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Wirkungsmöglichkeiten musiktherapeutischer und musikpädagogischer Maßnahmen in der Arbeit mit schwerstmehrfach behinderten Menschen

Studienarbeit 2008 24 Seiten

Pädagogik - Medienpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Klärung der für das Thema zentralen Begrifflichkeiten

3. Abgrenzung zwischen Musikpädagogik und Musiktherapie

4. Wirkungen von Musik
4.1 ... bei musikpädagogischen Maßnahmen
4.2 ... bei musiktherapeutischen Maßnahmen

5. Einsatzmöglichkeiten in Bezug auf die Zielgruppe schwerstmehrfach behinderte und allgemein geistig behinderte Menschen

6. Praktische Erfahrungen zum Umgang mit dem Medium Musik
6.1 Gemeinsames Singen
6.2 „Snoezelen“
6.3 Musikbegleiteter Frühsport
6.4 Musikhören

7. Grenzen der Musiktherapie und Musikpädagogik bezogen auf die Zielgruppe

8. Stellungnahme zur themenbezogenen Fragestellung

9. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Das Medium Musik an sich und seine Nutzung ist seit vielen Jahrtausenden bedeutsamer Bestandteil der Menschheitsgeschichte und Individualentwicklung des Menschen. Dabei unterliegt Musik einem stetigen Wandel, durchläuft verschiedene Epochen und wird vom Menschen mitgestaltet und beeinflusst.

Musik taucht letztlich in jeder Lebens- und Entwicklungsphase des Menschen in irgendeiner Form auf. Ein Großteil der Menschen kommt täglich bewusst oder unbewusst mit diesem Medium in Kontakt und nutzt es. Grundlegend festzustellen gilt es, dass dies bei Menschen mit geistiger Behinderung nicht anders ist, wobei sicher der aktive Umgang mit Musik oft eher fremd- als eigengesteuert abläuft. Im Rahmen dieser wissenschaftlichen Arbeit sollen die beiden Disziplinen Musiktherapie und Musikpädagogik zueinander abgegrenzt werden. Dies wird in der Form einer vergleichenden Analyse geschehen, welche auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Bereiche eingeht, da eine geradlinige Trennung in diesem Feld schwer vorzunehmen ist. Dafür gibt es zu vielfältige thematische und zum Teil auch methodische Überschneidungen und Berührungspunkte. Es werden speziell die Wirkungen von Musik untersucht, sowohl bei musikpädagogischen als auch musiktherapeutischen Maßnahmen.

Auf den Erkenntnissen dessen aufbauend werden die Einsatzmöglichkeiten dieser Maßnahmen näher betrachtet. Als Zielgruppe hierfür stehen Menschen mit geistiger Behinderung und darin noch einmal schwerstmehrfach behinderte Menschen im Fokus. Die Bearbeitung dieser Thematik soll prinzipiell grundlegend mit dem Blick auf geistig behinderte Menschen geschehen. Es werden praktische Erfahrungen zum Thema einfließen, die erkennen lassen, welche Maßnahmen im Umgang mit Musik in der Einrichtung regelmäßig durchgeführt werden bzw. welche für die Zukunft perspektivisch umsetzbar sind. Im Zusammenhang dazu soll auf die Grenzen musikpädagogischer und musiktherapeutischer Maßnahmen eingegangen werden. Die Musikgeschichte allgemein wird bei der Bearbeitung des Themas keine Rolle spielen. Genauso kann auf die medizinischen und psychotherapeutischen Vertiefungen verschiedener Richtungen der Musiktherapie nicht genauer eingegangen werden. Gegenstand der Themenbearbeitung soll die Frage sein, wie durch musikpädagogische und/oder musiktherapeutische Maßnahmen die Förderung geistig und speziell schwerstmehrfach behinderter Menschen positiv gestaltet, die Wahrnehmung angeregt und der individuelle Erfahrungshorizont erweitert werden kann.

2. Klärung der für das Thema zentralen Begrifflichkeiten

Geistige Behinderung: „geistig behindert ist, wer infolge einer organisch-genetischen oder anderweitigen Schädigung in seiner psychischen Gesamtentwicklung und seiner Lernfähigkeit so beeinträchtigt ist, daß er voraussichtlich lebenslanger sozialer und pädagogischer Hilfen bedarf. Mit den kognitiven Beeinträchtigungen gehen solche der sprachlichen, sozialen, emotionalen und der motorischen einher. Eine „untere Grenze“ sollte weder durch Angabe von IQ-Werten noch durch Aussprechen einer Bildungsunfähigkeit festgelegt werden da bei allen Menschen die Bildungsfähigkeit angenommen werden muss“ (Bildungskommission des Deutschen Bildungsrates, 1973).

Mehrfachbehinderung: „Die Mehrfachbehinderung ist eigentlich das was an Behinderungen in der Realität wirklich vorkommt. Eine klar abzugrenzende „einfache“ Behinderung ist eher selten, weil eine Grundbehinderung (Primär- behinderung) fast immer Folgebehinderungen (Sekundärbehinderungen) nach sich zieht. ( ) In der Sonderpädagogik wird der Begriff dazu genutzt, erhebliche Beeinträchtigungen zu kennzeichnen und daraus einen entsprechenden Förderbedarf zu ermitteln“ (behinderung.org, 2008).

Schwerstbehinderung: „Dieser Begriff (...) ist eigentlich nichts anderes als eine Steigerung des Begriffes Mehrfachbehinderung, um auszudrücken, daß hier ein besonders großer Hilfs- und Förderbedarf besteht. Oftmals hört man auch noch den Begriff Schwerstmehrfachbehinderung“ (behinderung.org, 2008).

Emotion: „Gefühl, Gemütsbewegung, Erregung <lat>“ (Großes Fremdwörterbuch, 1977)

Therapie: „Gesamtheit aller Maßnahmen zur Behandlung einer Krankheit <griech>“ (Großes Fremdwörterbuch, 1977)

Pädagogik: „Wissenschaft von der zielstrebigen und systematischen Erziehung und Bildung (...) <griech -> lat>“ (Großes Fremdwörterbuch, 1977)

Musikpädagogik: „Die Musikpädagogik befasst sich mit dem Zusammenhang von Musik und Mensch in Aneignungs- und Vermittlungsprozessen. Perspektiven der Erziehung, der Bildung, des Lehrens, des Lernens und des Unterrichts spielen eine Rolle. Die Musikpädagogik ist als Wissenschaft von der musikpädagogischen Praxis zu unterscheiden“ (wikipedia.org, 2008).

Musiktherapie: „Die Deutsche Gesellschaft für Musiktherapie definiert Musik- therapie wie folgt: “Musiktherapie ist der gezielte Einsatz von Musik im Rahmen der therapeutischen Beziehung zur Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung seelischer, körperlicher und geistiger Gesundheit. Musiktherapie ist eine praxis- orientierte Wissenschaftsdisziplin, die in enger Wechselwirkung zu verschiedenen Wissenschaftsbereichen steht, insbesondere der Medizin, den Gesellschaftswissenschaften, der Psychologie, der Musikwissenschaft und der Pädagogik. Der Begriff Musiktherapie ist eine summarische Bezeichnung für unterschiedliche musiktherapeutische Konzeptionen, die ihrem Wesen nach als psychotherapeutische zu charakterisieren sind, in Abgrenzung zu pharmako- logischer und physikalischer Therapie. Musiktherapeutische Methoden folgen gleichberechtigt tiefenpsychologischen, verhaltenstherapeutisch-lerntheoretischen, systemischen, anthroposophischen und ganzheitlich-humanistischen Ansätzen“

(wikipedia.org, 2008).

3. Abgrenzung zwischen Musikpädagogik und Musiktherapie

Legt man dem Vergleich beider Musikdisziplinen jeweils eine Definition zugrunde, so ergibt sich ein bedeutsamer Unterschied: jegliche Form der Therapie zielt darauf, anhand einer Anamnese bzw. Diagnose und dem darauf aufbauenden Behandlungsplan eine bestimmte Krankheit oder Verletzung zu behandeln. Dabei ist es das Ziel, eine Heilung zu erreichen und die auftretenden Symptome zu lindern oder zu beseitigen. Pädagogik wiederum beschäftigt sich damit, den Menschen zu bilden und zu erziehen, seine Entwicklung zu fördern sowie Werte und Normen zu vermitteln. Übertragen auf die beiden Musikbegriffe bedeutet dies, dass die Musiktherapie das Medium Musik dazu verwendet, therapeutische Vorgänge zu initiieren und so dem Patienten geistig, seelisch oder körperlich zur Genesung zu verhelfen. Dies lässt schon im Ansatz eine offensichtliche Nähe der Musiktherapie zur Medizin und Psychotherapie erkennen. Sie sollte „ein Therapieprogramm nach musiktherapeutischen Kriterien aufstellen, dieses Programm mit Hilfe wissenschaftlich gesicherter musiktherapeutischer Methoden durchführen und dessen Ergebnisse unter musiktherapeutischen (...) Gesichtspunkten beurteilen und in einen gesamttherapeutischen Kontext einordnen“ (Vogelsänger 1985, S.168). Musikpädagogik dagegen beschäftigt sich mit dem Wesen der Musik an sich. Sie konzentriert sich auf die Vermittlung musikalischer Kenntnisse und die Erlangung von Fähigkeiten und Fertigkeiten, um Musik zu „verstehen“ und selbst produzieren zu können. Die Musik ist hier also zentraler Gegenstand der Beschäftigung und kein Mittel zum Zweck, mit dem ein therapeutisches Ziel erreicht werden soll. Es geht um die Förderung sozialer Kompetenz und die Herausbildung individueller Fähigkeiten und Fertigkeiten. Musikgeschichte und deren Epochen spielen genauso eine Rolle, wie das Erlernen von Methoden zum Interpretieren, Komponieren und Improvisieren von Musik. Das Spektrum der Musikpädagogik reicht unter anderem von der klassischen musikalischen Früherziehung und verschiedenstem Vokal- und Instrumentalunterricht an Musikschulen über den Musikunterricht an allgemein- bildenden Schulen bis hin zu Hausmusik, Orchester- und Singegruppen sowie letztlich der fachlichen Ausbildung in Musikstudiengängen an Fach- und Hochschulen. Die Musikpädagogik in Deutschland ist eng mit der Musikgeschichte der letzten Jahrhunderte in Deutschland und Europa verbunden und von ihr gleichsam geprägt, was schon allein ein Blick in den Lehrplan des schulischen Musikunterrichtes bestätigt. Die Musiktherapie ist aus der Musikpädagogik hervorgegangen. Beide besitzen also die gleichen Wurzeln und teilen dasselbe Medium. Grundlegend ist davon auszugehen, dass beide Disziplinen elementar betrachtet das Verhalten sowie Handeln ihrer Adressaten verändern wollen. In der Musikpädagogik schwerpunktmäßig musikalisches Handeln und in der Musik- therapie die Veränderung nichtmusikalischen Handelns und Verhaltens (vgl. Jellison, 1979, S. 130). Die Anfänge der Musiktherapie, vor allem in der Arbeit mit psychisch kranken und geistig behinderten Menschen sind in den USA zu suchen. Nach dem 2. Weltkrieg wurden diese Ansätze auch in Deutschland aufgegriffen. Seit den 70er Jahren ist eine breitere Beschäftigung mit dem Thema und Zunahme diverser Literatur zu beobachten, welche sich mit einer klareren theoretischen Positionierung der Musiktherapie beschäftigt und sich um eine Abgrenzung zur Musikpädagogik bemüht. Die Musiktherapie ist demnach ein relativ junges Fach, dem es bis heute an aussagekräftigen qualitativen wissenschaftlichen Studien fehlt (vgl. Aldridge, 1999, S.90). Sie ist in vielfältige therapeutische Richtungen und verschiedenartige „Schulen“ aufgespalten. Daraus lässt sich schließen, dass es dem entsprechend viele verschiedene Definitionen von Musiktherapie gibt. Jede Richtung setzt in der therapeutischen Arbeit andere Schwerpunkte und geht von einem anderen Verständnis bezüglich des Musikerlebens des „Patienten“ aus. So wird z.B. von psychosomatischen, tiefenpsychologischen oder sozialpsycho- logischen Aspekten ausgegangen. Unter den verschiedenen musiktherapeutischen Richtungen gibt es Ansätze mit offensichtlicher Nähe zur Medizin und solche, die eine pädagogisch-therapeutische Musikanwendung anstreben. Einige richten das Interesse mehr auf die Musik selber, andere mehr auf die therapeutische Beziehung. Allgemein ist in aktive (Musik machen) und rezeptive (Musik hören) musiktherapeutische Ansätze zu unterscheiden. Der Unterschied liegt darin begründet, dass der „Patient“ entweder passiv Musik rezipiert oder aufgrund eines therapeutischen Zweckes selber aktiv musiziert. Die jeweilige Anwendung der Methoden ergibt sich aus der vorliegenden Störung bzw. dem Krankheitsbild. Nach musiktherapeutischem Verständnis ist Musik kein „Medikament“, sondern ein Mittel, um vor allem bei schweren Störungen und Behinderungen eine Kommunikation aufzubauen und innerpsychische Abläufe (Freude, Erinnerung) anzuregen sowie Interaktionen und soziale Prozesse anzubahnen (vgl. Wickel, 1998, S.21). Es geht somit um prozessorientiertes Handeln. Folgt man in diesem Punkt der Ansicht von Decker-Voigt, so ist musikpädagogisches Handeln im Gegensatz dazu produkt- orientiert. Die Musik steht im Mittelpunkt der Betrachtung und letztlich soll musik- pädagogische Arbeit dazu führen, Musik anzuwenden und selber nicht nur zu rezipieren sondern auch zu produzieren. Hierfür wird schon beginnend mit der musikalischen Früherziehung die Musik in ihren ganz verschiedenen Gestaltungs- und Anwendungselementen betrachtet und kennengelernt, um Interesse zu wecken und individuelle Fähigkeiten frühzeitig erkennen zu können. Je nach Begabung vertieft sich die musikpädagogische Arbeit dann z.B. im Erlernen eines Instrumentes, wobei dies durch Musizieren verschiedener Musik- und Stilrichtungen in größerer Bandbreite geschieht. Das Potential der Musik soll dazu genutzt werden, den Menschen zu bilden und zu erziehen, wo sich der Rückschluss auf das Grund- prinzip von Pädagogik ergibt. Musikpädagogisches Handeln geht also von einem pädagogischen Verhältnis zwischen „Schüler“ und „Lehrer“ aus. Musiktherapie konzentriert sich demgegenüber auf den Aufbau eines therapeutischen Verhältnisses, um darüber „mit Hilfe von Musik zu heilen, zu helfen oder Menschen zu begleiten“ (Henk Smeijsters 1994, S.1). Musikpädagogische Arbeit geht von bestehenden Anlagen der Musikalität und Begabung aus und möchte diese anregen und darauf aufbauen. Aus dieser Arbeit ergeben sich dann soziale Effekte, dass z.B. über Musik Gefühle ausgedrückt oder negative Erlebnisse verarbeitet werden. Dies ist aber gewissermaßen nicht das erklärte Ziel. Musiktherapie nutzt Musik ganz bewusst, um diese psychischen Vorgänge zu entfachen und dann therapeutisch damit zu arbeiten. Über Musik soll der Zugang zum Menschen möglich werden.

Nun stellt sich die Frage, warum anhand einiger eben angeführter Unterschiede die Differenzierung der beiden Disziplinen in der Praxis trotzdem nicht so eindeutig möglich ist? Die Arbeit mit geistig behinderten Menschen ist sowohl für Musik- pädagogik als auch -therapie eine unter vielen Zielgruppen. Schon allein dies erschwert eine zuverlässige Abgrenzung. Besonders im sonder- und heil- pädagogischen Bereich hebt sich eine musiktherapeutische Hauptströmung hervor, welche mit pädagogisch-therapeutischen Leitzielen arbeitet und als Ansatz der „pädagogischen Therapie“ den Zielsetzungen musikpädagogischer Arbeit immer näher kommt. Beide Disziplinen nutzen zu ihrer Arbeit verschiedene Instrumente. Einerseits um das Spielen auf diesen zu erlernen, andererseits um mit ihrer Hilfe den Menschen für einen therapeutischen Prozess zu öffnen. Das ist eine bedeutsame Gemeinsamkeit beider Bereiche. Methoden wie Musik hören oder Improvisation werden ebenso beiderseits angewendet. Inhaltlich wird das gleiche Medium genutzt, wodurch sich die Unterscheidung ohne eine klare eindeutige theoretische Basis (wie im Fall der Musiktherapie) schwierig gestaltet. In der musikpädagogischen Arbeit mit geistig behinderten Menschen kommt es zudem mitunter zu einer therapeutischen Vermischung. Das heißt, dass in der praktischen Arbeit weniger der Grundsatz des Erziehens und Bildens vordergründig ist, sondern eine „musikalische Behandlung“ des Klienten. Ziel der Musikpädagogik muss aber sein, durch den bewussten Umgang mit und Einsatz von musischen Elementen dem Klienten zu mehr Selbstständigkeit zu verhelfen und die Weiterentwicklung seiner Persönlichkeit zu fördern. Es kann also weniger von Behandeln die Rede sein, da der Klient mit dem Erlernen eines Instrumentes positive Erlebnisse und selbst- bestimmende Handlungsformen erreichen sollte. Diese Veränderungen sollten nicht durch äußere Beeinflussung erwirkt werden, sondern müssen sich aus dem eigen- initiativen Handeln der Person entwickeln. Auch im musiktherapeutischen Bereich werden teilweise musikpädagogische Maßnahmen als Therapie verkauft oder ihre Verwendung unter therapeutische Ziele gestellt. Bleiben wir beim Beispiel des Instrumentalunterrichtes, so werden dieser Maßnahme außermusikalische Ziele wie Selbstständigkeitsförderung, Kommunikationsanbahnung oder Erlebnisverarbeitung zugeordnet und schon kann von einer Therapie gesprochen werden (vgl. Hartogh 1998, S. 108). Ohne das Vorhandensein einer konkreten Diagnose oder eines auf eine konkrete Störung/Erkrankung angepassten Therapieplanes, in welchem dann sicherlich auch Instrumentalunterricht zum Einsatz kommen kann, sollte aber nicht mit dem Begriff der Musiktherapie gearbeitet werden. Die gegenwärtige Entwicklung fördert jedoch diesen Überlegungsansatz nicht. Indem durchaus bedeutsame Angebote wie Arbeit, Freizeit, Familie, ... mit dem Begriff Therapie versehen werden, soll eine Aufwertung dieser Hilfen geschehen, ohne vielleicht bewusst therapeutische Ziele im Auge zu haben. Betrachtet man die Bereiche Heil- oder Sozialpädagogik, so leitet sich daraus ab, das dem behinderten Menschen zu allererst Hilfe zur Alltagsbewältigung, Teilhabe am Arbeitsleben/Leben der Gemeinschaft und Persönlichkeitsentwicklung zu Teil werden soll. Dieser Grundsatz liegt weniger im therapeutischen Umgang und ist daher am ehesten unter Anwendung pädagogischer Mittel und Maßnahmen zu erreichen. Wenn es möglich ist, eine Maßnahme auf ihr Ziel hin zu überprüfen, ist damit sicher auch die Basis gesetzt, trotz der methodischen und zum Teil auch inhaltlichen Überschneidungen von Musikpädagogik und Musiktherapie, beide in der Praxis zu unterscheiden.

4. Wirkungen von Musik

Egal ob in Musikpädagogik oder Musiktherapie, wird das Medium Musik aus dem Grund verwendet, weil davon auszugehen ist, dass es prinzipiell eine Wirkung auf den Menschen ausübt. Schon beim Hören von ruhiger/leiser oder lauter/schneller Musik ist an sich selbst zu beobachten, dass sich die Stimmung sowie das eigene Verhalten ändern. Von enorm großer Bedeutung bei der Frage nach den Wirkungen der Musik ist die individuelle Wechselwirkung zwischen Mensch und Musik. Jeder Mensch nimmt akustische Reize individuell wahr und verarbeitet sie. Lässt sich z.B. die traurige Stimmung eines Menschen durch das Hören klassischer Musik aufheitern, wird dies bei einer beliebigen anderen Person höchstwahrscheinlich schon ganz anders sein.

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Details

Seiten
24
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656142584
ISBN (Buch)
9783656142768
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v189899
Institution / Hochschule
Berufsakademie Sachsen in Breitenbrunn
Note
Schlagworte
Musiktherapie Musikpädagogik Behinderung

Autor

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Titel: Wirkungsmöglichkeiten musiktherapeutischer und musikpädagogischer Maßnahmen in der Arbeit mit schwerstmehrfach behinderten Menschen