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Interkulturelles Management am Beispiel der Vereinigten Arabischen Emirate

Studienarbeit 2011 60 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Einleitung

I. Kapitel - Einführung in die Vereinigten Arabischen Emirate
1. Einführung
1.1 Geografie
1.2 Historie
1.3 Sprache
1.4 Religion
2. Wirtschaftsstruktur in den Emiraten
2.1 Im- und Exporte
2.2 Wirtschaftswachstum - Chancen und Risiken
3. Gesundheitswesen
4. Bildung
5. Human Development Index
6. Bevölkerung
6.1 Arbeit
6.2 Arbeitsbedingungen
7. Politisches Geschehen
7.1 Innenpolitik
7.2 Außenpolitik
7.3 Die Beziehungen der VAE zu Deutschland
8. Recht
9. Die Rolle der Frau
9.1 Rechte der Frauen
9.2 Bildungsniveau

II. Kapitel - Kultur in den Vereinigten Arabischen Emiraten
1. Die Kulturzwiebel
1.1 Grundannahmen
1.2 Werte und Normen
1.3 Rituale
1.4 Helden
1.5 Symbole
2. Kulturdimensionen nach E. Hall
2.1 Zeitorientierung
2.2 Raumorientierung
2.3 Kontextorientierung
2.4 Informationsgeschwindigkeit
3. Kulturdimensionen nach G. Hofstede
3.1 Machtdistanz
3.2 Unsicherheitsvermeidung
3.3 Kollektivismus
3.4 Maskulinität
3.5 Lang- und Kurzfristorientierung

III. Kapitel - Business-Etikette in den VAE
1. Businesskultur und Geschäftsbeziehung
1.1 Begrüßung
1.2 Kennenlernen
1.3 Korrespondenzen
1.4 Kommunikationsarten und -inhalte
1.5 Netzwerke
1.6 Private Einladungen
1.7 Tischkultur
1.8 Gefälligkeiten
1.9 Dresscode
2. Meetings und Verhandlungen
2.1 Verhandlungsstil
2.2 Führungsstil
2.3 Teamverhalten
2.4 Tabus

Fazit

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Hauptlieferanten der VAE

Abb. 2: Hauptabnehmer der VAE

Abb. 3: Bruttowertschöpfung 2010

Abb. 4: Darstellung der Kulturzwiebel

Abb. 5: Low-context und high-context-Kulturen

Abb. 6: Machtdistanz

Abb. 7: Unsicherheitsvermeidung

Abb. 8: Individualismus

Abb. 9: Maskulinität

Literaturverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung

Zunehmende globale Verflechtungen führen zu einem immer engeren Zusammen- wachsen der heutigen Wirtschaften und deren Kulturen. Dennoch gibt es Gesell- schaften, die einen hohen Wert auf Traditionen legen, welche sich unmittelbar auf das Geschäftsleben im Land auswirken. Hierzu gehören etwa die islamisch gepräg- ten Vereinigten Arabischen Emirate. Diesem Land ist es in den vergangenen Jahren gelungen sich als bedeutende Wirtschaftsmacht auf dem Weltmarkt zu etablieren. Für Deutschland gewinnt der traditionsbewusste Staat als Handelspartner immer mehr an Bedeutung. Möchte man als Deutscher erfolgreich mit den Vereinigten Ara- bischen Emiraten Verträge abschließen, so ist das Kennenlernen der Kultur unab- dingbar. Was aber zeichnet diese Kultur aus? Wo bestehen gravierende Unterschie- de zu westlich geprägten Ländern, wo liegen etwaige Gemeinsamkeiten? Und wie stark wird die Geschäftskultur von den Traditionen des Volkes beeinflusst?

Mit der vorliegenden Arbeit wird das Ziel verfolgt deutschen Geschäftsleuten einen Gesamtüberblick über die Emirate zu geben. Nicht nur wirtschaftliche, geografische und sozio-politische Faktoren, sondern in erster Linie kulturelle Wertvorstellungen und dessen Auswirkungen auf das Geschäftsleben werden dabei hinzugezogen. Die Arbeit dient insbesondere als Leitfaden für Geschäftsreisende in die Vereinigten Ara- bischen Emirate. Ebenso werden alle Interessierten angesprochen, die eine Affinität zur emiratischen Kultur hegen.

Im ersten Kapitel der Arbeit findet eine Länderanalyse statt, um eine erste Einführung in die Vereinigten Arabischen Emirate zu ermöglichen. Das zweite Kapitel veranschaulicht anhand der Forschungsergebnisse von Edward Hall und Geert Hofstede die kulturellen Unterschiede zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Deutschland. In einem letzten Schritt werden die zuvor festgestellten Ausprägungen der Kultur der Emirate auf die Geschäftswelt projiziert.

Die Länderanalyse, das theoretische Fundament der Kulturdimensionen und die Aus- führungen zur Business-Etikette liefern ein umfassendes Konzept, welches dabei helfen soll erfolgreiches Engagement in den Vereinigten Arabischen Emiraten lang- fristig zu fördern.

I. Kapitel - Einführung in die Vereinigten Arabischen Emirate

1. Einführung

Um eine Länderanalyse der Vereinigten Arabischen Emirate gewährleisten zu können, werden die geografischen, historischen, sprachlichen und religiösen Merkmale im Vorfeld in der Einführung des ersten Kapitels näher betrachtet.

1.1 Geografie

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) erstrecken sich auf einer Fläche von 83.600 qkm. Dies ist etwa vergleichbar mit der Größe Österreichs. Insgesamt gibt es sieben Emirate, wobei jedes Emirat nach seiner Hauptstadt benannt wird. Die Emira- te und ihre gleichnamigen Hauptstädte heißen Dubai, Scharjah, Al-Ain, Ajman, Ras al-Khaimah und Fujairah. Das siebte und größte Emirat namens Abu Dhabi ist gleichzeitig die Hauptstadt der VAE und beträgt 80 Prozent der Gesamtfläche des Landes.1

Im Südosten der arabischen Halbinsel liegen die VAE. Sie dehnen sich entlang der Südküste des arabischen Golfs aus und befinden sich zwischen dem Emirat Katar und der Halbinsel Musandam. Der Staat Saudi Arabien und die Sandwüste Rub al- Khali grenzen an den Süden und Südwesten der VAE. Die Gesamtfläche des Landes besteht größtenteils aus Wüsten und Gebirgen und stellt somit überwiegend unwirt- schaftliches Gebiet dar. Vor allem im Norden und Osten befinden sich Gebirgsket- ten.2

Die geografische Lage der VAE ist generell vorteilhaft, da sich das Land im Zentrum des arabischen Wirtschaftsraumes befindet. Es ist demnach einfach Verbindungen zu Asien, Europa und Afrika herzustellen. Insgesamt zeichnet die VAE aus, dass sie sehr gute Beziehungen zur restlichen islamischen Welt aufgebaut haben. Die VAE verfügen über modernste Kommunikationstechnologien und eine gut funktionierende Infrastruktur, welche für den internationalen Handel unabdingbar ist.3

Was das Klima betrifft so herrschen in den VAE tropische Temperaturen. Es ist feucht heiß im Sommer, mit bis über 50 Grad an der Küste und einer nahezu 100 prozentigen Luftfeuchtigkeit. Im Inneren des Landes ist es extrem trocken und äußerst heiß. Der Winter ist zwar regenarm, aber sehr angenehm, die Temperaturen betragen 20 bis 35 Grad Celsius.4

1.2 Historie

Die Golfregion wurde aufgrund des reichen Perlenvorkommens im 16. Jahrhundert von den Portugiesen entdeckt. Auch andere europäische Länder begannen zu dieser Zeit am arabischen Golf Fuß zu fassen. Nach den Portugiesen folgten sowohl die Holländer, als auch später die britische Kolonialmacht, die sich Anfang des 19. Jahr- hunderts als Schutzmacht etablieren konnte. Der Vertrag über den ewigen Frieden zu See wurde im Jahre 1835 konstatiert; das Verbot des Sklavenhandels wurde 1853 vereinbart. Das zunehmend enge Verhältnis zwischen Großbritannien und den Emi- raten wurde durch den Vertrag von 1892 bestimmt, der dafür sorgte, dass ohne Zu- stimmung britischer Seite kein Territorium veräußert werden durfte oder Zusammen- schlüsse mit anderen Staaten möglich waren. Die Gegenleistung der Briten bestand darin die Küste der Emirate vor denkbaren Angriffen zu schützen und die Seewege nach Indien zu sichern.5

Im Jahre 1967 verkündete die britische Macht die „East of Suez“-Politik, bei der sie ihren Rückzug bis Ende 1971 östlich des Sueskanals konstatierte. Somit gelang es den Briten bis 1971 über die Emirate zu regieren. Die Herrscher der größten und ein- flussreichsten Emirate, Abu Dhabi und Dubai, einigten sich auf eine gemeinsame Verfassung und begründeten damit ihren Willen zu einer vereinigten Union. Mit dem Rückzug der Briten wurden die einzelnen Emirate in die Unabhängigkeit entlassen. Folglich schlossen sich am zweiten Dezember 1971 die zuvor eng kooperierenden Emirate zu einer Föderation zusammen. Zu diesem Zeitpunkt gehörten erst sechs

Emirate der Föderation an. Im Februar 1972 erklärte Ras Al Khaimah seinen Beitritt. Heute werden die VAE durch sieben eigenständige Emirate repräsentiert.6

Zur jüngsten Geschichte der Vereinigten Arabischen Emirate kann man sagen, dass diese zusammen mit Kuwait, Saudi Arabien, Bahrain, Katar und dem Oman den Gulf Cooperation Council (GCC) am 25. Mai 1981 gegründet haben. Ziel dieser Organisation ist es die Zusammenarbeit in der Außen- und Sicherheitspolitik sowie die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Beziehungen zwischen den Mitgliedsstaaten zu fördern. Der GCC unterstützte beispielsweise die Maßnahmen der UNO zur Befreiung Kuwaits vom Irak im August 1990. Des Weiteren wurden Bündnisse zur Verteidigung mit den USA und Frankreich zwischen 1994 und 1995 geschlossen. Die VAE engagieren sich in dem GCC ferner in den Afghanistan-Einsätzen. Auch dem Kampf gegen den Terrorismus wird höchste Priorität zugemessen.7

Die erst seit 1971 zusammengeschlossenen VAE stellen eines der jüngsten Länder der Welt dar. Diese Region wurde noch bis Ende des 19. Jahrhunderts von Piraten dominiert, da die Tributeintreibung von Handelsschiffen im Indischen Ozean und im Golf zu dieser Zeit eine wichtige Rolle spielte. Die einzelnen Emirate gehörten noch zu Beginn der 60er Jahre zu den schwachen Wirtschaften der Welt. Da das Landes- innere durch die Wüste vereinnahmt ist, konzentrierte sich das Leben vor allem auf die Perlenfischerei an der Küste. Dies war die einzige Chance für Familien dem Wüs- tenleben zu entkommen. Straßen, Strom oder Tageszeitungen waren in den VAE bis in die 70er Jahre hinein kaum auffindbar. Erst mit dem Entdecken des Öls unter dem Meer von Dubais Küste änderte sich die wirtschaftliche Situation in den VAE. Durch den gigantischen Ölexport seit dem Jahre 1962 konnten sich die VAE im internatio- nalen Handel etablieren. Daraus resultierte ein Aufschwung der Wirtschaft, welcher zur Entwicklung und Verbesserung der Infrastruktur führte.8

1.3 Sprache

Die Amtssprache ist Arabisch und wird in allen Emiraten gesprochen. Neben Ara- bisch gehört Englisch zu der gängigen Verhandlungssprache. Insbesondere in den Hauptstädten der Emirate und in Küstengegenden ist die englische Sprache, auf- grund der internationalen Struktur des Landes und der günstigen Lage, weit verbrei- tet. Dennoch wird es empfohlen, um enge Kontakte knüpfen und pflegen zu können, einige Worte der arabischen Sprache zu erlernen. Ferner ist jedoch anzumerken, dass, über die genannten Sprachen hinaus, Heimatsprachen der in den Emiraten ansässigen Ausländer oft zu hören sind. Dazu zählen unter anderen Hindi, Urdu, Ma- layalam, Bengali, Russisch, Philippinisch und Persisch. Die Gründe für die Vielfalt der Sprachen sind zum Einen die boomende Tourismusbranche, zum Anderen die Fülle an verschiedenen Völkern im Land.9

1.4 Religion

In den VAE ist die offizielle Religion der Islam. Insgesamt 96 Prozent der staatsbür- gerlichen Bevölkerung sind Muslime sunnitischer oder auch schiitischer Richtung. Die emiratische Kultur ist demnach vom Islam sehr geprägt. Immens ist der Einfluss auf die Gesellschaft und die Arbeitswelt in den Emiraten. Mit der großen Mehrheit von 96 Prozent werden religiöse Züge daher in vielen Lebensbereichen sichtbar: Ge- setze, Bildung, Essen, Kleidung und alltägliche Gespräche werden durchaus beein- flusst. Nicht zuletzt wird die Religion durch die Vielzahl der Moscheen im Land wi- dergespiegelt.10

Der religiöse Aspekt wird im Rahmen dieser Arbeit des Öfteren thematisiert, da der Islam eine dominierende und zentrale Stellung in der Kultur und in der Geschäftswelt der Emirate einnimmt.

Für jeden Moslem bindend sind die fünf Glaubensgrundsätze, die auf den sogenannten „fünf Säulen“ basieren. Sie dienen als Anleitung für das alltägliche Zusammenleben. Die erste Säule stellt das islamische Glaubensbekenntnis dar, dessen Aussprechen für den Beitritt in die islamische Gemeinschaft notwendig ist.

Das Ritual des Betens wird in der zweiten Säule normiert und findet fünfmal täglich statt. Dabei ist es entscheidend eine Haltung Richtung Mekka, dem zentralen Pilgerort der Muslime, einzunehmen. Die Pilgerreise dorthin ist eine wichtige Verpflichtung im Leben eines Moslems und entspricht einer weiteren Säule des Islams. Überdies ist jeder Moslem daran gebunden die sogenannte „Almosensteuer Zakat“ zu entrichten, was in der fünften Säule des Islams konstatiert wird. Zu den wichtigsten Bräuchen des Islams gehört der Fastenmonat Ramadan. Als zentrale Säule beeinflusst dieses Ritual das alltägliche Leben in den Emiraten auf besondere Weise: Innerhalb der Fastenzeit dürfen muslimische Gläubige während der gesamten Sonnenzeit eines Tages weder essen, noch trinken oder rauchen.11

An dieser Stelle sei angemerkt, dass insbesondere das fünfmalige Beten und der Ramadan von großer Relevanz für Umgangsformen in den Emiraten sind. Aufgrund dessen wird im Rahmen dieser Arbeit ein besonderes Augenmerk auf die zuletzt erwähnten Säulen gelegt.12

Hindus und Christen gehören mit insgesamt vier Prozent in den VAE zu Minderheitsreligionen. Wichtig zu erwähnen ist, dass in Abu Dhabi, Dubai und Al Ain viele christliche Kirchen zu finden sind. Obwohl die Verfassung die Religionsfreiheit einschließt und andere Religionen generell respektiert, gelten in der Praxis einige Restriktionen. Die Regierungen der Emirate erlauben es beispielsweise nicht den Kirchen Kreuze an den Außenfassaden ihrer Räumlichkeiten zu zeigen. Insbesondere wird die jüdische Glaubensgemeinschaft nicht akzeptiert.13

Zu unterscheiden ist jedoch die Situation in den Großstädten der Emirate, in erster Linie in Abu Dhabi und Dubai. Dort ist der Einfluss des Islam auf das Geschäftsleben weitaus geringer als in den übrigen Emiraten.14

2. Wirtschaftsstruktur in den Emiraten

Die VAE besitzen das siebtgrößte Erdölvorkommen der Welt, sind eine der am wei- testen entwickelten Volkswirtschaften des Nahen Osten und somit eines der reichs- ten Länder der Welt. Ferner liegen die VAE auf Platz vier, was die Gasreserven im Ländervergleich betrifft, nach Russland, dem Iran und Katar.15Die Währung ist der Dirham. Ein Dirham besteht aus 100 Fils. Ein Euro entspricht derzeit ca. fünf Dir- hams.16Die Inflationsrate in dem Land betrug 2,2 Prozent im Jahre 2010, wohinge- gen sich die deutsche Inflationsrate bei 1,1 Prozent einpendelte. Einhergehend mit dem Wohlstand des Landes liegt das nominale Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf bei 40.200 USD. Im Gegensatz dazu ist der deutsche Wert mit 35.900 USD deutlich geringer.17

2.1 Im- und Exporte

Zum Außenhandel ist zu sagen, dass sich die Einfuhren der VAE von 2005 auf 2008 nahezu verdoppelt haben. Die Nachfrage der Bauindustrie, die angestiegenen Gastarbeiterzahlen und Dubais Logistikdienstleistungen sind dafür mögliche Ursachen. Wegen der Weltwirtschaftskrise reduzierten sich die Importe im Jahre 2009 um 18 Prozent, wozu das Platzen der Immobilienblase erheblich beitrug. Das Jahr 2010 verzeichnete wieder realistische Steigerungen der Importe.18

China, Indien und die USA nahmen bei den Importen 2009 eine wichtige Stellung ein (s. Abb. 1). Mit 15 Prozent waren die Volksrepublik China und Indien die Hauptlieferanten, gefolgt von den Vereinigten Staaten mit acht Prozent. Deutschland trug mit sechs Prozent zu den Importen in den VAE bei. Eingeführt wurden in erster Linie Maschinen und Transportausrüstungen mit 44,8 Prozent. Des Weiteren gehörten Edelsteine und Schmuck (12,1 Prozent), Nahrungsmittel und lebende Tiere (7,1 Prozent) und Chemikalien (6,2 Prozent) zu den Importen.19

Abb. 1: Hauptlieferanten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: in Anlehnung an GTAI (2010b), S. 2.

Auch bei den Exporten im Jahre 2009 fällt auf, dass die VAE Handel mit der ganzen Welt betreiben (s. Abb. 2).. Die wichtigsten Hauptabnehmer sind Japan mit 18 Pro- zent, Korea und Indien mit je zehn Prozent, gefolgt von dem Iran mit sieben und Thailand mit fünf Prozent. Die Hälfte der Exporte mit 49,2 Prozent sind Erdöl und Erdölerzeugnisse. Die Haupteinnahmequelle der VAE bleibt demnach der Erdölsek- tor.20

Abb. 2: Hauptabnehmer der VAE

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an GTAI (2010b), S. 2.

Bezüglich der Baubranche ist zu konstatieren, dass die hohen Zahlen aus den boo- menden Jahren nicht mehr zu verzeichnen sind. Bautätigkeiten erfolgen demnach nicht mehr so expansiv. In den VAE und vor allem in Dubai wuchs der Tourismus- sektor in den vergangenen Jahren enorm. Das erfolgreiche Marketingmanagement der VAE trug hauptsächlich zu dem gewonnenen Image eines luxuriösen Reiseziels bei. Im industriellen Sektor nimmt die Aluminiumbranche die wichtigste Rolle ein. Die Land- und Forstwirtschaft wird auf Grund der Verbesserung von Bewässerungsanla- gen vorangetrieben. Davon profitieren insbesondere Frucht- und Gemüseplantagen, sowie Viehzuchtbetriebe in Wüstengegenden. Der Dienstleistungssektor der VAE hat den größten Sprung gemacht: Zwischen den Wirtschaftsräumen Europa, Afrika und Asien hat sich das Land zu einem relevanten Handels-, Finanz- und Kommunikati- onszentrum entwickelt.21

Neben Saudi-Arabien sind die VAE der wichtigste Handelspartner Deutschlands. In den letzten Jahren hat sich die Warenausfuhr in die VAE mehr als verdoppelt. Hauptsächlich wurden Fahrzeuge, Maschinen, elektrische Ausrüstungen sowie che- mische Erzeugnisse und Energietechnik aus Deutschland importiert. Das Emirat, das die höchsten Investitionen in Deutschland tätigt, ist derzeit Abu Dhabi.22

2.2 Wirtschaftswachstum - Chancen und Risiken

Als Risiko bezüglich des Wirtschaftswachstums wird in den VAE vorwiegend die Ein- schränkung der Eigentumsverhältnisse benannt. Ein Unternehmen muss zu mindes- tens 51 Prozent einem Einheimischen gehören. Dieses Gesetz soll sicher stellen, dass lediglich Staatsbürger der Emirate Führungspositionen innehaben dürfen. Ge- gebenenfalls kann dies zu einer Minderung der Attraktivität für ausländische Investo- ren führen. In der Praxis ist dieser Aspekt eher von geringer Bedeutung, da überwie- gend internationale Experten in den Emiraten in unternehmerische Projekte einge- bunden werden. Des Weiteren unterliegt die Verbreitung von Informationen in den VAE einer strikten Zensur: Importierte Zeitschriften müssen der Zensurbehörde vor dem Verkauf vorgelegt werden. Medien unterstellen sich einer Selbstzensur; das lo- kale Fernsehen liegt in staatlicher Hand. Auch dieser Punkt trägt dazu bei, dass eine Öffnung zu der westlichen Kultur als schwierig erscheint und internationale Investo- ren möglicherweise abgeschreckt werden können.23

Obwohl die VAE eines der beachtlichsten Erdölvorkommen der Welt besitzen und dies erheblich zu den Staatseinnahmen beiträgt, kann dieser Vorteil auch zum Nachteil werden. Die große Abhängigkeit der VAE von den Erdölvorkommnissen stellt dabei das bedeutsamste Risiko dar. Sofern die Allokation dieser Ressource in Zukunft nicht effektiv erfolgen wird, kann die Wirtschaft des Landes mit seiner Bevölkerung erheblichen Schaden davon tragen. Daher investieren die VAE vermehrt in den Tourismus, ebenso in neue Dienstleistungs- und Technologiebranchen, allen voran der Logistik- und Finanzsektor Dubais. Der Handel soll erweitert werden und zukünftig mehr zu den Staatseinnahmen beitragen. Infolgedessen wird von Seiten der Regierung in ein staatliches Handelszentrum für Edelmetalle investiert, wobei der Goldhandel und dessen Verarbeitung dafür essentiell sind.24

Zudem verfügen die Emirate über eine der fortschrittlichsten Infrastrukturen für Transport und Verkehr im Nahen und Mittleren Osten. Entlegene Regionen werden durch asphaltierte Schnellstraßen verbunden; der See- und Luftweg sind ebenso weit entwickelt. Es werden neue Häfen für den Tourismus gebaut und enorme Investitionen in den Ausbau von Flughäfen getätigt. Das öffentliche Verkehrsmittelnetz ist überwiegend in Großstädten ausgeprägt.25

Zurzeit unternehmen die VAE bedeutsame Anstrengungen die negative Energiebi- lanz des Landes zu verbessern. Massive Investitionen im Bereich von erneuerbaren Energien werden getätigt. Dieser Entwicklung steht man teilweise kritisch gegenüber. So befindet sich das „Masdar City“ beispielsweise momentan im Bau, die zur ersten CO2-freien Stadt der Welt werden soll. Da Bauphasen des Öfteren weiter hinaus ge- zögert werden, kann erst in Zukunft festgestellt werden, ob dieses Projekt effektiv Nutzen bringen wird.26

3. Gesundheitswesen

Die VAE gelten als ein Land mit einem qualitativ hochwertigen Gesundheitswesen. Knapp ein Prozent ihres BIP geben sie für die Entwicklung des Gesundheitswesens aus. Der Staat ist sehr bemüht den Stand der medizinischen Versorgung noch weiter zu verbessern.27Eine Krankheit, die sich rasant in dem Land verbreitet, ist Diabetes. Gerade um Entwicklungen solcher Art vorzubeugen, wird sowohl die medizinische Grundversorgung, die präventive Vorsorge, als auch die Rehabilitation noch stärker ausgebaut.28

Krankenhäuser, Ärzte und Spezialisten sind in allen größeren Städten vorhanden. Von einem Arzt werden etwa 1042 Patienten behandelt. Nur geringe Gebühren wer- den von öffentlichen Krankenhäusern erhoben. Medikamente sind des Öfteren frei erhältlich, auch für Antibiotika besteht keine Rezeptpflicht. Die Kindersterblichkeitsra- te liegt im Jahre 2011 bei geschätzten 11,9 Todesfällen pro 1000 Lebendgeborene und die Lebenserwartung bei der Geburt beträgt 76,51 Jahre. In Deutschland sind die geschätzten Todesfälle deutlich geringer (3,54 /pro 1000) und die Lebenserwar- tung ist nur etwas höher mit 80,07 Jahren gestellt. Dies verdeutlicht ein insgesamt hohes Gesundheitsniveau in den VAE.29

4. Bildung

Eine der Hauptaufgaben der föderalen Regierung sowie der einzelnen Emirate ist die Entwicklung und Verbesserung des Bildungssektors. Mit 34 Prozent ist der größte Teil des föderalen Haushalts für die Bildung vorgesehen. Seit 1971 besteht eine all- gemeine Schulpflicht für Sechs- bis Zwölfjährige. Die Alphabetisierungsrate beträgt 77,9 Prozent, wobei die Frauen im Land zu 81,7 Prozent, die Männer zu 76,1 Pro- zent lesen können. Dies ist ein gravierender Unterscheid zu Deutschland, da nur ein Prozent Analphabeten im Land leben. Generell ist die Bildung für die Bürger der Emi- rate kostenlos. Ausländer müssen dagegen Schulgebühren zahlen. Mit einem Ver- hältnis von 15:1 gehört der Schüler-Lehrer-Quotient zu einem der Weltbesten. In

Deutschland liegt dieser jedoch bei ca. 30 Kindern pro Lehrer. Die staatliche Univer- sität der Vereinigten Arabischen Emirate wurde 1976 in Al-Ain gegründet und umfasst heute etwa 17.000 Studenten. Prinzipiell wird in den VAE die Lehre nach Geschlechtern getrennt.30

5. Human Development Index

Um die Vereinigten Arabischen Emirate auf Grundlage der in Punkt zwei, drei und vier angesprochenen Komponenten in der Länderanalyse einordnen zu können, sei in diesem Abschnitt das Hauptaugenmerk auf den Human Development Index (HDI) gelegt. Dieser ist ein Wohlstandsindikator für Länder. Signifikant sind dabei verschie- dene Parameter, deren Dimensionen sich zwischen den Werten null und eins ein- pendeln. Berücksichtigt wird als erster Parameter der Bildungsgrad: Dabei werden die Anzahl an Schuljahren, die ein 25-Jähriger absolviert hat, gemessen und die Dauer der Ausbildung von Schülern jedes Alters geschätzt. Des Weiteren umfasst der Parameter der Lebenserwartung die Daten zur Gesundheitsfürsorge, zur Ernäh- rung und zur Hygiene eines Landes. Ebenso fließt der Indikator des Pro-Kopf- Einkommens in die Bewertung mit ein. Zu beachten ist hier, dass die Daten Durch- schnittswerte darstellen, so dass lediglich eine aggregierte Zusammenschau der Pa- rameter möglich ist. Demnach erlaubt der HDI als Indikator zwar eine erste Einord- nung des Landes, kann eine präzise Betrachtung des Wohlstandniveaus eines Lan- des jedoch nicht garantieren.31

Die VAE haben einen relativ hohen HDI, sie liegen im Jahr 2010 mit einem Wert von 0,815 auf Platz 32 von insgesamt 169 erfassten Ländern. Die Förderung des Gesundheits- und des Bildungswesens, in erster Linie aber das hohe BIP des Landes tragen zu dieser guten Platzierung bei. Deutschland liegt auf Platz 10 mit einem HDI-Wert von 0,885 (s. Anhang 1). Trotz des weitaus höheren Wertes sind beide Länder der Klasse der „very high human development“-Staaten zuzuordnen; „high“, „medium“ und „low“ sind weitere Abstufungen des HDI.32

6. Bevölkerung

Die Einwohnerzahl in den VAE beträgt fünf Millionen. Für die kommenden Jahre werden siebeneinhalb Millionen Einwohner prognostiziert. Zu Zeiten der Staatsgrün- dung im Jahre 1971 lebten erst 170.000 Menschen in den Emiraten. Daher spricht man bei den Emiraten von einem Land mit hohen Wachstumsraten.33Bemerklich ist, dass die Bevölkerung im Land zunehmend die ländlichen Gebiete verlässt, um in die Städte zu ziehen. Ballungsräume rund um die Großstädte werden für die nächsten 20 Jahre vorausgesagt.34

Eine Besonderheit der emiratischen Bevölkerungsstruktur ist die Tatsache, dass et- wa 80 Prozent der Einwohnerzahl Ausländer sind. Bei unveränderter Wachstumsrate kann man im Jahr 2015 davon ausgehen, dass ein Verhältnis von Einheimischen zu Fremden von 1 zu 99 läge.35Gastarbeiter aus Staaten wie Pakistan, Iran, Indien oder auch den Philippinen erbringen nahezu alle Dienstleistungen in den Emiraten. Die Bevölkerungsstruktur des Landes verteilt sich zu 70 Prozent auf Araber und zu 30 Prozent auf Asiaten, Inder, Philippiner und Pakistaner. Es sind lediglich 900.000 Menschen der fünf Millionen Einwohner Staatsbürger. Im Gegensatz zu Deutschland mit einem demographischen Wandel und einer stark zunehmend alten Bevölkerung, gibt es in den Emiraten nur einen Prozent Rentner und dafür eine dominante junge Generation von rund 80 Prozent. Dementsprechend beträgt auch das Durchschnitts- alter 30,1 Jahre. Zu dem Geschlechterverhältnis kann gesagt werden, dass etwa 2,19 Männer pro Frau in den Emiraten leben. Begründen kann man die hohe Män- nerquote mit den ausländischen Gastarbeitern, die vornehmlich ohne ihre Familie einreisen. Die Gesellschaft in den VAE ist von sozialen Unterschieden sehr geprägt. Es existiert ein enormes Wohlstandsgefälle mit entweder äußerst reichen oder armen Bevölkerungsregionen.36

[...]


1Vgl. KONRAD ADENAUER STIFTUNG (2009), S. 1 f.

2Vgl. SCHLESINGER, D. / SCHEURING, G. (2008), S.2.

3Vgl. ENVITECH (2006), S. 2.

4Vgl. GHORFA (2007), S. 10 f.

5Vgl. KJEILEN, T. (o. J.).

6Vgl. THE EMIRATES NETWORK (2011).

7Vgl. U. S. DEPARTMENT OF STATE (2011).

8Vgl. SCHLESINGER, D. / SCHEURING, G. (2008), S. 2.

9Vgl. EU ASIEN (2011).

10Vgl. KONRAD ADENAUER STIFTUNG (2009), S. 1.

11Vgl. ROTHLAUF, J. (2006), S. 549 ff.

12Vgl. Weitere Ausführungen zum Islam können bspw. bei ROTLAUF, J. (2006) ab S. 540 ff. nachgelesen werden.

13Vgl. BUNDESAMT FÜR MIGRATION (2007), S. 4.

14Vgl. ebenda.

15Vgl. BUNDESZENTRALE FÜR POLITISCHE BILDUNG (2008).

16Stand Mai 2011.

17Vgl. CIA THE WORLD FACT BOOK (2011).

18Vgl. GTAI (2010a), S. 10.

19Vgl. GTAI (2010b), S. 2.

20Vgl. GTAI (2010b), S. 2.

21Vgl. BUNDESAMT FÜR MIGRATION (2007), S. 10.

22Vgl. DEUTSCH-ARABISCHE GESELLSCHAFT (2011), S. 1.

23Vgl. GTAI (2010a), S. 7 f.

24Vgl. FOLLATH, E. / ZAND, B. (2009), S. 105.

25Vgl. ebenda.

26Vgl. GTAI (2010a), S. 15.

27Vgl. MINISTRY OF ECONOMY UAE (2007), S. 46.

28Vgl. SHEDLIN CAPITAL AG (o. J.).

29Vgl. CIA THE WORLD FACTBOOK (2011).

30Vgl. IMOVE GERMANY (2010), S. 13 f.

31Vgl. UNITED NATIONS DEVELOPMENT PROGRAMME (2010a).

32Vgl. UNITED NATIONS DEVELOPMENT PROGRAMME (2010b).

33Vgl. WIRTSCHAFTSKAMMERN ÖSTERREICHS (2011), S. 2.

34Vgl. IMOVE GERMANY (2010), S. 10.

35Vgl. SCHLESINGER, D. / SCHEURING, G. (2008), S. 155.

36Vgl. WIRTSCHAFTSKAMMERN ÖSTERREICHS (2011), S. 2.

Details

Seiten
60
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656141778
ISBN (Buch)
9783656142256
Dateigröße
1.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v189894
Institution / Hochschule
Hochschule Bochum – Fachbereich Wirtschaft
Note
1,3
Schlagworte
Interkulturelles Management Vereinigten Arabischen Emirate

Autor

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Titel: Interkulturelles Management am Beispiel der Vereinigten Arabischen Emirate