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Thesenpapier "Iphigenie auf Tauris" - Iphigenies Verständnis der geschlechtlichen Rollenverteilung

Deutsch-LK, Gymnasium

Referat / Aufsatz (Schule) 2011 4 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Iphigenies Verständnis der geschlechtlichen Rollenverteilung

These: Iphigenies Verständnis der geschlechterbedingten Rollenverteilung ändert sich im Verlaufe des Dramas.

Erläuterung:

Anfängliches Verständnis Iphigenies im Bezug auf die Rolle der Frau:

„Der Frauen Zustand ist beklagenswert“ (V. 24). Zu Beginn des Dramas „Iphigenie auf Tauris“ von Johann Wolfgang Goethe wird die Rolle der Frau in der Antike klar gemacht. Die Frau ist es, die zurückbleibt, wenn der Gatte als Held in die Schlacht zieht und einen ehrenvollen Tod stirbt. Die Frau ist es auch, die machtlos ist und dem Wunsche des Mannes Folge leisten muss. Auch wenn Iphigenie schon am Anfang dieser Ordnung nicht ganz unterworfen ist – sich Thoas verwehrt, indem sie ihm seinen Wunsch zu heiraten mit Vorwänden verwehrt, und versucht ihm ihren Standpunkt klar zu machen, sieht sie keinen Weg, sich der Rolle der antiken Frau zu entledigen, bis sie zum Ende des Dramas hin ein Umschlagspunkt erreicht, der Iphigenie ihre eigene Rolle ganz neu definieren lässt – „Ich bin so frei geboren als ein Mann.“ (V. 1859). Sie erreicht den Punkt, dass sie sich dem Manne gleichgestellt sieht.

These: Iphigenie setzt sich im Verlauf des Dramas über die damalige Auffassung der Aufgabenverteilung von Mann und Frau hinweg.

Erläuterung:

Herkömmliche Aufgabenverteilung von Frau und Mann in der griechischen Antike

Die Rolle des aktiv Handelnden ist allein dem Manne vorbehalten. Er führt Kriege und Haushalt und hat das letzte Wort in wichtigen Entscheidungen (vgl. V.25). Die Aufgabe der Frau hingegen ist es, diesen in seiner Entscheidung zu unterstützen (vgl. V.30f.) und ihn mit ratenden Worten zur Seite zu stehen (vgl. V.213). Es steht ihr nicht zu, dem Mann zu widersprechen oder sich gegen ihn zu richten. Während der Mann im Namen der Pflicht und der Würde seinen Edelmut im gewaltsamen Krieg unter Beweis stellen darf, obliegt es der Frau, durch wohlwollendes zu Rate stehen und durch bedingungslose Hingabe, die Ehrbarkeit ihres Geschlechts zu demonstrieren. Die Frau nimmt, im Gegensatz zum Mann, damit eine durch und durch passive Stellung (/inferiore Rolle) im damaligen Rollenverständnis der Geschlechter ein. Es gehört sich für beide Geschlechter die rollengebundenen Pflichten und Aufgaben des Anderen zu respektieren (vgl. V.1864).

Belege: V.25 Zu Haus und in dem Krieg herrscht der Mann,

V.29-31 Wie eng-gebunden ist des Weibes Glück!/Schon einem rauen Gatten zu gehorchen/ Ist Pflicht und Trost

V.1864f. Ich habe nichts als Worte, und es ziemt/ Dem edlen Mann, der Frauen Wort zu achten

V.213f. Ein edler Mann wird durch ein gutes Wort/Der Frauen weit geführt

Iphigenies Verhalten im Verlaufe des Dramas

Iphigenie überlässt letztendlich dem Babarenkönig Thoas die Verantwortung darüber, ihr, Orests und Pylades´ Schicksal zu besiegeln (vgl. V.1937). Sie lässt zu, dass Thoas sie ohne ihre Einwilligung zur Priesterin des Dianentempels ernennt und in seinen „heil´gen Sklavenbanden“ (V.34) festhält. Sie akzeptiert bis hierhin also die Entscheidungen Thoas. Jedoch gelingt es ihr, sich gegenüber Thoas zu behaupten und ihm nicht bedingungslos zu gehorchen, was für eine Frau zur damaligen Zeit unüblich gewesen sein dürfte. So kann Iphigenie beispielsweise Thoas davon überzeugen, die herkömmliche Opferung von Menschen auszusetzen (vgl. V.122-127). und verweigert ihm zudem die Ehe (vgl. 1.Aufzug, 2.Auftritt). Sie verschafft sich die Mündigkeit, die den Frauen damals nicht gestattet war, und bricht aus der passiven Frauenrolle aus. Sie fordert Gleichberechtigung von Mann und Frau (vgl. V.1893f, V.1856f, V.481) und setzt sich mit diesem demokratisch-modernen Gedanken (vgl. V.1859) über die damalige Anschauung der Aufgabenverteilung der Geschlechter hinweg.

Belege:

V.1859 Ich bin so frei geboren, als ein Mann.

V.1856f. Lass ab! beschönige nicht die Gewalt, / Die sich der Schwachheit

eines Weibes freut. V.481 Schilt nicht, o König, unser arm Geschlecht V.1893f. Hat denn zur unerhörten Tat der Mann/ Allein das Recht?

These: Nach Iphigenie ist die Waffe des Mannes die Gewalt.

Ausgangssituation des Dramas:

In dem Drama „Iphigenie auf Tauris“ ist das Geschlechterverhältnis von entscheidender Bedeutung für die Handlung. So setzen alle vier auftretenden Männer auf die „typisch männliche“ Lösungsstrategie der Gewalt und der List, ganz im Gegensatz zu Iphigenie, die auf die hier weiblichere Methode der Gewaltfreiheit, der Wahrheit und der Kommunikation setzt.

Belege: V.25-27 Zu Haus und in dem Kriege herrscht der Mann / Und in der Ferne

weiß er sich zu helfen. / Ihn freuet der Besitz; Ihn krönt der Sieg;

V.195f. Sinnt er vom Altar / Mich in sein Bette mit Gewalt zu ziehn?

V1856f. Lass ab! beschönige nicht die Gewalt, / Die sich der Schwachheit

eines Weibes freut.

V.1892-1912 Hat denn zur unerhörten Tat der Mann / Allein das Recht? (…) Was nennt man groß? (…) Der in der Nacht / Allein das Heer des Feindes überschleicht / wie unversehen eine Flamme wütend / Die Schlafenden, Erwachenden ergreift (…) Ist uns nichts übrig? Muss ein zartes Weib / Sich ihres angebornen Rechts entäußern, / Wild gegen Wilde sein, wie Amazonen / Das Recht des Schwerts euch rauben und mit Blute / Die Unterdrückung rächen?

[...]

Details

Seiten
4
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656151159
Dateigröße
403 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190576
Note
sehr gut
Schlagworte
Analyse; Thesen; Papier; Iphigenie auf Tauris;

Autor

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