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Welche Vor- und Nachteile birgt der Kündigungsschutz nach dem Kündigungsschutzgesetz?

Wissenschaftlicher Aufsatz 2008 9 Seiten

Führung und Personal - Sonstiges

Leseprobe

I. Chancen und Risiken des KSchG

1. Konflikt

Der allgemeine Kündigungsschutz ist eine ständig geführte Auseinandersetzung zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Dem Arbeitnehmer ist es sehr wichtig seinen Arbeitsplatz nicht zu verlieren und somit seine Existenz nicht zu gefährden.

Dem Arbeitgeber entstehen unnötige Kosten durch das Kündigungsschutzgesetz (KSchG) und er wird durch das Gesetz in seiner unternehmerischen Handlungsfähigkeit eingeschränkt. Somit entstehen zwei unterschiedliche Interessengruppen.

1.1 Position der Arbeitnehmer

Arbeitnehmer sind durch das Kündigungsschutzgesetz geschützt vor den willkürlichen Kündigungen des Arbeitgebers. Somit wird die schwächere Vertragspartei in Schutz genommen und der Arbeitsplatz kann dem Arbeitnehmer garantiert werden, was seine soziale Stabilität fördert. Arbeitsverträge über eine längere Zeit haben den Vorteil, dass der Unternehmer eher geneigt ist den Angestellten mit beruflichen Fortbildungen zu fördern, wodurch dieser dann mehr qualifiziert wird.

Ein straffes KSchG sorgt dafür, dass Entlassungen nur selten vorkommen und, dass Arbeitskräfte nicht ständig den Betrieb wechseln müssen.

Eine Lockerung des KSchG würde Verunsicherung bei den Arbeitnehmern verursachen. Diese würde sich wiederum auf die Wirtschaft projizieren, denn jemand, der fürchtet seinen Arbeitsplatz von heute auf morgen zu verlieren, wird eher mit Zurückhaltung konsumieren und eventuell länger warten eine Familie zu gründen.

Wenn Mitarbeiter einfach fristlos gekündigt werden können, dann besteht die Gefahr, dass die Arbeitslosigkeit sogar gravierend zunimmt. Dies alles könnte die Binnennachfrage stark schwächen. Ein Arbeitnehmer, der ständig mit einer Entlassung rechnen muss, wird es bevorzugen, sich nicht oft auf dem Arbeitsplatz zu äußern. Innovationen und kreative Vorschläge kommen nicht zustande. Wenn die Sicherheit des Arbeitsplatzes nicht gewährt wird, herrscht Angst und das Arbeitsklima wird dadurch geschädigt.1

1.2 Position der Arbeitgeber

Die heutige Arbeitswelt hat sich grundlegend verändert. Die Technologien und Arbeitsprozesse sind flexibler geworden und der Trend geht weg von der Massenproduktion, hin zu der Spezialisierung. Das Arbeitsrecht muss sich zwangsweise diesem Wandel fügen, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit erreichen zu können.2

Die Flexibilität des Arbeitsrechts ist eine zentrale Voraussetzung für das Bewältigen des Strukturwandels, für wirtschaftliches Wachstum und für den Abbau der Arbeitslosigkeit.3

Arbeitgeberverbände befürworten eine Lockerung des deutschen KSchG und wünschen sich ein modernes Arbeitsrecht, welches den Anforderungen des 21. Jahrhunderts angepasst wird.4

Überregulierungen in dem deutschen Arbeitsrecht haben maßgeblich dazu beigetragen, dass die Arbeitslosigkeit in Deutschland angestiegen ist. Eine Flexibilisierung in dem Arbeitsrecht entfernt die Einstellungshemmnisse der Unternehmen und schafft somit zusätzliche Arbeitsplätze. Eine Verbesserung der Rahmenbedingungen der Unternehmen führt zu mehr Wachstum und somit zu mehr Beschäftigung.5

Wenn Arbeitgeber sich leichter von Mitarbeitern trennen können, so kann man annehmen, dass es Ihnen dann auch leichter fällt wieder welche einzustellen. Arbeitgeber sehen Nachteile in dem KSchG, da auch bei schlechter Auftragslage Sie sich nicht von dem Angestellten trennen dürfen. Mehrarbeit, Kurzarbeit, befristete Arbeitsverhältnisse oder Leiharbeit sind die Folge. Der Kündigungsschutz ist für Unternehmen ein enormer Kostenfaktor. Dies könnte dazu beitragen, dass Arbeitgeber ihre Löhne senken, um die zusätzlichen Kosten zu decken.6

Je straffer ein KSchG, desto wahrscheinlicher ist ein Arbeitsgerichtsverfahren im Falle einer Kündigung, welches mit hohen Gerichtskosten verbunden ist. In Zeiten der Globalisierung überlegen multinationale Konzerne zweimal, wo Sie sich stationieren. Bevorzugt werden Staaten mit geringem Kündigungsschutz.

1.3 Lockerung des Kündigungsschutzes = weniger Arbeitslosigkeit?

Dem deutschen Staat stehen einige Mittel zur Verfügung, um das Arbeitsmarktgeschehen zu beeinflussen. Ein Mittel ist der Kündigungsschutz. Die Bundesagentur für Arbeit(BA)-Studie geht davon aus, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem Kündigungsschutz und der Beschäftigung gibt. Dies zeigt vor allem die Lockerung des KSchG vom 01.Januar 2004. Auch die Änderungen des KSchG vom Jahre 1996 und 1999 haben weder die Zahl der Einstellungen, noch die Zahl der Kündigungen verändert.7

Den Kündigungsschutz zu lockern reicht nicht aus, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, es sind vielmehr die günstigen Standortbedingungen und die flexiblen Löhne, welche dafür sorgen, dass es sich für die Unternehmen rentiert neue Arbeitskräfte einzustellen. Wenn die Unternehmen keine weiteren Arbeitskräfte mehr benötigen, dann kann selbst der Kündigungsschutz diesen Arbeitsplatz nicht erhalten.

[...]


1 Vgl. www.dgb.de.

2 Vgl. Junker/Oechsler, S.15 Die Zukunft der Arbeitswelt.

3 Vgl. Cessy Kühl, Band 17.

4 Vgl. Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände.

5 Vgl. Stefanie Kremer, 2008.

6 Vgl. Holger Bonin, Discussion Paper No. 1106, 2004.

7 Vgl. Studie der Bundesagentur für Arbeit.

Details

Seiten
9
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656142560
ISBN (Buch)
9783656142799
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v189903
Institution / Hochschule
Westfälische Hochschule Gelsenkirchen, Bocholt, Recklinghausen – Fachbereich Wirtschaftsrecht
Note
2,0
Schlagworte
welche vor- nachteile kündigungsschutz kündigungsschutzgesetz

Autor

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