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Die Auswirkungen des demographischen Wandels in Deutschland auf die gesetzliche Rentenversicherung

Die Probleme und Auswirkungen des demographischen Wandels in Deutschland für die gesetzliche Rentenversicherung und potentielle Lösungen

Hausarbeit 2010 47 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

Gliederung

1. Der demographische Wandel in Deutschland
1.1 Einleitung und Definition des demographischen Wandels
1.1.1 Einleitung mit Umfrage
1.1.2 Definition des Begriffes „Demographie“ mit zwei Bevölkerungsvorausberechnungen
1.1.3 Entwicklung der Geburten
1.1.4 Ergebnis
1.2 Bezug zur gesetzlichen Rentenversicherung
1.2.1 Äquivalenzprinzip
1.2.2 Generationenvertrag
1.2.3 Problemstellung für die gesetzliche Rentenversicherung

2. Mein eigener Arbeitsbereich
2.1 Auskunft und Beratung der Kunden
2.2 Einführung einer neutralen Altersvorsorgeberatung
2.3 Ziele und Inhalte meiner Dozententätigkeiten als Altersvorsorgeberater

3. Die Probleme und Auswirkungen des demoqraphischen Wandels in Deutschland für die gesetzliche Rentenversicherung und potentielle Lösungen
3.1 Aufgeschobener Rentenbeginn
3.2 Sinkendes Rentenniveau
3.2.1 Abschläge
3.2.2 Rentenanpassung
3.2.3 Riesterfaktor und -rente
3.2.4 Nachhaltigkeitsfaktor und Altenquotient
3.2.5 Mögliche Auswirkungen der aktuell letzten Rentenreform auf das Rentenniveau
3.3 Steigender Beitragssatz und Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze
3.3.1 Heraufsetzung der Beitragsbemessungsgrenze
3.3.2 Erhöhung des Beitragssatzes
3.4 Umlageverfahren versus Kapitaldeckungsverfahren
3.4.1 Vor- und Nachteile des Umlageverfahrens
3.4.2 Vor- und Nachteile des Kapitaldeckungsverfahrens
3.4.3 Zusammenhang zum demographischen Wandel
3.5 Bewusstseinsschaffung über den demographischen Wandel
3.6 Bezahlbarkeit der zusätzlichen Altersvorsorge

4. Der Ist-Zustand zusammengefasst und alternative Lösungsmöglichkeiten
4.1 Aktuell vorhandener Lösungsansatz
4.2 Lösungsansatz von Gary Becker
4.3 Eigener Lösungsansatz und Resümee

Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vorwort

Im folgenden Text wird aus Vereinfachungsgründen immer die männliche Form gewählt und meint beide Geschlechter.

Die Annahmen, Aussagen und Vorausberechnungen beziehen sich immer auf Deutschland. Der Bezug auf Deutschland wurde deshalb nicht immer dazugeschrieben.

Da es bisher keine anerkannte Eichung für das Alter von Gesellschaften und Menschen gibt, ist mit der älteren oder alten Bevölkerung oder mit der Bezeichnung die „Alten“ etc. der Personenkreis ab dem 65. Lebensjahr gemeint[1]. Dies ist das Alter der jetzigen und früheren Regelaltersrente (ab 2012 bis 2029 stufenweise Anhebung auf das 67. Lebensjahr) und sollte in Deutschland auch die Regel für den Rentenbeginn sein.

Um nicht alle Begriffe in meiner Arbeit definieren zu müssen, aber auch um bestimmte Begriffe nachlesen zu können, wurden spezielle Begriffe im Glossar abgelegt und näher definiert. So versuchte ich zu vermeiden, dass meine Arbeit inhaltlich mit Definitionen zugekleistert wurde.

Unter dem Punkt 2 meiner Gliederung werde ich meinen eigenen Arbeitsbereich vorstellen. Hier habe ich bewusst -was mich persönlich betrifft- die ich-Form gewählt, da ich es komisch gefunden hätte, in der unpersönlichen man-Form verallgemeinert zu schreiben.

Das Ziel meinerArbeit war, sich kritisch mit dem demographischen Wandel in Deutschland und den Auswirkungen auf die Deutsche Rentenversicherung, die Rentner und die Beitragszahler auseinanderzusetzen.

Unter den Punkten 3 und 4 habe ich versucht Lösungsansätze aufzuzeigen. Dies immer in Bezug auf die Deutsche Rentenversicherung, meinen Arbeitgeber, um den Umfang meinerArbeit sinnvoll einzugrenzen.

1. Der demoqraphische Wandel in Deutschland

1.1 Einleitung und Definition des demoqraphischen Wandels

1.1.1 Einleitung mit Umfrage

In Deutschland wird viel über den demographischen Wandel diskutiert und geschrieben: „Diktatur der Alten“, „Greisen-Republik“, „Methusalem-Komplott“, „Der letzte Deutsche“ oder „Raum ohne Volk“[2]. Diese Bücher und Diskussionen sind manchmal sehr interessant, aber meist recht oberflächlich und angstmacherisch verfasst. In dieser Arbeit sollen gesicherte Fakten sprechen. Abzuklären ist, was demographischer Wandel bedeutet. Dazu zunächst ein Beispiel einer Umfrage unter jungen Erwachsenen.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend beauftragte im Jahr 2006 die TNS Emnid, eine Medien- und Sozialforschungs- GmbH, mit einer Umfrage zum Thema demographischer Wandel. 1000 Personen im Alter von 15 bis 25 Jahren wurden telefonisch mittels CATI-Technik befragt. Die Interviews dauerten durchschnittlich 27 Minuten und fanden im Zeitraum vom 11.12.2006 bis 22.12.2006 statt. Das Ziel dieser Umfrage war es, den Kenntnisstand der jungen Erwachsenen über den demographischen Wandel zu erfragen. Es wurde die Frage gestellt, ob man schon einmal etwas über den Begriff des „demographischen Wandels“ gehört oder gelesen hat? Bemerkenswert war, dass 54 Prozent derjungen Erwachsenen den Begriff „Demographischer Wandel“ nicht kannten. „...nur jeder Fünfte ...(wusste) um den Inhaltdieses Fachbegriffs. Einem Drittel derjungen Erwachsenen .(war) ferner nicht bekannt, dass sich Deutschland in einem Prozess des demographischen Wandels befindet[3] “. Wer nicht weiß, was der demographische Wandel ist und für ihn bedeutet, kann auch nicht entsprechend vorsorgen.

1.1.2 Definition des Begriffes „Demographie“ mit zwei Bevölkerunqsvorausberechnunqen

Was heißt Demographie? Der Begriff Demographie umschreibt den Zustand und die Veränderungen der Bevölkerungszahl und -Zusammensetzung mit Hilfe der Bevölkerungsstatistik[4] und bezeichnet die wissenschaftliche Erforschung dieses Zustandes[5]. Der Wandel bedeutet dabei die Veränderung. Was hat sich gewandelt?

Hierzu zwei unterschiedliche zeitliche Vorausberechnungen von zwei verschiedenen Anbietern:

Nach der 11. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes hatten wir 2005 20 Prozent der Bevölkerung, die jünger als 20 Jahre alt waren. Auf die 65-jährigen und Älteren entfielen 19 Prozent (bzw. 24,9 Prozent auf die Menschen ab dem 60. Lebensjahr). Die restlichen 61 Prozent (bzw. 55,1 Prozent) waren die Gruppe der 20 bis unter 65jährigen (bzw. der 20 bis unter 59jährigen). Nach den Vorausberechnungen wird im Jahr 2050 ca. die Hälfte der Bevölkerung zwischen dem 20. bis unter 65. Lebensjahr sein. Im Jahr 2050 werden dann über 30 Prozent (bzw. 38,9 Prozent) der Bevölkerung über 65 Jahre (bzw. 60 Jahre) alt sein.[6]

Auf ähnliche Ergebnisse kommt auch die Kommission „Nachhaltigkeit in der Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme“. Diese Ergebnisse sollen die Tendenz der Zahlen des statistischen Bundesamtes nochmals bekräftigen. Hier wurden bewusst die Werte nur bis zum Jahr 2030 herangezogen, um nicht zu weit in die Zukunft prognostizieren zu müssen. Die Kommission „Nachhaltigkeit in der Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme“ hat vorausberechnet, dass sich der Anteil der über 65-jährigen in Deutschland lebenden Menschen an der deutschen Gesamtbevölkerung im Jahr 2030 von 16,4 v.H. (Jahr 2000) auf 27,4 v.H. (Jahr 2030) erhöhen wird. Im Jahr 2000 waren 13,5 Millionen Menschen über 65 Jahre alt. Im Jahr 2030 werden schätzungsweise 22,2 Millionen Menschen in Deutschland über 65 Jahre alt sein. Gleichzeitig sinkt im Jahr 2030 die Zahl der unter 65-jährigen um 9,9 Millionen Menschen auf58,8 Millionen.[7]

Was heißt dies nun für die deutsche Bevölkerung? Der Anteil der Älteren (ab dem 65. Lebensjahr) an der Gesamtbevölkerung steigt künftig sehr stark an[8], weil in Deutschland die Leute immer länger leben. „Nicht mehr durchschnittlich 10 Jahre, wie 1960, sondern über 17 Jahre länger.“[9] Es gibt immer mehr Hundertjährige. Für im Jahr 2050 geborene Männer erwartet man eine durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt von 83,7 Jahren (Berechnung 2007). Frauen sollen dann durchschnittlich 88,2 Jahre (Berechnung 2007) alt werden. Ein Zuwachs von 7,8 Jahren für Männer und 6,7 Jahren für Frauen im Vergleich zur Lebenserwartung 2002/2004.[10] Dies ist zuerst einmal nur eine Prognose, keine Wertung. Dies kann sowohl positive als auch negative Auswirkungen für den Einzelnen wie für die Gesellschaft an sich haben.

1.1.3 Entwicklung der Geburten

Der zweite Punkt ist, dass der Anteil der jüngeren Generation abnimmt. Dies wurde verursacht durch die geringe Geburtenrate ab den 70er Jahren.[11] Hervorgerufen wurde dies durch die sehr gute Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln in Deutschland und die immer besser werdenden Möglichkeiten des Schwangerschaftsabbruches. In Deutschland entscheiden sich Frauen bewusster für ein Kind als früher (vor 1970).[12] Seit dieser Zeit stagniert die Geburtenrate auch auf diesem niedrigen Niveau.

Die Geburtenanzahl hängt von der Anzahl der potentiellen Mütter (Alterzwischen 15 und 49 Jahren) ab. Dieser Anteil nahm von 1997 bis 2006 um 404.000 auf 19,3 Millionen Frauen ab.[13] Lt. Statistischem Bundesamt schrumpft die Frauengruppe im geburtsfähigen Alter von 15 bis 49 Jahren in den nächsten 15 Jahren weiter[14]. Interessant sind hier die Zahl der geborenen Kinder pro Jahr und die durchschnittliche Kinderanzahl pro Frau. „2006 kamen in Deutschland 673.000 Kinder zur Welt. Dies ist die niedrigste Geburtenzahl seit dem Ende des zweiten Weltkriegs.“[15] Zum Vergleich: 1964 lagen die Geburten bei insgesamt 1,4 Millionen. Nur in den 90er Jahren bis 1997 stiegen die Geburten wieder an. Seit 1998 sinken die Geburtenzahlen aber wieder kontinuierlich.[16] Die Zahlen und Fakten zur Geburtenentwicklung zeigen, dass die zusammengefasste Geburtenziffer ab den 60er Jahren den Höchstwert von 2,5 Kindern pro Frau erreichte, dann stetig abfiel und sich dann ab den 70er Jahren bis 2006 auf unter 1,5 Kindern einpendelte. 2006 lag sie bei 1,3 Kindern pro Frau.[17] Die endgültigen Kinderzahlen für Frauen im 50. Lebensjahr waren 2006 rechnerisch 1,6 Kinder pro Frau. Diese Angaben liegen für Geburtsjahrgänge der bis 1957 geborenen Frauen vor.[18]

1.1.4 Ergebnis

In Deutschland leben immer weniger Kinder. Dies ergibt sich aus der niedrigen, durchschnittlichen Kinderanzahl pro Frau, die nur bei ca.1,4 liegt (2007). Der Anteil der Menschen ab dem 65. Lebensjahr an der Gesamtbevölkerung nimmt zu. Außerdem geht das Statistische Bundesamt von einem Bevölkerungsrückgang von derzeit 82 Millionen Einwohnern auf ca. 75 bis 67 Millionen[19] im Jahr 2050 aus.[20] Die Bevölkerungsstruktur ändert sich. Fakt ist, dass zukünftig die Beitragszahler dadurch mehr belastet werden bzw. werden müssten. Diese Aussage wird unter den nachfolgenden Punkten untersucht.

1.2 Bezug zurqesetzlichen Rentenversicherung

Die Alterssicherung ist ein dynamisches System, das gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen unterworfen ist und sich ständig diesen Veränderungen anzupassen hat. In Deutschland besteht ein sehr komplexes Alterssicherungssystem. Die Alterssicherung in Deutschland besteht aus drei Säulen:

- Die gesetzliche Rentenversicherung,
- die Betriebsrente und
- die private Altersvorsorge.

Die gesetzliche Rentenversicherung als erste Säule des Drei-Säulen-Systems ist ein Pflichtsystem, in welchem der Großteil der Bevölkerung zwangsversichert ist. Sie ist heute hinsichtlich der Höhe der Leistungen die bedeutendste Institution im Alterssicherungssystem in Deutschland.[21] Sie soll die biometrischen Risiken wie Alter, Tod und Erwerbsminderung absichern.

1.2.1 Äquivalenzprinzip

Dabei ist die gesetzliche Rentenversicherung nach dem Äquivalenzprinzip aufgebaut. Dies bedeutet, dass die Kunden im Rentenalter verhältnismäßig so viel Rente bekommen, wie es der Höhe ihrer Einzahlungen im Erwerbsleben entspricht. Logischerweise erhält derjenige, der mehr Beiträge eingezahlt hat, mehr Rente als ein anderer, der weniger Beiträge aufgrund seines vergleichsmäßig niedrigeren Bruttoverdienstes entrichtet hat. Die spätere Höhe der Rente und auch die anderen Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung sind dabei durch den sogenannten Generationenvertrag abgesichert.[22]

1.2.2 Generationenvertraq

Der Generationenvertrag ist ein unausgesprochener, schriftlich nicht fixierter Vertrag von drei Generationen: Die heute zahlende, erwerbstätige, zweite Generation, die die aktuellen Renten der jetzigen Rentner (erste Generation) durch ihre Beiträge finanziert und hofft, dass die nachkommende, dritte Generation, also ihre Kinder, dann die Renten der jetzigen zweiten Generation bezahlt, wenn sich die zweite Generation später im Rentenalter befindet, also zukünftig zur ersten Generation aufsteigt. Dieses Finanzierungssystem nennt man auch Umlageverfahren. Die jetzt zu zahlenden Beiträge werden sofort umgelegt, um die jetzigen Renten zahlen zu können.[23]

1.2.3 Problemstellung für die gesetzliche Rentenversicherung

Durch die niedrige Geburtenrate und die steigende Lebenserwartung[24] ändert sich zukünftig das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern: Immer weniger Beitragszahler müssen immer mehr Rentner finanzieren. U.a. ausgelöst durch den medizinischen Fortschritt und eine gesündere Lebensweise verursacht die steigende Lebenserwartung im Alter eine längere und steigende Rentenbezugsdauer[25]. Der Beitragssatz müsste steigen, wenn darauf nicht reagiert werden würde. Es kann darauf reagiert werden und teilweise wird darauf reagiert. Es stellt sich dabei die Frage: Wie wird richtig darauf reagiert? Hierzu herrschen unterschiedliche Meinungen und konstruktive Ansätze, die im Verlauf der Arbeit vorgestellt werden sollen.

2. Mein eigener Arbeitsbereich

2.1 Auskunft und Beratung der Kunden

Ich bin seit 01.04.2008 bis laufend Berater in der Auskunfts- und Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung Nordbayern. Vom 01.09.1996 bis 31.03.2008 war ich Berater bei der Deutschen Rentenversicherung Bund. Meine Aufgaben umfassen auch den Bereich der Aufklärung der Kunden überden demographischen Wandel. Diese Aufklärungspflicht ergibt sich aus den §§ 13 bis 15 SGB I. Diese Informationen und die Beratung dazu sind wichtige Dienstleistungen, die lt. Gesetzgeber die

Rentenversicherungsträger nicht anderen Institutionen überlassen sollen, sondern selbstwahrzunehmen haben.

Die Deutsche Rentenversicherung Bund versucht deshalb ihr Beratungsangebot zu erweitern. Sie gründete das Projekt GeniAL. GeniAL steht für Generationenmanagement im Arbeitsleben. Das erweiterte Beratungsangebot der Auskunfts- und Beratungsstellen bzw. Reha-Servicestellen der Deutschen Rentenversicherung soll durch

- Vorträge,
- Arbeitgeberaufklärung und
- Betriebsberatung
- erweitert werden. Die Arbeitgeber sollen auf betriebliche Gestaltungsmöglichkeiten altersgerechten Arbeitens und deren Umsetzung aufmerksam gemacht werden. Den Betrieben sollen Hilfestellungen angeboten werden, mit schnell alternden Belegschaften produktiv und wettbewerbsfähig auf den Märkten zu agieren. Beratungsinhalte sind u.a.
- die Gesundheitsförderung,
- effektives betriebliches Eingliederungsmanagement und
- Veränderungen in der Arbeitsorganisation.[26]

2.2 Einführung einer neutralen Altersvorsorqeberatunq

Im Jahr 2001 gab es eine Rentenreform. Zusätzlich wurde das Gesetz zur Förderung eines kapitalgedeckten Altersvorsorgevermögens (Altersvorsorgegesetz - AvmG) verabschiedet. Die Verknüpfung beider Reformgesetze im Bundesgesetzblatt fand Mitte 2001 statt. Das AVmG konnte somit am 01.01.2002 in Kraft treten. Es wurden ein Riesterfaktor und später ein Nachhaltigkeitsfaktor (2005) eingeführt, die beide die kommenden Rentenanpassungen dämpften und dämpfen werden. Der Gesetzgeber hat dadurch die umlagefinanzierten Renten der Höhe nach gesenkt. Dies bedeutet, dass sich die Rentenanpassung zwar nach der Bruttolohnerhöhung der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung richtet, aber durch diese Dämpfungsfaktoren niedriger ausfällt. Die Schutzklausel verhindert hier eine negative Anpassung. Diese Schutzklausel ist immer bei Null und darf nicht negativ sein (siehe genauer unter Punkt 3.1.2, sinkendes Rentenniveau).

Seit 2002 ist es deshalb möglich, ein gefördertes Altersvorsorgevermögen aufzubauen. Der Aufbau einer kapitalgedeckten, freiwilligen privaten Riesterrente wurde und wird seitdem gefördert. Dies soll ein Ausgleich zur verminderten Rentenanpassung sein. Seit dieser Zeit führten die Rentenversicherungsträger eine neutrale Altersvorsorgeberatung ein. In ganz Deutschland fanden und finden Kurse zur Altersvorsorge statt. Unter dem Motto „Altersvorsorge macht Schule“ wurden und werden Kurse an den Volkshochschulen gehalten. Das Ziel der gesetzlichen Rentenversicherung ist die Absicherung der erwerbspflichtigen Menschen ab Rentenbeginn.

2.3 Ziele und Inhalte meiner Dozententätiqkeiten als Altersvorsorqeberater

Den Kunden die Notwendigkeit der privaten Eigenvorsorge für das Alter aufgrund des demographischen Wandels klar zu machen, ist im Rahmen meiner Dozententätigkeit meine Aufgabe. Zur Sicherung eines angemessenen Lebensstandards im Alter war diese zusätzliche, freiwillige, ergänzende, private Vorsorge -lt. Gesetzgeber- notwendig geworden, da wie bereits angedeutet das Rentenniveau durch die Rentenreform 2001 zurückgefahren wurde und zukünftig besonders stark zurückgefahren wird (siehe genauer unter Punkt 3.1.2, sinkendes Rentenniveau).

Ein weiteres Ziel ist, den Kunden die Notwendigkeit zusätzlicher Altersvorsorge anbieter- und produktneutral aufzuzeigen.

Inhaltlich wird besonders über die Finanzsituation der Rentenversicherungsträger und den demographischen Wandel referiert. Der Generationenvertrag wird erklärt und kurz an der Tafel skizziert. Der Unterschied zwischen Umlageverfahren und Kapitaldeckungsverfahren wird erläutert. Danach werden die Probleme herausgearbeitet und besprochen.

3. Die Probleme und Auswirkungen des demoqraphischen Wandels in Deutschland für die gesetzliche Rentenversicherung und potentielle Lösungen

3.1 Aufqeschobener Rentenbeqinn

Um die Anzahl der Erwerbsfähigen zu erhöhen, könnte man die Generation ab dem 65. Lebensjahr länger in Arbeit belassen. Dies auch in Hinsicht auf die längeren Ausbildungsphasen, also den späteren Eintrittsbeginn ins Erwerbsleben, und die längeren Rentenlaufzeiten. So könnte auch die Rentenbezugsdauer verkürzt werden und damit eine finanzielle Entlastung seitens der Beitragszahler stattfinden. Die potentielle Maßnahme der Verschiebung des Rentenbeginns auf ein höheres Rentenbeginnsalter erfordert aber eine gewisse Einsicht aller Beteiligten in dieselbe: Die Arbeitgeber müssten den älteren Beschäftigten (ab dem 55. Lebensjahr) altersgerechtes Arbeiten anbieten, anstatt sie mit

- Aufhebungsverträgen,
- Abfindungen und
- Vorruhestandsregelungen

aus ihren Unternehmen wegrationalisieren zu wollen.

Die Altersteilzeit z.B. ab dem 55. Lebensjahr ist eine gute Maßnahme für die älteren Arbeitnehmer, die einen gleitenden Übergang vom Berufsleben in den Ruhestand wünschen. Die Möglichkeit Altersteilzeit zu beginnen, müsstejedoch der aktuellen und zukünftigen Situation angepasst werden und beispielsweise auf das 60. oder 62. Lebensjahr hochgesetzt werden.

Der Gesetzgeber müsste die Möglichkeit altersgerechten Arbeitens durch

- beratende und
- finanzielle

[...]


[1] Laslett, Peter, Das Dritte Alter, Historische Soziologie des Alterns, Weinheim u.a. 1995, S. 79

[2] Nawrocki, Joachim: Kinder unerwünscht-Warum die Deutschen sich nicht vermehren wollen. In: Die Zeit vom 5.1.1979, S. 9-11

[3] Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Demographischer Wandel, Ergebnisse einer Repräsentativbefragung unter der bis 25-jährigen Bevölkerung in Deutschland, Januar 2007 (von tNs Emnid durchgeführt), Stand: Dezember 2007, S.6

[4] Brockhaus Enzyklopädie, Band 6, 2006, S. 420

[5] Schubert, Klaus/Martina, Klein: Das Politiklexikon, Bonn 2006

[6] Statistisches Bundesamt, Mikrozensus 2008, S. 5, 2009; Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), 2008, Quelle: Statistisches Bundesamt: Bevölkerung Deutschlands bis 2050, Stand: 2007, siehe auch Abbildung 1 im Abbildungsverzeichnis für die in Klammern stehenden Werte.

[7] Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hrsg.), Flecken, Hans-Ludwig in: Übersicht über das Sozialrecht, 2009, S. 286

[8] Laslett, Peter, Das Dritte Alter, Historische Soziologie des Alterns, Weinheim u.a. 1995, S. 32

[9] Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hrsg.), Müntefering, Franz in: Mehr Ältere, wenige Junge, Vorwort, September 2007

[10] bpb, 2008, Quelle: Statistisches Bundesamt, Bevölkerung Deutschlands bis 2050, Stand: 2007, siehe Abbildung 2 des Abbildungsverzeichnisses

[11] bpb, 2008, Quelle: Statistisches Bundesamt: Pressemitteilungen, Stand: 2007, sieheAbbildung 3 im Abbildungsverzeichnis.

[12] Bayerische Landeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), Wagschal, Uwe in: Weltprobleme, München 2007, S. 308

[13] Statistisches Bundesamt (Hrsg.), Pötzsch, Olga , Geburten in Deutschland, Wiesbaden 2007, S. 6

[14] Dieselbe, S. 7

[15] Dieselbe, S. 8

[16] Dieselbe, S. 8 f.

[17] Dieselbe, S. 16f.

[18] Dieselbe, S. 19

[19] Siehe Abbildung 1 im Abbildungsverzeichnis.

[20] http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis /Internet/DE/Content/Statistik..., abgefragt am 03.09.2009

[21] Markus, Elena, Alterssicherung in Deutschland, Saarbrücken 2007, S. 6

[22] Siehe auch Glossar!

[23] Deutsche Rentenversicherung Bund, Handbuch und Arbeitsunterlage zum Kurs „Altersvorsorge macht Schule“, 07/2008, S. 25

[24] Siehe Abbildung 2 im Abbildungsverzeichnis.

[25] bpb, 2008, Quelle: Deutsche Rentenversicherung Bund: Rentenversicherung in Zahlen 2008, siehe Abbildung 4 im Abbildungsverzeichnis.

[26] Deutsche Rentenversicherung Bund, GeniAL, Zwischenbericht, Stand: 30.Juni 2008, S. 25

Details

Seiten
47
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656161509
ISBN (Buch)
9783656161554
Dateigröße
1.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190934
Institution / Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
Schlagworte
auswirkungen wandels deutschland rentenversicherung probleme lösungen

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Titel: Die Auswirkungen des demographischen Wandels in Deutschland auf die gesetzliche Rentenversicherung