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Lernen an Stationen. Welche Kriterien sind bei der richtigen Umsetzung des offenen Unterrichts zu beachten?

Hausarbeit 2007 11 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.Das Lernen an Stationen
2.1. Ein allgemeiner Überblick
2.2. Die grundsätzlichen Bedingungen und Arbeitsmittel
2.3. Die Phasen des Stationenlernens

3. Ein Unterrichtsentwurf zum Stationenlernen
3.1. Die Weimarer Republik - Thema einer 9. Klasse der Gymnasialstufe
3.2. Entwurf zum Stationenlernen für eine Doppelstunde

4. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Man kann es in allen Medien verfolgen. Es ruft Unmut und Empörung, aber auch der Kritik zustimmendes Kopfnicken hervor. Die Rede ist vom allgemeinen Zustand der deutschen Unterrichtsgestaltung an den meisten unserer Schulen, und jeder weiß bescheid: die PISA-Studie ist die endgültige Rechtfertigung eines laut geforderten Reformbedarfs. Ob Grundschule, Sekundarstufe I und II, aber auch das Studium, alle sind, mit Ausnahme der Waldorfschulen, unter dem Gesichtspunkt organisiert, das Wissen möglichst schnell und trocken den Schülern zu vermitteln. Aber diese Auffassung wird nicht erst seit kurzem kritisiert. Um 1900 ließ Ellen Key anmerken: „ Der Kenntnisdrang, die Selbstständigkeit und die Beobachtungsgabe, die die Kinder dorthin [in die Schule] mitbringen, sind nach Schluß der Schulzeit in der Regel verschwunden, ohne sich in Kenntnisse und Interessen umgesetzt zu haben.“1 Des weiteren vergleicht sie die Wissensvermittlung mit einer Verab- reichung in Löffelgrößen: dem Teelöffel für die Kleinen, dem Dessertlöffel für die Sekun- darstufe und immer so weiter. Sicher spielen bei dieser Gestaltung des Unterrichts auch die Faktoren der vollen Klassen und der damit einhergehenden Unruhe eine Rolle. Doch sicher ist die Voreingenommenheit und vielleicht auch eine gewisse Angst vor dem Kontrollverlust im Unterrichtsverlauf ein ausschlaggebender Grund, dass die Lehrenden noch häufig zum schnöden Lehrervortrag greifen. Bestimmt ist nichts gegen einen gut gestalteten und anschaulich untermalten Vortrag des Lehrers einzuwenden, doch setzen sich allmählich auch andere Unterrichtsvarianten durch. Langsam macht sich die Erkenntnis im Lehrer- zimmer breit, dass es nicht bei den althergebrachten Methoden bleiben kann. Die Toleranz gegenüber einem offenen Unterricht macht sich nach und nach bemerkbar, sei es nun die Projektarbeit, das Stationenlernen oder die Freiarbeit.

Welche Kriterien sind also bei der richtigen Umsetzung des offenen Unterrichts zu beach- ten? Neben der Erweiterung und Vertiefung des Kenntnisstandes eines Schülers, sollte auch dessen Kompetenz im soziale Bereich gefördert werden. Das betrifft beispielsweise die Re- alisierung der Eigenverantwortung. Der Schüler erkennt, dass er selbst seinen Wissenstand beeinflussen kann. Er sollte dazu natürlich alle Möglichkeiten bereit gestellt bekommen. Durch die veränderte Unterrichtssituation steigert sich meist die Motivation des Schülers von allein, denn er fühlt sich in seiner Person ernst genommen, was einerseits die Selbst- ständigkeit und die individuelle Lösung einer Aufgabe zur Folge hat. Andererseits wird dem Schüler oft frei gestellt, in welcher sozialen Umgebung er sich der Aufgabenstellung widmet. Er kann sich dabei zwischen der Gruppen-, Partner- oder Einzelarbeit entscheiden. Im darauf folgenden Arbeitsprozess kommt es dann unweigerlich zur Konfrontation mit sozialen Herausforderungen, die der Schüler meistern muss, um der Aufgabenlösung näher zu rücken.2

In dieser Hausarbeit soll speziell das Lernen an Stationen beleuchtet werden. Es ist eine Form des offenen Unterrichts, die besonders individuell und flexibel auf eine Klasse oder den Unterrichtsstoff zugeschnitten werden kann. Der Lehrer hat dabei die Möglichkeit, vielfältige Ideen und Varianten für die Übermittlung eines Themas zum Einsatz zu bringen. Noch fehlt es an wissenschaftlichen Studien, doch inzwischen sprechen sich praktizierende Lehrer aus eigener Erfahrung für den positiven Einfluss des Stationenlernens auf die sozialen Eigenschaften und die Lernbereitschaft der Schüler aus.3

2. Das Lernen an Stationen

2.1. Ein allgemeiner Überblick

Wie der Begriff „Stationenlernen“ schon ausdrückt, geschieht der Lernprozess einer Klas- se an mehreren kleinen Arbeitsstationen, die jeweils ein Unterthema des übergeordneten Lernstoffs behandeln. Die Klasse ist dem entsprechend in Gruppen unterteilt und besucht nach erfolgreichem Abschluss einer Station die nächste. Das Wort „erfolgreich“ ist hierbei übrigens relativ zu behandeln, denn Fortschritte im Wissensstand werden hier gleichrangig mit der Herausbildung von Eigenverantwortung oder sozialer Kompetenzen behandelt.

Bezüglich der Reihenfolge des Stationenablaufs gibt es verschiedene Varianten, die sich meist vom Unterrichtsstoff ableiten. Baut sich dieser nämlich auf einander auf, setzt somit eine Station den Kenntnisstand der vorherigen voraus. Es ist in so einem Fall unabdingbar, als Lehrer auf die Einhaltung der Reihenfolge zu achten und den Ablauf des Unterrichts entsprechend zu organisieren. Außerdem ist der Geräuschpegel an der ersten Station, die ja besonders am Anfang noch von allen Schülern umstellt ist, nicht zu vergessen, welchem man schon in der Vorbereitungsphase vorbeugen sollte. Es sollte also ausreichend Mate- rial und Arbeitsfläche zur Verfügung stehen. Die folgenden Stationen werden dann, ganz individuell je nach Lern- und Arbeitstempo der Schüler, besucht. Ein schnell arbeitender Schüler rückt früher zu den nächsten Etappen vor und bearbeitet eventuell alle ausstehen- den Pflicht- und Wahlthemen, während ein Schüler, der etwas länger zur Ausarbeitung benötigt, nicht alle Themenbereiche einsehen kann. Deshalb sollte der Unterrichtsstoff von der ersten bis zur letzten Station vom Allgemeinen ist Spezielle führen und mögliche Freit- hemen sollten zum Ende hin den angeeigneten Wissensstand der Schüler vertiefen. Es gibt jedoch noch eine Variante des Stationenlernens, welche keine geregelte Reihen- folge im Ablauf voraussetzt. Sie wird häufiger gewählt und vermeidet ein übermäßiges Gedränge an den ersten Stationen wie oben beim sogenannten „Lernzirkel“ oder auch der „Lernstraße“. Allerdings liegt der Knackpunkt hier bei der Eignung des Stoffgebiets, dass in verschiedene Teilthemen gegliedert wird, ohne aufeinander angewiesen zu sein.

Gleich einem Puzzle hängen sie unweigerlich zusammen, bauen aber nicht aufeinander auf, sondern ergeben erst in ihrer Gesamtheit das gefragte Bild. Es muss dabei mindestens so viele Stationen wie Gruppen geben, oder mehr. Die Gruppen der Klasse besuchen jeweils eine Station und schaffen sich durch den Besuch aller Pflichtstationen einen Überblick über das Gesamtthema. Der Wechsel erfolgt nach einer bestimmten Zeitspanne, die vorher durch den Lehrer unbedingt getestet und festgelegt wird. Eigens für die Lernenden, welche schneller voran kommen, können an jeder Station Wahlaufgaben ausliegen, die das Teilthe- ma ebenfalls durch Anschaulichkeit festigen und Leerlauf an der Station vermeiden sollen.4 Sicher ist es meist nicht möglich, wirklich alle Bereiche eines übergeordneten Themas mit dem Stationenlernen behandeln zu können, doch deckt es eine Vielzahl von Möglichkeiten auf, um dem Schüler Selbstlern-Kompetenzen zu vermitteln. Er ist nicht mehr abhängig vom Tafelbild, sondern wird in die Lage gebracht, auch unabhängig vom Lehrer einen Hintergrund zu erschließen, und dies nur mit Hilfe der Aufgabenstellung und der darauf abgestimmten Materialien. Natürlich steht ihm die Nutzung und Aneignung des Team- works frei, ein Effekt, der schlussendlich auch gewollt ist. Das Lernen an Stationen ist so konzipiert, dass jeder Schüler Tempo sowie seine Arbeitspartner wählen kann und entschei- det, wie oft er die Hilfe des Lehrers in Anspruch nimmt oder in welcher Reihenfolge er die Stationen besuchen möchte. Er bestimmt die Aufgabe, muss lernen, sich während des Arbeitsprozesses zu konzentrieren und mit Argumenten durchsetzen zu können und später, nach Abschluss aller Stationen, für die Ergebnisse einzustehen.5

2.2. Die grundsätzlichen Bedingungen und Arbeitsmittel

Für die Planung eines Stationenparcours ist es seitens des Lehrenden wichtig zu klären, ob er in ein neues Stoffgebiet einführen oder ein schon Bekanntes wiederholen möchte, und es darauf hin auf die Stationenfähigkeit zu überprüfen. In welche Unterthemen kann der zu behandelnde Stoff gegliedert werden, in Reihenfolge oder nicht? Erfüllen sich die grund- sätzlichen Bedingungen, stellen die Anzahl der Unterthemen, der Schüler und der aufzu- bringenden Unterrichtsstunden die weiteren Rahmenbedingungen. Es ist dabei erforderlich, besonders wenn der Lehrer bereits Erfahrung hat, bei einer geringen Menge an Teilgebieten auch alternative Parallelstationen bereit zu stellen, um die Gruppen bei einer umfangrei- chen Klassengröße klein zu halten und so ein produktiveres Arbeiten zu ermöglichen.

Bei dieser Gelegenheit erzielt der Lehrer darüber hinaus einen zweiten Effekt: gemäß der unterschiedlichen Gestaltung an zwei Stationen zu einem Unterthema, wählen die Schüler die auf sie eher zugeschnittenere Variante aus. Da hierbei die unterschiedlichen Lerntypen angesprochen werden, bietet das Lernen an Stationen einen unschlagbaren Vorteil gegen- über dem Lehrervortrag, der oft mehr den Ansprüchen des Lehrers als denen der Schüler gerecht wird.

Zu den Lerntypen gehören übergeordnet die Links- und Rechtshirnorientierten, die wäh- rend eines Lernprozesses ganz unterschiedliche Wege gehen. So lernen Schüler mit domi- nierender rechter Gehirnhälfte leichter im Ganzheitlichen. Intuition spielt dabei ebenfalls eine große Rolle. Schüler mit einer linken Großhirndominanz gehen dagegen logisch vor und arbeiten gern mit Texten und Sprache. Zwischen den beiden Extremen bewegen sich fließende Übergänge und all diese Lerntypen sprechen des weiteren auf unterschiedliche Reize an.

Deshalb ist es grundsätzlich wichtig, den Lernenden verschiedene Möglichkeiten und Material zu bieten, um ein Thema zu erfassen. Für die Visuellen der Klasse eignen sich etwa Videos, Bilder, Zeichnungen, Fotos oder auch eine Präsentation am Laptop, welche noch ganz nebenbei den Umgang mit dem Medium Computer schult. Die auditiven Schü- ler bevorzugen vielleicht eher ein Hörspiel, Hörbuch oder eine Tonaufnahme. Schließlich gibt es noch die kinästhetischen Mädchen und Jungen einer Klasse, welche besser durch Schmecken, Riechen und Fühlen lernen. Dies ist ein Bedarf, den ein Lehrer meist nur mit größerem Aufwand erfüllen kann, beispielsweise mit einer alten Karte oder sonstigem Ge- genstand, womit Tast- und Geruchssinn gemeinsam angeregt werden würden. Auf die Art und Weise der Aufgabenstellung sollte die Lehrkraft ebenfalls achten, wenn sie diese formuliert. Manche Menschen, die Proaktiven, bevorzugen nämlich eine offene und die anderen, das sind die reaktiven Typen, eine konkrete Aufgabe. Insgesamt sei jedenfalls angemerkt, dass die Aufgabenstellungen unterschiedliche Schwierigkeitsstufen einnehmen und die unterschiedlichen Grundstrukturen der Schüler verknüpfen sollten. Das heißt, dass etwa von einem visuellen Grundstock ausgehend, eine schriftliche Ausarbeitung gefordert wird oder die Aufgabe auch umgekehrt gestellt werden kann. Außerdem sind neben den sinnübergreifenden Stationen, auch jene mit fächerübergreifendem Inhalt ganz besonders geeignete Helfer, einem Schüler die entsprechende Praxisnähe zu vermitteln. Im Übrigen sollte in den einzelnen Stationen immer eine Überprüfungsmöglichkeit für die Endergebnisse bereitliegen, an denen sich die Schüler während ihrer Ausarbeitung orien- tieren können. Denn immerhin liegt das Ziel in der weitestgehenden Selbstständigkeit der Schüler, ohne allzu großen - außer es sei direkt beabsichtigt - Einfluss des Lehrenden. Zuletzt soll noch etwas über den Ort der Austragung gesagt werden: In den meisten Fällen findet das Stationenlernen im gewohnten Klassenzimmer statt, wo die Tische der Anzahl der Etappen entsprechend zusammengerückt werden. Indealer Weise befinden sich im Raum zusätzliche Ablagemöglichkeiten, die für Material und Übung Platz bieten. Zumin- dest sollten die Arbeitsmaterialien während einer Lernunterbrechung in einem Schrank aufbewahrt werden können, damit die schon erarbeiteten Zwischenergebnisse nicht ver- lohren gehen und zur nächsten Stunde schnell wieder hervor geholt werden können.

[...]


1 * Zitat Ursula Drews: Anders lernen - warum?, S. 7.

2 * Vgl. Ebd., S. 6 f.

3 * Vgl. Claus Georg Krieger: Wege zu offenen Arbeitsformen, S. 57.

4 * Vgl. Ebd., S.73-76.

5 * Vgl. Roland Bauer: Lernen an Stationen, S. 26.

Details

Seiten
11
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783668739338
ISBN (Buch)
9783668739345
Dateigröße
392 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190684
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Historisches Institut
Note
1,0
Schlagworte
lernen stationen welche kriterien umsetzung unterrichts

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