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Graphematik und Lautung - ein Überblick über grundlegende Probleme der spanischen Grammatik

Seminararbeit 2009 17 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Definitionen
1.1. Graphematik (auch Graphemik), la grafemática
1.2. Phonologie, la fonología
1.3. Graphem, el grafema
1.4. Graph
1.5. Phonem, el fonema
1.6. Phon (Laut), el fono (el sonido)
1.7. Allograph
1.8. Allophon, el alófono
1.9. Buchstabe, la letra

2. Wortgruppenschreibung
2.1. Silbenstruktur
2.2. Groß-und Kleinschreibung
2.3. Interpunktion

3. Graphem-Phonem-Ebene
3.1. Phonem-Graphem
3.2. Graphem-Phonem

4. Regionale Besonderheiten
4.1. Yeísmo
4.2. Seseo und ceceo
4.3. Žeismo und šeismo

5. Zusammenfassung

6. Quellenverzeichnis

0. Einleitung

Deklariert als eine der einfachsten Sprachen der Welt, weist das Spanische bei näherer Betrachtung doch einige grammatikalische Besonderheiten auf, die dem Lernenden und auch dem erfahreneren Sprecher das ein oder andere Problem bereiten können.

Die folgende Arbeit soll sich dem Problem der geschriebenen Äußerungen der Sprache und dem Verhältnis zur Orthografie, der Schriftnorm, beschäftigen: der Graphematik.

Da aber auf der untersten Komplexitätsstufe einer jeden alphabetisch verschrifteten Sprache zwei Beschreibungsebenen auftreten, muss noch eine Grundebene aus dem Bereich einer anderen Teildisziplin der Sprachwissenschaft mit einbezogen werden. Die Phonemebene gehört der Phonologie an, welche ebenfalls unerlässlich für alle Untersuchungen zur Graphematik ist. So beschäftigt sich diese Arbeit nicht nur mit der Graphematik selbst, sondern auch mit ihrer Relation zur Phonologie.

Nachdem im ersten Schritt die Begriffsterminologien geklärt wurden, so wird anschließend die Graphem-Phonem-Ebene und mit ihr das Verhältnis von Lautung und Schreibung erläutert. Weiterhin soll ein Einblick in die Wortgruppenschreibung, also Orthografie-/Interpunktionsnormen und Silbenstruktur, und außerdem in regionale Besonderheiten der Lautung gegeben werden.

Allerdings soll dies keine bloße Zusammenfassung der spanischen Graphematik sein, sondern vielmehr vor allem die durch eben diese auftretenden Probleme für den (deutschsprachigen) Lernenden und möglicherweise auch den spanischen Muttersprachler, vornehmlich durch die Unterschiede zum Deutschen, fokussieren.

1. Definitionen

Da es schwierig ist, die Graphematik allein zu betrachten, ohne die Phonologie mit einzubeziehen, sollen im ersten Schritt sprachwissenschaftliche Definitionen für diejenigen Begriffe gegeben werden, die im Folgenden öfter verwendet werden.

Erklärt werden die Hauptbegriffe Graphematik und Phonologie, das Graphem und der Graph in Abgrenzung zum Phonem und zum Phon, der Allograph in Abgrenzung zum Allophon und der Buchstabe in Abgrenzung zum Graphem.

So zeigt sich, dass es sich nicht nur um eine einfache Klärung der Terminologien, sondern auch um den Unterschied zwischen den Aspekten der hier hauptsächlich zu behandelnden Graphematik und Lautung und dem angrenzenden Thema der Phonologie geht.

1.1. Graphematik (auch Graphemik), la grafemática

Wissenschaft von den „distinktiven Einheiten des Schriftsystems“[1] und den „Regeln zu ihrer Verknüpfung“[2], dem Verhältnis von geschriebenem und gesprochenem Wort. Die Methodik der Forschung bei alphabetisierten Sprachen basiert daher meist auf der Phonologie.

1.2. Phonologie, la fonología

Analyse von Lauten im Hinblick auf ihre „Funktion in einem gegebenen Sprachsystem“[3], so steht die „abstrakte, einzelsprachliche“[4] Seite im Vordergrund, es geht um die bedeutungsunterscheidenden Teile der Sprache.

1.3. Graphem, el grafema

„Kleinste, segmentale Einheit des Schriftsystems“[5], es stellt die Verschriftlichung eines Phonems dar, es ist die „kleinste, bedeutungsunterscheidene Einheit eines Schriftsystems“[6] also distinktiv. Es ist die Menge von Allographen mit Bezug auf dasselbe Phonem.

Interessant ist auch, dass Nerius et al. auch Satzzeichen zu den Graphemen zählen[7], was besonders für das Spanische von Bedeutung ist. Der Akzent spielt eine wichtige Rolle, da er nicht nur für einen Unterschied in der Aussprache sorgt, sondern auch distinktiv ist. So verschiebt er beispielsweise in órgano nur die Betonung vom <a>, wo es nach den normalen Ausspracheregeln liegen würde, auf das <o>. In regalo im Gegensatz zu regaló hingegen sorgt der die Setzung des Akzents für einen Bedeutungsunterschied, da regalo entweder „das Geschenk“ heißt und ein Substantiv ist oder die erste Form Singular des Verbs regalar darstellt und „ich schenke“ bedeutet, während regaló die dritte Person Singular des pretérito perfecto simple ist und somit die Vergangenheitsform desselben beschreibt.

1.4. Graph

Schriftliche Realisierung eines Buchstabens[8], wobei noch nicht klar ist, welchem bestimmten Phonem er angehörig ist. Entsprechend dem Verhältnis von Phon und Phonem auf Lautebene ist der Graph eine „Variante des Graphems“[9] auf Schriftebene.

1.5. Phonem, el fonema

Abstrakte Laute, die die „kleinste, bedeutungsunterscheidende (…) Einheit“[10] eines Lautsystems bilden.

1.6. Phon (Laut), el fono (el sonido)

Kleinstes „phonetic segment“[11], das durch „beliebig viele lautliche Merkmale“[12] beschrieben werden kann, wobei mehr Merkmale eine genauere Beschreibung erlauben. Es ist noch keinem bestimmten Phonem zugeordnet (vgl. Graph - Graphem).

Der Begriff des Lautes selbst beschreibt unspezifisch die kleinsten „auditiv, akustisch oder artikulatorisch“[13] zu unterscheidenden Bestandteile gesprochender Sprachen. Erst durch spezielle Analysen der Phonolgie erreicht man die Ebene der „abstrakten Lauteinheiten“[14], die dann Phoneme genannt werden, sofern es sich um bedeutungsunterscheidende Elemente handelt.

1.7. Allograph

Varianten der Schreibmöglichkeiten eines Graphems, wie z.B. Druckbuchstaben/ Schreibschrift oder auch diejenigen einer graphematischen Form, wie z.B. im Deutschen „„Friseur“ gegenüber „Frisör“ oder „Portemonai“ und „Portmonee““[15], wobei hier nach neuen Standards freitgestellt bleibt, welche Schreibweise man verwendet; auch die Groß- und Kleinschreibung fällt hierunter. Im Spanischen ist hierfür besonders das <r> und das <rr> interessant, das im Abschnitt 1.9. näher betrachtet wird.

1.8. Allophon, el alófono

Variante zur Realisierung eines Phonems, die nie bedeutungsunterscheidend ist. Man unterscheidet zwischen kombinatorischen, also stellungsbedingten, und fakultativen (freien) Allophonen. Erstere sind „komplementär verteilt“[16], d.h. man findet sie nicht in derselben lautlichen Umgebung, während Zweitere von ebendieser unabhängig sind und Ergebnis „individueller, regionaler, sozialer oder zufälliger Realisierung“[17] sein können (siehe regionale Unterschiede). Zum Teil sind sie nur mit unnötiger, überflüssiger Information ausgestattet, die sich schon aus den Regeln ableiten lässt, die sich aus der entsprechenden lautlichen Umgebung ergibt.[18]

1.9. Buchstabe, la letra

Ein Schriftzeichen, das entweder eigenständig oder in Verbindung mit anderen derartigen Schriftzeichen für „sprachliche Laute oder Lautfolgen“[19] steht. In einigen alphabetischen Systemen gibt es Zeichen, die entweder erst gar nicht alleine auftreten können oder aber an einer bestimmten Stelle im Wort zusammen mit einem oder zwei anderen als eines erscheinen. Im Deutschen beispielsweise steht der Buchstabe <c> außerhalb von fremdprachlichen Begriffen immer nur in Verbindung mit <h>, <k> oder zwischen <s> und <h>, während diese Kombinationen dann als ein einziges Graphem auftreten, wie zum Beispiel /sch/ als Zischlaut oder /ck/ als einfaches /k/. Auch das Spanische kennt dieses Phänomen.

So sorgt ein u nach dem anautenden <g> in guerra zwar für einen Unterschied der Aussprache, stellt aber nur mit diesem zusammen ein Graphem dar, da das Wort andernfalls nicht existieren würde.

<rr> hingegen ist entgegen der möglichen ersten Annahme kein Allograph für das Phonem /r/, da es einen lautlichen Unterschied hervorruft und auch bedeutungsunterscheidend ist. Somit ist es als Graphem einzustufen. So werden z.B. perro und pero oder carro und caro fälschlicherweise von Lernenden gleich ausgesprochen, sorgen aber offensichtlichen für einen eindeutigen Unterschied.

2. Wortgruppenschreibung

2.1. Silbenstruktur

Rein intuitiv setzen wir die Silbengrenzen auch in einer erlernten Sprache richtig, die Regeln aber kennen wir meist nicht einmal in unsere Muttersprache. Zwar gehört die Silbenstruktur eher in den Bereich der Morphologie, der Lehre von der Erforschung der kleinsten bedeutungs- und funktionstragenden Elementen einer Sprache, ist aber dennoch beim Thema der Graphematik und Lautung und auch der hier nur am Rand angesprochenen Orthografie von fundamentaler Bedeutung.

An dem Beispielwort amigos wird deutlich, dass das intuitive durchaus dem durch Regeln erlernten Wissen gleicht. So ist „A.mi.gos“ ist nicht nur die erste Idee zur Silbentrennung, sondern entspricht auch allen sprachwissenschaftlich und orthografisch festgelegten Regeln.[20] Die Silbenstruktur gehört nicht unbedingt zu den gravierendsten Problemen der spanischen Grammatik, da die meisten Wörter „nach Gefühl“ wie im Deutschen getrennt werden. Zwar gibt es Ausnahmen, diese sind nur bedingt problematisch, da auch sie schnell zum normalen Sprachgefühl gehören.

2.2. Groß-und Kleinschreibung

Im Gegensatz zur deutschen Sprache hat das Spanische, genau wie besipielsweise das Englische, eine recht simple Regelung, wenn es um die richtige Groß- und Kleinschreibung geht. Groß geschrieben wird lediglich der Satzanfang, innerhalb des Satzes nur Eigennamen.

So kann man davon ausgehen, dass es dem Deutsch lernenden Spanier schwerer fallen wird, mit den neuen Regeln vertraut zu werden, als dem deutschen Muttersprachler, wenn er die spanischen Regelungen verinnerlichen will.

2.3. Interpunktion

Die spanischen Regeln zur Interpunktion unterscheiden sich nur zum Teil von den deutschen. An dieser Stelle exemplarisch ein Überblick:

- Punkte, Kommata, Strich- und Doppelpunkte werden wie im Deutschen benutzt, wobei letztere auch nach Begrüßungen stehen.
- Frage- und Ausrufezeichen stehen jeweils vor dem entsprechenden Satz auch einmal in „umgedrehter“ Form und klammern nur die fragenden bzw. ausrufenden Teile des Satzes ein, nie den ganzen. Bsp.: “Estoy bien, ¿tú?“ bzw. “Vamos, ¡arriba!“.
- Anführungszeichen stehen immer oben.

[...]


[1] H.Bußmann, Lexikon der Sprachwissenschaft, 264

[2] C.Dürscheid, Einführung in die Schriftlinguistik, 125

[3] N.Pomino/S.Zepp, Hispanistik, 66

[4] Ebd., 39

[5] C.Dürscheid, Einführung in die Schriflinguistik, 128

[6] Ebd., 130

[7] C.Dürscheid, Einführung in die Schriftlinguistik,129

[8] Vgl. H. Bußmann, Lexikon der Sprachwissenschaft, 263

[9] Ebd.

[10] H. Altmann/U.Ziegenhain, Phonetik, Phonologie und Graphemik, 72

[11] V.Fromkin/R.Rodman, An Introduction to Language, 259

[12] H.Altmann/U.Ziegenhain, Phonetik. Phonologie und Graphemik, 72

[13] H.Bußmann, Lexikon der Sprachwissenschaft, 392

[14] H.Bußmann, Lexikon der Sprachwissenschaft, 393

[15] Vgl. ebd.,

[16] H.Altmann/ U.Ziegenhain, Phonetik, Phonologie und Graphemik, 74

[17] Ebd.

[18] Vgl N.Pomino/S.Zepp, Hispanistik, 55

[19] H.Bußmann, Lexikon der Sprachwissenschaft, 131

[20] Aus Platzgründen sollen diese Regeln hier nicht aufgefüht werden, sind aber z.B. zu entnehmen: J.Blaser, Phonetik und Phonologie, 76

Details

Seiten
17
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656145240
ISBN (Buch)
9783656145080
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190049
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
3,0
Schlagworte
graphematik lautung überblick probleme grammatik

Autor

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