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Vom braven Bauernmädchen zur selbstbewussten Göre – die Weiterentwicklung des „Rotkäppchen“

Entwicklung der Frauenrolle des "Rotkäppchen" der Gebrüder Grimm

Facharbeit (Schule) 2010 10 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Begriffserklärung Märchen
2.1 Volksmärchen
2.2 Kunstmärchen

3. Die Literaturgeschichte des Märchens "Rotkäppchen"

4. Inhaltsangabe
4.1 "Rotkäppchen" von Charles Perrault
4.2 "Rotkäppchen" von den Gebrüdern Grimm
4.3 "Das kleine Mädchen und der Wolf" von James Thurber

5. Interpretation der Unterschiede der drei Fassungen
5.1 Unterschiede am Anfang der Geschichte
5.2 Unterschiede, warum der Wolf Rotkäppchen nicht sofort frisst
5.3 Unterschiede im Verhalten des Wolfes im Haus der Großmutter
5.4 Unterschiede des Schlusses und der Nachträge

6. Mögliche gesellschaftliche Hintergründe für die Unterschiede

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ich habe mich für das Thema Märchen entschieden, da ich als Kind selber gerne Märchen erzählt oder vorgelesen bekommen habe. Dabei haben mir besonders die Märchen der Gebrüder Grimm gefallen. Speziell für das Märchen "Rotkäppchen" habe ich mich entschieden, da es eine immense Vielzahl von verschiedenen Versionen dieses Märchens gibt und sich über die Jahre ein äußerst facettenreicher Erzählstoff entwickelt hat. Ich werde drei Fassungen des Märchens Rotkäppchen miteinander Vergleichen. Dazu habe ich mir die Version des französischen Schriftstellers Charles Perrault, die der Gebrüder Grimm und eine Version des amerikanischen Schriftstellers James Thurber ausgesucht. Meine Wahl traf diese drei Fassungen, da die von Perrault als ursprüngliche Fassung angesehen werden kann, die Version der Gebrüder Grimm die wohl bekannteste ist und die von Thurber, da diese wiederum eine anderen Verlauf des Märchens parat hält. Besonders hervorheben möchte ich hierbei die Entwicklung des Charakters des "Rotkäppchen". Ich werde die verschiedene Märchentypen, die des Volksmärchens und die des Kunstmärchens, vorstellen und die Entstehungsgeschichte des Rotkäppchen-Märchens präsentieren, sowie den Inhalt der drei Märchen wiedergeben. Im Hauptteil meiner Arbeit werde ich die drei Versionen des Märchens miteinander vergleichen, mögliche gesellschaftliche Hintergründe für die Unterschiede aufweisen und die Entwicklung des "Rotkäppchen" herausarbeiten.

2. Begriffserklärung Märchen

2.1 Volksmärchen

Volksmärchen beruhen auf mündlichen Erzählungen. In Europa wurden sie seit dem 16./17. Jahrhundert gesammelt, aufgezeichnet und dem jeweils herrschenden literarischen Geschmack angeglichen. Es haben sich dennoch bestimmte gemeinsame Merkmale erhalten: Zeit und Ort sind nicht fixiert, die Naturgesetze haben keine Geltung, Pflanzen, Tiere und Gestirne können sprechen und sind dem Menschen gleichgestellt. Hervorstechend ist die einfache Struktur dieser Märchen, sie ist stark von formelhaften Elementen und typisierten Personen geprägt. In der Romantik galt das Volksmärchen als die vollkommene Verkörperung einer ursprünglichen Dichtung.

2.2 Kunstmärchen

Das Kunstmärchen ist eine individuelle Erfindung eines namentlich bekannten Autors. Der Text steht wörtlich fest und übernimmt bestimmte Elemente aus den Volksmärchen, wie etwa Zauberei und übermitteln oft philosophische Botschaften[1]

3. Die Literaturgeschichte des Märchens Rotkäppchen

Etliche vom Volksmund überlieferte Varianten können der Anfang des Rotkäppchen-Märchens gewesen sein. So ist es möglich, dass der Wolf als Fabelwesen eine fiktive Schreckensgestalt verkörpert, den Werwolf oder aber einen sogenannten Menschenwolf, der vielleicht geistesgestört war. In beiden Fällen wird vor dem bösen Wolf, ob Mensch oder tatsächlich Wolf gewarnt. Somit kann die ursprüngliche Rotkäppchen-Geschichte als sogenanntes Warnmärchen interpretiert werden, in dem entweder vor dem hungrigen Wolf als solchem oder vor einem gefährlichen Menschen gewarnt wird, der Kinder angreift.[2]

Das Märchen des Rotkäppchen wurde als erstes schriftlich 1697 von Charles Perrault verfasst und hieß im Original "L e Petit Chaperon Rouge" und ist wahrscheinlich von den Geschichten über Werwölfe abgeleitet.[3] Perraults Rotkäppchen wurde 1712 in Englische übersetzt und machte seinen Weg auch nach Amerika, wo es äußerst populär wurde. Die erste deutsch Übersetzung erschien im Jahre 1790.[4]

Die erste deutsche Fassung des Rotkäppchen-Märchens wurde im Jahre 1800 von Ludwig Tieck verfasst. Diese Fassung ist eine aus Versen und Reimen bestehende Überarbeitung des Perraultschen Erzälstoffes und heißt im Original "Leben und Tod des kleinen Rotkäppchen. Eine Tragödie.".

Die wohl bekannteste Fassung des Märchens Rotkäppchen stammt von den Gebrüdern Grimm und erschien erstmals 1812 im ersten Band der "Kinder- und Hausmärchen" von Jakob und Wilhelm Grimm. Als Quelle dieses Grimms Märchens diente die Perrault-Version des Rotkäppchen-Märchens.[5]

Im Jahre 1939 veröffentlichte James Thurber seine Version des Rotkäppchen: "Das kleine Mädchen und der Wolf" ("The Girl and the Wolf") im amerikanischen.

Die Geschichte des Rotkäppchen ist das wohl bekannteste und meist variierte Märchen. So gibt es etliche Abwandlungen und Parodien, sowie Filme und Werbefiguren, die das Märchen des Rotkäppchen als Grundlage gebrauchen. Hierbei wird die Hauptperson Rotkäppchen immer emanzipierter und lässt sich nicht mehr einfach verschlingen.

4. Inhaltsangabe

4.1 "Rotkäppchen" von Charles Perrault

Das kleine, hübsche Mädchen wird zur kranken Großmutter geschickt, um ihr Fladen und Butter zu bringen. Die Großmutter hat dem Mädchen ein rotes Käppchen machen lassen und daher nennt man es überall nur Rotkäppchen.

Der Wolf sieht das Rotkäppchen und möchte es sogleich fressen, traut sich aber nicht, da sich einige Holzfäller in der Nähe befinden. Der Wolf erfährt durch befragen des Rotkäppchens wo die Großmutter wohnt, eilt zur ihr und verschlingt diese. Im Bett wartet der Wolf auf das Rotkäppchen und fordert diese nach ihrem Eintreffen auf, sich zu ihm in sein Bett zu legen. Rotkäppchen zieht sich bereitwillig ihre Kleider aus und bemerkt, dass der Wolf unbekleidet ist. Dies veranlasst das Rotkäppchen die vermeintliche Großmutter zu fragen, warum die Großmutter denn so große Arme, Beine, Ohren, Augen und Zähne habe. Der Wolf beantwortet alle Fragen bis auf die letzte unverfänglich, doch bei der letzten Frage nach seinen Zähnen antwortet er : „Damit ich dich fressen kann!“ und verschlingt das Rotkäppchen.

[...]


[1] Meyers Großes Taschenlexikon 25 Bänden, Band 14: Lutt – Mim. B.I. Taschenbuchverlag: 2001. S. 117 ff.

[2] Ritz, Hans: Die Geschichte vom Rotkäppchen: Ursprünge, Analysen, Parodien eines Märchens. Göttingen: Muriverlag, 2000. S. 8 – 9.

[3] Zipes, Jack: Rotkäppchens Lust und Leid. Köln: Eugen Diederichs Verlag, 1982. S. 17

[4] Zipes, Jack: Rotkäppchens Lust und Leid. Köln: Eugen Diederichs Verlag, 1982. S. 30 f.

[5] Ritz, Hans: Die Geschichte vom Rotkäppchen: Ursprünge, Analysen, Parodien eines Märchens. Göttingen: Muriverlag, 2000. S. 14 f.

Details

Seiten
10
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656179405
ISBN (Buch)
9783656180180
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190911
Note
2+
Schlagworte
Märchen Rotkäppchen Gebrüder Grimm Frauenrolle Hausmärchen Volksmärchen Charles Perrault

Autor

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Titel: Vom braven Bauernmädchen zur selbstbewussten Göre –  die Weiterentwicklung des „Rotkäppchen“