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Der israelische Unabhängigkeitskrieg: Eine Untersuchung der Kriegsgründe unter konstruktivistischen Annahmen

©2012 Hausarbeit 17 Seiten

Zusammenfassung

1. Einleitung
„Israelischer Unabhängigkeitskrieg“, „Palästinakrieg“, „Erster Arabisch-Israelischer Krieg“ – Es gibt viele Namen für den Krieg, der den ersten historischen Höhepunkt für den scheinbar nie endenden Konflikt zwischen den israelisch-jüdischen und arabisch-palästinensischen Seiten darstellt. Bereits einen Tag nach der Unabhängigkeitserklärung und Gründung des Staates Israel am 14. Mai 1948 setzten Kampfhandlungen ein.
Wie ist es zu erklären, dass bereits von Anfang an eine friedliche Koexistenz der beiden Parteien nicht möglich war? Warum kam es bereits 1948 zum ersten Krieg? In meiner Hausarbeit beschäftige ich mich mit den Ursachen dieses Krieges. Deshalb lautet die Leitfrage meiner Ausarbeitung:
Wieso kam es nach der Unabhängigkeitserklärung Israels zum Krieg zwischen jüdi¬schen Israelis auf der einen und arabischen Palästinensern auf der anderen Seite?
Bei der Beantwortung dieser Frage beziehe ich die Theorie des Konstruktivismus, ge-nauer: den Staatskonstruktivismus nach Alexander Wendt als Grundlage ein. Diese Hausarbeit untersucht die Normen, Werte und Kulturen der beteiligten Parteien des Krieges und gibt eine konstruktivistische Antwort auf die Frage nach den Ursachen des Krieges.
(Die unterschiedlichen Bezeichnungen des Krieges, die in der Einleitung aufgezählt wurden, werden in dieser Hausarbeit als Synonyme verwendet)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Konstruktivismus
2.1 Die allgemeinen Merkmale konstruktivistischer Ansätze
2.2. Der Staatskonstruktivismus nach Alexander Wendt

3. Die historischen Hintergründe des Krieges

4. Normen, Identitäten und Interessen
4.1. Betrachtung der israelisch-jüdischen Seite
4.2. Betrachtung der arabisch-palästinensischen Seite
4.3. Vergleich

5. Die Untersuchung des Krieges und seiner Gründe

6. Fazit

Bibliographie

1. Einleitung

„Israelischer Unabhängigkeitskrieg“, „Palästinakrieg“, „Erster Arabisch-Israelischer Krieg“ - Es gibt viele Namen für den Krieg, der den ersten historischen Höhepunkt für den scheinbar nie endenden Konflikt zwischen den israelisch-jüdischen und arabisch­palästinensischen Seiten darstellt. Bereits einen Tag nach der Unabhängigkeitserklärung und Gründung des Staates Israel am 14. Mai 1948 setzten Kampfhandlungen ein.

Wie ist es zu erklären, dass bereits von Anfang an eine friedliche Koexistenz der beiden Parteien nicht möglich war? Warum kam es bereits 1948 zum ersten Krieg? In meiner Hausarbeit beschäftige ich mich mit den Ursachen dieses Krieges. Deshalb lautet die Leitfrage meiner Ausarbeitung:

Wieso kam es nach der Unabhängigkeitserklärung Israels zum Krieg zwischen jüdi­schen Israelis auf der einen und arabischen Palästinensern aufder anderen Seite?

Bei der Beantwortung dieser Frage beziehe ich die Theorie des Konstruktivismus, ge­nauer: den Staatskonstruktivismus nach Alexander Wendt als Grundlage ein. Diese Hausarbeit untersucht die Normen, Werte und Kulturen der beteiligten Parteien des Krieges und gibt eine konstruktivistische Antwort auf die Frage nach den Ursachen des Krieges.

(Die unterschiedlichen Bezeichnungen des Krieges, die in der Einleitung aufgezählt wurden, werden in dieser Hausarbeit als Synonyme verwendet)

2. Der Konstruktivismus

Unter den verschiedenen Theorien der Internationalen Beziehungen nimmt der Kon­struktivismus eine besondere Stellung ein, da er sich viel stärker auf die sozialen Faktoren von Akteurshandeln bezieht und diese in seine Erklärungen der Internationalen Beziehungen mit einkalkuliert. Innerhalb des Konstruktivismus gibt es jedoch auch verschiedene Ansätze mit ihren entsprechenden Vertretern. Im Folgenden werden zunächst die allgemeinen Aussagen und Annahmen des Konstruktivismus dar­gelegt und danach im Speziellen auf den Staatskonstruktivismus nach Alexander Wendt eingegangen.

2.1 Die allgemeinen Merkmale konstruktivistischer Ansätze

Der Bezugsrahmen der konstruktivistischen Ansätze, ihr Baugerüst, liegt in einem Dreieck aus Ontologie, Epistemologie und Methodologie vor. (Ulbert 2003: 392f.) Dabei besteht die Annahme, dass die Realität als solche und ihre Beschaffenheit, sowie Erkenntnisse und Wissen über die Realität als Forschungsobjekt keine objektive Existenz besitzen sondern im Gegenteil die soziale Konstruktion von Akteurshandeln repräsentieren. Durch verschiedene Verfahren sollen diese sozialen Konstruktionen untersucht und ihr Entstehen erklärt werden. (Ulbert 2003: 391f., Friedrich/ Költzow/ Tilly 2011: 33)

Dies bedeutet, dass Akteure - seien es nun reale Personen oder Staaten - die Welt, wie sie sie wahrnehmen, durch ihre eigenen Ideen und Vorstellungen kreieren und auch ver­ändern. (Krell 2009: 358) In ihrem Verhalten und Handeln entsprechen sie dabei nicht einem rein rationalen Typ, sondern orientieren sich an internalisierten Werten, Normen und Rollenverständnissen. (Schimmelfennig 2008: 160f.) Durch diese Werte und Normen wird ein identitätsbildender Prozess in Gang gesetzt, für den nicht nur Werte an sich wichtig sind sondern auch ein kollektives Wissen über und ein Verstehen von der Welt und die gleiche Zuschreibung von Inhalten an gewisse Rollen. (Friedrich/ Költzow/ Tilly 2011: 33) Die Entstehung von Identität ist dabei ein endogener Ablauf und Veränderungen stets ausgesetzt. Staaten als Akteure besitzen ebenfalls eine eigene, nationale Identität, die durch Interaktion mit anderen Staaten entsteht, durch welche auch die verschiedenen Interessen der Staaten (der Akteure) artikuliert werden. Je nachdem, wie die Wechselbeziehung zwischen Staaten sich gestaltet, können im internationalen System sowohl Freundschaften als auch Feindschaften entstehen. Dabei gilt grundsätzlich die These, dass je ähnlicher sich die Kulturen, die Werte und die Normen von Staaten sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer Freundschaft zwischen diesen. Je größer jedoch die Unterschiede werden, desto eher ist eine Feindschaft der Staaten zu erwarten. (Schimmelfennig 2008: 185)

2.2. Der Staatskonstruktivismus nach Alexander Wendt

„Anarchy is what states make of it.” (Wendt 1992: 395) Mit diesem mittlerweile viel zitierten Satz wird bereits ein wichtiges Charakteristikum des Staatskonstruktivismus nach Alexander Wendt beschrieben. Der Staatskonstruktivismus entstand als Kritik an neorealistischen Theorien der Internationalen Beziehungen - vor allem nach Kenneth Waltz, auf den sich Wendt explizit bezieht - welche statisch aufgebaut waren und so nicht in der Lage waren, Wandel im Internationalen System zu erklären, wie zum Bei­spiel den Zusammenbruch der Sowjetunion. (Ulbert 2003: 400) Wie andere Theoretiker der Internationalen Beziehungen vor ihm, untersucht auch Wendt die Strukturen des Internationalen Systems, wendet bei seiner Strukturanalyse jedoch konstruktivistische Annahmen an. Dies nennt er selbst eine „Struktur von Identität und Interessen“. (Wendt 1992: 296) Im Gegensatz zu neorealistischen Ansätzen, die vor allem materielle Komponenten wie Machterhalt und -sicherung als Ursachen für Akteurshandeln be­trachten, zieht Wendt auch immaterielle Faktoren hinzu. Dies führt zu einem grund­legend anderen Verständnis von Anarchie und ihren Folgen und zu dem bereits er­wähnten Satz, dass Anarchie das ist, was Staaten daraus machen. (Ulbert 2003: 396 ; Friedrich/ Költzow/ Tilly 2011: 35)

Laut Wendt sind es vor allem die Identitäten und Interessen von Akteuren, die ihr Handeln bestimmen. Anders als neorealistische Theoretiker ist Wendt jedoch der Meinung, dass diese nicht exogen durch die Strukturen eines anarchischen Systems ent­stehen, welche die Akteure zu einem bestimmten Verhalten zwingen, sondern endogen durch Interaktion mit anderen Akteuren.(Ulbert 2003: 401) Aus diesem Grund sind auch die Folgen der Anarchie wie Machterwerb und Selbsthilfe aufgrund von grund­legendem Misstrauen der Akteure untereinander, welche im Neorealismus als un­umgänglich dargestellt werden, im Staatskonstruktivismus nur eine mögliche Variante von vielen. Dazu schreibt Wendt:

„I argue that self-help and power politics do not follow either logically or causally from anarchy and that if today we find ourselves in a self-help world, this is due to process, not structure.“ (Wendt 1992: 394) Wendt ist der Meinung, es gebe verschiedene „Kulturen der Anarchie“. (Ulbert 2003: 402)

Haben die Akteure durch Interaktion erst einmal Identitäten und Interessen entwickelt, richten sie ihr Handeln danach aus. Dabei ist es ihnen wichtig, die Rollen, die sie ein­nehmen auch möglichst nach dem Bedeutungsgehalt zu spielen, den die Rollen nach einem kollektiven Wissen und einer kollektiven Bedeutungsfüllung der Akteure be­kommen. Akteure - Wendt bezieht sich hierbei vor allem auf Staaten - handeln also entsprechend ihrer Rollen, ihrer Identitäten. Damit wird ihr Handeln auch vorhersehbar, was für ein friedliches Zusammenleben auch gewünscht wird. (Wendt 1992: 411) Staaten mit sehr ähnlichen Identitäten und Interessen sind sich in Freundschaft verbunden, Staaten mit sehr unterschiedlichen Identitäten stehen sich feindlich gegenüber. Identitäten und Interessen sind jedoch stets einem Wandel ausgesetzt und werden neu geformt und artikuliert. Dadurch, dass Identität und Interessen endogen durch Interaktion entstehen und nicht von außen durch das anarchische System vorgegeben sind, stagnieren sie auch nicht. Wendt äußert dazu:

„Actors do not have a „portfolio“ of interests that they carry around independent of social context; instead, they define their interests in the process of defining situations.“ (Wendt 1992: 398)

Es lässt sich zusammenfassen, dass nach Wendts Staatskonstruktivismus die Identitäten der Akteure, welche durch Interaktion gebildet werden, ihr Handeln bestimmen, welches entscheidet, in was für einem Internationalen System sich die Akteure letzt­endlich befinden.

3. Die historischen Hintergründe des Krieges

Die Region des Nahen Ostens war - geschichtlich betrachtet - schon immer ein Schau­platz des Kampfes von Nationen und Religionen um Territorium.

Der moderne Konflikt jedoch, zu dem auch der Israelische Unabhängigkeitskrieg zählt, hat seinen Ursprung im Europa des 19. Jahrhunderts und dem erstarkenden Anti­semitismus, der seine größten Ausmaße im dritten Reich und im Nationalsozialismus hatte. Der Antisemitismus führte unter europäischen Juden zu zionistischen Be­wegungen, welche die Juden als eine Nation ansahen, die das Recht auf einen eigenen Staat hat. (Krämer 1991: 42) In Einwanderungswellen siedelten immer mehr Juden in das Gebiet des heutigen Israel.

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Details

Seiten
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656141440
ISBN (Paperback)
9783656141570
DOI
10.3239/9783656141440
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Erscheinungsdatum
2012 (Februar)
Schlagworte
Israel Konstruktivismus Unabhängigkeitskrieg
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