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Privat gleich besser? Warum die innere Vielfalt bei den Öffentlich-Rechtlichen Sendeanstalten höher ist als bei den Privaten.

Untersuchung am Fallbeispiel ZDF und SAT.1

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 22 Seiten

Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1: Einleitung
1.1 Organisation und Auftrag des deutschen Rundfunks
1.2 Fragestellung

Kapitel 2: Hauptteil
2.1 theoretischer Hintergrund
2.1.1 Annahme, was ist Öffentlichkeit?
2.1.2 Medienökonomie oder Ökonomisierung der Medien
2.1.3 Nachrichtenwerttheorie
2.2. Vergleich der beiden Vollprogramme von ZDF und SAT1
2.3 Erklärungsfaktoren und die davon abgeleitete unabhängige Variable und von der Untersuchung ausgenommene Variablen
2.4 Zusammenhänge von innerer Vielfalt und der Finanzierung der Sender ZDF und Sat.1
2.5 Hypothese und Überprüfung

Kapitel 3: Schluss

1. Einleitung

Medien sind zur Informationsverbreitung und Herstellung von Öffentlichkeit innerhalb unseres Gesellschaftsystems essentiell. Da die Menschen angewiesen sind auf einen möglichst breit gefächerten Informationshintergrund, um vor diesem, die Wahl ihrer Volksvertreter zu tätigen. Diese können durch Kommunikation mit den Medien, sich gegenüber dem Souverän legitimieren (Sarcinelli 2008:14).

Als Medien bezeichnet man Mittel zur Kommunikation. Fernsehen, Rundfunk und Presse werden als Massenmedien bezeichnet. Diese können mittels technischer Vervielfältigung und Verbreitung von Inhalten, an ein unbegrenzt anonymes Publikum Massenkommunikation herstellen. Über diese Verbreitung von Informationen, des Mitwirkens an der Meinungsbildung, Kontroll- und Kritikfunktion, schaffen sie Öffentlichkeit von politischen, kulturellen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Inhalten (Chill/Meyn 1998 Online Text). Maria Gerhards und Walter Klingler haben in der Auswertung der Daten zur Fernsehnutzung 2007, eine durchschnittliche Sehdauer von 208 Minuten und eine Reichweite der Vollprogramme von 72% der Bevölkerung, festgestellt (MP 11/2008:551). Damit ist das Fernsehen nach wie vor, das reichweitenstärkste und wichtigste Medium, was es zu Informationsverbreitung gibt (MP 3/2008:148 und Schwotzer et al ALM 2008:17).

Daher ist gerade das Medium Fernsehen für die Politikvermittlung von wesentlicher Bedeutung.

1.1 Organisation und Auftrag des deutschen Rundfunk

Das deutsche Rundfunksystem ist dual organisiert, d.h. es gibt private Sendeanstalten, welche auf Gewinn arbeiten und die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Die öffentlich-rechtlichen beziehen ihre Gelder über die Rundfunkgebühren, diese sollen den Sendern dazu dienen von Einnahmen durch Dritte (Werbung, Beteiligungen etc.) unabhängig zu sein und „materiell den objektiven Bedarf […] abdecken […]“ (Hoffmann 1998:1), dass die gängige Praxis differenzierter aussieht wird die Hausarbeit zeigen.

Die normativen Ansprüche an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk durch den Staat werden in §11 des Rundfunkstaatsvertrages in der Fassung vom 18.12.2008 geregelt. Darin heißt es, in Abschnitt 1: „Auftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist, durch die Herstellung und Verbreitung ihrer Angebote als Medium und Faktor des Prozesses freier individueller und öffentlicher Meinungsbildung zu wirken und dadurch die demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen. […]Ihre Angebote haben der Bildung, Information, Beratung und Unterhaltung zu dienen. Sie haben Beiträge insbesondere zur Kultur anzubieten. Auch Unterhaltung soll einem öffentlich- rechtlichen Angebotsprofil entsprechen.“ (RStV § 11 Abs.1 S. 13 der nicht amtlichen ALM Fassung).

Im RStV wird in § 2 Abs. 3 definiert was ein Vollprogramm ist. Dies bildet auch die Grundlage für die Anforderungen an den privaten Rundfunk. In § 25 Abs. 1 heißt es: „Im privaten Rundfunk ist inhaltlich die Vielfalt der Meinungen im Wesentlichen zum Ausdruck zu bringen. Die bedeutsamen, politischen, weltanschaulichen und gesellschaftlichen Kräfte und Gruppen müssen in den Vollprogrammen angemessen zu Wort kommen; Auffassungen von Minderheiten sind zu berücksichtigen.“ weiterhin in Absatz 2: „Ein einzelnes Programm darf die Bildung der öffentlichen Meinung nicht in hohem Maße ungleichgewichtig beeinflussen.

Der rechtliche Status eines Vollprogramms sichert den Sendern eine große Verbreitung im Kabelnetz zu und eine „vorrangige Einspeisung ins analoge Kabelnetz“ (Thomas Lückerath 2007 www.dwdl.de).

1.2 Fragestellung

Die Vielzahl der eigenständigen Rundfunkanbieter hat sich, durch Zusammenschlüsse in den letzten Jahren verringert, als Beispiel kann hier die Bildung der ProSieben-Sat1-MediaAG dienen, aber auch bei den Öffentlich- rechtlichen kann, mit dem Bilden des Rundfunk-Berlin-Brandenburg (RBB), solch ein Vorgang beobachtet werden. Die Vermutung von Siegert et al, dass für diese Konzentration, die zunehmende Ökonomisierung der Medien verantwortlich ist, liegt nahe. Der Vorgang der Ökonomisierung wird im theoretischen Rahmen dieser Hausarbeit erläutert.

In Verbindung mit der Abnahme der Vielzahl aus ökonomischen Gründen, stellt sich die Frage, ob damit auch eine Abnahme der inneren Vielfalt in den Programmen vonstatten geht.

Die innere Vielfalt beschreibt das Spektrum fernsehpublizistischen Inhaltes innerhalb eines Senders. Ist die innere Vielfalt hoch, werden viele Informationen und Meinungen (publizistische Inhalte) berücksichtigt, ist sie gering, werden wenige Informationen vermittelt und das Meinungsbild ist einseitig (Weber 2008:4). Somit stellt sie ein Maß für die Qualität von Fernsehen dar. Für die Hausarbeit leitet sich daraus die abhängige Variable ab. Die innere Vielfalt kann je nach Grad des fernsehpublizistischen Inhaltes hoch oder niedrig sein. Der ALM Programmbericht 2008 mit den Daten von 2007 zeigt deutlich, dass die Öffentlich-rechtlichen ein breiteres Fernsehangebot haben, als die Privaten. Auch ein direkter Vergleich des ZDF Programmschema mit dem TV Programm von Sat.1 (online Abfrage 03.08.09 - 09.08.09) bestätigt die Analysen. Daraus leitet sich meine Fragestellung ab: Warum ist die innere Vielfalt bei öffentlich-rechtlichen Sendern höher als bei den Privaten? Um die Untersuchung für die Hausarbeit in einem bearbeitbaren Rahmen zu halten, wähle ich den Vergleich der zwei Vollprogramme von ZDF und Sat.1. Das ZDF wählte ich, weil es den höchsten Grad an fernsehpublizistischen Inhalt hat 53% und Sat.1 als Gegenstück mit einem Anteil von 23% (Maurer et al 2008: 45).

Je mehr unterschiedliche Programme ein Sender bringt, desto mehr Geld muss er in die Produktion dieser hineinstecken.

Der Hauptfaktor für ein breites Angebotsspektrum innerhalb eines Senders, scheint also dessen Finanzierung zu sein. Dazu zählen Quoten, Werbeeinnahmen (Dauer Platzierung, Menge und Art der geschalteten Werbung), Beteiligungen und für die öffentlich-rechtlichen die Verteilung der Rundfunkgebühren.

Nun stellt sich die Frage, warum ist es von politikwissenschaftlicher Relevanz, sich mit innerer Vielfalt von Fernsehmedien zu beschäftigen? Weil eine Abnahme der Programmvielfalt, auch zu einer Abnahme der politische Informationen führen kann. Diese Annahme ist umso evidenter wenn man beachtet, dass das ZDF zwar 14% seiner Sendezeit politischer Publizistik widmet, allerdings kaum zur Prime Time, wie die ALM Studie bereits 2001 feststellte. Sat.1 mit ihren derzeit acht Minuten am Tag (Weiß 2008:62), läuft, Prozentual betrachtet, unter ferner liefen. Da sich aber mit einer Politik der Reformen, auch ein besonderer Kommunikationsbedarf verbindet, steht die Politik unter Kommunikationsdruck (Sarcinelli 2008:14). Es lohnt sich also einen Blick in die innere Vielfalt der beiden Sender unter finanziellen Gesichtspunkten zu tätigen.

Für den Aufbau der Arbeit, wird zuerst der theoretische Hintergrund dargestellt, wo der Begriff der Öffentlichkeit kurz umrissen, dann auf die Theorien der Ökonomisierung der Medien und damit verbunden die Nachrichtenwerttheorie eingehen werde (Kapitel 2.1). Dann erfolgt ein Vergleich der beiden Vollprogramme auf Grundlage des ALM Programmberichtes 2008 (Kapitel 2.2). Mittels der Theorien versucht, den Zusammenhang zwischen der inneren Vielfalt (abhängige Variable) und der Finanzierung (unabhängige Variable) der Sender ZDF und Sat.1 zu zeigen (Kapitel 2.3). Es schließt sich eine Operationalisierung der Variable durch verschiedene Indikatoren (Erklärungsfaktoren) an, darin einbezogen, wird auch erklärt, welche Variablen aufgrund problematischer Operationalissierung nicht für die Hausarbeit verwendet wurden (Kapitel 2.4). Es folgt eine Überprüfung der Hypothese, welche aus den beiden Variablen abgeleitet wurde. Anschließend wird kurz darauf eingegangen, welche methodische Vorgehensweise zur Erfassung der Datenbanken erfolgte. Der Schluss fasst die Ergebnisse nochmal zusammen und versucht Fragen zur Diskussion anzuregen.

2. Hauptteil

2.1. theoretischer Hintergrund

Für die Hausarbeit wird der theoretische Hintergrund besprochen, welcher für eine Untersuchung der inneren Vielfalt im konkreten Rahmen meiner Auffassung nach notwendig ist. Ziel dieses Kapitels ist es mittels der Theorien, Überlegungen der Sendeanstalten veranschaulichen zu können. Um vor diesem Hintergrund die Daten der ALM und Mediaperspektiven auszuwerten.

2.1.1 Annahme, was ist Öffentlichkeit?

Unter dem Begriff der Öffentlichkeit verstehe ich für die Hausarbeit die Annahmen von Jürgen Gerhards und Friedhelm Neidhardt: „[…]daß Öffentlichkeit ein intermediäres System darstellt, das zwischen dem politischen System einerseits und den Bürgern und den Ansprüchen anderer Teilsysteme der Gesellschaft vermitteln soll.“ weiterhin „[…]ein Kommunikationssystem, in dem die Erzeugung einer bestimmten Art von Wissen stattfindet: Es entstehen öffentliche Meinungen mit mehr oder weniger allgemeinen Einstellungen zu bestimmten Themen.“ (Gerhards/Neidhardt 1990:41)

2.1.2 Medienökonomie oder Ökonomisierung der Medien

Synonym für den Begriff der Ökonomisierung, wird in anderer Literatur auch das Wort Kommerzialisierung verwendet (Siegert et al 2005:471). Der Begriff der Kommerzialisierung, soll hier nur im Rahmen der „[…]verstärkten Einflüsse der Werbewirtschaft auf die Medienproduktion[…]“ (Siegert et al 2005:472) verwendet werden.

Wie allerdings Maire Luise Kiefer feststellt, existiert „[…]In der publizistikwissenschaftlichen Literatur […] keine verbindliche Definition, auch nicht im Sinne einer Nominaldefinition.“ (Kiefer 2005:20).

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Details

Seiten
22
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656153092
ISBN (Buch)
9783656153030
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190754
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
Medienmarkt Bildungsauftrag Rundfunkstaatsvertrag Privatisierung Öffentlich-Rechtliche Vergleichsstudie Sendeanstalten

Autor

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