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Narzissmus und Unterricht

Kommunikationsstörung in der Lehrer-Schüler-Beziehung

Hausarbeit 2009 13 Seiten

Didaktik - BWL, Wirtschaftspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen narzisstischer Persönlichkeitsstörungen
2.1 Gesunder Narzissmus
2.2 Pathologischer Narzissmus

3 Determinanten guten Unterrichts

4 Narzissmus in der Schule
4.1 Lehrer als Narzissten
4.2 Mögliche Folgen des pathologischen Narzissmus für Schüler und Unterricht

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Kommunikation und Interaktion in der Schule finden in der Regel zwischen Lehrern und Schülern statt und dienen einem bestimmten Zweck: Unterricht. Eine Kommunikations­störung kann dabei die Zielerreichung beeinflussen. Narzissmus ist eine Form von Kom­munikationsstörung, derer die Aufmerksamkeit dieser Arbeit gewidmet ist.

Narzisstische Persönlichkeitsstörungen bei Schülern wurden bereits in der Wissenschaft analysiert. Welche Auswirkungen narzisstische Persönlichkeitsstörungen bei Lehrern für die Erfüllung ihrer Tätigkeit und die Erfüllung des Unterrichtszwecks haben, soll hier un­tersucht werden. Dazu werden zunächst Grundlagen der narzisstischen Persönlichkeits­störungen herausgestellt. Anschließend werden Kriterien guten Unterrichts bestimmt und mögliche Auswirkungen narzisstisch geprägter Kommunikation und Interaktion der Lehrer auf die Schüler und auf den Unterricht untersucht.

2 Grundlagen narzisstischer Persönlichkeitsstörungen

Unter dem Begriff Narzissmus wird in Anlehnung an die griechische Mythologie die Liebe eines Menschen verstanden, welche sich an die eigene Person richtet; sie wird auch als Selbstliebe bezeichnet, nach Sigmund Freund als Hinwendung zum eigenen Körper als Sexualobjekt (Duden-Lexikon, 1989). In der Sage von Narkissos verschmäht dieser die Liebe der Nymphe Echo worauf sie ihn mit einem Fluch belegt, dass er sich in sein eigenes Spiegelbild verlieben muss. Narkissos verzehrte sich so sehr nach seiner Selbst, sodass er sich in eine Narzisse verwandelte (Psychology48.com, 2010).

In der Psychologie wird der Begriff unterschieden in gesunden und pathologischen Nar­zissmus. Diese werden nachfolgend näher erläutert.

2.1 Gesunder Narzissmus

Unter gesundem Narzissmus werden im Allgemeinen das natürliche Bestreben eines Menschen nach (Be-)Achtung und die Steigerung des Selbstwertgefühls verstanden. Er motiviert den Menschen in seiner Aktionsfähigkeit, bestärkt ihn in seinen Taten und gibt ihm das Gefühl etwas Gutes vollbracht oder geleistet zu haben. Gewöhnlicherweise trägt jeder Mensch ein Stück dieses gesunden Narzissmus in sich. Er baut es durch Taten auf, die in ihm positive Reaktionen auslösen, von denen der Mensch über eine gewisse Zeit­spanne zehren kann. Es dient somit als Treibstoff zum eigenen Antrieb. Ist ein Mensch in der Lage das Selbstwertgefühl dauerhaft zu speichern und es anschließend nach und nach positiv zu nutzen spricht man von Narzissmus in gesunder Form, andererseits könnte krankhafter Narzissmus vorliegen, der sogenannte pathologische Narzissmus. (Winkler & Commichau, 2008, S. 13f)

2.2 Pathologischer Narzissmus

Als pathologischer Narzissmus wird die krankhafte Form des Narzissmus bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine im frühen Erwachsenenalter auftretende psychische Störung der Persönlichkeit. Auswirkungen und Symptome dieser narzisstischen Persönlichkeits­störung sind beispielsweise übermäßige Eitelkeit, hohe Ansprüche an sich selbst und an­dere, Exhibitionismus und das Verlangen eine Führungsposition gegenüber anderen ein­zunehmen. Betroffene dieser Störung entwickeln eine starke Abhängigkeit von der Be­wunderung und Zustimmung anderer Menschen. Sie neigen zu Überheblichkeit, die eige­nen Leistungen überzubewerten und ihrer Umwelt kundzutun (Sachse, 2002, S. 148). Die­se Menschen sind meist nicht in der Lage positive Reaktionen auf die eigenen Taten, im Sinne von Beachtung oder der Steigerung des Selbstwertgefühls, auf gesunde Weise zu verarbeiten. Sie besitzen nur eingeschränkte Fähigkeiten motivierende Reaktionen ande­rer Menschen dauerhaft in sich aufzunehmen und zu speichern. Ein zehren von bisherigen Leistungen ist für sie somit nicht möglich. Sie benötigen immer wieder neue Antriebver­leihende Bestätigung und bleiben dadurch ungesättigt und unersättlich (Winkler & Commichau, 2008).

Eine Untersuchung von Emmons (1984) weist vier Faktoren auf, die Personen mit narziss­tischer Persönlichkeitsstörung charakterisieren:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dennoch gilt, dass nicht zwingend alle Charakterisierungsmerkmale auch notwendige oder hinreichende Bedingung für eine narzisstische Persönlichkeitsstörung sind. D. h. eine in dieser Form gestörte Person muss nicht alle genannten Merkmale aufweisen und ebenso führt das Vorhandensein eines der Merkmale nicht automatisch zu einer derarti­gen krankhaften Störung. Somit ist für eine gültige Diagnose das Vorhandensein aller ge­nannten Faktoren hinreichend, jedoch ist auch eine Einschränkung der Faktoren denkbar.

Um in der Praxis eindeutig diagnostizieren zu können wurde ein Handbuch hinreichender Symptome entwickelt, das „diagnostic and statistical manual of mental disorders" , kurz DSM. Das DSM existiert bereits in der vierten überarbeiteten Fassung (DSM IV) und weist neun Kriterien auf, von denen mindestens fünf vorliegen müssen, um eine narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostizieren zu können. Der Betroffene

1. hat ein grandioses Gefühl der eigenen Wichtigkeit (übertreibt eigene Leistungen und Talente, erwartet ohne entsprechende Leistungen als überlegen anerkannt zu werden)
2. ist stark eingenommen von Phantasien grenzenlosen Erfolges, Macht, Glanz, Schönheit oder idealer Liebe
3. glaubt von sich „besonders" und einzigartig zu sein und nur von anderen, beson­deren oder angesehenen Personen verstanden zu werden oder nur mit diesen verkehren zu können
4. verlangt nach übermäßiger Bewunderung
5. legt ein Anspruchsdenken an den Tag, d. h. er hat übertriebene Erwartungen an eine besonders bevorzugte Behandlung oder automatisches Eingehen auf die ei­genen Erwartungen
6. ist in zwischenmenschlichen Beziehungen ausbeuterisch, d.h. er zieht Nutzen aus anderen, um die eigenen Ziele zu erreichen
7. zeigt einen Mangel an Empathie, er ist nicht willens, die Gefühle und Bedürfnisse anderer zu erkennen oder sich mit ihnen zu identifizieren
8. ist häufig neidisch auf andere oder glaubt, andere seien neidisch auf ihn
9. zeigt arrogante, überhebliche Verhaltensweisen oder Haltungen (Barthel, 2010; Sachse, 2002, S. 149)

Durch die Anwendung dieser neun Kriterien kann so mit hoher Wahrscheinlichkeit ei­ne korrekte Aussage über das Vorhandensein oder Nicht-Vorhandensein einer Nar­zisstischen Störung getroffen werden. Dabei wird impliziert, dass einem Verhalten be­stimmte kognitive, motivationale und emotionale Prozesse vorausgehen. Dies setzt voraus, dass eine innere Einstellung notwendige Bedingung eines bestimmten Verhal­tens ist, was jedoch nicht pauschalisiert zutreffend ist. Viel eher können nur Vermu­tungen aufgrund von früheren Beobachtungen und Studien, in Verbindung mit Ein­trittswahrscheinlichkeiten bzw. beobachteten Häufigkeiten bestimmter Ursachen­Verhalten-Kombinationen, getroffen werden. Somit kann erst bei Eintreten von min­destens fünf der DSM IV- Kriterien lediglich von einer hohen Wahrscheinlichkeit der narzisstischen Persönlichkeitsstörung gesprochen werden.

Bierhoff & Herner (2006, S. 59) beschreiben in Anlehnung an frühere Studien Motive für das Verhalten narzisstisch gestörter Menschen. Ein wichtiges Motiv ist dabei die Erhöhung des Selbstwertgefühls. Gerade Narzissten haben besonderes Interesse da­ran ihr Selbstwertgefühl zu schützen und zu erhöhen, da ihnen ihr Stand in der Gesell­schaft sehr wichtig ist.

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Details

Seiten
13
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656149682
ISBN (Buch)
9783656150145
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190525
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Wirtschaftswissenschaftliches Institut
Note
2,3
Schlagworte
Narzissmus Unterricht Kommunikation Lehrer Schüler Beziehung Störung Psychologie Schule

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Titel: Narzissmus und Unterricht