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Symbolischer Interaktionismus - Ein Essay

Essay 2010 4 Seiten

Pädagogik - Erwachsenenbildung

Leseprobe

Essay

Meine Fragestellung beziehungsweise These für das Essay ist folgende: Insofern die Bedeutung von Sachverhalten in Interaktionen gebraucht, hergestellt oder abgeändert wird, ist auch Tradition keine unveränderliche Konstante, sondern prinzipiell in Veränderung.

Wie bekannt geht es im symbolischen Interaktionismus um die gegenseitige Verständigung, meist in Form Interpretation von Gestik und Mimik, zwischen mindestens zwei Akteuren. Das beliebteste Beispiel für eine symbolische Interaktion ist hierbei das Ballspiel, bei dem der eine Spieler durch Beobachten und Deuten der Bewegungen seines Gegenspielers abschätzt, wann der Ball wohin gespielt wird und seine Handlungen dementsprechend wählt. Wenn der Spieler seinen Gegenspieler richtig eingeschätzt hat, der Ball also von ihm wie erwartet gespielt wird und sein Gegenspieler seine Handlung demnach wählt, dann kann man von einer erfolgreichen symbolischen Interaktion sprechen. Was ist aber, wenn der Spieler, der den Ball spielen soll nur eine Möglichkeit hat den Ball zu spielen, also keine alternativen Handlungsmöglichkeiten besitzt? Ist es trotzdem eine symbolische Interaktion, wenn schon von vornherein sicher ist, wie der folgende Spielzug aussehen wird? In so einer Situation ist eine Interpretation der Situation überflüssig. Kann von einer symbolischen Interaktion die Rede sein, wenn kein Interpretationsprozess stattfindet?

Mich interessiert genau dieses Problem im Zusammenhang mit Tradition. Tradition ist ein schwieriger Begriff, da meist nicht greifend definierbar. Wie im beschriebenen Beispiel hat auch hier der eine Akteur nicht all zu viel Alternativen bei seiner Handlungswahl, da Tradition als fest vorgeschrieben angenommen wird. Zunächst gehe ich auf den Traditionsbegriff ein, um mein Anliegen zu verdeutlichen.

Unter Tradition ist also kurz die Weitergabe von Handlungsmustern, Überzeugungen und Glaubensvorstellungen zu verstehen, wobei Verhaltens- und Handlungsmuster nur weitergegeben werden, wenn diese nicht angeboren sind. Diese Definition reicht jedoch nicht aus, um den Begriff Tradition umfassend zu verstehen. Der Traditionsbegriff wird häufig und gerne verwendet, bleibt aber meist unklar und ist nicht genau vom Kulturbegriff zu unterscheiden. Dieser Begriff ist problematisch; er wird gerne als Mittel der Abgrenzung gebraucht. In vielen Argumentationen scheint der Verweis auf die eigene Tradition meist als Begründung für etwas, was man nicht rational erklären kann. Soweit die Tradition bekannt ist, weiß man also wie sich ein Akteur verhält. Gibt es aber nicht auch Situationen, die den bisherigen Situationen fremd ist? Situationen, für die die Tradition keine schon bestehenden Handlungsmuster zur Verfügung stellt bzw. stellen kann?

Im symbolischen Interaktionismus ist es ähnlich kompliziert. Um das Problem annähernd lösen zu können orientiere ich mich an den drei grundlegenden Prämissen Herbert Blumers, die folgendermaßen formuliert sind:

1. Menschen handeln gegenüber Dingen auf der Grundlage von Bedeutungen, die diese Dinge für sie besitzen. Im symbolischen Interaktionismus erhalten Bedeutungen, die Dinge für einen Menschen haben, einen eigenen Stellenwert. „Dinge“, also alles vom Menschen wahrnehmbare (physische Objekte, Institutionen, Ideale usw.) haben demnach keine Bedeutung an sich, sondern erlangen diese erst durch den Menschen, der diesen einen Sinn gibt und sich dementsprechend dann auch verhält. (Abels, 2001: 167)

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Details

Seiten
4
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656151302
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190353
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,2
Schlagworte
Erwachsenenbildung professionelles pädagogisches Handeln Methoden

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Titel: Symbolischer Interaktionismus - Ein Essay