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Ethnische Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 18 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theorien unterschiedlicher Ausstattung mit Humankapital
2.1 Die Entwertung spezifischen Kapitals
2.2 Die selektive Migration
2.3 Spezifische Präferenzen und Motive

3. Unterschiedliche Erträge trotz gleichem Humankapital
3.1 Das Präferenzmodell von Becker
3.2 Statistische Diskriminierung

4. Empirische Untersuchung ethnischer Ungleichheit
4.1 Die erste Generation der Migranten
4.2 Die zweite Generation der Migranten

5. Gleiche Chancen dank einer abgeschlossenen Ausbildung?
5.1 Signaling- Theorie
5.2 Darstellung der Empirie
5.3 Ergebnisse der Erhebung

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die folgende Hausarbeit entstand in Folge eines Seminars der Universität Trier mit dem Titel „Moderne Ungleichheitsforschung im Vergleich“, in dem wir in reger Diskussion Theorien bekannter Soziologen diskutierten. Im Zuge dieser Diskussion erwachte das Interesse des Autors an dem Thema des Arbeitsmarkts. Dieser ist nach der soziologischen Betrachtung eine „Maschine der Ungleichheitsproduktion“, da er die zentrale Instanz zur Distribution von sozialen Position, gesellschaftlichem Status und Lebenschancen darstellt. In der folgenden Hausarbeit werden theoretische Konzepte, die sich mit Ungleichheit von Migranten auf dem Arbeitsmarkt beschäftigen vorgestellt. Hierbei dienen drei Grundfragen als Leitfaden:

1. Was sind die Gründe für den geringen Arbeitsmarkterfolg von Migranten?
2. Welche Erklärung gibt es für den unterschiedlichen Erfolg zwischen verschiedenen Migrantengruppen?
3. Gibt es Gruppen, die eine Sonderrolle spielen?

Da eine ausführliche Darstellung aller Theorien den Rahmen einer Hausarbeit sprengen würde konzentriert der Autor sich auf 3 grundliegende. Zum ersten gilt die Analyse der unterschiedlichen Ausstattung mit Humankapital. Verfügen jedoch 2 Akteure über die gleiche Menge eines solchen, bedeutet das jedoch nicht, dass beide dieselben Erträge erzielen. Daher wird im weiteren Verlauf die These der Diskriminierung von Migranten auf dem Arbeitsmarkt untersucht. Um obige Theorien auf eine Wirkung im realen sozialen Raum zu prüfen, folgt die Darstellung einer empirischen Analyse, erhoben durch Frank Kalter. Hier werden die Chancen der ersten und zweiten Generation von Migranten mit denen der Deutschen verglichen. Die dritte Theorie (Signaling- Theorie) betrachtet weiterführend den Signalwert einer deutschen Ausbildung für Migranten. Als zentrale Fragestellung dient hier „Gleiche Chancen bei gleicher Ausbildung, auch für Migranten?“ Auch diese wird auf den empirischen Prüfstand gestellt. Schließlich werden die Ergebnisse kurz zusammengefasst und in einem Fazit erörtert.

2.Theorien unterschiedlicher Ausstattung mit Humankapital

Bei Durchsicht der Literatur, die eine Benachteiligung von Migranten durch unterschiedliche Humankapitalia auf dem Arbeitsmarkt erklären könnte, finden sich im Grunde drei Haupterklärungen: Die Entwertung spezifischen Kapitals, die selektive Migration und spezifische Präferenzen und Motive. Diese werden im Folgenden etwas näher erläutert. Zu beachten ist jedoch, dass diese sich auf die erste Generation der Migranten beziehen und persitierende Chancenungleichheit für die Zweite nicht erklären können.

2.1 Die Entwertung spezifischen Kapitals

Der erste Grund für Nachteile bzw. Ungleiche Chancen im Berufsleben könnte sein, dass Einwanderer ihre im Heimatland erworbenen Humankapitalia nicht in der alten Form transportieren können. Dies kann damit zusammenhängen, dass zum einen, bestimmte Fertigkeiten oder Kenntnisse im Aufnahmeland nicht in der ursprünglichen Form Verwendung finden. Man findet dies beispielsweise bei Spätaussiedlern, deren Zertifikate teils aus ideologischen Gründen, nicht anerkannt werden. Andersherum kann es auch sein, dass Kenntnisse, die im Aufnahmeland wertvoll sind, nicht im Heimantland erworben werden können.1 Der Wert bestimmter Kapitalia hängt somit vom gesellschaftlichen Kontext ab, in dem das Individuum agiert. Mit der Migration in ein fremdes Land riskiert also der Einwanderer eine mögliche „Entwertung“ seiner bisher erreichten Schritte im Berufsleben.

Besonders wichtig und daher als erstes zu nennen wären hier Sprachkenntnisse. Chiswick identifiziert die Beherrschung dieser als Notwendigkeit für Migranten, sich überhaupt ein im Aufnahmeland notwendiges Humankapital aufzubauen.2 Eine Person profitiert erheblich von vorhandenen Sprachkenntnissen, da sie sich auf dem Arbeitsmarkt mit ihrer Produktivität gegenüber anderen behaupten kann. Wer den Vorgesetzten oder seine Kollegen beispielsweise nicht versteht, kann auch nicht effizient für ihn/sie tätig werden, da er die Aufgabenstellung nicht versteht. Weiterhin sind Sprachkenntnisse von Vorteil, wenn es um Konsumentscheidungen geht. Jemand der fremd in einem Land ist, weiß nicht welche Lebensmittel wo zum günstigsten Preis zu haben sind, da er nur bedingt nach den exakten Produkten fragen kann. Vor allem wichtig ist jedoch auch, dass er durch die erworbene Sprache soziale Kontakte schließen und sich, mit Bourdieu gesprochen, soziales Kapital aufbauen kann. So könnte er leichter durch Kontakte an eine Erwerbstätigkeit kommen und wichtige Informationen über das Aufnahmeland erlangen.3

2.2 Die selektive Migration

Eine zweite Erklärweise der Ungleichheit von Migranten auf dem Arbeitsmarkt wäre die Annahme einer „negativen Selektion“.4 Damit kann einerseits gemeint sein, dass Migranten durchschnittlich niedrigere Bildungsqualifikationen aus dem Herkunftsland mitbringen, aus diesen letztlich das Qualifikationsgefälle auf dem Aufnahmeland resultiert. Andererseits ist auch der Fall möglich, dass das Aufnahmeland speziell solche niedrigqualifizierten Arbeitskräfte aus dem Ausland benötigt. Eine solche negative Selektion war beispielsweise bei der klassischen Arbeitsmigration der 1960er Jahre in Deutschland politisch so gewollt.5 Ebenfalls kann es auch positive Selektionen kommen. Aktuell zu finden ist dies in Deutschland, in der Anwerbung von hochqualifizierten Computerspezialisten. In einem Punkt gesagt, lassen sich Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt über gezielte Nachfrage bzw. Selektion des Aufnahmelandes erklären.

2.3 Spezifische Präferenzen und Motive

Drittens kann Ungleichheit von Migranten fernab von Bildungsqualifikationen und Entwertungen spezifischen Kapitals, aufgrund von Rückkehrorientierungen erklärt werden.6 Einwanderer können als „zeitlich begrenzte Kraft“ von Arbeitgebern des Aufnahmelandes betrachtet werden. Daher wäre aus ihrer Sicht eine Investition z.B. in Sprachkurse, Fortbildungen etc. nicht auf Dauer lohnenswert. Dass Migranten über eine Rückkehr in ihr Heimatland nachdenken muss dabei nicht der Wirklichkeit entsprechen. Es reicht aus, wenn der Arbeitgeber sie nur vermutet. Diese Vermutung reicht aus um die Entscheidung zu treffen, nicht in das Humankapital eines Migranten zu Investieren.

3. Unterschiedliche Erträge trotz gleichem Humankapital

Wie bereits erwähnt, betrachten obige Annahmen und Theorien nur die erste Generation der Einwanderer, da sie für eine Erklärung der Zweiten aufgrund von mangelnder Migrationserfahrung, unplausibel erscheinen. Jedoch ist auch in der Folgegeneration eine Chancenungleichheit auf dem Arbeitsmarkt beobachtbar. Die nachfolgende Darstellung widmet sich daher der Erklärung folgender Frage: „Wie kommt es zu Divergenzen, wenn beide Gruppen über das gleiche Humankapital verfügen?“ In der Literatur existieren weitläufige, komplexe und vor allem zahlreiche Theorien zu Diskriminierung. Im Rahmen dieser Hausarbeit beschränkt sich der Autor jedoch nur auf zwei der wirtschaftswissenschaftlichen Diskriminierungstheorien7: Zum einen auf das Präferenzmodell von Becker und zum anderen, die statistische Diskriminierung. Beide Ansichten gehen von askriptiven, zugeschriebenen Merkmalen der Benachteiligung aus. D.h. dass Geschlecht oder Ethnie einen Einfluss auf Arbeitsmarktchancen haben können.

3.1 Das Präferenzmodell von Becker

Beckers Konzept geht von bestimmten ethnischen Präferenzen des Arbeitgebers bei der Einstellung von Mitarbeitern aus. Wenn beispielsweise zwei Individuen sich um eine Stelle bewerben, wird der genommen, der den ethnischen Präferenzen des Arbeitgebers am nächsten ist. Daraus resultiert, dass der abgelehnte Bewerber aufgrund seiner Herkunft den Preis für seine Arbeitskraft verringern muss, um konkurrenzfähig zu bleiben und Chancengleichheit zu erlangen. Becker bezeichnet dieses Verhalten des Anstellers als „taste for discrimination.“8 Als Tastes sind hier ethnische Präferenzen gemeint, die als „nicht- monetäre Nutzenterme verstanden werden“.9 Hiermit distanziert der Autor sich von der klassischen Marktannahme in Form von vollkommener Konkurrenz. Er zeigt auf, dass Segregation und Benachteiligung auf dem Arbeitsmarkt aufgrund von ethnischen Hintergründen der Bewerber bzw. Präferenzen der Arbeitgeber resultieren kann. Handeln mehrere Akteure so, kann dies zu einer langfristig stabilen Abtrennung der Migranten führen.

3.2 Statistische Diskriminierung

Eine zweite Theorie der Diskriminierung, bildet die Benachteiligung von bestimmten Gruppen anhand statistischer Verfahren. Die Annahme dabei ist, dass Arbeitgeber nicht über vollkommene Informationen über die Produktivität und Leistungsfähigkeit einzelner Bewerber verfügen. Um Transaktionskosten in Form von Screening zu sparen, vertrauen die Akteure auf repräsentative Erhebungen, die Merkmale von Gruppen, wie zum Beispiel Nationalität, Geschlecht und Qualifikationsniveau, einschätzen. Auf der Grundlage von Wahrscheinlichkeiten werden so bestimmten Gruppen spezifische Eigenschaften zugeschrieben.10 Die Theorie der statistischen Diskriminierung besagt, dass solche Zusammenfassungen von Gruppen nicht der wahren Leistung individueller Akteure entsprechen. Es kann somit dazu kommen, dass produktive Akteure die jedoch einer niedrig geschätzten Gruppe angehören, als „schlechter“ angesehen werden und somit einen geringeren Lohn bekommen und andersherum, weniger produktive Akteure einer besser geschätzten Gruppe einen Höheren.11 Weiterhin ist zu beachten, dass sich aus einer statistischen Diskriminierung, eine self- fulfilling prophecy entwickeln kann. Eine benachteiligte Gruppe könnte auf Dauer selbst weniger in ihr Humankapital investieren, da sie keinen zusätzlichen Nutzen mehr davon wahrnimmt. Zumal, dass die Auszahlung von Bildungsinvestitionen nicht sicher und mit Kosten verbunden ist. Letztlich weisen diese Gruppen tatsächlich einen Produktivitätsunterschied auf, basierend auf der, fälschlicherweisem anfangs als korrekt angenommenen Statistik.12

4. Empirische Untersuchung ethnischer Ungleichheit

Bisher fand eine Untersuchung der Ungleichheit in einem theoretischen Rahmen statt. Nun soll durch Empirie versucht werden, die Situation von Migranten in der Gesellschaft abzugreifen. Als klassische Studie lässt sich die von Berry Chiswick im Jahre 1978 durchgeführte Untersuchung mit dem Titel „The Effect of Americanization on the earnings of foreign-born Men“13, benennen. Diese hatte eine Analyse ökonomischer Assimilation von Zuwanderern in den USA als Ziel. Eine zentrale Leitfrage, an der sich auch die vorliegende Arbeit orientiert, formuliert Chiswick folgendermaßen:

[...]


1 Vgl. Kalter (2008): Arbeitsmarktsoziologie, S.306

2 Vgl. Chiswick (2008): The Economics of Language, S.3

3 Vgl. Chiswick (2008): The Economics of Language, S.4

4 Heckmann (1992): Ethnische Minderheiten, Volk und Nation, S.81

5 Vgl. Kalter (2008): Arbeitsmarktsoziologie, S.307

6 Vgl. Kalter (2008): Arbeitsmarktsoziologie, S.307

7 http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/diskriminierungstheorien.html Abrufdatum:17.01.12

8 Becker (1971): The economics of discrimination, S.14

9 Kalter (2008): Arbeitsmarktsoziologie, S.311

10 http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/diskriminierungstheorien.html Abrufdatum: 17.01.12

11 Vgl. Kalter (2008): Arbeitsmarktsoziologie, S.311

12 Vgl. Kalter (2008): Arbeitsmarktsoziologie, S.311

13 Chiswick (1987): The Effect of Americanization on the earnings of foreign-born Men, S.1

Details

Seiten
18
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656140078
ISBN (Buch)
9783656140696
Dateigröße
923 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v189690
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
1,3
Schlagworte
ethnische ungleichheiten arbeitsmarkt

Autor

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