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Gender Mainstreaming in Deutschland und Schweden

Gleichstellungspolitik im Vergleich

Hausarbeit 2011 15 Seiten

Politik - Politische Systeme - Allgemeines und Vergleiche

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2.Grundlagen des Gender Mainstreaming
2.1. Der Begriff Gender
2.2 Was ist Gender Mainstreaming?

3. Die Gleichstellungspolitik der Bundesrepublik Deutschland
3.1. Die Entwicklung der Gleichstellungspolitik in der BRD
3.2. Gesetzliche Regelung in der BRD
3.3. Politische Akteure und frauenpolitische Bewegungen

4. Die Gleichstellungspolitik in Schweden
4.1. Die Entwicklung der Gleichstellungspolitik in Schweden
4.2. Staatliche Institutionen
4.2.1. Der Ombudsmann für Gleichstellung

5. Vergleich
5.1.Unterschiede in der Regierungsform
5.2. Die Einbindung von wirtschaftlichen Akteuren in Deutschland und Schweden
5.3. Die Frauenbewegung
5.4.Die Rolle von geschlechtsspezifischen Daten

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung:

Die hier vorliegende Arbeit behandelt ein Thema, das aktueller den je zu sein scheint. Das Gender Mainstreaming bzw. die Gleichstellungspolitik.Während in Ländern wie der Bundesrepublik Deutschland seit einigen Wochen hitzig über die Einführung einer Frauen­quote für leitende Positionen in Unternehmen und ihren Nutzen für die Gleichstellung von Männern und Frauen diskutiert wird, sind einige Länder allen voran Schweden um einiges fortgeschrittener. Das Land steht scheinbar für eine erfolgreiche Ausübung von Gleichstellungspolitik.Die Regierung hat einige Hand­lungsoptionen dieses Ziel zu erreichen. Zudem kommt, dass sich Frauen mehr als anderswo in Europa gleichberechtigt fühlen und dies de facto in einigen Bereichen auch bereits sind. In Deutschland ist dieses Thema zwar auch auf den politischen Agenden der Parteien, dennoch ist hier Gleichstellungspolitik nicht ausreichend institutionalisiert und praktiziert. Diese Arbeit will dieses Phänomen hinsichtlich seiner Vergleichbarkeit untersuchen. Inwiefern unterscheiden sich das deutsche und das schwedische Gleichstellungssystem? Wo sind Defizite erkennbar? Wo liegen die Schwächen und Stärken beider Regierungsformen? Hierbei werde ich wie folgt vorgehen:

Zunächst werden die Grundlagen des Gender Mainstreaming erläutert. Hierbei muss der Begriff Gender als wissenschaftliche Kategorie erläutert werden. Gender wird eingeordnet in den Zusammenhang zur Politikwissenschaft und wird dann näher beschrieben. Nach der Einordnung wird eine grundlegende Beschreibung von Gender Mainstreaming vorgenommen. Wie ist Gender Mainstreaming überhaupt zu verstehen? Inwiefern grenzt es sich als neue geschlechtsspezifische Strategie von der herkömmlichen Frauenpolitik ab und wobei liegen hier die Besonderheiten? Danach werde ich auf die Situation in der BRD eingehen. Nach kurzer Erläuterung der geschichtlichen Entwicklung in der Bundesrepublik, wird die gesetzliche Regelung beleuchtet. An dieser Stelle beschäftigt sich die Arbeit damit, welche Gesetze in Bezug auf die Gleichstellung existieren und was dafür getan wird um sie durchzusetzen. Dabei werden einige Strategien der Bundesrepublik (z.B.) Interministerielle Arbeitsgruppe GM oder Arbeitshilfen) vorgestellt. Nach der Vorstellung der BRD, werde ich mich mit der Gleichstellungspolitik Schwedens befassen. Schweden steht in der Tradition einer schon lange institutionalisierten Gleichstellungspolitik. Wie auch in der BRD wird die geschichtliche Entwicklung skizziert. Nach dem geschichtlichen Rückblick wird näher auf die politischen Grundlagen eingegangen, die das schwedische System scheinbar so erfolgreich machen. Der Ombudsmann für Gleichstellung spielt hier mit seinen Kontrollmechanismen und seinem ständigen Bestreben, die Gleichstellung zu fördern, im Zentrum des Kapitels.Es werden die Funktionen und Aufgaben des selbigen behandelt, bevor dann schlussendlich beide Systeme Schwedens und Deutschlands endgültig gegenüber gestellt werden. Hierbei wird herausgestellt welche Gemeinsamkeiten die Systeme haben und welche Unterschiede sich herauskristallisieren.

Gleichstellungspolitik ist eine Form der Frauenpolitik. Deswegen arbeitet die hier vorliegende Arbeit vorallem mit Literatur (Bsp. Karin Kurpjoweit) die eine feministische Grundlinie betonen. Die Literatur sucht ihre Wurzeln in der feministischen Politikwissenschaft. Abschließend möchte ich in einem Fazit die Erkenntnisse diese Arbeit zusammenfassen und einen Ausblick auf mögliche Entwicklungen im Bereich der Gleichstellungspolitik geben.

2. Grundlagen des Gender Mainstreaming

Um den Begriff in die Arbeit einordnen zu können, wird im folgenden Kapitel zunächst der Begriff Gender erläutert. Darauf aufbauend werden das Konzept und die Funktion des Gender Mainstreaming erklärt. Des Weiteren wird eine Abgrenzung von herkömmlicher Frauenpolitik vorgenommen.

2.1 Der Begriff Gender

Die wissenschaftliche Debatte um den Begriff Geschlecht unterscheidet grundsätzlich zwei Kategorien. Das biologische Verständnis von Geschlecht(Sex) und das soziale Verständnis von Geschlecht (Gender)(Vgl. Bauhardt/von Wahl, 1999: 15). In diesem Kapitel soll es nur um das soziale Verständnis von Geschlecht gehen.

Um Gender Mainstreaming (GM) umfassend analysieren zu können, muss verstanden werden welchem Verständnis von Geschlecht Gender Mainstreaming zugrunde liegt. Gender/Geschlecht wird in der Politikwissenschaft als Kategorie verstanden die strukturiert, aber auch ein Geschlechterverhältnis impliziert, dass soziale Ungleichheit zwischen Mann und Frau schafft.(Vgl. Wöhl, 2007: 161f). Diese Ungleichheit bzw. Differenz darf „nicht als Gegenkonzept zum politischen Ideal der Gleichheit misszuverstehen [sein], sondern als mittelfristiger politischer Mechanismus zur Repräsentation sozialer Gruppen(...).“ (Wöhl,2007: 167). Also als Ausdruck von Vielfalt um diese gesellschaftlich vertreten zu können.Hier ist die Basis für das Konzept des Gender Mainstreaming, dessen Eigenschaften und Funktionen im nächsten Kapitel erläutert werden.

2.2 Was ist Gender Mainstreaming?

In diesem Kapitel wird erläutert, welche Eigenschaften GM besitzt und inwiefern es sich von herkömmlicher Frauenpolitik abgrenzt. Gender Mainstreaming ist grundsätzlich als frauenpolitische Strategie zu verstehen, die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern auf politischer, ökonomischer und sozialer Ebene einfordert.(Vgl.Englert,2009: 129).Sie ist als Top-Down-Ansatz zu verstehen, also als Strategie, die zentral von Institutionen koordiniert wird.Hierbei geht es nicht nur um die Gleichstellung der Rechte und Verhältnisse von Frauen, sondern vielmehr auch darum, dass Männer mit in den Gleichstellungsprozess einbezogen werden.

An dieser Stelle muss GM von herkömmlicher Frauenpolitik abgegrenzt werden. Bisherige Frauenpolitik beschäftigt sich mehrheitlich mit den Belangen von Frauen, lehnt sich dabei aber nicht gegen bestehende Vorurteile und Vorstellungen auf. Gender Mainstreaming setzt genau hier an. Es versucht die Bereiche sichtbar zu machen, in denen Entscheidungsprozesse existieren, um diese gemäß der Gleichberechtigung zu verändern. Tradierte Normen und Strukturen werden hierbei in Frage gestellt (Vgl. Pettersson,2004: 11f). Trotz dieser klaren Abgrenzung, bezieht das GM seine Wurzeln aus der Frauenpolitik. Das GM basiert auf den Forderungen von Frauen, die sich in scheinbar „vermännlichten“ Institutionen und deren Output, nicht mehr wiederfinden können und wollen.

Anders formuliert: Das Konzept entstand aus der Ohnmacht der Frauen in Europa bzw. weltweit , die erkannten, dass die vorhandenen Strategien wenig zur Verbesserung der derzeitigen Situation beitragen würden.(Vgl. Behning/Sauer 2005: 30f). Die Aufnahme des GM in neue frauenpolitischen Strategien und Agenden zeichnete sich insofern als frauenpolitischer Erfolg ab, da nun ein Mittel geschaffen war, um Benachteiligungen zu erkennen und zu beseitigen. Zudem kam der Anspruch an die männlich dominierten Organisationen, die Interessen von Frauen ernst zu nehmen. Im folgenden Kapitel soll die Gleichstellungspolitik der BRD erläutert werden, wie sie sich entwickelt hat und auf welcher gesetzlichen Grundlage sie fußt.

3. Die Gleichstellungspolitik der BRD

Die Autorinnen Ulla Weber und Barbara Schäfer-Hegel gehen davon aus, dass Frauen in der BRD weder „de jure“ noch „de facto“ gleichberechtigt sind (2000).Tatsächlich herrscht in der deutschen Bevölkerung die Meinung, Frauen seien gleichberechtigt. Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der deutschen Gleichstellungspolitik um später dieselbige mit Schweden vergleichen zu können. Um auf die heutigen Verhältnisse schließen zu können, muss zunächst die geschichtliche Entwicklung in der Bundesrepublik betrachtet werden. Anschließend wird ein Überblick über die institutionellen Grundlagen und den Stand der Gesetzgebung bezüglich zur Gleichstellung gegeben.

3.1. Die Entwicklung der Gleichstellungspolitik in der BRD

Schon bei Staatsgründung der BRD gab es durchaus Tendenzen, die sich für die Gleichstellung von Mann und Frau einsetzten. Allerdings sah diese Form von Gleichstellung keine vollständige Gleichberechtigung vor, weil an geschlechtsspezifischen Unterschieden festgehalten werden sollte. Man hielt an tradierten Erwerbs- und Rollenverständnissen fest. Erst Ende der 60er-Jahre war die Zeit reif für Veränderungen. Durch die komplizierter gewordene wirtschaftliche und politische Lage und durch das Aufkeimen von frauenpolitischen Bewegungen, die die Situation der Frauen erkannten und verändern wollten, wurde das Handlungsfeld derselbigen immer weiträumiger. Dies gipfelte in den 1980ern in der Institutionalisierung der Gleichstellungspolitik mit den ersten Landesfrauenbeauftragten, die sich auf kommunaler und betrieblicher Ebene fortsetzte(Vgl. Englert, 2009:130ff). Ein Zitat von Dietrich Englert, beschreibt die Zielsetzung der damaligen Zeit: „Das primäre Ziel dieser Politik bestand in der Erhöhung der Frauenanteile auf den verschiedenen Ebenen der Gesellschaft.“(Englert,2009: 137)Dies schloss aber dennoch arbeits- und erwerbspolitische Bereiche aus, da Gleichstellung als reine Frauensache angesehen wurde und dadurch von großen gesellschaftspolitischen Entscheidungen ausgeschlossen war. Aber in den letzten Jahren ist eine starke Wende zu erkennen.

Frauenpolitische Organisationen konnten Gesellschaft und Politik, stark für ihre Belange sensibilisieren und auf sich aufmerksam machen. Die Gleichstellungsdebatte ist immer wieder in Medien präsent und wird wie nie zuvor in der BRD diskutiert. Der Ruf nach Veränderung der Erwerbssituationen von Frauen, der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, wird immer größer. Nach der Darstellung des geschichtlichen Verlaufs, ist es nötig die institutionellen Grundlagen vorzustellen, die in Deutschland existieren um Gender Mainstreaming einordnen zu können.

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Details

Seiten
15
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656159889
ISBN (Buch)
9783656160410
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v191310
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
1,3
Schlagworte
gender mainstreaming deutschland schweden gleichstellungspolitik vergleich

Autor

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Titel: Gender Mainstreaming in Deutschland und Schweden