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Entwicklungen und Unterschiede in der Hochschulzulassung - USA und Großbritannien

von Petra Berganov (Autor)

Seminararbeit 2009 16 Seiten

Pädagogik - Hochschulwesen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung
Anmerkungen

Zulassung in Großbritannien
Historische Perspektive
Sekundärbildung und der private Sektor
Studiengebühren
Hochschulzugang und Auswahlverfahren

Zulassung in den Vereinigten Staaten
Historische Perspektive
Zum System
Studiengebühren
Hochschulzugang und Auswahlverfahren
Research Universities und das inoffizielle Zulassungskriterium

Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Das Bildungssystem erfüllt nach Rainer Geißler zwei zentrale Funktionen in der Gesellschaft: Soziale Platzierung und soziale Auslese.[1] Die Chancengleichheit spielt vor allem bei letzterem eine große Rolle: Soll die Leistung im Vordergrund stehen, kompromisslos und ohne Blick auf solche, die prinzipiell benachteiligt sind? Oder soll man mittels Quoten eine strukturelle Gleichheit, wenigstens in Hinblick auf die Gleichverteilung, schaffen? Und wie viele Akademiker kann der Markt überhaupt gebrauchen?

In vielen Ländern suchen Regierungen und Hochschulleitungen seit der Bildungsexpansion Mitte des 20. Jahrhunderts Wege, mit dem Ansturm auf Sekundär- und Tertiärbildung umzugehen. Dabei wird auch wieder die Frage nach der Auslese wichtig: Komplexe Zulassungsbeschränkungen und Auswahlverfahren bereiten nicht nur angehenden Studenten Kopfzerbrechen, sondern auch denjenigen, die sie entwerfen und durchführen sollen.

So fragt Julian Hans in einem ZE/T-Artikel:

Wie soll eine Massen-Uni (...) ihre 8000 Erstsemester pro Jahr unter mehr als doppelt so vielen Bewerbern finden? Wer will deren Bewerbungen lesen, wer die Auswahlgespräche führen? Und vor allem: Wie findet man die Besten, die schnell studieren, Karriere machen und den Ruf des Hauses mehren? [2] Die Suche nach der richtigen Technik, die zuverlässig und fair solche viel versprechenden Kandidaten von den Übrigen trennt, ist eine Gratwanderung.

Welche unterschiedlichen Verfahren dabei zum Einsatz kommen, ist höchst interessant nachzuvollziehen und soll in dieser Arbeit anhand der Herangehensweisen zweier Bildungsspitzen verdeutlicht werden: Amerika stellt fast geschlossen die Top Ten-Universitäten bei den wichtigsten Hochschulrankings.[3] Ihnen noch am nächsten kommt die britische Elite: Hier sind es die traditionsreichen Universitäten, deren Absolventen im Licht weltweiter Anerkennung stehen. Wer also eine wissenschaftliche Karriere einschlagen und Seite an Seite mit den Besten arbeiten will, den zieht es ins englischsprachige Ausland; nach Yale, Harvard oder Oxford, wobei hier noch einige weitere zu nennen wären. Der Soziologe Jerome Karabel, der selbst in Harvard promovierte, nennt Studenten solcher Eliteschmieden vieldeutig The

Chosen. [4] Denn zuletzt bleibt auch die Frage, inwieweit Chancengleichheit bei den Zulassungsverfahren überhaupt noch ein Thema ist - und wie in diesen beiden Ländern damit umgegangen wird.

Anmerkungen

An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass im Großbritannien-Teil aus verschiedenen Gründen der Fokus auf England liegt: Aufgrund der Kürze der Arbeit lässt sich nur unzureichend auf regionale Unterschiede eingehen. Insbesondere schottische Strukturen weichen leicht von den in England vorherrschenden ab, grundsätzlich besteht jedoch ein hoher Übereinstimmungsgrad.

Ebenso verhält es sich mit dem Hochschulbegriff: Hier muss von detaillierten Beschreibungen der zahlreichen Hochschulformen neben den Universitäten abgesehen werden. Der Vergleich bezieht sich also hauptsächlich auf Universitätsstrukturen. Der Vollständigkeit halber werden die verschiedenen Typen jedoch immer genannt und es werden Hinweise auf weiterführende Literatur gebracht.

Zuletzt sei angemerkt, dass in dieser Arbeit zwar britische und amerikanische Zulassungsverfahren verglichen werden, an einigen Stellen jedoch zusätzlich kurze Verweise auf die Lage in Deutschland angebracht werden, um die Thematik anschaulicher zu gestalten.

Zulassung in Großbritannien

In Großbritannien gibt es heute insgesamt rund 180 Hochschuleinrichtungen, davon etwa 90 Universitäten[5]. Hier beginnen durchschnittlich 40% eines Altersjahrgangs ein Hochschulstudium. Die Studienabbrecherquote ist vergleichsweise gering, was Jürgen Albers in seiner Dissertation von 2004 einerseits auf die durchstruktierten Studiengänge, andererseits aber auch auf das besonders strenge Auswahlverfahren der Studienbewerber zurückführt[6]. Allerdings gehen 83% aller britischen Studenten bereits nach ihrem ersten Abschluss, üblicherweise mit dem akademischen Grad des Bachelor, von der Universität ab.

Historische Perspektive

Die Gründung der ersten britischen Universität, Oxford, erfolgte im 11. Jahrhundert. Cambridge, die zweitälteste britische Universität, wurde im 13. Jahrhundert gegründet. Bis 1850 wurde der tertiäre Bildungsbereich nur um zwei weitere Hochschulen erweitert: Durham und London. So war die Hochschulstruktur bis dato vorwiegend auf die systematische Ausbildung der Elite konzentriert[7]. Mitte der 1960er Jahre allerdings bewirkte ein rapider Bevölkerungszuwachs einen höheren Andrang auf die Hochschulen: In dieser Zeit wurden viele neue Universitäten geschaffen. Gleichzeitig gewann der internationale Wettbewerb an Wichtigkeit, was bildungspolitisch den Wunsch nach mehr Praxisbezogenheit des Studiums mit sich brachte. Im Zuge dieser Entwicklungen wurden sogenannte Polytechnics und technische Universitäten gegründet, die zumeist aus Colleges hervorgingen. Außerdem wurden bislang stark geisteswissenschaftlich orientierte Hochschulen um berufsorientierte technische Studiengänge erweitert. Die Polytechnics und Colleges boten zwar Studiengänge auf Universitätsniveau an, durften aber anfangs noch keine akademischen Grade verleihen und mussten wichtige interne Entscheidungen, wie etwa die Schaffung neuer Studiengänge, stets mit dem Council for National Academic Awards (CNAA) abstimmen. Im Jahr 1991 wurden sie schließlich in dieser Hinsicht mit Universitäten gleichgestellt und der CNAA wurde aufgelöst[8].

Heute gibt es in Großbritannien nur noch zwei vorherrschende Typen von Hochschul­einrichtungen, nämlich Universitäten und Colleges of Higher Education[9].

Sekundärbildung und der private Sektor

Im britischen Schulsystem besteht vom 5. bis zum 16. Lebensjahr (in Schottland bereits ab dem 4. Lebensjahr) Schulpflicht. In England gliedert sich die Schulzeit in sechs Jahre Primary School (vergleichbar mit der deutschen Grundschule), fünf Jahre Sekundarstufe I[10] und zwei Jahre Sekundarstufe II, wobei letztere normalerweise nicht mehr in die schulpflichtige Zeit fällt[11]. Die Abschlussprüfungen der Sekundarstufe II, die zum Hochschulbesuch berechtigen, werden wiedas hierzulande jüngst eingeführte Zentralabitur nicht mehr schulintern, sondern von regionalen Behörden gesteuert und durchgeführt.[12]

Der Trend geht in England zu Privatschulen (sog. Public Schools), die ca. 15% aller britischen Schüler besuchen. Trotz immensen Schulgebühren - für die teuersten Schulen zahlt man pro Jahr umgerechnet bis zu 14.000€ - zeichnet sich dieser Trend in der gesamten Bevölkerung ab, auch bei einkommensschwachen Familien.[13]

Im Hochschulwesen gibt es hingegen keinen privaten Sektor. Nur die University of Buckingham ist eine private Einrichtung, alle anderen Hochschulen werden vom Staat getragen [14] Allerdings finanzieren sich viele Hochschulen mittlerweile zu einem stetig wachsenden Teil über private Gelder, was bedeutet, dass die Privatisierung auch hier zunimmt. Staatliche Gelder stellen weiterhin den Großteil der finanziellen Mittel. Hochschulen sind in Großbritannien rechtlich gesehen keine staatlich-öffentlichen Einrichtungen und genießen eine hohe Autonomie in Entscheidungsfragen. Lediglich zur Gründung bedarf es staatlicher Genehmigung.[15]

Studiengebühren

Ursprünglich mussten Studenten in Großbritannien [16] keine Studiengebühren zahlen. Dies änderte sich durch ein Gesetz der New Labour-Regierung im Jahr 1989. [77] Heute wird bei den Studiengebühren generell zwischen Tuition fees (auch University fees) und College fees unterschieden. [18] Letztere variieren wiederum je nach Art des Studiums und dem College, das innerhalb der Universität besucht wird. Als Beispiel sei hierzu die University of Oxford aufgeführt. Dort wird zwischen Undergraduate, Postgraduate und MBA (Master of Business Administration)-Studenten unterschieden. Britische und europäische PGCE-Studenten sind normalerweise von College fees befreit. [19]

[...]


[1] Geißler 2006, S.273

[2] http://www.zeit.de/2007/18/C-Trost-Studieneignungstests (Anm.: In diesem Auszug ist die Rede von der Universität Köln.)

[3] z.B. http://www.arwu.org/rank2008/ARWU2008_A(EN).htm

[4] Karabel 2005; diese Aussage bezieht sich auf den Titel des Buches.

[5] vgl. Albers 2008, S. 411

[6] vgl. Albers 2008, S.

[7] Albers 2008, S. 408f.

[8] Albers 2008, S. 409f.

[9] Albers 2008, S. 411

[10] Briedis/Heine 2006, S. 55

[11] Briedis/Heine 2006, S. 55

[12] Albers 2008, S. 405f.

[13] Albers 2008, S. 407

[14] Albers 2008, S. 413

[15] Albers 2008, S. 413f.

[16] Ausgenommen seien hier die generell abweichenden Studiengebühren für Studierende, die keine EU-Bürger sind. Für mehr Informationen zu den sog. overseas fees, siehe http://www.ukcosa.org.uk/student/ fees_student_support.php#home_or_overseas

[17] Albers 2008, S. 420f.

In Schottland müssen generell keine Studiengebühren gezahlt werden.

[18] Außerdem wird bei der Berechnung der Studiengebühren immer zwischen Voll- und Teilzeitstudium unterschieden. Der Relevanz und Übersichtlichkeit halber beziehen sich die hier aufgeführten Angaben ausschießlich auf das Vollzeitstudium.

[19] http://www.admin.ox.ac.uk/studentfunding/fees/pg_conege.shtml

Details

Seiten
16
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656147749
ISBN (Buch)
9783656147428
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190259
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Institut für Soziologie
Note
1,7
Schlagworte
Hochschulzulassung USA Großbritannien Hochschulzugang Zulassungsbeschränkungen Tertiärbildung

Autor

  • Petra Berganov (Autor)

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