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Von der romantischen Liebe bis zur Auflösung einer Zweierbeziehung

Theoretische Erklärungsansätze zur Instabilität der modernen Zweierbeziehung und Indikatoren für die Gefährdung der Institution Ehe

Hausarbeit 2011 21 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Entwicklung der Ehe in den letzten Jahrhunderten
2.1 Zweierbeziehung und Ehe vor dem 18. Jahrhundert
2.2 Zweierbeziehung und Ehe nach dem 18. Jahrhundert

3 Begriffsbestimmung „Ehe“ und alternative Beziehungsformen
3.1 Begriffsdefinition „Zweierbeziehung“
3.2 Begriffsdefinition „Ehe“
3.3 Begriffsdefinition „Eheähnliche Gemeinschaft“

4 Erwartungen an Zweierbeziehung und Ehe
4.1 Bedingungen für die Partnerwahl
4.2 Zwischen Erwartungen, Individualität und Ritualität
4.3 Versuch einer weiteren Systematik
4.4 Alternative Denkweise zur Zweierbeziehung und Ehe

5 Grenzen und Möglichkeiten durch Konflikte in Beziehung und Ehe

6 Mein Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

„…und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage“. Bereits in unserer Kindheit verbinden wir diesen Satz mit der Paarbeziehung zwischen Mann und Frau. „Das Kind schaut dem glücklichen, frisch verheirateten Paar ins Gesicht. Mann und Frau strahlen über beide Wangen“. Der Mythos des glücklichen Ehepaares besteht bis in unsere heutige Zeit und wird durch Bücher, Medien und Internet in unsere Gesellschaft getragen. Doch wie verhält es sich mit dem Märchenprinzen und der Traumprinzessin, wenn die Musik der Hochzeit verhallt ist? Wie geht die Beziehung weiter, wenn es heißt „…Ende gut, alles gut“? Trotz des Klischees, und dem Wunsch nach einer langjährigen, ausfüllenden Beziehung, leidet die moderne Zweierbeziehung und die Institution Ehe unter offensichtlichen Erschwernissen und Hindernissen. Neben unzähligen Ratgebern in Form von Büchern hat sich in den letzten Jahren ein breit gefächerter Markt für Beziehungs- und Eheprobleme entwickelt. Von Paartherapien bis hin zu Eheberatungen ist die Zahl der Veröffentlichungen und Behandlungsmöglichkeiten gestiegen (vgl. Nave-Herz, 2004, S. 9). Die wissenschaftliche Erforschung mit dem Thema der Zweierbeziehung und der Ehe stellte bis vor einiger Zeit den Randbereich der Familiensoziologie dar. In den letzten Jahren konnte jedoch eine Zunahme der Forschung auf diesem Gebiet beobachtet werden. Grund hierfür bilden die veränderte Einstellung zu Zweierbeziehungen und Ehe, sowie die Trennung der Institution Familie und der Institution Ehe. Befasste man sich bis vor einiger Zeit nur mit der Familie (bzw. mit der Beziehung zwischen Eltern und Kind), rückt nun auch die Beziehung zwischen den Partnern in den Vordergrund des Interesses. Bis in die Achtziger Jahre hinein, betrachtete man die Zweierbeziehung und die darauf folgende Ehe lediglich als Übergangsphase in die Institution der Familie. Die Ehepartner wurden nicht als eigenständiger Forschungsbereich betrachtet, da sie einzig einen kurzen Zeitraum, vor der Entstehung der Familie, in Anspruch nahmen (vgl. Lenz, 2009, S. 11). Betrachten wir nun aber einige Statistiken, wird schnell deutlich, dass die Familienphase im Leben eines Menschen bzw. eines Paares in den letzten 60 Jahren deutlich abgenommen hat. Während die Familienphase in den 1950er Jahren noch mehr als die Hälfte der Lebenszeit ausmachte, erleben wir heute das Zusammenleben mit Kindern unter 18 Jahren, mit lediglich einem Viertel unserer Lebenszeit. Gründe hierfür sind vielfältig: neben der deutlich gestiegenen Lebenserwartung gilt auch die Reduzierung der Geburten als Grund dieser Situation. Lebte ein Ehepaar mit z. B. 4-6 Kindern in einem Haushalt wurde die Familienphase ausgeweitet. Ein bis zwei Kinder (wie es heute in Industrienationen typisch ist) erweitern die nachelterliche Phase (vgl. Nave-Herz, 2004, S. 69, siehe auch Anhang 1). Die Zeit mit dem Ehepartner oder dem Menschen in einer Zweierbeziehung ist folglich die längste in unserem Leben. Auch den Frauen wird hierbei eine ganz unterschiedliche Rolle zugeschrieben: „Eine normative Festschreibung der Frauen auf die Familienphase (wie es das bürgerliche Familienmodell vorsieht) würde demnach heutzutage bedeuten, dass sie ca. ein Viertel ihres Lebens in der Erwartung auf das „eigentliche Leben“ (= Familienphase) und ca. zwei Viertel ihres gesamten Lebens im Bewusstsein verbringen müssten, dass das „eigentliche Leben“ vorbei wäre“ (Nave-Herz, 2004, S. 70). Die vorliegende Hausarbeit möchte theoretische Erklärungsansätze liefern und „Spurensuche“ betreiben. Es geht hierbei um das Aufzeigen von Indikatoren und Ansätze zur Erforschung der heutigen Instabilität von Zweierbeziehungen und Ehe. Neben dem historischen Hintergrund der Ehe möchte ich einige Alternativformen zur klassischen Ehe aufzeigen. Weiterhin beschäftigt sich die Hausarbeit mit den Erwartungen, die an Beziehungen und Ehe gestellt werden und den Gründen einer Auflösung der Zweierbeziehung. Ich möchte näher darstellen, warum in zahlreichen Fällen „Liebe ins Leere fällt“ (Müller-Luckmann, 1998) und was geschieht, wenn „Ehen älter werden“ (Jaeggi und Hollstein, 2000). Am Ende der Hausarbeit werde ich anhand der Erklärungsansätze ein Fazit bzw. ein Schlusswort abgeben.

2 Entwicklung der Ehe in den letzten Jahrhunderten

Um auf die Erwartungen und Hindernisse der heutigen Zweierbeziehung und der Ehe eingehen zu können, ist es zunächst entscheidend einen historischen Rückblick und ein Resümee der letzten Jahrhunderte zu wagen. Die Beziehung zwischen zwei Menschen ist nach Rosemarie Nave-Herz (2004) nicht allein eine unveränderbare Tatsache. In jeder Interaktion mit Menschen, und besonders in der Intimität mit einer anderen Person, verbergen sich weit zurückreichende Strukturen. Der heutige Umgang den wir gegenseitig pflegen, beruht auf langjährigen Prozessen und Entwicklungen in der Gesellschaft. Es wäre ein Irrtum zu glauben, die Beziehung und die Ehe, wie wir sie heute kennen, sei „Gott gegeben“ oder „schon immer so gewesen“. Während wir in unseren täglichen Beziehungen eine gewisse Selbstverständlichkeit sehen, ist es an dieser Stelle angebracht den Blick auf die Veränderung der letzten Jahre zu werfen. Bevor im nächsten Kapitel der Begriff der heutigen Ehe näher erläutert wird, werde ich den historischen Wandel in den westlichen Industrienationen skizzieren.

2.1 Zweierbeziehung und Ehe vor dem 18. Jahrhundert

Der Blick in die Zeit vor dem 18. Jahrhundert verrät uns, dass eine Zweierbeziehung und eine Ehe basierend auf Liebe kaum existent waren. Selbst wohlhabende Personen erlaubten sich selten eine Heirat, die auf „romantischer Liebe“ beruhte. Es ging in dieser Zeit der Eheschließung um ökonomische Vorteile und den Erhalt (oder das ausweiten) des familiären Besitzes (vgl. Nave-Herz, 2004, S. 51). Auch die Familie, wie wir sie heute kennen, ist ein junges Modell. Die Zusammenkunft von Familienmitgliedern und Ehepartnern beruhte bis ins 18. Jahrhundert hinein nicht auf emotionalem Zusammenhalt, sondern auf arbeitstechnischen und wirtschaftlichen Faktoren. Die gesamte Familie war für den Erhalt des Besitzes zuständig und arbeitete gemeinsam, um Lebensmittel herzustellen oder die Nutztiere zu versorgen (vgl. Marx, 2011, S. 8). Zudem standen bei der Eheschließung die Zeugung von Kindern im Vordergrund und der Erhalt der Verwandtschaftslinie. Die Gesundheit des zukünftigen Ehepartners wurde berücksichtigt, sowie die Bereitschaft zur Arbeit. Im Bezug auf die Ehe bestimmte häufig die Herkunftsfamilie über die Partnerwahl der Unverheirateten. Auf diese Weise waren die Angehörigen der Familie auch im Alter oder im Falle von Krankheiten stets versorgt.

Es sei hier erwähnt, dass die Sterblichkeit der neu geborenen Kinder zur damaligen Zeit sehr hohe Raten aufwies. Aufgrund mangelnder medizinischer Versorgung starben viele Kleinkinder. Nachkommende Geschwister wuchsen oftmals in großem Altersabstand zueinander auf. Die Familienphase, wie in der Einleitung erwähnt, betrug also einen beträchtlichen Teil der Lebenszeit. Eine Familie umfasste zur damaligen Zeit noch alle beteiligten Personen im Haushalt. Auch nicht verwandte Personen galten als Familienmitglieder. Die Aufteilung der Aufgaben von Mann und Frau war zur damaligen Zeit zwar geschlechterspezifisch geregelt, es ist jedoch davon auszugehen, dass Männer und Frauen fast alle Aufgaben übernahmen. Die Trennung von Arbeitsleben und Privatleben war nicht gegeben. Die beiden Lebensweisen „verschmolzen“ miteinander und konnten oftmals nicht voneinander unterschieden werden (vgl. Nave-Herz, 2004, S. 37 ff). Oberhaupt der damaligen Struktur stellte der Hausvater dar. Dieser Hausvater wachte über alle Geschehnisse und Abläufe im Haus. Uhrzeiten und Mahlzeiten wurden nach ihm ausgerichtet. Man fügte sich diesem Oberhaupt ohne Kompromisse (vgl. Nave-Herz, 2004, S. 44). Aufgrund der täglichen Aufgabe, die Existenz sichern zu können, blieb wenig Zeit für Zuneigung und Emotionen. Auch in damaligen Verhältnissen gab es emotionale Bindungen. Diese konnten jedoch nicht zeitintensiv gepflegt werden und waren keine Pflicht unter Familienmitgliedern (vgl. Beck- Gernsheim, 1986, S. 147).

2.2 Zweierbeziehung und Ehe nach dem 18. Jahrhundert

Mit der Industrialisierung begann die Herauslösung aus alten Mustern. Dies geschah jedoch über einen langen Zeitraum und nahm viele Jahre in Anspruch. Die Industrie sorgte für eine Veränderung der alten Haushaltsformen. Aufgrund der Entstehung von Fabriken und Werkshallen entstand ein neuer Arbeitszweig. Dieser zwang die Familien, die Städte zu besiedeln. Die Spaltung von Arbeitsleben und Privatleben begann. Die Familie entwickelte sich zur Kernfamilie und bot nur noch Zugang für direkte Familienmitglieder. Die Struktur des Hausvaters wurde abgelöst durch den erwerbstätigen Ehemann Die Familie wurde nach einiger Zeit Zufluchtsort vor der äußeren Arbeitswelt. Sie bot Schutz, Geborgenheit und emotionale Nähe zu den Familienmitgliedern (vgl. Marx, 2011, S. 9). „Die Emotionalisierung der Familie trug ihren endgültigen Sieg davon, als die „romantische Liebe“ und nicht mehr das Vermögen oder die Arbeitskraft zum einzig legitimen Heiratsgrund wurde. Damit setzte sich die romantisch-idealistische Interpretation der Ehe als „Bund verwandter Seelen“ – eine gebräuchliche Formulierung in jener Zeit - durch“ (Nave-Herz, 2004, S. 50). Doch auch dieser Prozess dauerte eine lange Zeitspanne an. Zunächst wurde das „alte“ Bild der Ehe einige Zeit weitergeführt. Die Umsetzung der „romantischen Liebe“ als Heiratsgrund setzte sich langsam durch. Durch die Entstehung der historischen Kleinfamilie (Kernfamilie) wurde demnach die erste Trennung der Ebene Familie und der Ebene Zweierbeziehung und Ehe vollzogen. In der Zeit um das 18. und 19. Jahrhundert, ging man bei der Schließung einer Ehe jedoch nur von einer Übergangsphase bis zur Gründung der Familie aus. Auffällig in dieser Zeit ist die ideologische Ausprägung der spezifischen Geschlechterrollen. Der Mann stellte das Leitbild der Familie dar und war für den Außenbereich zuständig. Arbeitswelt und Außenaktivitäten waren ihm vorbehalten. Die Frau hingegen war für den inneren Bereich des Hauses zuständig. Sie sollte eine angenehme Wohnatmosphäre schaffen und die Kindererziehung übernehmen. Das Vorbild des „bürgerlichen Familienmodells“ wurde zum Musterbeispiel der Industrienationen und zeigt bis heute seinen Einfluss. Es sei hierbei jedoch erwähnt, dass diese Art der bürgerlichen Familie zur damaligen Zeit nur wenigen vorbehalten war. Existenzsicherung und Unterhaltsversorgung war in den meisten Familien nach wie vor entscheidend (vgl. Nave-Herz, 2004, S. 51 f). Abschließend ist zu bemerken, dass die Thematisierung der Zweierbeziehung und der Ehe nicht losgelöst vom historischen Kontext der Familie und der Gesellschaft betrachtet werden kann. Die Zweierbeziehung und die Institution Ehe, wie wir sie heute kennen, hat ihre Wurzeln in der Vergangenheit. Durch den Sprung in die moderne Gesellschaft hat ein tiefgründiger Wandel der Beziehung und Ehe stattgefunden (vgl. Beck- Gernsheim, 1986, S. 148 f). In weiteren Kapiteln der Hausarbeit werden Parallelen zur „bürgerlichen Kleinfamilie“ aufzufinden sein. Dieses Modell der Familienform besteht bis heute und kann auch in der Institution Ehe Spannungen auslösen.

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Details

Seiten
21
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656147534
ISBN (Buch)
9783656147329
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190314
Institution / Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz) – Sozialwesen
Note
1,3
Schlagworte
liebe auflösung zweierbeziehung theoretische erklärungsansätze instabilität indikatoren gefährdung institution

Autor

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Titel: Von der romantischen Liebe bis zur Auflösung einer Zweierbeziehung