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Eine Schreibwerkstatt aus der Sicht algerischer Germanistikstudenten

Forschungsarbeit 2012 19 Seiten

Didaktik - Germanistik

Leseprobe

Abstract

Die Textproduktion stellt einen überaus wesentlichen Bestandteil im Germanistikunterricht dar, da die Vermittlung vom Wissen in den verschiedenen Fächern weitestgehend schriftlich erfolgt. Insofern wurde für den Studienerfolg an der Universität Oran eine Schreibwerkstatt eingerichtet. Vor diesem Hintergrund wurde versucht, diese Schreibwerkstatt aus der Sicht der Studenten zu untersuchen.

Zum Begriff Schreibwerkstatt

Zur Definition des Begriffs Workshops sei hier auf die folgende Ausführung von Wallrabenstein (1994, 216ff) verwiesen.

„Der Workshop kann als eine der interaktivsten und lerneraktivsten Lehr/ Lernformen gelten. Wie der Begriff besagt (Werkstatt), entstammt auch dieses Konzept einem wirtschaftlichen Kontext. Es nimmt die Vorstellung auf, dass eine Gruppe von Menschen sich gemeinsam, planvoll und organisiert der Herstellung eines Produktes widmet.“[1]

Kennzeichnend ebenfalls für die Werkstatt ist die Begrenzung des zeitlichen, organisatorischen und inhaltlichen Rahmens. Nickel,[2] I. (2005, 137) weist darauf hin, dass die Werkstatt als ein Fertigungsort zu verstehen sei, in dem durch manuelle handwerkliche Aktivitäten Gebrauchsgüter produziert werden. Im Rahmen der Reformpädagogik der Begriff Werkstatt auf dem Gebiet der Pädagogik eingebracht. Hierzu zählen beispielsweise Georg Kerschensteiners, der die Werkstatt als eine Arbeitschule bezeichnet hat und andere Bezeichnungen waren auch bei Celestin Freinet mit Atelier, Maria Montessoris mit vorbereitende Umgebung oder Helen Parkhurts mit Laboratorien.

Zur Definition des Begriffs Schreibwerkstatt, lässt sich den Ausführungen von Bräuer (2000, 125)[3], Gerd entnehmen, dass die sich die Schreibwerkstatt sowohl als ein Ort für das Sammeln und Kommunizieren von der individuellen Erfahrungen der Lerner als auch als Methode für den so genannten prozessorientierten Unterricht versteht. Sehr viel genauer und treffender charakterisiert jedoch eine weitere, von Pommerin, G.[4] u.a. (1996, 54 f) vorgenommene Definition die Besonderheiten der Schreibwerkstatt, dass die Schreibwerkstatt eine Art Aufsatzunterricht, der zeitlich und räumlich abgegrenzt sei. Hierbei sollte aber noch die Zeit flexibel eingeteilt, d.h. es solle keine 45 Minuten Einheiten geben. Hierin werden authentische Texte mithilfe von kreativen Methoden produziert und verarbeitet. Kennzeichnend für die Schreibwerkstatt, dass darin alle Teilnehmer beim Vorlesen, Befragen und Korrigieren mitmachen sollten. Alle Texte, die in der Schreibwerkstatt behandelt werden, sollten sichtbar gemacht werden, indem die Erkenntnisse und Probleme, die damit zu tun haben wie z.B. Rechtschreibung, Satzbau, an der Pinnwand, Wandzeitung dargestellt werden. Eine weitere Auseinadersetzung mit dem Thema Schreibwerkstatt, liefert nachfolgende Ausführungen von Werder, von Lutz, dass eine Schreibwerkstatt eine kreative Gruppe, die sich treffen, sei, um Texte zu stimulieren, produzieren, bearbeiten und zu deuten.

Besonders erwähnenswert in diesem Gedankengang sei ebenfalls die folgende Definition, die auf englischer Sprache ausgedrückt ist;

„Writer´s Workshop is an interdisciplinary writing technique which can build students fluently in writing through continuous, repeatet exposure to the process of writing. Teachers can introduce elements of Writers Workshop at any elementary grade. Ideally, however the process begins in kindergarten [..] in any case, the goal is to create students with confidence and fluently in the writing skills that will be necessary for secondary and post-secondary education”[5]

Diesen Ausführungen sind zu entnehmen, dass die Schreibwerkstätte die Schreibfähigkeit bei den Schreibenden zu fördern vermögen und zwar durch die Einbeziehung des Schreibprozesses. Des Weiteren können in allen Ebenen der Ausbildung z.B. in der Grundschule, am Gymnasium, an der Universität oder sogar im Kindergarten eingesetzt werden.

Geschichte der Konzeptionen einer Schreibwerkstatt

Bräuer, G. (2000, 125)[6] weist darauf hin, dass seit der Reformpädagogik die Schreibwerkstatt auf dem Gebiet der Ausbildung an Bedeutung gewann. Die ersten Schreibwerkstätten gehen auf die pädagogischen Forscher Peter Petersen, Maria Montessori und Célestin Freinet zurück. Demgegenüber sind heutzutage die Schreibwerkstätte an Volkshochschulen und Internet anzutreffen. Die Schreibwerkstätten werden in den 90 er Jahren an deutschen Hochschulen anerkannt und eingesetzt. Bräuer, G. (2000, 125) macht darauf aufmerksam, dass es in der Praxis der Schreibwerkstatt expressionistische und impressionistische Einflüsse auf die Inhalte gab, die darin behandelt werden, hiermit wird gemeint, dass in der Schreibwerkstatt beispielsweise Erlebnisausdrücke sowie Mitteilung von subjektiven Empfindungen behandelt werden.

Die Konzeptionen der Werkstatt waren sehr stark von der Reformpädagogik anfangs des 20. Jahrhunderts beeinflusst. Es geht in der Hauptsache um Georg Kerschensteiner, Maria Montessori und Celestin Freinet. Somit bietet sich an, sich eingehend mit den Impulsgebern für die Schreibwerkstatt auseinander zu setzen.

Georg Kerschensteiner (1854-1932)

Der Einsatz von Werkstätten als pädagogisches Konzept hat seine Geschichte auch bei Pestalozzi und Fröbel in den 18 Jh. So Röhrs, H. (1991, 181)[7]. Dabei haben sie die Wichtigkeit dieses Konzept erkannt und umgesetzt, wo die gemeinschaftliche Arbeit im Vordergrund steht. Diese Idee hat Georg Kerschensteiner weiterentwickelt und darauf basierend seine so genannte Arbeitschule im Jahre 1895 ins Leben gerufen.

Die Schüler sollten sich laut Werner, W. (2002, 20)[8] durch eigene Erfahrung und Beschäftigung aneignen, d.h. die Rolle des Lehrers ändert sich, indem sie das Wissen nicht mehr rezeptiv vom Lehrer bekamen. Ein weiterer Punkt besteht darin, dass die Werkstätten mit theoretischem Unterricht verbunden sein könnten. Hierbei wird auch nicht zwischen einer geistigen und manuellen Arbeit unterschieden.

Die Arbeitschule zeichnete sich im Allgemeinen durch die Förderung des Lernens in der Gruppe aus, so Werner, W.[9] (2002, 21). Diese Gruppenarbeit bildet den Kern der heutigen Schreibwerkstätten und fördert zugleich die Sozialkompetenz der Lernenden. Darüber hinaus können Erfahrungen aus dem eigenen Leben, die mit dem Lernen in einer Werkstatt zusammenhängen, mit einbezogen werden. Außerdem wird die Selbstständigkeit der Schüler dadurch gefördert. Somit war seine Arbeitschule in erster Linie handlungsorientiert, denn er war nämlich von dem amerikanischen Reformpädagogen John Dewey (1859-1952) stark beeinflusst. Sein Prinzip war das so genannte „learning by doing“, d.h. eine handlungsorientierte Unterricht, indem das Lernen durch das Handeln erfolgt. Darin ändert sich die Rolle des Lehrers in einem Beobachter und Helfer, wenn die Lerner Unterstützungen brauchen. Charakteristisch ebenso ist die Förderung der Selbsttätigkeit und Selbsteinschätzung der Lernenden, d.h. sie können in diesem Fall beispielsweise ihre Fehler selbst einschätzen, so Werner, W. (2002, 21).

Die Arbeitschritte[10] in einer Werkstatt erfolgen in fünf Stufen:

Der erste Schritt lautet das Problembewusstsein. Für die Arbeit dabei werden die Lerner durch ihre eigene Erfahrungen als Anregung veranlasst, eine Fragestellung zu lösen, d.h. sie bekommen einleitend eine Aufgabe, die sie lösen sollten.

In der zweiten Stufe stellen sie Fragen über die Aufgabe und versuchen einen Arbeitsplan aufzustellen. Sie fangen an, sich gedanklich damit zu befassen; indem sie Vermutungen über Lösungsmöglichkeiten aufstellen. Hier entwickeln die Lerner Strategien zur Lösung von dieser Fragestellung. Bei diesem Vorgang steht der Lehrer ihnen mit Ratschläge und Anregungen bei.

Nachfolgend erfolgt die Phase der Arbeitsausführung[11]. Die Lernenden schreiten hier zur Tat und setzen um, was sie vorgeplant haben. Hier werden die Vermutungen überprüft und verändert. In der vierten Stufe werden Lösungen angeführt. Als letzte Phase erfolgt die Lösung der Arbeitsaufgabe und Selbstprüfung. Hierbei wird die Arbeitaufgabe gelöst. Abschließend könnten sowohl die vorgeschlagene Lösung als auch die dabei verfolgte Strategie revidiert werden.

Maria Montessori (1870-1952)

Als weiterer Vorläufer von Schreibwerksatt sei laut Werner, W. (2002, 22ff) hier auf Maria Montessori verwiesen. Die Konzeption der Schreibwerkstatt wurde ebenfalls durch Pädagogik von Maria Montessori beeinflusst. Montessori beschäftigte sich mit dem Lernen von Kindern in einer werkstättigen Umgebung. Kernprinzip lautet, man sollte so genannte eine vorbereitete Umgebung für die Kinder schaffen, die mit ihren geistigen Entwicklungen korrespondieren. Den Kindern sollten Arbeitsmaterialien zur Verfügung gestellt werden, die beispielsweise dem Erlernen vom Schreiben und Lesen dienen. Ein weiteres Charakteristikum sei das Sinnesmaterial, das alle Sinne des Kindes ansprechen wie z. B. Schwere, Länge, Farbe, Klang. Die Kinder wählen ganz frei diese Materialien. Nicht unerwähnt bleiben sollte auch, dass die ästhetische ansprechende Präsentationsform der Materialien in den Vordergrund gestellt wird. Auf der anderen Seite sollten sie nur einmal zur Verfügung haben und zwar aus sozialerzieherischen Gründen. Hierbei ändert sich die Rolle des Lehrers zu einem Beobachter und gelegentlich zu einem Helfer. Ein weiteres Prinzip sei auch die Polarisation der Aufmerksamkeit des Kindes, die sich wiederum in drei Phasen unterteilen lässt: Die Vorbereitungsphase: hier wird einer Tätigkeit zugewandt. Dann fangen sie zu arbeiten, indem sie die nötige Konzentration aufbringen und so lösen sich der Umgebung, in der sich befinden. Anschließend erfolgt die Betrachtung in aller Ruhe, um Wissen zu sammeln, so Werner, W. (2002, 22ff).

[...]


[1] Wallrabenstein, W. Offene Schule- offener Unterricht. Ratgeber für Eltern und Lehrer. 4., aktueller Auflage. Reinbek. Rowohlt. 1994

[2] Nickel, I. Von Kerschensteiner bis zur Lernwerkstatt. Theorie und Praxis einer ganzheitlichen Berufsorientierung. Schneider Verlag Hohengehren . 2005

[3] Bräuer, G. Schreiben als reflexive Praxis. Fillibach Verlag. Freiburg im Breisgau. 2000

[4] Pommerin, G. u.a. Kreative Schreiben, Handbuch für den deutschen und interkulturellen Sprachunterricht in den Klassen 1-10. Beltz Verlag. Weinheim und Basel. 1996

[5] http:// www.teachersfirst.com/lessons/writers/ index.html. Zugriff am 05.06.2008

[6] Bräuer, G. Schreiben als reflexive Praxis. Fillibach Verlag. Freiburg im Breisgau. 2000

[7] Röhrs, H. (1991): Reformpädagogik. Ursprung und Verlauf unter internationalem Aspekt. Weinheim (3. Auflage)

[8] Werner, W. Werkstattunterricht: Theorie- Praxis- Evaluation. Ernst Vögel. München. 2002

[9] Ebd.

[10] Ebd.

[11] Ebd.

Details

Seiten
19
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656162162
ISBN (Buch)
9783656162193
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190916
Institution / Hochschule
University of Oran – Fremdsprachen
Note
Schlagworte
eine schreibwerkstatt sicht germanistikstudenten

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