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Mexiko auf dem Weg zum gescheiterten Staat?

Bachelorarbeit 2011 39 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Mittel- und Südamerika

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Aspekt
2.1 Definition und Funktion des Staates
2.2 Indikatoren eines Defizites in einer Staatsfunktion
2.3 Vier Typen von Staatlichkeit
2.4 Beförderungsfaktoren des Staatszerfalles
2.5 Zusammenfassung der Theorie
2.6 Wissenschaftliche Methode und Literaturbericht

3. Empirischer Aspekt: Analyse der drei Staatsfunktionen
3.1 Sicherheitsfunktion
3.2 Wohlfahrtsfunktion
3.3 Rechtsstaatlichkeits/Legitimitätsfunktion
3.4 Zwischenfazit
3.5 Beförderungsfaktoren

4. Fazit

Anhang:

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis:

Tabelle 1

Abbildung 1

Abbildung 2

Abbildung 3

Abbildung 4

Abbildung 5

Abbildung 6

Tabelle 2

1. Einleitung

„Ich habe keinen einzigen Teil des mexikanischen Territoriums verloren“1, entgegnet der mexikanische Präsident Felipe Calderón wiederkehrenden Fragen nach einem möglichen Staatszerfall Mexikos. Das Staatsoberhaupt sieht sich angesichts zehntausender Gewalttoter, massiver Korruption der staatlichen Behörden und illegalem Handel mit Drogen in Milliardenhöhe zunehmend mit dem Thema Staatskollaps konfrontiert.

In der Wissenschaft herrscht über den Zustand des mexikanischen Staates große Uneinigkeit. Während einige Vertreter von einem gesunden Mexiko sprechen, das allein durch neoliberale Interessen der USA als Problemfall markiert wird, sprechen andere Forscher von Staatszerfall und einem Wandel zu einer „Mafiakratie“.2

Die vorliegende Forschungsarbeit verfolgt das Ziel, Mexikos Staatszustand genauer zu definieren. Dabei erfolgt die Analyse unter der Forschungsfrage: Ist Mexiko auf dem Weg zum gescheiterten Staat? Hierzu wird die Failing States Theorie von Ulrich Schneckener bemüht.3 In einem ersten Schritt wird diese erläutert, bevor im empirischen Teil der Arbeit die Theorie auf Mexiko übertragen wird. Mit Hilfe zahlreicher Indikatoren wird die Funktionsfähigkeit des mexikanischen Staates in den drei Staatsfunktionen: Legitimität/Rechtsstaatlichkeit, Sicherheit und Wohlfahrt überprüft. Im Anschluss an die Bewertung erfolgt eine Einordnung der Beförderungsfaktoren für das Abschneiden nach Struktur-, Prozess- und Auslösefaktoren in Tabellenform.

Relevanz erlangt die Arbeit nicht nur durch ihren Beitrag zur lebendigen Diskussion um Mexikos staatlichen Zustand. Der besondere Wert liegt vielmehr in der wissenschaftlichen Fundierung durch die Failing-States-Theorie nach Schneckener. Eine Analyse zum jetzigen Zeitpunkt bietet sich an, da sich die Ankündigung Calderóns, die Drogenkartelle zu bekämpfen, in Kürze zum fünften Mal jährt. Es können der Erfolg des Krieges gegen die Drogen in Verbindung mit dem Zustand des gesamten mexikanischen Staates untersucht werden.

2.Theoretischer Aspekt

Das vorliegende Forschungsprojekt hat das Ziel, Mexikos Zustand genauer zu definieren und im Anschluss daran die Beförderungsfaktoren eines möglichen Staatszerfalls herauszuarbeiten. Dazu wird in einem ersten Schritt Mexikos Staatsstatus eingeordnet. Hierzu wird die Failing States Theorie bemüht. Genau wie über den Zustand Mexikos, herrscht auch hierbei eine große Vielfalt an wissenschaftlichen Ausprägungen, welche von Küpeli 2010 umfassend zusammengetragen worden sind.4 Für die Forschungsarbeit wird auf Ulrich Schneckeners Modell aus dem Jahr 2004 zurückgegriffen.5 Sein Modell wird bevorzugt, weil es zu den am meisten rezipierten Failing-States Ansätzen in Deutschland gehört und weil es durch seine vielen Indikatoren ein systematisches Vorgehen erlaubt. Nicht zuletzt ist Schneckeners Vierteilung der Staatstypen ein Vorteil. Im Gegensatz zu Kollegen wie Schubert, der nur die drei Typen s tar k er, schwacher und versagender Staat aufzeigt, unterscheidet Schneckener zwischen vier Typen von Staaten.6 Diese sind konsolidierte Staaten, schwache Staaten, versagende Staaten und gescheiterte Staaten. Seine Vierteilung erlaubt eine spezifischere und mithin passgenauere Einordnung des zu untersuchenden Staates. Unabhängig davon in welcher Stufe die Staaten sind, sie eint ihre Fragilität. „Fälle von fragiler Staatlichkeit zeichnen sich in erster Linie dadurch aus, daß staatliche Institutionen ihre Steuerungsfähigkeit in zentralen Aufgabenbereichen verloren haben“7. Um aus dieser Definition die verschiedenen Stadien des Staatszerfalls abzuleiten, muss zunächst erläutert werden, was ein (funktionierender) Staat ist und welche seine zentralen Aufgabenbereiche sind.

2.1 Definition und Funktion des Staates

In Max Webers 1922 erschienenem Werk „Wirtschaft und Gesellschaft“ heißt es in § 17:

„Staat soll ein politischer Anstaltsbetrieb heißen, wenn und insoweit sein Verwaltungsstab erfolgreich das Monopol legitimen physischen Zwanges für die Durchführung der Ordnungen in Anspruch nimmt“8. Georg Jellinek schrieb einem funktionierendem Staat 1895 drei Begriffe zu: Staatsvolk, Staatsgebiet und Staatsgewalt.9

Schneckener fasst die beiden Staatsmodelle von Weber und Jellinek zusammen, in dem er festhält, dass der moderne Staat sich durch „den Anspruch einer Zentralgewalt und ihres Apparats auf politisch-institutionelle Kontrolle über ein spezifisches, abgrenzbares Territorium und die dort lebende Bevölkerung“10 konstituiert. Der Anspruch der Zentralgewalt auf Kontrolle gilt dabei nach innen, gegenüber den eigenen Bürgern und der Gesamtgesellschaft sowie nach außen, gegenüber externen Akteuren.11

Dabei hat der Staat die drei Kernfunktionen Sicherheit, Wohlfahrt und Legitimität/ Rechtsstaatlichkeit zu erfüllen, um seinem Anspruch auf die Zentralgewalt gerecht zu werden.12 Sicherheit beinhaltet die Sicherung des Staatsvolkes gegen äußere Bedrohung, sowie die innere Friedenssicherung „durch die Durchsetzung des staatlichen Gewaltmonopols und die Verdrängung nicht-staatlicher Gewaltakteure“13. Schneckener versteht unter dem staatlichen Gewaltmonopol ein Vorhandensein von Verwaltung, Armee und Polizei, die dazu fähig sind, lokale Konflikte zu befriedigen und private Gewaltakteure zu entwaffnen.

Die Wohlfahrt umfasst das Bereitstellen eines wirtschaftlichen Rahmens, in dem Kapital angehäuft werden kann - insbesondere die Sicherung des Privateigentums und die marktwirtschaftliche Freiheit müssen hierbei gegeben sein. Außerdem werden unter Wohlfahrt „staatliche Dienst- und Transferleistungen sowie Mechanismen der Verteilung wirtschaftlicher Ressourcen“14 verstanden.15 Ein Staat wird als legitim und rechtsstaatlich bezeichnet, wenn er seinen Bürgern politische Beteiligungsmöglichkeiten durch freie Wahlen ermöglicht, eine unabhängige Justiz und Verwaltung vorweisen kann und eine Form von Gewaltenteilung herrscht.16

2.2 Indikatoren eines Defizits in einer Staatsfunktion

Schneckener gibt eine Reihe von Indikatoren an, um staatliche Defizite in den drei Kernfunktionen nachzuweisen. Dabei können die jeweiligen Indikatoren unterschiedlich bewertet werden. In vier Stufen wird zwischen „»vollständig erfüllt« (+), »einigermaßen

erfüllt« (+/–), »ansatzweise erfüllt« (–/+) und »kaum bzw. nicht erfüllt« (–)“17 unterschieden. Um einen Wegfall einer Staatsfunktion zu attestieren, „müssen allerdings mehrere Indikatoren negativ bewertet werden.“18

Tabelle 1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

W e r d e n a l l e d r e i Kernfunktionen untersucht, ergibt sich eine Kreuztabelle (vgl. Ta b . 1). Je nach Bewertung der einzelnen Felde r, ist der Staat entweder konsolidier t, schwach, im Begriff zu versagen oder gescheitert. Die Einordnung eines Staates richtet sich vor allem danach, „wie der jeweilige Staat in der Sicherheitsfunktion abschneidet.“19

Um die Sicherheitsfunktion als defizitär zu erkennen, müssen folgende Indikatoren untersucht werden: „(1a) Grad an Kontrolle über das gesamte Staatsgebiet”, „1b) Grad an Kontrolle der Außengrenzen“, „(1c) anhaltende oder wiederkehrende gewalttätige Konflikte”, „(1d) Zahl und politische Relevanz nichtstaatlicher Gewaltakteure”, „(1e) Zustand des staatlichen Sicherheitsapparats”, „(1f) Höhe und Entwicklung der Kriminalitätsraten” und „(1g) Grad der Bedrohung, die von staatlichen Organen für die physische Sicherheit der Bürger ausgeht“20.

Die Wohlfahrtsfunktion lässt sich ebenfalls über eine Reihe von Indikatoren untersuchen. Dies sind: „(2a) Grad der Teilhabe bestimmter Bevölkerungsgruppen an wirtschaftlichen Ressourcen“, „(2b) anhaltende wirtschaftliche und/oder währungspolitische Krisen”, „(2c) Höhe der Steuer- oder Zolleinnahmen”, „(2d) Höhe und Verteilung der Staatsausgaben”, „(2e) Höhe der Außenverschuldung“, „(2f) Kluft zwischen Arm und Reich”, „(2g) Arbeitslosigkeits- bzw. Erwerbsquote”, „(2h) Zustand der menschlichen Entwicklung (HDI- Entwicklung)“, „(2i) Zustand staatlicher sozialer Sicherungssysteme” und „(2j) Zustand der Infrastruktur, des Bildungs- und Gesundheitswesens”21.

Indikatoren für die Legitimität und Rechtsstaatlichkeit sind: „(3a) Umfang politischer Freiheiten“, „(3b) Gewährung politischer Partizipationsrechte“, „(3c) Umgang mit der politischen Opposition“, „(3d) Ausmaß von Wahlfälschungen oder Wahlbetrug“, „(3e) Grad an politischer Teilhabe bei bestimmten Bevölkerungsgruppen“ „(3f) Existenz schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen“, „(3g) Akzeptanz des Regimes bzw. der politischen Ordnung“, „(3h) Grad der Unabhängigkeit der Justiz”, „(3i) Ausmaß von Selbstjustiz”, „(3j) Zustand der öffentlichen Verwaltung” und „(3k) Ausmaß an Korruption und Klientelismus”22.

2.3 Vier Typen von Staatlichkeit

Basierend auf den Indikatoren unterscheidet Schneckener zwischen vier Typen von Staatlichkeit: Konsolidierte Staaten, schwache Staaten, versagende Staaten und gescheiterte Staaten. Schneckeners nimmt an, dass vom Typ 1, den konsolidierten Staaten zu Typ 4, den zerfallenden Staaten, die staatliche Stabilität konstant ab- und die innerstaatliche Gewalt konstant zunimmt. Dabei ist die Unterscheidung nicht als lineares Stufenmodell zu sehen. So ist es auch möglich, dass ein Staat direkt von Typ 1 zu Typ 3 übergehen kann.23

Konsolidierte Staaten sind Staaten, bei denen die Funktionen Sicherheit, Wohlfahrt und Rechtsstaatlichkeit/Legitimität „im wesentlichen intakt sind – und dies bereits über einen längeren Zeitraum“24.

Schwache Staaten charakterisiert ein weitgehend oder leidlich intaktes Gewaltmonopol, gepaart mit Schwächen bei der Wohlfahrts- oder Rechtsstaatlichkeitsfunktion.25

Versagende Staaten (failing states) sind solche Staaten, „bei denen das staatliche Gewaltmonopol und damit die Gewährleistung von Sicherheit stark beeinträchtigt ist, während sie in einer oder in beiden anderen Funktionen noch eine gewisse Steuerungsfähigkeit besitzen“26. Dabei ist die Regierung des Landes nicht mehr in der Lage, ihr Territorium und/oder ihre Außengrenzen in Gänze zu kontrollieren. Kennzeichnend sind weiter eine hohe Zahl an privaten Gewaltakteuren sowie ein hoher Grad an Kriminalität.27 Beim letzten Typus, den gescheiterten Staaten (failed states), ist „keine der drei Funktionen mehr in nennenswerter Weise vorhanden, so daß man von einem völligen Zusammenbruch oder Kollaps von Staatlichkeit sprechen kann“28. Schneckener bescheinigt diesen Staaten jedoch kein Chaos oder Anarchie. An die Stelle des Staates würde vielmehr eine nicht- staatliche, meist gewalttätige Ordnung treten.29

2.4 Beförderungsfaktoren des Staatszerfalles

Es gibt verschiedene Faktoren, die einen Staatszerfall begünstigen können. Diese sind von Staat zu Staat verschieden. Gemein ist den Faktoren jedoch, dass sie sich in ihrer Art unterscheiden lassen. Schneckener unterscheidet hierbei „zwischen (1) Struktur-, Prozeß- und Auslösefaktoren und zwischen (2) internationaler/regionaler, nationaler und substaatlicher Ebene“30. Werden die beiden Differenzierungen miteinander kombiniert, so ergeben sich neun verschiedene Einflussfaktoren, die sich wiederum tabellarisch abbilden lassen.31 Strukturfaktoren sind dabei „jene Bedingungen, die sich aus den natürlichen Gegebenheiten eines Landes [...] und langfristig wirksamen politischen, kulturellen oder sozio-ökonomischen Strukturmerkmalen ergeben“32. Unter anderem sind dies der Grad der Einbindung in die Weltwirtschaft, lokale Ungleichheiten, multiethnische Bevölkerung oder Ressourcenknappheit. Prozessfaktoren hingegen sind Eigenschaften, die ein Staatsversagen innerhalb eines Zeitraumes von fünf bis zehn Jahren vorantreiben. Anders als die Strukturfaktoren, hängen die Prozessfaktoren vor allem von dem Verhalten der Akteure ab. Zu ihnen zählen unter anderem Aktivitäten transnationaler Gewaltnetzwerke, Wirtschaftskrisen in Nachbarstaaten, Zunahme von Korruption und Klientelismus, Privatisierung von Gewalt, gescheiterte/ stagnierende Demokratisierung und die Vermehrung lokaler Gewaltakteure.

Die Auslösefaktoren „sind jene Ereignisse, die innerhalb weniger Tage oder Wochen einen abrupten Wandel auslösen.“33 Durchaus möglich ist, dass sie das Resultat langfristiger Entwicklungen sind. Sie selbst entfalten aber nochmals eine starke Eigenwirkung. Dazu zählen unter anderem Militärinterventionen, Zustrom von Waffen, Ausbruch eines Bürgerkrieges oder lokale Unruhen.34

Neben den drei verschiedenen Faktoren, unterscheidet Schneckener die drei Aktionsebenen: Makro-, Meso- und Mikroebene. Die Makro- oder auch internationale und regionale Ebene, beleuchtet „das Verhältnis zwischen dem jeweiligen Staat und seinem internationalen bzw. regionalen Umfeld.“35 Untersucht werden hier kontinentale und weltpolitische Entwicklungen sowie Aktionen von externen Akteuren, deren Auswirkungen den betroffenen Staat deutlich beeinflussen.

Auf der Mesoebene wird das Verhältnis zwischen Gesellschaft und Staat untersucht. Schneckener schreibt dem Verhalten der Eliten eine besonders wichtige Rolle zu.

Auf der substaatlichen Ebene - der Mikroebene - steht das Verhältnis zwischen dem Staat und den substaatlichen Akteuren im Fokus. Diese können Regionen, Kommunen und Bevölkerungsgruppen sein.36

2.5 Zusammenfassung der Theorie

Ein funktionierender Staat hat die drei Kernfunktionen Sicherheit, Wohlfahrt und Staatlichkeit zu erfüllen. Für jede der Kernfunktionen gibt es Indikatoren, um eine ordentliche Funktionsweise nachzuweisen. Je nach Abschneiden des Einordnungstestes kann ein Staat als konsolidiert, schwach, versagend oder gescheitert eingestuft werden. Dabei richtet sich die Einordnung eines Staates vor allem danach, wie er in der Sicherheitsfunktion abschneidet.

Die Faktoren, die für eine Staatseinordnung verantwortlich sind, lassen sich nach verschiedenen Aspekten ordnen. Einerseits in Struktur-, Prozess- und Auslösefaktoren und andererseits in Makro-, Meso- und Mikroebene.

2.6 Wissenschaftliche Methode und Literaturbericht

Um zu fundierten Ergebnissen zu kommen, wird die qualitative Inhaltsanalyse gemäß Blatter und Janning37 verwendet. Mexikos Einordnung in die Typologie basiert vor allem auf zeitaktuellen Nachrichtenquellen und Beiträgen aus der Wissenschaft. Neben „Shared Responsibility“38 sind auch die weiteren Veröffentlichungen, an denen David A. Shirk beteiligt war, sehr hilfreich. Zu nennen sind hier vor allem: „Drug Violence in Mexico. Data and Analysis Through 2010“39, „The Drug War in Mexico“40 und „Police and Public Security in Mexico“41. Daneben erbringen die beiden Reporte für den amerikanischen Kongress „Mexico’s Drug Trafficking Organizations“42 und „Mexico: Issues for Congress“43 eine Fülle von Informationen und Querverweisen. Um einzelne Indikatoren zu überprüfen werden international vergleichende Studien, wie UN-Reporte zum Status der Menschenrechte, der Wirtschaftskraft oder der sozialen Entwicklung zur Hilfe genommen.

Zeitungsartikel liefern zwar aktuelle Nachrichten, sind allerdings distanziert zu betrachten, denn je nach Erscheinungsland der Zeitung sind sie mit einigen Problemen behaftet. Westliche Zeitungen in Deutschland berichten über Mexiko sehr unregelmäßig und meist nur bei einem Vorkommen von extremer Gewalt, so dass sich hier ein sehr negatives Bild zeichnet. Mexikanische Zeitungsberichte sind aus zweierlei Gründen wenig objektiv. Zum Einen müssen sie Vergeltungsaktionen der Drogenkartelle befürchten, wenn sie zu negativ über die Drogenkriminalität berichten und zum Anderen sind sie teilabhängig vom mexikanischen Staat, da dieser Lizenzen verteilt.44

Am sinnvollsten erscheint eine Konzentration auf US-amerikanische Medien, da diese, neben den mexikanischen Journalisten, am häufigsten über den mexikanischen Staat berichten. Hinzu kommt, dass die USA eine Grenze mit Mexiko teilen und die US-amerikanischen Medienvertreter keine Repressionen befürchten müssen. Allerdings wird den amerikanischen Medien oftmals vorgeworfen nicht objektiv zu berichten, sondern den mexikanischen Staat absichtlich schlecht dastehen zu lassen.45 Insgesamt muss also eher vorsichtig mit den Medien und deren Nachrichten - zumindest in Bezug auf die Krisensituation im Norden Mexikos - umgegangen werden. Daher werden sie nur für einzelne Aspekte der Arbeit herangezogen und eine Reliabilität erst angenommen, wenn verschiedene Quellen unabhängig von demselben Ereignis berichten.

Werden Statistiken zur Hilfe genommen, so wurde bewusst darauf hingewirkt, die aktuellsten verfügbaren Daten zu erlangen. Besonders Datenmaterial über die Menge der abgesetzten Drogen oder den Umsatz, den die Drogenkartelle erzielen, werden kritisch betrachtet. Reine Zahlenangaben im Zusammenhang mit Schattenökonomien beruhen, der Natur ihrer Sache nach, auf vagen Schätzungen, weshalb ihnen in der vorliegenden Arbeit nur eine geringe Bedeutung beigemessen wird. Anders ist dies bei den Angaben zu den allen Ermordeten in Mexiko und jenen im Zusammenhang mit dem Drogengeschäft. Hier wird der offiziellen Angabe des mexikanischen Staates vertraut.

[...]


1 zitiert nach: Beith, Malcolm: El Chapo. Die Jagd auf Mexikos mächtigsten Drogenbaron, Unter Mitarbeit von Gunter Blank, München 2011, S. 265.

2 vgl. hierzu: Cockcroft, James D.: Mexico: "Failed States", New Wars, Resistance. In: Monthly Review, 62, November 2010), Nr. 6, (Online verfügbar unter http://monthlyreview.org/2010/11/01/mexico-failed-states-new- wars-resistance - sowie; Endres, Alexandra 2011: "Mexiko ist eine Mafiakratie". In: ZEIT ONLINE, 17.03.2011, (Online verfügbar unter http://www.zeit.de/wirtschaft/2011-03/drogenstaat-mexiko-korruption, zuletzt geprüft am 05.07.2011).

3 vgl. vgl. Schneckener, Ulrich: States at Risk. SWP-Studie. Hrsg. v. Ulrich Schneckener. Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin 2004, (Online verfügbar unter http://www.swp-berlin.org/de/produkte/swp- studien-de/swp-studien-detail/article/states_at_risk.html, zuletzt geprüft am 06.06.2011).

4 vgl. Küpeli, Ismail: Die Rede vom "gescheiterten Staat" - Legitimierung neoliberaler Weltordnung und militärischer Interventionen. Hrsg. v. Informationsstelle Militarisierung e.V, Tübingen 2010, (Online verfügbar unter http://imi-online.de/2010.php?id=2115, zuletzt geprüft am 04.06.2011).

5 vgl. Schneckener: States at Risk, a.a.O..

6 vgl. Schubert, Ulf-Manuel: Staatszerfall als Problem des internationalen Systems. Marburg 2005, S. 45.

7 Schneckener: States at Risk, a.a.O, S. 12.

8 Weber, Max; Winckelmann, Johannes: Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie, 5., rev. Aufl., Studienausg., [Nachdr.] /, Tübingen 2009, S. 29.

9 vgl. Jellinek, Georg: Allgemeine Staatslehre, 3. Auflage, unter Verwertung des handschriftlichen Nachlasses durchgesehen und vewertet von Dr. Walter Jellinek, Berlin 1914., S. 394 - 434.

10 Schneckener, States at Risk, a.a.O., S. 9.

11 vgl. Schneckener, States at Risk, a.a.O., S. 9.

12 vgl. Schneckener, States at Risk, a.a.O., S. 12.

13 Küpeli, Die Rede vom "gescheiterten Staat", a.a.O., S. 2.

14 Schneckener, States at Risk, a.a.O., S. 13.

15 vgl. Küpeli, Die Rede vom "gescheiterten Staat", a.a.O., S. 2.

16 Schneckener, Ulrich: Transnationale Terroristen als Profiteure fragiler Staatlichkeit. Hrsg. v. Stiftung Wissenschaft und Politik. Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin 2004 (SWP- Studie), (Online verfügbar unter http://www.swp-berlin.org/de/produkte/swp-studien-de/swp-studien-detail/ article/terror_und_fragile_staaten.html, zuletzt geprüft am 06.06.2011), S. 10 - 11.

17 Schneckener, States at Risk, a.a.O., S. 14.

18 Schneckener, States at Risk, a.a.O., S. 13.

19 Schneckener, States at Risk, a.a.O., S. 14.

20 ebd.

21 Schneckener, States at Risk, a.a.O., S. 13.

22 Schneckener, States at Risk, a.a.O., S. 13.

23 vgl. Schneckener, States at Risk, a.a.O., S. 16 - 17.

24 Schneckener, States at Risk, a.a.O., S. 15.

25 vgl. ebd.

26 ebd.

27 vgl. Schneckener, States at Risk, a.a.O., S. 16.

28 ebd.

29 vgl. ebd.

30 Schneckener, States at Risk, a.a.O., S. 18.

31 vgl. dazu exemplarisch Schneckener, States at Risk, a.a.O., S. 19.

32 Schneckener, States at Risk, a.a.O., S. 18.

33 ebd.

34 für eine Aufzählung aller möglichen Faktoren siehe: Schneckener, States at Risk, a.a.O., S. 19.

36 vgl. zu den drei Ebenen: Schneckener, States at Risk, a.a.O., S. 20.

37 vgl. Blatter, Joachim K./Janning, Frank: Methoden der Datenanalyse, In: Qualitative Politikanalyse. Eine Einführung in Forschungsansätze und Methoden, Wiesbaden 2007.

38 Woodrow Wilson International Center for Scholars (Hrsg.): Shared Responsibilty. U.S. - Mexico Policy Options for Confronting Organized Crime, Unter Mitarbeit von Eric L. Olson/David A. Shirk und Andrew Seele, Washington 2010.

39 Shirk, David A./Ríos, Viridiana: Drug Violence in Mexico. Data and Analysis Through 2010. Hrsg. v. Trans- Border-Institute. University of San Diego, San Diego 2011.

40 Shirk, David A.: The Drug War in Mexico. Confronting a Shared Threat. Hrsg. v. Council on Foreign Relations, New York 2011.

41 University Readers (Hrsg.): Police and Public Security in Mexico, Unter Mitarbeit von Robert Donnelly und David A. Shirk. University of San Diego 2009.

42 Beittel, June: Mexico's Drug Trafficking Organizations: Source and Scope of the Rising Violence. Hrsg. v. Congressional Research Service 2011.

43 Seelke, Clare Ribando: Mexico: Issues for Congress. Hrsg. v. Congressional Research Service 2011.

44 vgl. Endres, "Mexiko ist eine Mafiakratie", a.a.O.

45 vgl. Nava, Juan P.: Mexico. Failing State or Emerging Democracy. In: Military Review 2011, Nr. 2, S. 38.

Details

Seiten
39
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656137184
ISBN (Buch)
9783656138402
Dateigröße
804 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v189527
Institution / Hochschule
Universität Passau
Note
1,7
Schlagworte
Failing State Drogenkrieg Staatsfunktionen Rechtsstaatlichkeit Ulrich Schneckener Sicherheit Wohlfahrt

Autor

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Titel: Mexiko auf dem Weg zum gescheiterten Staat?