dr. W.E. Deming und Dr. J.M. Juran Anfang der 50er nach Japan ein, Seminare zu Themen wie „Qualitätsverbesserung“. „Statistische Qualitätskontrolle“ etc. zu halten.

Danach folgte eine beispiellose Kampagne von Schulungs- und Trainingsmaßnahmen zur Qualitätssicherung, zu der sowohl Manager, als auch Arbeiter geschickt wurden. Mit regelrechten Propaganda Maßnahmen wurde der Qualitätsgedanke im ganzen Land, in nahezu alle Unternehmen und auf allen Ebenen verbreitet.[7]

Von 1946 bis ins Jahre bis ca. 1962 wurden die Qualitätszirkel entwickelt, schrittweise etabliert und firmierten unter der Bezeichnung „Quality Control Circles“.

Diese Circles haben sich in Japans Unternehmen auf allen Ebenen durchgesetzt. Japans Unternehmen etablierten das Konzept der „Total Quality Control“, welches besagt, dass es einfacher ist, auf allen ebenen Fehler zu vermeiden und sofort gute Qualität herzustellen, da jede Art der Nacharbeit hohe Kosten verursacht. Somit müssen alle Hierarchieebenen und alle Abteilungen zusammenarbeiten, um „Null Fehler“ (Zero Defect Program) zu erreichen, indem jeder, an den ein Teil innerhalb des Produktionsprozesses weitergegeben wird, als potentieller Kunde angesehen wird.

In den USA und Europa hatte die Kleingruppenarbeit eher experimentellen Charakter.

Als man in den 70 er Jahren Japan als Konkurrent ausmachte, breitete sich eine Japan Euphorie aus, in deren Folge man begann, Qualitätszirkel als neuartiges Management Konzept in den amerikanischen und europäischen Firmen zu erproben.

2.Theorie und Ziele des Qualitätszirkel – Konzeptes

2.1 Qualitätszirkel und Qualität

Qualität ist ein Wortbestandteil des Begriffes Qualitätszirkel, ohne das genau definiert wird was unter Qualität zu verstehen ist.

Klaus J. Zink, hält in seinen Ausführungen, eine unreflektierte Übersetzung des englischen Quality Circles hierfür verantwortlich. Daher ist eine Auseinandersetzung mit dem Begriff Qualität erforderlich. Dies gestaltet sich als sehr schwierig da aufgrund der Internationalisierung des Wettbewerbes und einem allgemeinen globalen Wertewandels immer neue Qualitätsdefinitionen in der Literatur auftreten. Von großer Bedeutung hinsichtlich der Qualitätszirkeltheorie ist der Prozessorientierte Qualitätsbegriff.

Grundlegend ist die Prozeßoptimierung in Unternehmungen. Eine bereichsübergreifende Prozessoptimierung wird eigentlich im Zusammenhang mit organisatorischen Konzepten und nicht im Themenbereich Qualität diskutiert. Grob umrissen, befasst sich die Prozessorientierung mit der Verbesserung der Qualität aller Prozesse, die sich nicht nur auf die Produktion bezieht, sondern auch auf alle weiteren Prozesse in einer Unternehmung wie z.B .die Verwaltung u.s.w.

Die kundenorientierte Beurteilung der Qualität eines Produktes z.B. ist im allgemeinen nicht mit dem Zeitpunkt abgeschlossen, in dem das Produkt ein Unternehmen verlässt. Prozessorientierung heißt dementsprechend, dass auch alle weiteren Stationen zu integrieren sind, bis das Produkt den Kunden erreicht.

Man kann im Allgemeinen sagen, dass eine prozeßorientierte Qualitätsbetrachtung eine Menge von Anhaltspunkten für praktische Gestaltungsmaßnahmen liefert.

Da sich dieser Qualitätsbegriff mit allen Prozessen im Unternehmen befasst, wird auch der Behandlung der internen Kunden (Der Mitarbeiter) eine größere Bedeutung zugemessen.

So entstand in Unternehmen ein umfassendes Qualitätsverständnis, das sich auf Arbeitsabläufe, Prozesse, Beziehungen usw. bezieht. Um dies zu realisieren ist ein Total Quality Management Konzept (TQM) erforderlich, das man folgendermaßen definieren kann:

[...]


[1] Vgl. Deppe (1989) 41f.

[2] Vgl. Beriger (1989) 15.

[3] Vgl. Bungard & Wiendieck, (1986)

[4] Vgl. Cuhls, K., Qualitätszirkel in japanischen und deutschen Unternehmen

[5] Zit. Antoni

[6] Vgl. Ishikawa, Control, S.1107

[7] Vgl. Küchler, J., Theorie und Praxis von Qualitätszirkeln

Details

Seiten
17
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638231886
ISBN (Buch)
9783638758864
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v18942
Institution / Hochschule
Fachhochschule Gießen-Friedberg; Standort Gießen
Note
wird später benotet
Schlagworte
Qualitätszirkel Form Arbeitsorganisation Planung Gestaltung Qualitätszirkeln Variante Teamarbeit Unternehmen Selbstmanagement Moderation Verhandlungsführung

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