Lade Inhalt...

Familienfreundlichkeit in Unternehmen unter ethischen Gesichtspunkten

Hausarbeit 2011 38 Seiten

BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einführung

2. Familienfreundlichkeit
2.1 Begriff
2.2 Ethisches Prinzip
2.3 Herausforderung: Vereinbarkeit von Familie und Beruf
2.3.1 Problematik und Dilemma der Familie
2.3.2 Wie ist Zufriedenheit zu erreichen?
2.3.3 Anforderungen der Familie
2.3.4 Unternehmensziele / Anforderungen der Firma
2.3.5 Vorhandene Kompetenzen nutzen
2.3.6 Harmonisierung der Ziele der Beteiligten

3. Kritische Betrachtung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Armutsrisikoquote nach Haushaltstyp und Alter des jüngsten Kindes 1998 und 2008

Abbildung 2 Armutsrisikoquote nach Kinderzahl 1998 und 2008

Abbildung 3 Vollzeiterwerbstätige Führungskräfte in der Privatwirtschaft mit Kindern nach Geschlecht und dem Anteil Kinderbetreuung Leistender an einem 2007

Abbildung 4 Vollzeiterwerbstätige Führungskräfte in der Privatwirtschaft nach Geschlecht und Anteil Hausarbeit Leistender 2007

Abbildung 5 Fallzahlen Führungskräfte in der Privatwirtschaft nach Geschlecht

Abbildung 6 Verteilung der Führungsanteile im Topmanagement nach Geschlecht

Abbildung 7 Führungskräfte in der Privatwirtschaft nach Geschlechteranteilen in den Managementebenen 2007

Abbildung 8 Führungskräfte in der Privatwirtschaft nach Geschlecht und Verteilung auf die einzelnen Managementebenen 2007

Abbildung 9 Führungskräfte in der Privatwirtschaft nach Geschlecht, schulischer und beruflicher Qualifikation 2001-2008

Abbildung 10 Vollzeiterwerbstätige Führungskräfte in der Privatwirtschaft nach Geschlecht und Bruttoeinkommen (Mittelwert in Euro) sowie "Gender Pay Gap" (in Prozent) 2001-2008

Abbildung 11 Vollzeiterwerbstätige Führungskräfte in der Privatwirtschaft in Frauen-, Misch- und Männerberufen nach durchschnittlichem Bruttoeinkommen und Geschlecht (2001-2008)

Abbildung 12 Führungskräfte in der Privatwirtschaft nach Geschlecht, tatsächlicher Wochenarbeitszeit 2001-2008

Abbildung 13 Bedürfnisse und Wünsche der Familien

Abbildung 14 Ziele familienbewusster Personalpolitik

Abbildung 15 Familienfreundliche Maßnahmen - ein Überblick

Es gilt das aktuelle Abkürzungsverzeichnis des Duden. Zur Vereinfachung wurde diese Arbeit bewusst in der männlichen Form geschrieben, meint aber beide Geschlechter.

1. Einführung

Das Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ wird in der Öffentlichkeit aktuell verstärkt diskutiert. Es ist nicht mehr nur ein Thema der Frauen im Sinne der Gleichstellungspolitik, sondern betrifft ebenfalls die Wirtschaft in Bezug auf den fehlenden Nachwuchs qualifizierter Arbeitskräfte sowie den Staat hinsichtlich des Erhaltes sozialer Sicherungssysteme. Somit gewinnt die Vereinbarkeit beider Bereiche aufgrund der weitreichenden Konsequenzen der überalternden Gesellschaft (demografischer Wandel) bei gleichzeitig sinkender Geburtenrate zunehmend an Bedeutung für Gesellschaft, Wirtschaft und Staat.

Und dennoch stellt sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf insbesondere für Familien und Unternehmen in Deutschland im Vergleich zu anderen westeuropä- ischen Ländern als prekär dar. Familien sehen sich der Problematik ausgesetzt, dass aus finanzieller Sicht beide Elternteile häufig darauf angewiesen sind, berufstätig zu sein. Zumal die Kinder neben ihren Freizeitinteressen einer entsprechenden Bildung bedürfen, die organisierbar und bezahlbar sein muss. Gleichzeitig geraten die Familien durch ihre Berufstätigkeit in zeitliche und organisatorische Konflikte in Bezug auf die Kindesbetreuung. Dies begründet sich im Wesentlichen in den mangelnden Kinderbetreuungsangeboten in Kindergärten und Schulen.

Aufgrund dieser Schwierigkeiten müssen sich Paare heute häufig zwischen der Familiengründung und der Berufstätigkeit entscheiden. Besonders betroffen sind höher qualifizierte Frauen. Nur ein kleiner Teil schafft es, beides miteinander zu vereinbaren. Diese missliche Situation verschärft den Rückgang der Geburtenrate erheblich. Folgerichtig ist aus unternehmerischer Sicht ein akuter Fachkräftemangel, insbesondere hochqualifizierter Personen, zu verzeichnen, der sich aufgrund fehlender neuer Generationen tendenziell verstärkt. Zurzeit fehlen dem deutschen Arbeitsmarkt rund 400.000 Fachkräfte. Unternehmen sind hinsichtlich ihrer Wettbewerbsfähigkeit und damit auf die Absicherung ihrer Existenz, auf ebensolche Mitarbeiter angewiesen. (von Dewitz, 2008 S. 393 f.) (Geisel, 26.02.2008 S. 4) (Klös, et al., 2007 S. 35 u. 37 ff.) (Gerlach, et al., 2007 S. 24)

Folglich liegt das Hauptaugenmerk beider Seiten darauf, eine Balance zwischen Familie und Beruf zu erreichen. Dafür ist es essenziell, dass ein Umdenken in den Unternehmen stattfindet und neben individuellen Einzelvereinbarungen, familienfreundliche Maßnahmen eingeführt werden, die es Familien ermöglicht, beiden Verpflichtungen gerecht werden zu können. Dies stellt Unternehmen vor eine neue Herausforderung, die allerdings auch positive Effekte, wie der leichteren Akquise von Fachkräften und der langfristigen Bindung ihrer Mitarbeiter mit sich bringt. Überdies hinaus wird mit der Einführung familienfreundlicher Maßnahmen auf eine erhöhte Arbeitszufriedenheit abgezielt, die weitere u.a. ökonomische Vorteile für Unternehmen mit sich bringt, auf die im Rahmen dieser Arbeit eingegangen wird.

In dieser Arbeit wird die Problematik der Vereinbarkeit von Familie und Beruf untersucht und Lösungsansätze aufgezeigt. Diesbezüglich werden die Anforderungen der Familien den Unternehmenszielen gegenübergestellt und einige familienfreundliche Instrumente vorgestellt. Des Weiteren wird dargestellt, wie Unternehmen mit einer familienorientierten Personalpolitik hinsichtlich der Fachkräfteproblematik Kompetenzen für sich gewinnen und nutzen können. Anschließend wird geprüft, inwiefern eine Harmonisierung der Ziele beider Beteiligten umgesetzt werden kann. Im Anschluss wird die Arbeit mit einem kritischen Fazit abgerundet.

2. Familienfreundlichkeit

2.1 Begriff

Im Sinne der Personalpolitik von Unternehmen gewinnt Familienfreundlichkeit an Bedeutung. So findet derzeit eine Entwicklung von einer ausgeprägten Produktorientierung zu einer verstärkten Ausrichtung auf die Belange der Mitarbeiter, insbesondere der Vereinbarkeit von Familie und Beruf statt. Gemeint ist damit eine familienorientierte Unternehmenskultur mit Maßnahmen, die Familien unterstützen, beide Bereiche sinnvoll und ausreichend miteinander verbinden zu können.

Eine einheitliche Formulierung des Begriffs Familienfreundlichkeit in Unternehmen ist kaum möglich und in der Literatur nicht zu finden, weil sich die Rahmenbedingungen der Familien und somit ihre Interessen und Bedürfnisse aufgrund verschiedener Lebenssituationen individuell unterscheiden. Jedoch werden Merkmale hinsichtlich der Familienorientierung eines Unternehmen beschrieben. Diese sind in der Implementierung vielfältiger Maßnahmen zur Entlastung der Organisation von beruflichen und familiären Verpflichtungen wiederzufinden. (Resch, 2007 S. 103)

Allgemein ist unter Familienfreundlichkeit in Unternehmen die Gestaltung der Arbeit zu verstehen (familienfreundliche Arbeitsbedingungen), die es den Mitarbeitern ermöglicht, das Familienleben neben der Berufstätigkeit sinnvoll zu gestalten. (Resch, 2006 S. 21)

2.2 Ethisches Prinzip

Nach dem ethischen Prinzip werden Unternehmen aufgefordert, in ihren unternehmerischen Tätigkeiten soziale Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern und Personen des Unternehmensumfeldes zu übernehmen. Das unternehmerische Denken und Verhalten sollte anhand ethischer Regeln und moralischer Werte der Gesellschaft ausgerichtet sein. So gilt es, menschliches Leid zu verhindern, nicht zu verursachen, die menschliche Autonomie zu schützen und nicht zu schwächen. (Neaf, 2009 S. 184)

2.3 Herausforderung: Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Die Rahmenbedingungen haben sich für Familien grundlegend geändert. Mit dem Wandel von der klassischen zur modernen Familienstruktur, der nicht zuletzt durch die Emanzipierung der Frau geprägt wird, ergeben sich neue Aufgaben und Herausforderungen, die es seitens Familie, Wirtschaft und Staat zu meistern gilt.

Der Rolle der Frau werden nicht mehr die häuslichen Aufgaben wie Kindererziehung und Bewirtung des Mannes zugeschrieben. Frauen setzen sich seit etwa der sechziger Jahre verstärkt für ihre Gleichberechtigung und Unabhängigkeit vom Mann ein und sind heute zunehmend gut ausgebildet bzw. stark am Erwerbsleben beteiligt. Ebenso hat die klassische Struktur der Familie im Sinne einer Ehegemeinschaft mit eigenen Kindern verwandelt. Neben diesen Normalfamilien finden sich vermehrt moderne Formen, wie die „kleine Familie“ der alleinerziehenden Elternteile vor (Ein- Eltern-Familie) sowie neu entstandene Patchworkfamilien nach Trennung der Eltern. Demgemäß hat die Verlässlichkeit der Ehe rapide abgenommen, sodass Frauen „auf eigenen Füßen stehen“ können müssen. Allerdings zeigt sich, dass trotz der neuen Lebensformen und Wertvorstellungen die Sozialpolitik nach wie vor am herkömmlichen Ernährermodell festhält. Somit stellt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besonders für Frauen eine große Herausforderung dar. (Kröhnert, et al., 2008 S. 21) (Reichle, et al., 2007 S. 12 ff.) (Peuckert, 2008 S. 167 f., 183-187, 229 f.) (Pieck, 2007 S. 12) (Gemeinnützige Hertie-Stiftung, 2001 S. 17) (Kröhnert, et al., 2008 S. 7)

2.3.1 Problematik und Dilemma der Familie

Mit der Geburt eines Kindes geht gewöhnlich eine Unterbrechung der Berufstätigkeit eines Elternteils einher, wodurch das Einkommen der Familie geschmälert wird. Darüber hinaus verringern sich durch die berufliche Auszeit Karrierechancen des betreuenden Elternteils, womit der Wert des Humankapitals sinkt. (Althammer, 2007 S. 57)

Hinsichtlich der finanziellen Absicherung einer Familie zeigt eine auf Basis der Daten des Sozioökonomischen Panels (SOEP) durchgeführte Studie des DIW auf, dass besonders Familien von Armut1betroffen sind. Das Risiko steige mit zunehmender Kinderzahl bzw. durch den Status des Alleinerziehenden. Als Ursachen für den enormen Anstieg der Armutsschwelle werden mangelnde Betreuungsmöglichkeiten der Kinder mit ungeeigneten Öffnungszeiten genannt, wodurch die Chancen auf eine reguläre Berufstätigkeit der Eltern stark vermindert werden. Dies gilt besonders für Alleinerziehende und Eltern, die kleine Kinder zu betreuen haben. So ist das Armutsrisiko für Familien seit 1998 stark angestiegen. Während im Jahr 2008 22% der Familien mit drei Kindern unter Armut leiden, liegt der Armutsanteil von Familien mit vier und mehr Kindern schon bei 36%. Am stärksten sind Alleinerziehende von minderjährigen Kindern mit einem Anteil von über 40% betroffen. Betreuen diese Kinder im Alter von bis zu drei Jahren, sind es sogar mehr als 50%.2Doch gerade für diese Familien ist die Berufstätigkeit von existenzieller Bedeutung. (Grabka, et al., 2010 S. 2) (Frick, 2010 S. 7f.) (Gemeinnützige Hertie-Stiftung, 2001 S. 15) (von der Leyen, et al., 2007 S. 8)

Paare mit mehreren Kindern oder Alleinerziehende werden neben der finanziellen Belastung durch ihre vielfältigen Aufgaben psychosozial beansprucht. Sie sind einer stetigen Zerreißprobe ausgesetzt und müssen ihre verfügbare Zeit und Energie effektiv planen. So haben sie parallel zur finanziellen Absicherung durch eine adäquate Berufstätigkeit die Aufgabe, die Kinder zu verantwortungsbewussten Persönlichkeiten zu erziehen. Hierzu gehören neben der Ermöglichung einer guten Ausbildung alltägliche Aufgaben hinsichtlich Motivation, Unterstützung und Konflikt- und Problemlösung. Eltern sind gefragt, organisatorisches Geschick in Bezug auf die Vereinbarkeit von Beruf und der Umsetzung familiärer Interessen zu beweisen und ein hohes Gespür für die individuellen Belange der gesamten Familie mitzubringen. Allerdings wird ihre Leistung, die für die Gesellschaft von großer Bedeutung ist, eben von dieser nicht entsprechend gewürdigt. (Küberl, 2006 S. 224) (Gemeinnützige Hertie-Stiftung, 2001 S. 15 f.)

Durch die starke Mehrfachbelastung fehlt es Eltern zunehmend an Zeit zur Regeneration, was sich in ihrer gesundheitlichen Entwicklung widerspiegelt. Das Thema Burnout ist besonders in Familien, bei denen die Eltern berufstätig sind, gleichzeitig Erziehungsaufgaben übernehmen und sich um alle weiteren Belange kümmern, zu finden. Bei der Erfüllung ihrer Aufgaben und Pflichten fehlt es schlichtweg an Zeit zur Erholung. (Palz, 2006 S. 241) (Schaffmann, 2008) Dieses Phänomen ist besonders bei berufstätigen Müttern zu beobachten, denn nach wie vor sind sie neben ihrer Berufstätigkeit für den Bereich Familie zuständig, (Balz, et al., 2009 S. 89) auch wenn Männer zunehmend bereit sind, Aufgaben der Kindererziehung3und des Haushaltes4zu übernehmen. Es zeigt sich, dass ein Umdenken bei einem Großteil der Familien stattgefunden hat, jedoch die wirtschaftlichen Strukturen sich noch nicht angepasst haben. (Schmidt, 2005 S. 8) (Allensbach, 2008 S. 23) (CDU, 2009 S. 3 ff.) (BRalpha, 2010 S. 1)

Infolgedessen wird einer gleichberechtigten Aufgabenverteilung der Paare, insbesondere hinsichtlich der Verfolgung ihrer Karriere entgegengewirkt. Der Frauenanteil in Führungspositionen5 macht trotz nachweisbar gleichen Bildungsstand62008 nur 27% aus. Während sogar 67% Frauen und 62% Männer über einen Hochschulabschluss verfügten, sind lediglich wenige Frauen (17%) im Topmanagement (Geschäftsführung/Vorstand) tätig. Laut SOEP sind sie im unteren Management mit 39% am stärksten vertreten. (Holst, et al., 2010 S. 2, 9ff. u. 22) (von Dewitz, 2008 S. 394)

Ein weiterer Grund dafür, dass viele Akademikerinnen ihre Karriere für die Familie aufgeben bzw. an dieser Stelle zurückstecken, ist die große Differenz hinsichtlich des Einkommens7zwischen Mann und Frau. Frauen in Führungspositionen werden wesentlich schlechter bezahlt, als ihre männlichen Kollegen. Der Einkommensunterschied bei vollzeitbeschäftigten Führungskräften macht im Jahr 2008 28% aus. Darüber hinaus wird hinsichtlich der Personaleinstellung von leitenden Mitarbeitern eine tendenzielle Entscheidung zugunsten der männlichen Kandidaten festgestellt. Dies scheint aufgrund der durch Männer geprägten Führungsmentalität in den Chefetagen begründet, welche neben langen Arbeitszeiten8von über 40 Std/Woche eine hohe Verfügbarkeit verlangt. (Holst, et al., 2010 S. 2, 10 ff., 28 f. u. 37)

Frauen, die nach wie vor den größten Anteil an Hausarbeit und Kindererziehung übernehmen, werden diesen Ansprüchen kaum gerecht werden können. Als Folge sind Frauen häufig gezwungen, sich zwischen Familie und Beruf bzw. Karriere zu entscheiden. So verzichten sie entweder auf die angestrebte Berufstätigkeit, damit die Familie durch den mehrverdienenden Mann finanziell abgesichert werden kann oder entscheiden sich für die Karriere und gegen Kinder. Das sind immerhin 40% aller berufstätigen Akademikerinnen. Ein weiterer Grund, sich gegen Kinder bzw. für weniger Kinder als eigentlich gewünscht zu entscheiden, liegt in der langen Ausbildungszeit und hohen finanziellen Investition von Akademikerinnen. (von Dewitz, 2008 S. 393) (Dressel, et al., 2005 S. 275) (von der Leyen, et al., 2007 S. 6)

Hinzu kommt die verstärkte Internationalisierung der Unternehmen, die es Familien erschwert, dass beide Partner berufstätig sind. (Palz, 2006 S. 241) Häufig sind dann Entscheidungen zu treffen, ob die Familie weiter zusammenleben kann. Hinsichtlich der Versetzung9 an einen anderen Ort, die meist mit einem erheblichen Mehrverdienst verbunden ist, stellt sich die Frage, ob die gesamte Familie dem Hauptverdiener an einen anderen Ort ggf. im Ausland folgt, oder die Familie getrennt wird, wie es häufig bei gleichwertigen Führungspositionen beider Partner der Fall ist. Dies ist zum einen mit der eventuellen Aufgabe des Berufs des anderen Partners verbunden bzw. der Suche nach einer neuen Stelle, zum anderen wird die Familie durch Schulwechsel und gesamter Neuorientierung (Wohnmöglichkeit, Freundeskreis, ggf. neue Sprache und Kultur, Freizeitmöglichkeiten, Ärzte etc) belastet. (Reichle, et al., 2007 S. 25 ff.) (Selan, 2008 S. 47)

Der Problematik von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf von Führungskräften gegenüberstehend, sei angemerkt, dass zunehmend der Mann allein als Vollzeit- berufstätiger der Bedürfnisse einer Familie nicht mehr gerecht werden kann und die Familie auf die Erwerbstätigkeit der Frau angewiesen ist. (Goebel, et al., 2010 S. 2 ff.) (Ausschuss für Sozialschutz, 2009 S. 3 f.) (FamilienForschung, 2009 S. 16) Somit ist es von Vorteil, wenn die Frau vor Gründung einer Familie eine entsprechende Ausbildung verfolgen und Erfahrung sammeln kann, um später einer qualifizierten Tätigkeit nachgehen zu können. Auch dieses Thema ist aufgrund der Vereinbarungsproblematik für viele Familien schwer realisierbar. (Palz, 2006 S. 242) (Ausschuss für Sozialschutz, 2009 S. 4 f.)

2.3.2 Wie ist Zufriedenheit zu erreichen?

Familienfreundlichkeit ist somit ein ethischer Grundsatz, den Unternehmen und Politik verinnerlichen sollten. Nach den ethischen Regeln gilt es, die Familien von ihrem beschriebenen Vereinbarungsdilemma zu entlasten und darüber hinaus in ihren Zielen zu unterstützen. Dafür bedarf es ein Umdenken und die Implementierung verschiedener Maßnahmen, mithilfe derer einerseits Paare sich nicht mehr zwischen Kindern und Beruf entscheiden müssen und andererseits Familien in die Lage versetzt werden, den familiären Bedürfnissen gerecht zu werden und gleichzeitig den beruflichen Verpflichtungen entsprechen zu können, ohne dabei überbeansprucht zu werden und gesundheitlichen Schaden zu nehmen. (In Anlehnung an Neaf, 2009 S.°184)

2.3.3 Anforderungen der Familie

60% der Eltern wünschen sich, parallel zur Kindererziehung einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Um zuversichtlich in die berufliche und private Zukunft zu schauen, benötigen sie flächendeckende Betreuungsangebote, wie Krippenplätze und Kindergärten für Kleinkinder oder Horte mit Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfeunterricht sowie Ganztagsschulen für Grundschulkinder und Jugendliche. Auch kinderlose Paare wünschen sich geeignete Rahmenbedingungen, die es ihnen ermöglichen Familie und Beruf mit einander vereinbaren zu können. Um ihren Wunsch nach Familiengründung realisieren zu können, benötigen sie im Wesentlichen mehr Sicherheit hinsichtlich ihrer Finanzierbarkeit und der Gewährleistung entsprechender Zeiträume für familiäre Aktivitäten und Erholung. Werden Paare und Familien nach ihren Bedürfnissen10 befragt, nennen diese hauptsächlich folgende Faktoren:

Arbeitszeit / Arbeitsform

Vornehmlich für Frauen sind familienfreundliche flexible Arbeits- und Urlaubszeiten wichtig, die ihnen zur besseren Abstimmung beider Bereiche dienen und Zeit für die Familie zulassen. So sollte die Anpassung des Arbeitsumfangs an die familiäre Situation verbessert werden. Besonders Frauen werden durch die Möglichkeit eines leichtern Wechsels von Voll- in Teilzeit und umgekehrt stark entlastet und bleiben im Berufsleben aktiv. ¾ der Eltern wünschen sich eine Weiterbeschäftigung in Form einer Teilzeitstelle oder die Möglichkeit von Aushilfs- / Vertretungseinsetzen während der Elternzeit, um den Anschluss an Neuerungen nicht zu verlieren. Darüber hinaus baue gewährter Sonderurlaub für die Betreuung von kranken Kindern Stress in Bezug auf zu erledigende berufliche Aufgaben ab. Auch die Arbeitsform, wie z.B. die Telearbeit, hilft ihnen, im Beruf zu bleiben und vermeidet Zeiteinbußen durch Arbeitswege. Zudem können sie so die Arbeit noch flexibler gestalten und sind gleichzeitig für die Familie ansprechbar.

Infrastruktur

Ein großer Bedarf besteht hinsichtlich des Ausbaus fächendeckender öffentlicher und privater Betreuungseinrichtungen für Kinder jeder Altersklasse mit flexiblen Öffnungszeiten, je nach Bedürfnissen der Familien. An dieser Stelle wird auch die Frage nach qualitativer Verbesserung der Betreuung gestellt, die sich auf die Entwicklung der Kinder auswirkt. Eltern wüssten ihre Kinder gut betreut und können sich auf Ausbildung, Weiterbildung, Karriere oder Wiedereinstieg ins Berufsleben konzentrieren.

Ferner besteht seitens der Frauen eine große Nachfrage nach Vermittlung von Betreuungsangeboten oder der Betreuung im Betrieb, die neben zeitlichen Vorteilen auch die Möglichkeit der eigenen Betreuung während der Pausen oder für Notfälle bieten.

Geld

Eltern fordern adäquate Löhne. Daher ist neben existenzsichernden Löhnen eine Lohnangleichung zwischen den Geschlechtern wichtig, damit nicht immer die Frau aus Rücksicht auf die Familie beruflich zurücksteckt. Zudem wünschen sich besonders Väter in ihrer Versorgerrolle Transferzahlungen, wie Kinderzulagen oder Einmalzahlungen zur Geburt und weitere steuerliche Entlastungen zur finanziellen Absicherung der Familie.

Neben diesen Schlüsselkriterien lassen sich weitere unterstützende Maßnahmen finden, die sich Familien zur Vereinbarung ihrer Ziele wünschen. So bieten ein Rückkehrrecht und die Unterstützung beim Wiedereinstieg Familien nach der Elternzeit finanzielle Sicherheit und Stabilität. Außerdem möchten sie während der Elternzeit Kontakt zum Unternehmen halten und die Zeit nutzen, Weiterbildungs- möglichkeiten wahrzunehmen. Entsprechende Programme verringern den Verlust des Anschlusses aufgrund von Neuerungen im Unternehmen und die Dequalifi- zierung während der beruflichen Auszeit und unterstützen somit den späteren Wiedereinstieg. Hinsichtlich der Elternzeit fordern Väter, die sich zunehmend stärker an der Erziehungsarbeit beteiligen und die Frau in ihrem beruflichen Werdegang unterstützen wollen, für einen gewissen Zeitraum freigestellt zu werden und wünschen sich diesbezüglich auch mehr Anreize. Neben steuerlichen Entlastungen für Eltern und gleicher Aufstiegschancen im Betrieb von Mann und Frau halten beide Geschlechter gleichermaßen ein familienfreundliches Arbeitsklima für wichtig. (FamilienForschung, 2009 S. 4 f.) (Allensbach, 2008 S. 4 f.) (Palz, 2006 S. 241) (von der Leyen, et al., 2007 S. 5-9) (Dressel, et al., 2005 S. 268 ff. u. 317 f.) (BMFSFJ 2004b: 11) (BMFSFJ 2004b: 35).

[...]


1Die sogenannte Armutsrisikoschwelle liegt laut EU-Kommission bei 60% des mittleren Einkommens eines Landes. Als arm gilt, wer weniger als 50% zur Verfügung hat.

2Zum Überblick über die von Armut betroffenen Familien siehe Anhang A1, S. B u. A2, S. C.

3Zur Übernahme der Kinderbetreuung siehe Anhang A3, S. D.

4Zur anteiligen Haushaltserledigung siehe Anhang A4, S. E.

5Zur Frauenquote in Führungspositionen siehe Anhang A5, S. F sowie zur Kategorisierung nach der Managementebene siehe A6, S. G, A7, S. G u. A8, S. H.

6Zum Bildungsstand siehe Anhang A9, S. H.

7Zum Einkommen von Führungskräften siehe Anhang A10, S. I u. A11, S. J.

8Zu den Arbeitszeiten von Führungskräften siehe Anhang A12, S. K.

9Hinsichtlich einer Versetzung hat der Arbeitgeber zu berücksichtigen, dass sie nicht im Widerspruch zu dem Grundsatz der Vereinbarkeit von Familie und Beruf steht. Das folgt aus dem Grundgesetz, Artikel 6, Absätze 1, 2 und 4 GG sowie aus dem Europäischen Gemeinschaftsrecht.

10Hinsichtlich der Bedürfnisse von Familien siehe Anhang A13, S. L.

Details

Seiten
38
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656155522
ISBN (Buch)
9783656155409
Dateigröße
666 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190979
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
2,0
Schlagworte
Familienfreundlichkeit Familie Beruf Vereinbarkeit Demografie Fachkräftemangel

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Familienfreundlichkeit in Unternehmen unter ethischen Gesichtspunkten