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Didaktisch-methodische Analyse zum Kinderfilm „Der Fuchs und das Mädchen“

Seminararbeit 2011 47 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung/Die Ausgangssituation

2. Sachanalyse des Films
2.1. Inhaltsangabe
2.2. Sachanalyse

3. Auswahlkriterien und Zuordnung

4. Ablauf der Unterrichtssequenz zum Film
4.1. Gestaltung der Textbegegnung
4.1.1. Der Sinn der Vorentlastung
4.1.2. Erste Unterrichtstunde – Vorentlastung: Initiieren des Lernbereich Lesen
4.1.3. Zweite und Dritte Unterrichtsstunde - Textbegegnung
4.2. Unterrichtsverlauf nach der Textbegegnung
4.2.1. Vierte Unterrichtsstunde - Gesprächsrunde
4.2.2. Fünfte Unterrichtsstunde - Initiieren des Deutschunterrichts: Lernbereich Schreiben
4.2.3. Sechste Unterrichtsstunde - Visual Literacy: Kennen lernen von filmsprachlichen Mitteln
4.2.4. Siebte Unterrichtsstunde: Das Erweitern des Weltwissens

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Anlagen

1. Einleitung/Die Ausgangssituation

„Filme sind ein herausragendes Betätigungsfeld dafür, um vielfältige Lernprozesse zu nahezu allen Lernbereichen des Deutschunterrichts zu initiieren“ (Gattermeier/Siebauer 2009, S.132). Viele Lehrer, Eltern und Schüler denken, dass man Deutschunterricht nur anhand von Literatur, also geschriebenen Texten, durchführen kann. Dabei vergessen sie aber, dass Filme genauso gut als Texte gesehen werden können, denn sie verhalten sich wie literarische Texte und man kann mit ihrer Hilfe u.a. Abwechslung in den Schulalltag bringen.

Umso erstaunlicher ist es deshalb, dass Lehrer an unseren Schulen dieses Medium, das aus unserer Welt gar nicht mehr wegzudenken wäre, stark vernachlässigen und wenn sie es doch einsetzen, es nur dazu dient, übrig gebliebene Zeit, wie zum Beispiel zum Schuljahresende, zu füllen und die Schüler zu unterhalten, ohne einen didaktischen, pädagogischen oder lehrplanmäßigen Zweck damit zu erfüllen. In seinem Buch Filme im Deutschunterricht stellt Abraham die Ergebnisse einer Befragung durch Kepser vor, bei der rund ein Drittel der befragten Abiturienten angeben, Spielfilme in der Schule zwar gesehen zu haben, diese aber im Unterricht, sei es vorher oder nachher, nicht behandelt hätten (vgl. Abraham 2009, S.25f.). Bei persönlichen Gesprächen mit Lehrern und bei Beobachtungen, zum Beispiel während Hospitationen in Praktika, fällt auf, dass vor allem diejenigen Lehrkräfte, die schon über viel Berufserfahrung und Routine verfügen, sich am wenigsten auf Filmsichtungen mit anschließender Behandlung einlassen; vermutlich wegen der damit verbundenen Umstrukturierung des sonst so routinierten Unterrichtablaufs und der fehlenden Medienkompetenz. Als ehemalige Schülerin und angehende Lehrerin ist es demnach interessant, wie man selber einmal Deutschunterricht mithilfe von Filmen initiieren kann und gleichzeitig Wissen auf eine abwechslungsreiche und nicht allzu trockene Art zu vermitteln vermag.

2. Sachanalyse

2.1. Inhaltsangabe

Der Film Der Fuchs und das Mädchen von Luc Jaquet handelt von dem elfjährigen

Mädchen Lila, das auf dem Weg zur Schule einen Fuchs bei der Jagd beobachtet und so begeistert und fasziniert von ihm ist, dass sie diesem von nun an unbedingt näher kommen will und ihn sogar zähmen will. Durch ihre Hartnäckigkeit und Ausdauer schafft sie es, sich mit dem Fuchs anzufreunden und sein Vertrauen zu erlangen. Durch ihn entdeckt sie noch mehr faszinierende und eindrucksvolle Facetten der Natur und lernt sogar, mit allen Sinnen den Wald mit all seinen Bewohnern zu erleben, indem sie sich von dem wilden Tier einiges abschaut und es nachahmt. Lila erkennt jedoch zu spät, dass der Fuchs eben ein wildes Tier ist und sich nicht zähmen lässt, auch wenn sie Freunde sind. Es tut trotzdem immer noch, was es will und wird unberechenbar und frei bleiben wollen. Als sie nämlich bei einem Ausflug mit dem Fuchs, den sie „Titou“ nennt, mit ihm spielen will und ihm ein Halsband und eine Leine anlegen will, damit er nicht mehr wegrennt, beißt er sich von ihr los und läuft weg. Sie hat hier schon erkannt, dass sie ihn nicht hätte anbinden dürfen und ihn nicht zu etwas zwingen dürfen, was er nicht will. Später macht sie aber einen ähnlichen Fehler, der weit dramatischere Folgen hat: Der Fuchs besucht Lila zu Hause vor ihrem Haus, was allein schon gefährlich sein kann für ihn, weil die Menschen immer Jagd auf diese Tiere machen. Lila verspricht ihm darauf, dass sie ihn nie wieder zu etwas zwingen wird, doch lockt sie ihn kurz darauf gegen seinen Willen in ihr Zimmer hoch. Dort bekommt das wilde und normalerweise freie Tier Panik und springt vor lauter Angst aus dem Fenster. Titou hat sich schwer verletzt und das Mädchen trägt es weinend in den Wald zum Bau zurück. Als jedoch etwas später der Fuchs doch wieder aufstehen kann, sie aber dann nach einer kurzen Begegnung stehen lässt ohne sich umzudrehen, erkennt Lila, dass sie einen großen Fehler gemacht hat, denn, wie sie als erwachsene Frau zu ihrem Sohn sagt, sie „hatte Lieben mit Besitzen verwechselt“ (Der Fuchs und das Mädchen, 01:26:16[1]).

2.2. Sachanalyse

Dieser Film trägt viele Botschaften in sich, die es zu besprechen gilt und über die man sich Gedanken machen kann. Natürlich kann man in einer Unterrichtssequenz nicht alle Aspekte ausführlich analysieren; deshalb werden hier nur die wichtigsten Punkte genannt, die auch relevant für den Unterricht sind.

Zum einen wäre das oben in der Inhaltsangabe schon genannte Verhältnis zwischen Lila und dem Fuchs und das Prinzip der Nähe zu klären. Der Fuchs ist ein freies Tier, das, obwohl sie jetzt schon Freunde geworden waren, immer noch scheu ist und geht und kommt wann es will; es ist unberechenbar und lässt sich nicht befehlen, wann es auftauchen und wie lange es bleiben soll. Lila hingegen kennt ihre Grenzen nicht. Sie will dem Fuchs immer näher kommen und versucht zwei Mal ihn an die Leine zu legen, bzw. an der Leine zu führen (vgl. 00:32:30 bzw. 01:16:02) und jedes Mal kann sich das Tier leicht befreien. Sie spricht manchmal sogar mit ihm, als ob er ein Mensch wäre (vgl. 01:16:27). Sogar als der Fuchs zu ihrem Elternhaus kommt, weiß sie nicht, wann es genug ist, das Tier an sich binden zu wollen. Sie lockt ihn ins Haus und trotz anfänglicher Scheu folgt der Fuchs ihr hinauf in ihr Zimmer. Als sie jedoch die Tür hinter sich schließt, sieht Titou keinen Ausweg mehr, wird immer panischer und springt wild hin und her. Lila will das Tier stoppen, nur erkennt sie nicht, warum es plötzlich ausrastet. Ein wildes Tier lässt sich nun einmal nicht einsperren und Lila begreift ihren Fehler erst, als der Fuchs plötzlich aus dem geschlossenen Fenster springt, sich schwer verletzt und regungslos vor dem Haus liegen bleibt. Es ist dasselbe runde Fenster, das – zusätzlich zum Dämmerlicht – ihr Zimmer wie einen Fuchsbau wirken lässt und ihre Verbindung zur Außenwelt, zur Natur ist. Jetzt erst hat sie den Fehler erkannt: Sie hat nicht begriffen, dass ein Fuchs ein freies und wildes Tier ist, das sich nicht einsperren lässt, das nicht auf Kommando gehorcht und unberechenbar ist. Sie musste erst lernen, diese Punkte zu akzeptieren und das Tier und seinen Willen zu respektieren. Vorher hat sie zwar das Tier geliebt, aber doch immer wieder die Grenze zum ‚Besitzen-Wollen’ überschritten.

Als zweiten Aspekt ist die Darstellung des Fuchses in diesem Film zu nennen. Anders als in Fabeln, Liedern oder in Filmen wie zum Beispiel Robin Hood von Disney, in denen der Fuchs als (hinter-)listig, diebisch, berechnend, schlau, aber auch als bösartig etc. gezeigt wird, ist dieser Fuchs zwar schlau und eigenwillig, aber nicht diebisch, bösartig oder gar hinterlistig. Er wird eher als freies, natürliches und scheues Tier dargestellt, das, im Gegensatz zu den Fabeln, sich durch seine Schnelligkeit und Wendigkeit vor Fressfeinden retten muss, wie zum Beispiel in der Szene mit dem Luchs (vgl. 00:13:20) oder wenn es sich vor Jägern schützen muss, die die Füchse erschießen, weil sie sie für Schädlinge halten (vgl. 00:23:55). Der Film zeigt das Leben und Verhalten eines Fuchses, der in der Natur für sich allein lebt, seine Jungen aufzieht, auf Jagd geht und sonst keinem anderen Schaden zufügt. Er ist auch nicht hinterlistig und falsch, ganz im Gegenteil: Er bleibt bei Lila über Nacht als sie sich allein im Wald fürchtet und nicht mehr weiß, wo sie hingehen soll (vgl. 00:58:43), er dreht sich um, um nach ihr zu sehen, wenn sie im Wald unterwegs sind und er bringt sie nie in Gefahr. Außerdem wirkt der Fuchs nicht überzeichnet wie die Tiere in anderen Naturfilmen, wo zum Beispiel Bären idealisiert werden und menschenähnliche Züge in ihrem Verhalten zeigen (vgl. Der Bär von 1985). Dieser Film stellt den Fuchs auf keine höhere Stufe als er sich eigentlich befindet und zeigt dem Zuschauer, wie diese schönen, wilden Tiere in freier Wildbahn leben, jedoch ohne dabei gekünstelt zu wirken.

Der letzte Punkt wäre die Natur an sich: Luc Jaquet, der in Frankreich (Département Ain) und in Italien in den Abruzzen gedreht hat, zeigt den Zuschauern, wie zauberhaft und wunderschön die Natur sein kann, wenn man sich nur die Zeit nimmt, um sie anzuschauen. Neben dem Fuchs tauchen unterschiedliche Tiere auf, wie zum Beispiel Igel, Wölfe, Frösche, verschiedene Insekten, Wild und viele andere mehr. Außerdem wird nebenbei gezeigt, wie schön die Pflanzenwelt ist. Die Naturaufnahmen, die von einer der Stimmung und Emotionen angepassten und abwechslungsreichen Filmmusik begleitet werden, zeigen die Schönheit der Natur in all ihren Facetten und machen deutlich, wie liebens- und schützenswert sie ist. Durch Lila und ihre Abenteuer mit dem Fuchs sieht man auch, wie man die Wunder der Natur erleben und spüren kann (vgl. z.B. 01:03:15). Die Kameraaufnahmen, die, zum Beispiel durch Einstellungsgrößen, wie Panorama (vgl. 01:01:49) oder Großaufnahmen (vgl. 00:38:00), kombiniert mit von der oben erwähnten Filmmusik, zeigen eine noch unberührte Natur, die einer Märchenwelt gleicht. Lila erlebt alle Seiten der Natur, ihre Schönheit und Gefahren, die Vielseitigkeit der Tier- und Pflanzenwelt, die in ihr immer wieder die Entdeckerin und Abenteurerin hervorrufen. Luc Jaquet zeigt indirekt durch diesen Film, dass es sich lohnt, für die Natur und ihren Erhalt zu kämpfen, dass sie viel mehr zu bieten hat als auf den ersten Blick zu erkennen ist.

3. Auswahlkriterien und Zuordnung des Films „Der Fuchs und das Mädchen“

Laut Ulf Abrahams Qualitätskriterien, muss ein guter Kinderfilm „die Perspektive von

Kindern einnehmen“ (Abraham 2009, S.22) und verständlich und linear erzählen. Die Figuren sollten nicht „klischeehaft-statisch sein, sondern sich entwickeln“ (ebd., S.22). Außerdem setzen gute Kinder- und Jugendfilme „anspruchsvolle Ausdrucksmittel des Films […] sparsam ein“ und „verharmlosen nichts“ (ebd., S.23f.), d.h. sie zeigen auch schlechte Eigenschaften, wie Hinterlist, Bosheit etc. und bieten gleichzeitig die Orientierung an Figuren, die für das Positive stehen, wie zum Beispiel Selbstbestimmung, Mut und Geduld (vgl. ebd., S.24).

Dies soll nur ein Auszug aus der Liste der Qualitätskriterien sein, die alle auf den

vorliegenden Film Der Fuchs und das Mädchen zutreffen: Es wird aus der Perspektive des Mädchens Lila erzählt, bzw. die erwachsene Protagonistin erzählt als Stimme aus dem Off über ihre Erlebnisse und Gefühle in der Zeit, als sie den Fuchs findet und sich mit ihm anfreundet. Lila erzählt verständlich alles der Reihe nach, also linear, was passiert ist und blendet alles aus, was nichts mit dem Abenteuer von damals zu tun hat, wie zum Beispiel die Schule oder ihre Eltern. Außerdem entwickelt sie sich im Laufe eines Jahres von einem Mädchen, das versucht, den wilden Fuchs zu zähmen und in gewissem Maße zu domestizieren; zu einem Mädchen, das auch akzeptieren muss, dass der Fuchs ein wildes und freies Tier ist, dass sich nicht zähmen lässt wie ein Hund und dessen Platz in der Natur ist. Der letzte Punkt des Auszuges oben stimmt wiederum mit dem Film überein: Die Folgen, die es mit sich bringen kann, ein wildes Tier zu entfremden und besitzen zu wollen, werden nicht verharmlost; es wird sogar gezeigt, dass es im schlimmsten Fall sogar zum Tod des Tieres kommen kann. Außerdem besteht ein Kontrast zu den Menschen in der Umgebung der Protagonistin und ihr selber: Die Menschen wollen den Tieren oftmals schaden, indem sie Fallen stellen, giftige Köder auslegen und die Fuchsbaue versperren, wohingegen Lila die Füchse beschützt und zum Beispiel einen Bau von Ästen befreit. Sie stellt die gute Figur dar, die mutig ist, den Zauber der Natur kennen und lieben lernt, die für den Zuschauer sympathisch ist, eben weil sie das alles macht und am Schluss aber auch ihre Fehler eingestehen kann.

Dieser Film ist freigegeben ab sechs Jahren und es werden im dazugehörigen Filmheft auch Ideen für den Unterricht ab der ersten Klasse vorgestellt. In diesem Fall ist der Film für die fünfte Klasse der Realschule vorgesehen, um die Kenntnisse und Fertigkeiten, die die Kinder in der Grundschule schon erlernt haben, noch einmal zu wiederholen, einzuüben und noch mit den Anforderungen der fünften Klasse zu verknüpfen. Zu diesen Kenntnissen und Fertigkeiten zählen, bezogen auf die Behandlung dieses Films, einander erzählen und zuhören, sich und andere zu informieren (Sprechen und Gespräche führen), Texte vorbereiten und schreiben, d.h. erlebte und erfundene Geschichten mit sprachlichen Mitteln gestalten (Für sich und andere schreiben), die Sprache anhand von Redensarten und Sprichwörtern untersuchen – zum Beispiel ist jemand so schlau wie ein Fuchs – zu einem Thema gezielt sachliche Texte suchen und auswerten und gegebenenfalls dafür eine Bücherei zu besuchen[2].

Es würde sich außerdem anbieten, den Film und dessen Thematik zu behandeln, wenn im Fach Biologie die Säugetiere in ihrem natürlichen Lebensraum behandelt werden.[3] Die Kinder könnten dadurch ihr Wissen in dem einen oder dem anderen Fach einsetzen, je nachdem, wie weit diese thematisch fortgeschritten sind und es wird so eine Verbindung zwischen den beiden Fächern geschaffen.

4. Ablauf der Unterrichtssequenz zum Film

4.1. Gestaltung der Textbegegnung

4.1.1. Vorentlastung

Bevor die Schüler völlig unvorbereitet den Film ansehen, ohne zu wissen, von was er im Großen und Ganzen handelt, findet eine so genannte „Vorentlastung“ des Filmes statt. So werden die Kinder zum Film hingeführt und erkennen schon vor der Textbegegnung, dass sie den Film nicht nur zum „Vergnügen“ oder als bloßes Anhängsel an eine vorher gelesene Lektüre (vgl. Gattermaier/Siebauer 2009, S. 131) anschauen, sondern, dass dieser Film, entgegen der allgemeinen Meinung, schon an sich der Lerngegenstand ist und sehr wohl als „seriöser Unterrichtsgegenstand“ (ebd. 2009, S. 131) gelten kann. Außerdem werden die Kinder durch eine Vorentlastung und Hinführung nicht überfordert. Man hat sogar die Möglichkeit, ihre Aufmerksamkeit auf den Film und dessen Geschehen zu lenken, indem man ihnen während der „Vorentlastung“ einen kleinen Arbeits- bzw. Beobachtungsauftrag gibt und dessen Ergebnisse nach der Filmsichtung besprochen werden.

Es bietet sich zudem an, die „Vorentlastung“ mindestens eine Unterrichtsstunde vor der Filmsichtung durchzuführen als beides in der gleichen Unterrichtsstunde unterbringen zu wollen. Damit gerät man nicht in Zeitnot und unter Druck und so bleibt genug Zeit, um sich um eventuelle Fragen zu kümmern und man vermeidet Organisationsprobleme.

4.1.2. Erste Unterrichtsstunde – Vorentlastung: Lesen verschiedener „Fuchs-Fabeln“

In diesem Fall ist es günstig, die Vorentlastung mit einem Lernbereich des Deutschunterrichts zu verknüpfen – dem Lernbereich Lesen.

Die Klasse wird dazu nach einer kurzen Vorbesprechung in fünf oder sechs Gruppen aufgeteilt. Jede Gruppe bekommt eine eigene Fabel, die von der List und der Schlauheit des Fuchses handelt und dazu folgenden Arbeitsauftrag[4]:

Arbeitsauftrag:

Lies zusammen mit deiner Gruppe diese Fabel. Wie ist der Fuchs

darin beschrieben? Schreibt die Eigenschaft(en) des Fuchses in

Stichpunkten kurz auf.

Jede einzelne Gruppe soll zusammen die Fabel lesen und sich Gedanken darüber machen, wie der Fuchs darin dargestellt wird. Dabei sollten die Schüler zu dem Ergebnis kommen, dass der Fuchs in allen Geschichten (hinter-)listig, schlau, berechnend und doch auch gelegentlich bösartig ist. Die Fabel vom Fuchs und dem Pferd ist die einzige dieser Beispiele, in der der Fuchs zwar seinen „Feind“, den Löwen, mit List austrickst, aber nicht zu seinem eigenen Vorteil, sondern, um dem alten Pferd zu helfen, das sonst kein Zuhause mehr hätte.

Für diese Aufgabe haben die Gruppen 15 Minuten Zeit. Danach soll jeweils ein ‚Sprecher’ ausgewählt werden, der dann im Namen seiner Gruppenmitglieder den Inhalt der Fabel kurz wiedergibt und auch den Fuchs und dessen Eigenschaft(en) beschreibt. Die Lehrkraft (oder gegebenenfalls einer der Schüler) hält die Ergebnisse auf einem Plakat in Form einer Mind-Map fest, in deren Mitte sich ein Bild von einem Fuchs befindet.

Anschließend kommt es zu einer kleinen Gesprächsrunde, in der der Lehrer die Schüler fragt, ob sie denn noch andere Geschichten, Märchen, Filme, Lieder etc. kennen, in denen ein oder mehrere Füchse vorkommen und wie sie darin dargestellt werden. Dabei kann auch kurz darauf eingegangen werden, was sie sonst noch über dieses wilde Tier wissen, zum Beispiel von was es sich ernährt, wie sein Bau aussieht, wie sein Lebensraum gestaltet ist, usw. Diese Informationen werden auch noch auf der Mind-Map festgehalten. Dieses Plakat wird dann nach der Filmsichtung für das Filmgespräch noch einmal benötigt.

4.1.3. Zweite und dritte Unterrichtsstunde – Die Textbegegnung

Die Textbegegnung findet nun in der darauf folgenden Stunde statt, wobei sich dafür

natürlich am besten eine Doppelstunde eignen würde, damit keine Unterbrechung entsteht (Der Film dauert ca. 90 Minuten). Damit die Vorentlastung in Verbindung mit der Gruppenarbeit nicht umsonst war und die erarbeiteten Ergebnisse nicht verloren gehen, bekommen die Kinder nun einen kleinen Arbeits- bzw. Beobachtungsauftrag, der an die Tafel geschrieben wird. Während sie nämlich den Film ansehen, sollen sie auch nebenbei auf Folgendes achten: „Wie wird der Fuchs im Film dargestellt?“ Später soll dann nämlich zwischen der Darstellung des Tieres in der Literatur und der Darstellung in diesem Kinder- bzw. Naturfilm verglichen werden.

4.2. Unterrichtsverlauf nach der Textbegegnung

4.2.1. Vierte Unterrichtsstunde – Gesprächsrunde/Filmgespräch

Nach der Filmsichtung folgt unmittelbar in der nächsten Schulstunde – die Erinnerung an den Film sollte ja noch so frisch wie möglich sein – eine Gesprächsrunde, in der die Kinder sich über Der Fuchs und das Mädchen austauschen und diskutieren können und in der auch noch einmal der Plot rekapituliert werden soll. Dieses erste Filmgespräch erlaubt demnach „erste Eindrücke, Beobachtungen, Assoziationen, Fragen und Deutungsvermutungen“ (Abraham 2009, S. 79).

Dazu bilden die Schüler einen Stuhlkreis in der Mitte des Klassenzimmers, damit jeder ein Teil der Gespräche werden kann und nicht in den Hintergrund gerückt wird. Vor dieser Austauschrunde hat die Lehrkraft je ein Bild vom Fuchs und der Protagonistin in Farbe ausgedruckt und auf einen Karton geklebt. Diese Abbildungen werden in die Mitte des Stuhlkreises auf den Boden gelegt. Sie verbildlichen noch einmal den Unterrichtsgegenstand, den Film, und bilden so das Zentrum der Gespräche.

Bevor nun das eigentliche Austauschgespräch stattfindet, wird Bezug auf die Unterrichtsstunde vor der Textbegegnung genommen. Es wurden auf einem Plakat die Eigenschaften eines Fuchses, wie er in Fabeln etc. dargestellt wird, festgehalten. Dazu haben die Schüler noch vor der Filmsichtung den Auftrag bekommen, darauf zu achten, wie der Fuchs nun im Film erscheint. Nun bittet der Lehrer die Klasse ihre Beobachtungen mit den Ergebnissen der vorhergegangenen Stunde zu vergleichen: Gibt es Unterschiede und Ähnlichkeiten in der Darstellungsweise? Ist der Fuchs auch im Film listig und schlau? Diese und ähnliche Fragen können geklärt werden und die Lehrkraft hält wieder die Ergebnisse auf dem Plakat fest, aber diesmal in einer anderen Farbe, damit es sich von den früheren Begriffen optisch abgrenzt und es so übersichtlich bleibt. Mögliche Beobachtungspunkte könnten sein, dass der Fuchs im Film auch schlau und gewitzt ist, genau wie in den Fabeln, denn er lässt sich nicht so leicht anlocken, wie es das Mädchen gerne hätte und dabei findet das Tier immer neue Wege, um sich zu verstecken, zu fliehen und seine Jungen zu schützen, zum Beispiel durch einen Umzug in einen anderen Bau. Es gibt aber auch Unterschiede: Zum Beispiel schafft es der Fuchs in den Fabeln immer wieder, die anderen stärkeren Tiere, wie den Wolf oder den Löwen, durch List auszutricksen und so zu „besiegen“. Jedoch im Film muss sich der Fuchs vor starken Tieren, wie zum Beispiel dem Luchs, durch Schnelligkeit und Wendigkeit in ein Versteck retten.

Nach diesem Vergleich werden nun rund um die Figuren auf dem Boden 16 Bewertungskärtchen verteilt und anhand der roten Quadrate, die zuvor ausgeteilt wurden, können die Schüler zeigen, wie ihnen der Film gefallen hat, indem sie diese den Kärtchen zuordnen. Nachdem die Jungen und Mädchen ihre Beurteilung abgegeben haben, werden die Bewertungen der Reihe nach abgefragt: Dazu fragt der Lehrer, wer zum Beispiel den Film für oscarreif hält. Es wird dann ein Schüler herausgegriffen und nach dem Grund für seine Wahl gefragt. Es kann hier schon eine kleine Diskussion entstehen, wenn eventuell jemand nicht der gleichen Meinung sein sollte wie sein Mitschüler. Diese Diskussion sollte sich jedoch in Grenzen halten, da man bei einer solchen Bewertung nicht von einer falschen oder richtigen Meinung ausgehen kann; jeder findet andere Aspekte des Filmes gut oder schlecht und diese Beurteilung darf nicht abgewertet werden.

[...]


[1] Im Übrigen werden alle Angaben des Filmes in Stunden, Minuten und Sekunden (00:00:00) angegeben.

[2] Vgl. dazu den Lehrplan für die fünfte Klasse Realschule im Fach Deutsch (http://www.isb.bayern.de/isb/download.aspx?DownloadFileID=c8444d1feb691dde947ee2edb39a9d6a).

[3] Vgl. dazu den Lehrplan für die fünfte Klasse Realschule im Fach Biologie (http://www.isb.bayern.de/isb/download.aspx?DownloadFileID=04cd74c41e60277ffbeb630c61742b85).

[4] Die Arbeitsblätter und alle anderen später erwähnten Unterrichtsmaterialien befinden sich im Anlagenordner.

Details

Seiten
47
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656165378
ISBN (Buch)
9783656165897
Dateigröße
2.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190714
Institution / Hochschule
Universität Passau
Note
1,0
Schlagworte
didaktisch-methodische analyse kinderfilm fuchs mädchen

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Titel: Didaktisch-methodische Analyse zum Kinderfilm „Der Fuchs und das Mädchen“