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Der demographische Wandel, der Mythos Alter und der Bezug zur gesetzlichen Rentenversicherung

Gesellschaftlicher Wandel - Die Probleme der Alterung u. a. auch für die gesetzliche Rentenversicherung in Deutschland

Hausarbeit 2010 60 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Der demographische Wandel in Deutschland
1.1 Einleitung und Definition des demographischen Wandels
1.1.1 Einleitung mit Umfrage
1.1.2 Definition des Begriffes „Demographie“ mit zwei Bevölkerungsvorausberechnungen
1.1.3 Entwicklung der Geburten
1.1.4 Ergebnis
1.2 Die Herausbildung des Dritten Alters
1.3 Bezug zur gesetzlichen Rentenversicherung
1.3.1 Die Alterssicherungssysteme
1.3.2 Der Nachhaltigkeitsfaktor und der Altenquotient
1.3.3 Die Problemstellung für die gesetzliche Rentenversicherung

2. Mein eigener Arbeitsbereich
2.1 Auskunft und Beratung der Kunden
2.2 Ziele und Inhalte meiner Dozententätigkeiten als Altersvorsorgeberater

3. Das „Defizitmodell“ des Alters oder das Altersbild der Gesellschaft[1]
3.1 Der Mythos der Krankheit im Alter
3.2 Das Problem Alter
3.2.1 Der Lebensbogen
3.2.2 Ageism
3.2.3 Die Sichtweise der Bevölkerung
3.2.4 Die Realität
3.3 Teilzeitarbeiten im Alter
3.4 Alternsgerechtes Arbeiten
3.4.1 Die Einstellung der Gesellschaft und der Arbeitgeber gegenüber den älteren Arbeitnehmern
3.4.2 Das Erfahrungspotential
3.4.3 Die alternsgerechten Tätigkeiten

4. Die Probleme der Alterung der deutschen Gesellschaft u.a auch für die gesetzliche Rentenversicherung
4.1 Die Disengagement-Theorie versus aufgeschobener Rentenbeginn aufgrund der Verlängerung des Dritten Alters
4.1.1 Einleitung
4.1.2 Der Gegenpol der positiven Einstellung zum Alter
4.1.3 Der aufgeschobene Rentenbeginn und die Einsicht der Betroffenen
4.1.4 Disengagement-Theorie versus Activity-Theorie
4.1.5 Die zwanghafte Altersgrenze als ein weiterer Punkt von Ageism
4.2 Bezahlbarkeit der zusätzlichen Altersvorsorge

5. Eigener Lösungsansatz und Resümee

Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vorwort

Im folgenden Text wird aus Vereinfachungsgründen immer die männliche Form gewählt und meint beide Geschlechter.

Die Annahmen, Aussagen und Vorausberechnungen beziehen sich immer auf Deutschland. Der Bezug auf Deutschland wurde deshalb nicht immer dazugeschrieben.

Wer ist ab wann alt? Folgende Tabelle zeigt z.B., dass für den Großteil der jungen Männer im Alter zwischen 20 bis 24 Jahren die Frauen als jung gelten, die nicht älter als 39 Jahre alt sind. Für ältere Männer sind Frauen noch jung, wenn diese das 50. Lebensjahr nicht überschritten haben. Als alt gelten die Frauen ab dem 61. bzw. 66.

Lebensjahr. Viele Menschen entscheiden subjektiv, meist nach dem kalendarischen Alter, wer für sie alt ist und wer nicht.[2]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Roux et al.. 1994.

Da es bisher keine anerkannte Eichung für das Alter von Gesellschaften und Menschen gibt, ist mit der älteren oder alten Bevölkerung oder mit der Bezeichnung die „Alten“ etc. der Personenkreis ab dem 55. Lebensjahr gemeint[3].

Um nicht alle Begriffe in meiner Arbeit definieren zu müssen, aber auch um bestimmte Begriffe nachlesen zu können, wurden spezielle Begriffe im Glossar abgelegt und näher definiert. So versuchte ich zu vermeiden, dass meine Arbeit inhaltlich mit Definitionen zugekleistert wurde.

Unter dem Punkt 2 meiner Gliederung werde ich meinen eigenen Arbeitsbereich vorstellen. Hier habe ich bewusst -was mich persönlich betrifft- die Ich-Form gewählt, da ich es komisch gefunden hätte, in der unpersönlichen man-Form verallgemeinert zu schreiben.

Das Ziel meinerArbeit war, sich kritisch mit dem demographischen Wandel in Deutschland und dem Alter auch in Bezug auf die Deutsche Rentenversicherung auseinanderzusetzen.

Unter dem Punkt 5 habe ich versucht, Lösungsansätze aufzuzeigen. Diese Ansätze sind in einem Gesamtzusammenhang zu sehen und entbehren jedwede Vollständigkeit.

1. Der demoqraphische Wandel in Deutschland

1.1 Einleitung und Definition des demoqraphischen Wandels

1.1.1 Einleitung mit Umfrage

In Deutschland wird viel über den demographischen Wandel diskutiert und geschrieben: „Diktatur der Alten“, „Rentnerberg“, „Alterslast“[4], „Greisen-Republik“, „Methusalem-Komplott“, „Der letzte Deutsche“, die „neuen Alten“[5] oder „Raum ohne Volk“[6]. Diese Bücher und Diskussionen sind manchmal sehr interessant, aber meist recht oberflächlich und angstmacherisch verfasst. In dieser Arbeit sollen gesicherte Fakten sprechen. Abzuklären ist, was demographischer Wandel bedeutet. Dazu zunächst ein Beispiel einer Umfrage unter jungen Erwachsenen.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend beauftragte im Jahr 2006 die TNS Emnid, eine Medien- und Sozialforschungs- GmbH, mit einer Umfrage zum Thema demographischer Wandel. 1000 Personen im Alter von 15 bis 25 Jahren wurden telefonisch mittels CATI-Technik befragt. Die Interviews dauerten durchschnittlich 27 Minuten und fanden im Zeitraum vom 11.12.2006 bis 22.12.2006 statt. Das Ziel dieser Umfrage war es, den Kenntnisstand der jungen Erwachsenen über den demographischen Wandel zu erfragen. Es wurde die Frage gestellt, ob man schon einmal etwas über den Begriff des „demographischen Wandels“ gehört oder gelesen hat? Bemerkenswert war, dass 54 Prozent derjungen Erwachsenen den Begriff „Demographischer Wandel“ nicht kannten. „...nur jeder Fünfte ...(wusste) um den Inhalt dieses Fachbegriffs. Einem Drittel derjungen Erwachsenen .(war) ferner nicht bekannt, dass sich Deutschland in einem Prozess des demographischen Wandels befindet[7] “. Wer nicht weiß, was der demographische Wandel ist und für ihn bedeutet, kann auch nicht entsprechend vorsorgen.

1.1.2 Definition des Begriffes „Demographie“ mit zwei Bevölkerunqsvorausberechnunqen

Was heißt Demographie? Der Begriff Demographie umschreibt den Zustand und die Veränderungen der Bevölkerungszahl und -Zusammensetzung mithilfe der Bevölkerungsstatistik[8] und bezeichnet die wissenschaftliche Erforschung dieses Zustandes[9]. Der Wandel bedeutet dabei die Veränderung. Was hat sich gewandelt?

Die folgenden Skizzen stellen die Menge der Personen auf der Abszisse und das Alter dieser Personen in Jahren auf der Ordinate dar.

Es werden drei verschiedene Zeitpunkte abgebildet: 1910, 2008 und 2060

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[10]

Hierzu zwei unterschiedliche zeitliche Vorausberechnungen von zwei verschiedenen Anbietern:

Nach der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes hatten wir 2008 19 Prozent der Bevölkerung, die jünger als 20 Jahre alt waren. Aufdie 65-jährigen und Älteren entfielen 20 Prozent. Die restlichen 61 Prozent waren die Gruppe der 20 bis unter 65jährigen. Nach den Vorausberechnungen wird im Jahr 2060 ca. die Hälfte der Bevölkerung zwischen dem 20. bis unter 65. Lebensjahr sein. Im Jahr 2060 werden dann 34 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre alt sein.[11]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auf ähnliche Ergebnisse kommt auch die Kommission „Nachhaltigkeit in der Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme“. Diese Ergebnisse sollen die Tendenz der Zahlen des Statistischen Bundesamtes nochmals bekräftigen. Hier wurden bewusst die Werte nur bis zum Jahr 2030 herangezogen, um nicht zu weit in die Zukunft prognostizieren zu müssen. Die Kommission „Nachhaltigkeit in der Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme“ hat vorausberechnet, dass sich der Anteil der über 65-jährigen in Deutschland lebenden Menschen an der deutschen Gesamtbevölkerung im Jahr 2030 von 16,4 v.H. (Jahr 2000) auf 27,4 v.H. (Jahr 2030) erhöhen wird. Im Jahr 2000 waren 13,5 Millionen Menschen über 65 Jahre alt. Im Jahr 2030 werden schätzungsweise 22,2 Millionen Menschen in Deutschland über 65 Jahre alt sein. Gleichzeitig sinkt im Jahr 2030 die Zahl der unter 65-jährigen um 9,9 Millionen Menschen auf58,8 Millionen.[12]

Was heißt dies nun für die deutsche Bevölkerung? Der Anteil der Älteren (ab dem 65. Lebensjahr) an der Gesamtbevölkerung steigt künftig sehr stark an[13], weil in Deutschland die Leute immer länger leben. „Nicht mehr durchschnittlich 10 Jahre, wie 1960, sondern über 17 Jahre länger.“[14] In den meisten wohlhabenden Industrienationen gibt es immer mehr Hundertjährige[15]. Für im Jahr 2050 geborene Männer erwartet man eine durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt von 83,7 Jahren (Berechnung 2007). Frauen sollen dann durchschnittlich 88,2 Jahre (Berechnung 2007) alt werden. Ein Zuwachs von 7,8 Jahren für Männer und 6,7 Jahren für Frauen im Vergleich zur Lebenserwartung 2002/2004.[16]

Auch die Alterung der Erwerbspersonen geht mit dieser Entwicklung einher. D.h., dass die Anzahl der 55- bis 64jährigen Menschen in den nächsten Jahrzehnten stark zunehmen wird. Es wird zukünftig mehr ältere Arbeitnehmer in den Unternehmen geben als bisher und die Anzahl der Älteren wird weiter ansteigen. Dadurch steigt auch das Durchschnittsalterder Erwerbstätigen an.[17]

1.1.3 Entwicklung der Geburten

Der zweite Punkt ist, dass der Anteil der jüngeren Generation abnimmt[18].

Dies wurde verursacht durch die geringe Geburtenrate ab den 70er Jahren.[19]

Hervorgerufen wurde dies durch die sehr gute Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln in Deutschland und die immer besser werdenden Möglichkeiten des Schwangerschaftsabbruches.

In Deutschland entscheiden sich Frauen bewusster für ein Kind als früher (vor 1970).[20],,(D)er Rückgang in der Fruchtbarkeit (war und ist) wesentlich eine gewollte Sache ,...“[21] Seit dieser Zeit stagniert die Geburtenrate auch auf diesem niedrigen Niveau.

Die Geburtenanzahl hängt von der Anzahl der potentiellen Mütter (Alter zwischen 15 und 49 Jahren) ab. Dieser Anteil nahm von 1997 bis 2006 um 404.000 auf 19,3 Millionen Frauen ab.[22] Lt. Statistischem Bundesamt schrumpft die Frauengruppe im geburtsfähigen Alter von 15 bis 49 Jahren in den nächsten 15 Jahren weiter[23]. Interessant sind hier die Zahl der geborenen Kinder pro Jahr und die durchschnittliche Kinderanzahl pro Frau. „2006 kamen in Deutschland 673.000 KinderzurWelt. Dies ist die niedrigste Geburtenzahl seit dem Ende des zweiten Weltkriegs.“[24]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[25]

Zum Vergleich: 1964 lagen die Geburten bei insgesamt 1,4 Millionen. Nur in den 90er Jahren bis 1997 stiegen die Geburten wieder an. Seit 1998 sinken die Geburtenzahlen aber wieder kontinuierlich. [26]

Die Zahlen und Fakten zur Geburtenentwicklung zeigen, dass die zusammengefasste Geburtenziffer ab den 60er Jahren den Höchstwert von 2,5 Kindern pro Frau erreichte, dann stetig abfiel und sich dann ab den 70er Jahren bis 2006 auf unter 1,5 Kindern einpendelte. 2006 lag sie bei 1,3 Kindern pro Frau.[27] Die endgültigen Kinderzahlen für Frauen im 50. Lebensjahr waren 2006 rechnerisch 1,6 Kinder pro Frau. Diese Angaben liegen für Geburtsjahrgänge der bis 1957 geborenen Frauen vor.[28]

1.1.4 Ergebnis

In Deutschland leben immer weniger Kinder. Dies ergibt sich aus der niedrigen, durchschnittlichen Kinderanzahl pro Frau, die nur bei ca.1,4 liegt (2007). Der Anteil der Menschen ab dem 65. Lebensjahr an der Gesamtbevölkerung nimmt zu. Außerdem geht das Statistische Bundesamt von einem Bevölkerungsrückgang von derzeit 82 Millionen Einwohnern auf ca. 75 bis 67 Millionen[29] im Jahr 2050 aus.[30] Die Bevölkerungsstruktur ändert sich: Die Bevölkerung schrumpft und der Anteil der älteren und alten Menschen nimmt zu.[31] Fakt ist, dass zukünftig die Beitragszahler dadurch mehr belastet werden bzw. werden müssten.

1.2 Die Herausbildung des Dritten Alters

Das Dritte Alter ist zu einer eigenständigen, längeren Lebensphase und keiner Restzeit geworden, da die älteren Menschen durchschnittlich 20 Jahre und länger dort verbringen. Das Dritte Alter ist nicht kalendarisch bestimmbar. Meist beginnt das Dritte Alter mit dem Eintritt in die Altersrente. Diese Altersgrenze legt der Staat durch einen festgelegten Korridor fest. In Deutschland liegt dieser Korridor zwischen dem 60. und dem 65. bzw. 67. Lebensjahr[32]. Spätestens mit Vollendung des 65. bzw. 67. Lebensjahrs müssen die Menschen das Zweite Alter verlassen und in Rente gehen, ob sie wollen oder nicht.

Mit dem Beginn des Dritten Alters stellt sich die Frage, ob das Gesamteinkommen zum Leben reicht oder nicht.

Das Gesamteinkommen selbst kann sich aus mehreren Komponenten zusammensetzen.[33]

1.3 Bezug zur gesetzlichen Rentenversicherung

1.3.1 Die Alterssicherunqssvsteme

Die Alterssicherung ist ein dynamisches System, das gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen unterworfen ist und sich ständig diesen Veränderungen anzupassen hat. In Deutschland besteht ein sehr komplexes Alterssicherungssystem. Die Alterssicherung in Deutschland besteht aus drei Säulen:

- Die gesetzliche Rentenversicherung,
- die Betriebsrente und
- die private Altersvorsorge.[34]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[35]

Die gesetzliche Rentenversicherung als erste Säule des Drei-Säulen-Systems ist ein Pflichtsystem, in welchem der Großteil der Bevölkerung zwangsversichert ist. Sie ist heute hinsichtlich der Höhe der Leistungen die bedeutendste Institution im Alterssicherungssystem in Deutschland.[36] Nach dem „Bismarck Modell“ fußt sie zum Teil auf dem Versicherungsprinzip[37]. EineVersicherung bedeutet, dass Leistungen und Gegenleistungen im Gleichgewicht sind[38]. Die gesetzliche Rentenversicherung soll die biometrischen Risiken wie Alter, Tod und Erwerbsminderung absichern.

ZurZeit Bismarcks lag die Rentenbeginnsgrenze beim 70. Lebensjahr. Später wurde diese Grenze auf das 65. Lebensjahr gesenkt. Wobei viele Menschen diese Altersgrenze gar nicht erreichten, da die durchschnittliche Lebenserwartung ab Geburt damals bei ca. 35 Jahren lag.[39]

Ein anderes, alternatives Finanzierungsmodell ist steuerfinanziert und wird als „Beveridge Modell“ bezeichnet. In diesem Modell ist nur der Wohnort entscheidend und nicht die Höhe der Beiträge. Die spätere Rente wird dafür aber nur in Höhe einer Grundrente gezahlt.[40]

1.3.2 Der Nachhaltiqkeitsfaktor und der Altenquotient

Der Nachhaltigkeitsfaktor beschreibt das Szenario des „Ergrauens“ der Industrienation Deutschland: Ältere Menschen werden aufgrund der stetig steigenden Lebenserwartung immer älter, die Geburtenrate stagniert auf niedrigem Niveau[41]. Er beinhaltet in seiner Formel den Altenquotienten. Dieser wiederum ist die entscheidende Messgröße für die Finanzsituation der gesetzlichen Rentenversicherung. „Der Altenquotient ist (...) von der Veränderungsrate der Bevölkerung und von der Dauer der Erwerbstätigkeit im Vergleich zur Dauer des Ruhestandes abhängig.“[42] Er gibt den Anteil der Menschen im Rentenalter (ab dem 65. Lebensjahr) im Vergleich zu 100 Personen im Erwerbsalter an.[43] Dieser Altenquotient steigt[44]. Eine wichtige, entscheidende und veränderbare Größe liegt hier in der Definition der Menschen im „Rentenalter“. Wer gehört ab wann dazu? Das anqenommene Renteneintrittsalter ist entscheidend.

Die Abbildung 5 zeigt den Anstieg des Altenquotienten seit 1990. Gleichzeitig nimmt der Jugendquotient ab. D.h., dass weniger Jüngere für mehr Ältere deren Renten erarbeiten und bezahlen müssen. Der Jugendquotient gibt an, wie viel Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 19 Jahren auf 100 Personen im Erwerbsleben (20 bis 64 Jahren) fallen. Wichtig ist aber der Gesamtquotient, der die Jugend (0 bis 19 Jahren) und die Älteren (ab dem 65. Lebensjahr) ins Verhältnis zu 100 Personen im Erwerbsleben setzt. Dieser war in den 70er Jahren bereits höher als z. Zt.. Der Gesamtquotient wird nach der Prognose erst ab etwa 2025 das Niveau der 70er Jahre überschreiten.

Eine zweite wichtige, entscheidende und evtl. veränderbare Größe ist die Geburtenrate und der Wanderungssaldo: „Der Altenquotient ist um so größer, je niedriger die Zuwachsrate der Bevölkerung ist.“[45] Im Umkehrschluss heißt dies, dass der Altenquotient umso kleiner ist, je höher die Zuwachsrate der Bevölkerung ist. Die Zuwachsrate der Bevölkerung hängt von der Höhe der Geburtenrate und vom Wanderungssaldo ab. Den Altenquotienten zu senken, wäre zukünftig durch hohe Geburtenraten und/oder hohe Wanderungssalden möglich.

1.3.3 Problemstellung für die gesetzliche Rentenversicherung

Durch die niedrige Geburtenrate und die steigende Lebenserwartung[46] ändert sich zukünftig das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern: Immer weniger Beitragszahler müssen immer mehr Rentner finanzieren. Der Beitragssatz müsste steigen.

U.a. ausgelöst durch den medizinischen Fortschritt, bessere Hygienebedingungen[47] und eine gesündere Lebensweise[48] verursacht die steigende Lebenserwartung im Alter eine längere und steigende Rentenbezugsdauer[49]. Durch den medizinischen Fortschritt sind viele alte Menschen nicht mehr so eingeschränkt wie früher, da die Krankheiten gelindert oder sogar geheilt werden können.

Dies zeigt auch das Beispiel der Augenoperationen bei grauem Star, der oft im Alter auftritt und in früheren Zeiten älteren Menschen in ihrem Alltag stark einschränkte und behinderte.[50] Durch die Operationen kann diese Krankheit heute meist geheilt werden.

2. Mein eigener Arbeitsbereich

2.1 Auskunft und Beratung der Kunden

Die Deutsche Rentenversicherung Bund versucht aufgrund ihrer Auskunftspflicht ihr Beratungsangebot zu erweitern. Sie gründete das Projekt GeniAL. GeniAL steht für Generationenmanagement im Arbeitsleben. Das erweiterte Beratungsangebot der Auskunfts- und Beratungsstellen bzw. Reha-Servicestellen der Deutschen Rentenversicherung soll durch

- Vorträge,
- Arbeitgeberaufklärung und
- Betriebsberatung

erweitert werden. Die Arbeitgeber sollen auf betriebliche Gestaltungsmöglichkeiten alternsgerechten Arbeitens und deren Umsetzung aufmerksam gemacht werden. Den Betrieben sollen Hilfestellungen angeboten werden, mit schnell alternden Belegschaften produktiv und wettbewerbsfähig auf den Märkten zu agieren.

Beratungsinhalte sind u.a.

- die Gesundheitsförderung,
- effektives betriebliches Eingliederungsmanagement und
- Veränderungen in der Arbeitsorganisation.[51]

Folgende Ziele sollen durch diese Maßnahmen erreicht werden:

[...]


[1] Hörnicke, Heiko, Aufbruch im dritten Lebensalter, Neufeld 2006, S. 14

[2] www.zfg.uzh.ch/static/1999/wilkening.pdf, S.4, abgefragtam 19.12.2009, entnommen aus: Höpflinger u.a., Demographische Alterung und individuelles Altern, Zürich 1999, S. 63

[3] Laslett, Peter, Das Dritte Alter, Historische Soziologie des Alterns, Weinheim u.a. 1995, S. 79

[4] www.zfg.uzh.ch/static/1999/wilkening.pdf, S. 3, abgefragtam 19.12.2009

[5] Laslett, Peter, Das Dritte Alter, Historische Soziologie des Alterns, Weinheim u.a. 1995, S. 9

[6] Nawrocki, Joachim: Kinder unerwünscht-Warum die Deutschen sich nicht vermehren wollen. In: Die Zeit vom 5.1.1979, S. 9-11

[7] Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Demographischer Wandel, Ergebnisse einer Repräsentativbefragung unter der bis 25-jährigen Bevölkerung in Deutschland, Januar 2007 (von tNs Emnid durchgeführt), Stand: Dezember 2007, S.6

[8] Brockhaus Enzyklopädie, Band 6, 2006, S. 420

[9] Schubert, Klaus/Martina, Klein: Das Politiklexikon, Bonn 2006

[10] Quelle: Statistisches Bundesamt, 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, Wiesbaden 2009, Schaubild 3

[11] Statistisches Bundesamt: Bevölkerung Deutschlands bis 2060, Wiesbaden 2009, Schaubild 4

[12] Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hrsg.), Flecken, Hans-Ludwig in: Übersicht über das Sozialrecht, 2009, S. 286

[13] Laslett, Peter, Das Dritte Alter, Historische Soziologie des Alterns, Weinheim u.a. 1995, S. 32; so auch in: Giddens, Anthony u.a., Soziologie, Graz-Wien 2009, S. 161

[14] Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hrsg.), Müntefering, Franz in: Mehr Ältere, wenige Junge, Vorwort, September 2007

[15] Giddens, Anthony u.a., Soziologie, Graz-Wien 2009, S. 162

[16] bpb, 2008, Quelle: Statistisches Bundesamt, Bevölkerung Deutschlands bis 2050, Stand: 2007, siehe Abbildung 2 des Abbildungsverzeichnisses: Entwicklung der Lebenserwartung

[17] Feldes, Werner u.a., Alternsgerechte Arbeit, Stuttgart 2006, S. 5

[18] Siehe Abb. 7 im Abbildungsverzeichnis: Kinderzahl und Kinderlosigkeit

[19] bpb, 2008, Quelle: Statistisches Bundesamt: Pressemitteilungen, Stand: 2007, siehe Abbildung 3 im Abbildungsverzeichnis: Geburten

[20] Bayerische Landeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), Wagschal, Uwe in: Weltprobleme, München 2007, S. 308

[21] Laslett, Peter, Das Dritte Alter, Historische Soziologie des Alterns, Weinheim u.a. 1995, S. 98 f. u.

[22] Statistisches Bundesamt (Hrsg.), Pötzsch, Olga , Geburten in Deutschland, Wiesbaden 2007, S. 6

[23] Dieselbe, S. 7

[24] Dieselbe, S. 8

[25] Statistisches Bundesamt (Hrsg.), Pötzsch, Olga, Geburten in Deutschland, Wiesbaden 2007, S. 8 f.

[26] Dies., S. 8f.

[27] Dies., S. 16f.

[28] Dies., S. 19

[29] Siehe Abbildung 1 im Abbildungsverzeichnis: Bevölkerungsentwicklung und Altersstruktur

[30] http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis /Internet/DE/Content/Statistik..., abgefragt am 03.09.2009

[31] Laslett, Peter, Das Dritte Alter, Historische Soziologie des Alterns, Weinheim u.a. 1995, S. 27

[32] Siehe Abb. 6 im Abbildungsverzeichnis: Alter bei Rentenbeginn

[33] Laslett, Peter, Das Dritte Alter, Historische Soziologie des Alterns, Weinheim u.a. 1995, S. 129 f.

[34] Giddens, Anthony u.a., Soziologie, Graz-Wien 2009, S. 172 f.

[35] Deutsche Rentenversicherung Bund, Handbuch und Arbeitsunterlage zum Kurs „Altersvorsorge macht Schule“, 07/2008, S. 314

[36] Markus, Elena, Alterssicherung in Deutschland, Saarbrücken 2007, S. 6

[37] Giddens, Anthony u.a., Soziologie, Graz-Wien 2009, S. 172

[38] Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (Hrsg.), Unsere Sozialversicherung, Berlin 2005, S. 138

[39] Hörnicke, Heiko, Aufbruch im dritten Lebensalter, Neufeld 2006, S. 14

[40] Giddens, Anthony u.a., Soziologie, Graz-Wien 2009, S. 172

[41] Giddens, Anthony u.a., Soziologie, Graz-Wien 2009, S. 180

[42] Frankfurter Institut-Stiftung Marktwirtschaft und Politik (Hrsg.), Neumann, Manfred in: Rentenkrise. Und wie wir sie meistern können, Bad Homburg 1997, S. 91

[43] Deutsche Rentenversicherung Bund, Handbuch und Arbeitsunterlage, Projekt: Altersvorsorge macht Schule, 2008, S. 27

[44] bpb, 2008, Quelle: Statistisches Bundesamt: Bevölkerung Deutschlands bis 2050, Stand: 2007, siehe Abbildung 5 im Abbildungsverzeichnis: Entwicklung der Altersstruktur

[45] Frankfurter Institut-Stiftung Marktwirtschaft und Politik (Hrsg.), Neumann, Manfred in: Rentenkrise. Und wie wir sie meistern können, Bad Homburg 1997, S. 92

[46] Siehe Abbildung 2 im Abbildungsverzeichnis: Entwicklung der Lebenserwartung; siehe auch: Giddens, Anthony u.a., Soziologie, Graz-Wien 2009, S. 163 u. 176

[47] Dies., S. 163

[48] Dies., S. 162

[49] bpb, 2008, Quelle: Deutsche Rentenversicherung Bund: Rentenversicherung in Zahlen 2008, siehe Abbildung 4 im Abbildungsverzeichnis: Durchschnittliche Rentenbezugszeit

[50] Friedan, Betty, Mythos Alter, Hamburg 1995, S. 34

[51] Deutsche Rentenversicherung Bund, GeniAL, Zwischenbericht, Stand: 30.Juni 2008, S. 25

Details

Seiten
60
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656279167
ISBN (Buch)
9783656279204
Dateigröße
3.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190931
Institution / Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
1,7
Schlagworte
wandel mythos alter bezug rentenversicherung gesellschaftlicher probleme alterung deutschland

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