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Die Pflegeübergabe im Akutkrankenhaus

Ablauf, Struktur und Funktion für die Teilnehmer

Bachelorarbeit 2011 58 Seiten

Gesundheit - Pflegewissenschaft - Pflegemanagement

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit

2.Die Pflegeübergabe
2.1 Erläuterung des Begriffs Pflegeübergabe
2.2 Die Pflegeübergabe als Gespräch?
2.3 Die Mittagsübergabe

3.Das Wissenschaftliche Praxisprojekt zur Pflegeübergabe und anschließende Interviews
3.1 Das WPP im Klinikum XY
3.2 Die teilnehmende Beobachtung
3.3 Die Mitarbeiterbefragung
3.4 Offene Interviews

4 Ergebnisse zu den besonderen Bedingungen der Pflegeübergabe und Störungen
4.1 Umfeld und Bedingungen der Pflegeübergabe
4.1.1 Belegungslisten als Instrument für die Pflegeübergabe
4.1.2 Ort der Pflegeübergabe
4.1.3 Größe der Übergaberäume und Teilnehmeranzahl
4.1.4 Zeitrahmen und Dauer der Pflegeübergabe
4.2 Störungen der Pflegeübergabe

5.Struktur, Bestandteile und Aufgabe der Pflegeübergabe

6 Bedeutung der Pflegeübergabe für die Mitarbeiter

7.Die interdisziplinäre Pflegeübergabe

8 Handlungsempfehlung für Pflegeübergaben
8.1 Umfeld und Ort der Pflegeübergabe
8.2 Instrument der Pflegeübergabe
8.3 Teilnehmer der Übergabe und Platzangebot
8.4 Inhalt und Form der Pflegeübergabe
8.5 Störung der Pflegeübergabe

9.Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Fragestellungen und Untersuchungskriterien des WPP

Abbildung 2: Belegungslisten im FB II des Klinikums XY

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Vorhandene Sitzplätze und Teilnehmeranzahl der Pflegeübergabe

Tabelle 2: Störungen der Pflegeübergabe I

Tabelle 3: Störungen der Pflegeübergabe II

Tabelle 4: Zeitfaktor der Informationsweitergabe

Tabelle 5: Zeitfaktor der Psychohygiene

Tabelle 6: Zeitfaktor der Besprechung organisatorischer Belange

Tabelle 7: Zeitpunkt der Psychohygiene

Tabelle 8: Zeitpunkt der Besprechung organisatorischer Belange

Tabelle 9: Berufsgruppen bei der Übergabe auf der Station 1a

1 Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Pflegeübergaben gibt es in jeder Form der Pflege, sei es in einem ambulanten Pflegedienst, einer Rehabilitationseinrichtung, einem Altenheim oder einem Akutkrankenhaus. Meist finden sie statt, wenn verschiedene Dienstschichten aufeinander treffen. Der beginnenden Schicht wird berichtet, was sich in der vorangegangenen Schicht ereignet hat und was in der folgenden zu beachten ist. Patienten, Bewohner etc., die unbekannt sind, werden vorgestellt. Was in der Pflegeübergabe weiterhin geschieht und aus welchen Teilen sie zusätzlich zur Informationsweitergabe noch besteht, soll in der folgenden Arbeit ebenso dargestellt werden wie der Ablauf einer Pflegeübergabe und deren Umfeld. Welchen Nutzen hat die Pflegeübergabe für die Mitarbeiter und wozu dient sie ihnen? Dieser Frage wird ebenso nachgegangen wie der Frage, wer eigentlich an den Pflegeübergaben teilnimmt und welche Vorzüge, bzw. Nachteile interdisziplinäre Pflegeübergaben haben. Als Ergebnis der Arbeit wird eine Empfehlung für Pflegeübergaben ausgesprochen, welche sich auf Ablauf, Struktur und Mitarbeiterbedürfnisse bezieht.

In der folgenden Arbeit wird sowohl aktuelle Literatur zum Thema verwendet als auch die Ergebnisse eines wissenschaftlich durchgeführten Praxisprojektes, welches vom 14.07.2010 bis zum 29.09.2010 auf drei Pflegestationen eines internistischen Fachbereiches des Klinikums XY durchgeführt wurde. Bei diesem Projekt wurden auf jeder Station zehn Mittagsübergaben teilnehmend beobachtet und eine Mitarbeiterbefragung durchgeführt. Die Arbeit bezieht sich deshalb auch auf die typischen Mittagsübergaben in Akutkrankenhäusern, wie sie alltäglich stattfinden. Sie lässt sich jedoch individuell auf andere Einrichtungen übertragen und zeigt verschiedene Parallelen zu anderen Bereichen der Pflege

1.2 Aufbau der Arbeit

Im Punkt zwei der Arbeit wird unter Berücksichtigung aktueller Literatur der Begriff „Pflegeübergabe“ analysiert.

Anschließend wird im Kapitel drei der Arbeit das methodische Vorgehen zur Datenerhebung im Wissenschaftlichen Praxisprojekt erläutert. Es werden die Methoden, teilnehmende Beobachtung und schriftliche Befragung erst allgemein erläutert und dann die konkrete Durchführung beschrieben. Offen geführte Interviews, welche im Anschluss an das Praxisprojekt durchgeführt wurden, werden auf die gleiche Art erläutert.

Im vierten Teil der Arbeit werden Umfeld und Bedingungen von Pflegeübergaben mit Hilfe der Projektergebnisse verdeutlicht. In einem weiteren Punkt wird das Problem der Übergabestörung beschrieben und analysiert.

Im Kapitel fünf werden die Struktur, sowie Bestandteile und die Aufgabe der Pflegeübergabe dargestellt. Hierzu werden auch die Ergebnisse des Wissenschaftlichen Praxisprojektes verwendet.

Der Teil sechs verdeutlicht die Bedeutung der Pflegeübergabe für die Mitarbeiter und im siebten Kapitel wird die interdisziplinäre Pflegeübergabe bewertet.

Im letzten Kapitel wird eine Empfehlung für die Durchführung von Pflegeübergaben gegeben. Diese Empfehlung wird in Anlehnung an Pflegeübergaben im Klinikum XY ausgesprochen und soll dazu dienen, den vorhandenen Übergabeleitfaden zu verbessern. Sie lässt sich natürlich beliebig auf andere Einrichtungen übertragen. Bei Empfehlungen müssen jedoch vor allem die individuellen Gegebenheiten der der entsprechenden Einrichtung berücksichtigt werden.

2.Die Pflegeübergabe

2.1 Erläuterung des Begriffs Pflegeübergabe

Die klassische Pflegeübergabe wie sie alltäglich in deutschen Akutkrankenhäusern stattfindet, wird in der Literatur und in Internetmedien nur wenig berücksichtigt. Für spezielle Übergabeformen, wie z.B. die Übergabe am Patientenbett ist hingegen deutlich mehr Literatur vorhanden. Dies erstreckt sich auch auf andere Medien, wie z. B. das Internet.

Der Begriff Dienstübergabe ist im Kontext mit dem Begriff Pflegeübergabe gleichzusetzen und steht für den Informationsaustausch zwischen den einzelnen Schichten im Krankenhaus. „Jede Schicht informiert die folgende, wodurch ein konstant rotierender Informationsaustausch stattfindet.“ (vgl. „Die Schwester/ Der Pfleger, Schülerprojekt „Qualitätssicherung - die Übergabe“ 2001) Dabei „soll die folgende Schicht sachgerecht über den psychischen und physischen Zustand der Patienten informiert werden.“ (vgl. Fuhrmann/ Trill/ Witzenberger 1987: 350).

In der Mittagspflegeübergabe übergibt die Frühschicht Informationen an die Nachmittagsschicht. Diese Informationen können generelle Informationen über die einzelnen Patienten sein, aber auch aktuell den jeweiligen Tag betreffend. Über jeden Patienten wird in der Pflegeübergabe berichtet, mal sehr ausführlich und mal weniger (vgl. Fuhrmann/ Trill/ Witzenberger 1987: 350).

Die beginnende Schicht soll durch die Pflegeübergabe auf den aktuellsten Informationsstand gebracht werden und alle aktuellen Abläufe sollen bekannt sein. Ziel ist letztendlich die einheitliche, qualifizierte Pflege der Patienten gewährleisten zu können (vgl. „Die Schwester/ Der Pfleger, Schülerprojekt „Qualitätssicherung - die Übergabe“ 2001). Dazu ist der neuste Informationsstand auch von entscheidender Bedeutung. Denn „ohne eine qualitativ und quantitativ einwandfreie Informationsübermittlung ist eine patientengerechte Krankenpflege ebenso wenig möglich wie eine gute medizinische Leistungserbringung.“ (vgl. Fuhrmann/ Trill/ Witzenberger 1987: 350)

2.2 Die Pflegeübergabe als Gespräch?

Die Pflegeübergabe wird in der vorhandenen Literatur oft als Übergabegespräch bezeichnet. In dem „Übergabegespräch“ bestreiten die übergebenden Personen jedoch ca. 95% des Gespräches (vgl. Mason 2000: 13). Es ist so jedoch schwierig das „Übergabegespräch“ auch als Gespräch zu bezeichnen, da laut Duden-Wörterbuch ein Gespräch ein „mündlicher Gedankenaustausch in Rede und Gegenrede über ein bestimmtes Thema“ ist (vgl. Duden 2007: 685). So lässt sich eher von einem Vortrag oder einem Bericht sprechen als von einem Gespräch, da eine wechselseitige Kommunikation auch im Wissenschaftlichen Praxisprojekt in den Pflegeübergaben nicht stattfand. Die Mitarbeiter der beginnenden Schicht stellten höchstens Fragen zwischendurch oder nach der Patientenübergabe. Der Vortrag hingegen ist eine „Rede über ein bestimmtes Thema“ (vgl. Duden 2007: 1873). Aber auch diese Definition scheint nicht so ganz treffend für Pflegeübergaben zu sein, jedoch schon etwas plausibeler als die des Gespräches. Zutreffender ist die Darstellung der Übergabe als Bericht (vgl. Walther 1997: 10ff.). Laut Duden ist ein Bericht die „sachliche Wiedergabe eines Geschehens oder Sachverhalts“ (vgl. Duden 2007: 279). Diese Definition trifft auch auf Übergaben zu, da sachlich Informationen und Geschehnisse weitergegeben werden. Es wird berichtet, was sich in der vorangegangenen Schicht ereignet hat.

Die Feststellung, dass das Übergabegespräch eigentlich formal kein richtiges Gespräch ist, gilt nur für die reine Patientenübergabe bzw. Informationsweitergabe. Eine Pflegeübergabe besteht jedoch noch aus weiteren Komponenten zusätzlich zur reinen Informationsweitergabe. Diese werden im zweiten Kapitel dieser Arbeit näher erläutert.

2.3 Die Mittagsübergabe

Die Mittagsübergabe ist von allen am Tag durchgeführten Pflegeübergaben die umfangreichste, was sowohl die Informationen als auch die teilnehmenden Personen betrifft. Das liegt daran, dass im Frühdienst in der Regel die meiste Arbeit anfällt. Am Vormittag werden die Patienten gewaschen und gepflegt, Untersuchungen und die Visite finden statt und Patienten werden aufgenommen und entlassen. So ist im Frühdienst mehr Personal anwesend als in den anderen Dienstschichten (vgl. Walther 1997: 14). In der Pflegeübergabe sind so auch mehr Informationen von mehr Mitarbeitern zu übergeben.

In der Mittagspflegeübergabe berichten meist ein oder mehrere Mitarbeiter des Frühdienstes über den von ihnen am Vormittag betreuten Bereich oder die ganze Station.

In dieser Arbeit wird die Mittagsübergabe im Akutkrankenhaus untersucht. Die Begriffe Pflegeübergabe und Übergabe stehen als Synonym für die Mittagsübergabe. Viele Dinge lassen sich zwar auch auf die Übergabe anderer Dienstschichten übertragen, was anhand dieser Arbeit jedoch nicht zu bewerten ist.

3.Das Wissenschaftliche Praxisprojekt zur Pflegeübergabe und anschließende Interviews

3.1 Das WPP im Klinikum XY

Im Jahr 2010 wurde im Klinikum XY ein Wissenschaftliches Praxisprojekt zur Pflegeübergabe durchgeführt. In diesem Projekt wurden 10 Mittagsübergaben auf drei Pflegestationen nach bestimmten Kriterien teilnehmend beobachtet. Zusätzlich fand eine Mitarbeiterbefragung des Pflegepersonals der drei Stationen statt. Das Praxisprojekt wurde in einem 12-wöchigen Zeitraum vom 14.07.2010 bis zum 24.09.2010 durchgeführt.

Das Klinikum XY ist eine Klinik mit 755 Betten und bildet mit dem Klinikum XX und dem Gesundheitszentrum XZ die Klinikum YY GmbH. Dabei ist die Klinik in xy der größte der drei Standorte. Um teure Parallelstrukturen zu vermeiden bieten alle drei Standorte unterschiedliche Schwerpunkte an (vgl. Klinikum YY GmbH 2010).

Das Klinikum XY hat sich im Bereich der Inneren Medizin auf Herz-Kreislauf und Ma- gen-Darm-Erkrankungen spezialisiert. Auf operativem Gebiet wurden die Viszeralchirurgie, die Endoprothetik, die Versorgung Schwerverletzter sowie die Urologie zu überregionalen Schwerpunktzentren ausgebaut. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie XZ ist formal ebenfalls dem Standort xy zugeteilt (vgl. Klinikum YY GmbH 2008: 13).

In diesem Kapitel werden im Folgenden die Erhebungstechniken und die Durchführung des Praxisprojektes näher erläutert.

3.2 Die teilnehmende Beobachtung

Die teilnehmende Beobachtung ist eine Methode der empirischen Sozialforschung und dient der Datengewinnung und Faktensammlung zum Zeitpunkt des Geschehens (vgl. Stangl 2010). Sie lässt sich relativ einfach in den Praxisalltag integrieren, weil sie wenig aufwendig und sehr alltagsnah ist (vgl. Unger/ Block/ Wright 2008). „Bei der teilnehmenden Beobachtung begeben sich die Beobachter/innen in das zu beobachtende Setting und nehmen aktiv daran teil. Sie verfassen Notizen, die anschließend ausgewertet werden.“ (vgl. Unger/ Block/ Wright 2008). Die teilnehmende Beobachtung wird in den Bereichen „Bedarfserhebung“, „Evaluation“ und „Kontinuierliches Lernen und Verbessern der eigenen Arbeit“ angewendet (vgl. Unger/ Block/ Wright 2008).

Um die Pflegeübergaben im wissenschaftlichen Praxisprojekt zu analysieren erschien die Methode der teilnehmenden Beobachtung als geeignet, da der Beobachter unmittelbar dabei ist und nach verschiedensten Kriterien beobachten kann.

Bereits im Februar 2010 wurde mit der Entwicklung eines Fragebogens begonnen, mit dessen Hilfe es möglich war, die Mittagspflegeübergabe nach verschiedenen Kriterien zu beobachten und im Anschluss eine Auswertung durchzuführen. Die Abbildung 1 auf der folgenden Seite zeigt, welche Dinge mit Hilfe des Fragebogens zur teilnehmenden Beobachtung herausgefunden werden sollten.

Während der teilnehmenden Beobachtung haben sich immer wieder Pflegepersonen zu bestimmten Sachverhalten geäußert und bekamen Zustimmung durch die anderen Teammitglieder. Diese Aussagen sind in den folgenden Texten gekennzeichnet: (Aussage des Pflegepersonals).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Fragestellungen und Untersuchungskriterien des WPP

1) Beginn, Ende und Dauer der Pflegeübergabe
2) An bestimmten Wochentagen dauert die Pflegeübergabe länger als an anderen.
Dies ist durch den Stationsablauf bedingt.
3) Führt die Pflegeübergabe zu Überstunden der übergebenden Schicht, durch Nichteinhaltung der Zeitvorgabe?
4) Teilnehmer und Anzahl der Übergabeteilnehmer, Konstanz und Wechsel der Teilnehmer während der Pflegeübergabe
5) Ist die Dauer der einzelnen Übergabe davon abhängig, ob die beginnenden Mitarbeiter die Patienten kennen?
6) Organisation und Umfeld der Pflegeübergabe
7) Abhängigkeit von Anzahl der Patienten, deren Schweregrad und Neuaufnahmen zur Dauer der Pflegeübergabe
8) Wer übergibt den Patienten wie und welche Informationen werden gegeben? Welche Hilfsmittel werden verwendet?
9) Bestandteile der Pflegeübergabe und ihre Wichtigkeit
10) Werden neben der Informationsweitergabe auch organisatorische Dinge besprochen? Wenn ja, wann geschieht dies?
11) Findet neben der reinen Informationsweitergabe Psychohygiene statt? Wenn ja, wann geschieht dies?
12) Beeinflussen Störungen die Qualität und Dauer der Übergabe?

(vgl. WPP Wegener 2010: 11)

Nachdem die Fragebögen fertig gestellt und vom Betriebsrat genehmigt worden waren, erfolgte im Mai 2010 ein Pretest des Fragebogens auf einer kardiologischen Pflegestation. Hier wurden drei Pflegeübergaben teilnehmend beobachtet. Die Praxistauglichkeit des Fragebogens wurde unter Beweis gestellt.

Vom 14.07.2010 bis zum 08.09.2010 lief die teilnehmende Beobachtung von 30 Mittagspflegeübergaben auf insgesamt drei Pflegestationen.

Die Stationen gehören zu einem internistisch-gastroenterologischen Fachbereich, weisen jedoch noch individuelle Schwerpunkte auf. Die Station 1 bietet noch eine onkologische Behandlung zusätzlich noch eine gastroenterologische Behandlung an. Die Versorgung von 34 Planbetten gewährleisten 13 Pflegepersonen, zwei bis drei AssistenzärztInnen und eine Stationssekretärin. Auf der Station 1 werden ausschließlich allgemeinversicherte Patienten versorgt (vgl. WPP Wegener 2010: 9).

Auf der gleichen Ebene befindet sich die Station 1a. Hier werden überwiegend allgemeinversicherte Patienten und wenige Privatpatienten mit den Schwerpunkten Gastroenterologie und Diabetologie betreut. Die Station besitzt 30 Planbetten, die von 15 zum Stammpersonal gehörenden Pflegekräften, zwei AssistenzärztInnen und einer Stationssekretärin betreut werden. Eine Diabetes- und eine Ernährungsberaterin arbeiten ebenfalls fest auf der Station 1a (vgl. WPP Wegener 2010: 8).

Die Stationen 1 und 1a befinden sich in einem Gebäude aus den 1960er Jahren. Im benachbarten Neubau aus den Anfängen der 1990er Jahren befindet sich auf der gleichen Ebene die Station 1b. Hier werden 24 Planbetten von 15 Pflegekräften, zwei StationsärztInnen und einer Stationssekretärin betreut. Im vorderen Bereich der Station befinden sich Dreibettzimmer und im hinteren Bereich Zweibettzimmer mit Infektionsschleuse, in denen auch Patienten mit Infektionskrankheiten isoliert behandelt werden können. Werden diese nicht für solche Zwecke genutzt, werden hier Privatpatienten und Patienten mit Wahlleistung behandelt. Auf der Station 1a werden schwerpunktmäßig gastroenterologische Erkrankungen behandelt (vgl. WPP Wegener 2010: 7).

3.3 Die Mitarbeiterbefragung

Im Anschluss an jeden Zyklus der teilnehmenden Beobachtung wurde eine anonyme schriftliche Mitarbeiterbefragung durchgeführt.

„Die schriftliche Befragung mit einem Fragebogen ist die klassische Methode der quantitativen Befragung“ und weit verbreitet in der quantitativen Markt- und Meinungsforschung (vgl. Winter 2000). „In der quantitativen Forschung ist die voll standardisierte, geschlossene Frage, bei der der Befragte aus einer Zahl von Antwortalternativen auswählt, die übliche Frageform. Die Antwort kann im Ankreuzen einer der vorgegebenen Kategorien (Multiple Choice) bestehen oder, häufiger, in der Skalierung des Grades an Zustimmung zu einer Aussage. Zusätzlich sind auch offene Fragen möglich.“ (vgl. Winter 2000) Quantitative Verfahren eignen sich allgemein zur Überprüfung von Hypothesen und der Quantifizierung von Sachverhalten (vgl. Winter 2000).

Genau deshalb erschien die Methode der schriftlichen Befragung im wissenschaftlichen Praxisprojekt als sinnvoll, um Meinungen der Mitarbeiter über Aspekte der Pflegeübergaben herauszufinden. Wichtig war hier eine anonyme Befragung durchzuführen, die durch zwei offen gestellte Fragen eine Individualisierung der Beantwortung zuließ. Die befragte Pflegeperson sollte ehrlich antworten können, ohne sich durch die Gruppenstruktur des Pflegeteams unter Druck gesetzt oder beeinflusst zu fühlen.

Die festen Teammitglieder des Pflegedienstes der drei Stationen wurden in einem Fragebogen zur Pflegeübergabe befragt. Zum festen Pflegeteam zählen lediglich examiniertes Krankenpflegepersonal und KrankenpflegehelferInnen, die fest auf der jeweiligen Station arbeiten.

Der Fragebogen bestand aus drei geschlossenen und zwei offenen Fragen.

In den geschlossenen Fragen sollten die Pflegepersonen in Frage 1 mit Ja oder Nein beantworten, ob sie, einschließlich der Belegungslisten, in den Pflegeübergaben ausreichend Patienteninformationen erhalten.

Ebenfalls sollte in Frage 2 mit Ja oder Nein beantwortet werden, ob die Mitarbeiter sich nach der Übergabe gut informiert fühlen.

Auch mit Ja oder Nein sollte in Frage 3 geklärt werden, ob die Mitarbeiter fehlende Informationen gut aus der Pflegedokumentation entnehmen können.

Welchen Zweck erfüllt für Sie die Pflegeübergabe? In dieser offen gestellten Frage 4 sollten die Mitarbeiter deutlich machen, wozu für sie die Pflegeübergabe dient.

In der ebenfalls offen gestellten Frage 5 wurden die Mitarbeiter gefragt, was sie am bestehenden Übergabesystem verbessern würden.

Am letzten Tag der teilnehmenden Beobachtung auf der entsprechenden Pflegestation wurde ein persönlich adressierter Fragebogen in einem Umschlag mit Begleitschreiben für jede Pflegeperson hinterlegt. In diesem Begleitschreiben sollte der Grund der Befragung erläutert werden, um das Misstrauen gegenüber der Befragung abzubauen. Somit sollte zur Teilnahme angeregt werden (vgl.Barth 1998; zit. n. Kreutz/ Titscher 1974: 40). Hier wurde besonders auf die Anonymität der Fragebogenauswertung hingewiesen. Zudem wurde dort eine Telefonnummer für Rückfragen angegeben.

Ausgefüllte Fragebögen konnten in einen hinterlegten Umschlag auf der Station abgegeben werden. Dieser wurde drei Wochen nach Ausgabe wieder abgeholt. Der relativ lange Zeitraum von drei Wochen war notwendig, um möglichst viele Mitarbeiter zu erreichen, auch solche, die sich im Urlaub oder einer längeren Freiphase befanden.

Der Rücklauf der Fragebögen nach drei Wochen betrug auf der Station 1 23%, auf der Station 1a 67% und auf der Station 1b 53%. Insgesamt wurden auf allen drei Stationen von 43 ausgeteilten Fragebögen 21 wieder abgegeben, was einer Rücklaufquote von 48,9% entspricht (vgl. WPP Wegener 2010: 29-31).

3.4 Offene Interviews

Um einige Ergebnisse des wissenschaftlichen Praxisprojektes noch weiter zu verdeutlichen, wurden im November 2010 sechs Mitarbeiter eines kardiologischen Fachbereiches in drei Interviews zur Arztanwesenheit während der Mittagsübergabe befragt. Diese offenen Interviews wurden nicht förmlich, sondern als kollegiales Gespräch geführt.

Im Vergleich zum Leitfaden- oder zum Strukturiertem-Interview liegt beim offenen Interview ein offenes Vorgehen zugrunde. Hier geht es darum, die Befragten zum Erzählen und Berichten zu bringen. Es soll ein Anstoß gegeben werden, eigene Vorstellungen zu entwickeln, um individuell, der Situation angepasste, detaillierte Informationen zu erhalten. So lassen sich in offen geführten Interviews, Vorkommnisse, Ereignisse, Einordnungen, Zusammenhänge, Einstellungen und Wertungen erfahren. Aber auch Überzeugungen, Visionen und Erwartungen können ermittelt werden. So ist der Vorteil von offenen Interviews die universelle Einsetzbarkeit und die einfache Führung (vgl. fz-juelich 2010: 3-6).

Das offene Interview war im Anschluss des Wissenschaftlichen Praxisprojektes die geeignete Interviewform, um Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung zu vertiefen und genauer zu beleuchten. Willkürlich im Stationsalltag wurden in drei Fällen jeweils zwei Pflegepersonen für ca. fünf bis zehn Minuten befragt und über Sinn, Zweck und die anonyme Auswertung der Gespräche aufgeklärt. Das gezeigte Interesse der Befragten war sehr groß.

4 Ergebnisse zu den besonderen Bedingungen der Pflegeübergabe und Störungen

4.1 Umfeld und Bedingungen der Pflegeübergabe

In diesem Kapitel werden besondere Bedingungen der Pflegeübergabe anhand von Ergebnissen des wissenschaftlich durchgeführten Praxisprojektes im Klinikum XY dargestellt.

4.1.1 Belegungslisten als Instrument für die Pflegeübergabe

Die herkömmliche Pflegeübergabe findet im Akutkrankenhaus meist im Aufenthaltsraum der Mitarbeiter oder direkt im Dienstzimmer der Station statt. Die Mitarbeiter der beginnenden Schicht notieren sich Informationen auf Zettel, in Notizbücher oder wie im Wissenschaftlichen Praxisprojekt beobachtet auf Belegungslisten. Jede Station im Klinikum XY kann sich für die Pflegeübergabe Belegungslisten ausdrucken, die vom Krankenhausinformationssystem erstellt werden. Die Abbildung 1 auf der folgenden Seite verdeutlicht den Aufbau solch einer Belegungsliste.

Abbildung 2: Belegungslisten im FB II des Klinikums XY

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Belegungslisten bestehen aus neun Längsspalten und enthalten folgende Informationen:

1. Spalte: Zimmernummer (154)
2. Spalte: Bettnummer (02)
3. Spalte: Name Vorname, männlich oder weiblich, Alter
(Mustermann Kurt, (M, 73))
4. Spalte: Geburtsdatum (20.07.1937)
5. Spalte: Fachabteilung, z.B. Gastroenterologie (DGA)
6. Spalte: Kategorie, z.B. allgemeinversichert (A0)
7. Spalte: Haupt- und Einweisungsdiagnose (Unklares Abdomen)
8. Spalte: Notiz 1, z.B. Pflegeaufwand, Nebendiagnose, Blasendauerkatheter (A2, COPD, BDK)
9. Spalte: Notiz 2, z.B. Hepatitis C (Hepatitis C)

Quelle: WPP Wegener, Marco 2010; Seite 36

Da die Belegungslisten die Basisinformationen bereits enthalten, kann sich der beginnende Mitarbeiter auf die aktuellen, wichtigen konzentrieren. Die Listen geben eine feste Struktur vor und schaffen so Übersichtlichkeit. Sie werden vom Pflegepersonal als Erleichterung empfunden (Aussage des Pflegepersonals).

In die Spalten 8 und 9 (vgl. Abb. 1) hat das Pflegepersonal die Möglichkeit wichtige Dinge selbstständig im Krankenhausinformationssystem einzutragen und die Liste stetig zu aktualisieren. Jede Station hat hier ihre individuellen Vorgaben welche Informationen in welche Spalten eingetragen werden (vgl. WPP Wegener 2010: 36).

In die Spalte 7 wird die Einweisungs-, bzw. Primärdiagnose eingegeben. Dies ist Aufgabe des ärztlichen Dienstes und geschieht in der Notaufnahme oder direkt auf der Station. Im wissenschaftlich untersuchten Fachbereich werden die Diagnosen größtenteils direkt auf der Station eingegeben und vom ärztlichen Dienst an die Stationssekretärinnen delegiert. Doch hier treten recht häufig Probleme auf, da die Eintragung und Aktualisierung der Diagnosen nicht zuverlässig erfolgt. Lediglich in 63,3% der untersuchten Pflegeübergaben waren die Listen in der Spalte 7 auf dem aktuellsten Stand (vgl. WPP Wegener 2010: 36).

In 26,7% der teilnehmend beobachteten Übergaben waren die Spalten 8 und 9 nicht aktualisiert. Hier wurde keine Aktualisierung durch das Pflegepersonal vorgenommen. Da es bei den nicht aktualisierten Belegungslisten jedoch zu Überschneidungen zwischen ärztlichem und pflegerischem Zuständigkeitsbereich kam, waren insgesamt in 18 Pflegeübergaben die Belegungslisten auf dem aktuellsten Stand. Dies entspricht einem Anteil von 60% (vgl. WPP Wegener 2010: 37).

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Details

Seiten
58
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656153238
ISBN (Buch)
9783656153511
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190531
Institution / Hochschule
Hochschule Osnabrück
Note
1,3
Schlagworte
pflegeübergabe akutkrankenhaus ablauf struktur funktion teilnehmer

Autor

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Titel: Die Pflegeübergabe im Akutkrankenhaus