Lade Inhalt...

Teaching Games for Understanding als Konzept für die Entwicklung von Spielformen in der Grundlagenschulung im Fußball

Examensarbeit 2012 58 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung
1.1 Themenwahl
1.2 Aufbau der Arbeit

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Leitlinien der Ausbildungskonzeption des DFB
2.2 Inhalte der Ausbildungskonzeption des DFB
2.3 Grundlagenschulung: Ziele und Inhalte der D-Junioren
2.4 Spieldidaktische Prinzipien und Methodische Umsetzung
2.5 Sportliches Leitbild: Trends und Konsequenzen des DFB für das Grundlagentraining
2.6 Basisförderung Schule
2.7 Das Konzept TGfU - Spielformen statt Übungsformen

3. Inhaltsbausteine zum Spielverhalten mit Schwerpunkt D-Jugend
3.1 Baustein 1: Spielerische Konditionsschulung
3.2 Baustein 2: Systematisches Technik-Training
3.3 Baustein 3: Individualtaktische Grundlagen
3.4 Baustein 4: Fußballspielen mit Schwerpunkten und freies Spielen

4. Entwicklung der Spielformen
4.1 Erklärung zur Darstellung der Spielformen
4.1.1 Variationsmöglichkeiten und ihre Wirkungen
4.1.2 Allgemeine Begründung zur Auswahl der Spielformen
4.2 Spielformen Spielerische Konditionsschulung
4.3 Spielformen Systematisches Technik-Training
4.4 Spielformen Individualtaktische Grundlagen
4.5 Spielformen Fußballspielen mit Schwerpunkten und freies Spielen

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

Abbildungs-, Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Themenwahl

Im Rahmen der vorliegenden Examensarbeit gehe ich auf die Entwicklung von Spielformen für das Sportspiel Fußball auf der Basis des Konzeptes „Teaching Games for Understanding“1 ein. Im Laufe meines Studiums habe ich mich mit diesem Sportspiel intensiver befasst. Unter anderem absolvierte ich Fußball als Schwerpunktfach. Parallel dazu sammelte ich Erfahrungen als Aktiver und vor allem auch in meiner Tätigkeit als Trainer im Verein und als Stützpunkttrainer des Deutschen Fußball-Bundes2. Dies war der Anlass, mich intensiv mit dem Thema Fußball in meiner Examensarbeit zu beschäftigen.

Als lizenzierter DFB-Stützpunkttrainer besteht mein Aufgabengebiet auch darin, Vereinstrainer in ihrer Arbeit mit den Nachwuchsspielern3 und mit ihrer damit verbundenen Ausbildung und Förderung im Training zu beobachten. Dabei stellte ich vermehrt fest, dass viele Jugendtrainer in ihrem Training einen relativ großen Anteil an isolierten Übungen und nicht spielnahen Spielformen mit ihren Mannschaften durchführten. Diese Beobachtung bestätigt sich auch in meiner Tätigkeit in der Trainerausbildung des Niedersächsischen Fußballverbandes. Die angehenden Trainer weisen häufig eine Tendenz auf, auch im Grundlagen- und Aufbautraining (Bambinis bis D-Junioren) einen relativ geringen Anteil spielnaher Spielformen im Training einzusetzen und sich mit den oftmals weniger komplexen Übungsformen gerade in Sachen Fehlererkennung und deren Korrektur „wohler zu fühlen“ (vgl. Cassia, 2010). Dazu stellt Cassia (2010, S. 4) fest:

„Statt die Aufmerksamkeit der Spieler auf das „Was“ , Wann“ und „Warum“ der einzelnen Vorgänge zu lenken, konzentriert man sich lediglich auf das „Wie“ der Ausführung. Tatsächlich wenden viele Trainer noch immer Unterrichtsformen an, die nur den korrekten Vollzug der Bewegungsabläufe zum Ziel haben, anstatt die Wahrnehmungs und Entscheidungsfähigkeit ihrer Spieler zu fördern.“

In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich deswegen mit der Entwicklung eines Trainingsprogrammes auf Basis von Spielformen gemäß des TGfU-Konzeptes, das die vier Bausteine der in der Ausbildungskonzeption des DFB vorgesehenen Inhalte in der Altersstufe der D-Junioren enthält. In diesem Alter beginnen die Spieler, die in den Altersstufen zuvor erworbenen Grundlagen mehr und mehr in ein „richtiges“ Fußballspiel zu übertragen und in einem erweiterten Zusammenspiel umzusetzen. Dies geschieht zunehmend im Rahmen taktischer Entscheidungen. Doch wie stehen die Ansätze des DFB in Beziehung zu weiteren wissenschaftlichen Ansätzen bezüglich der Vermittlung von Sportspielen? Diese Arbeit soll auf diese Frage eingehen und gleichzeitig helfen, die Bedeutung von Spielformen im Fußballtraining und in der Entwicklung junger Spieler zu verdeutlichen. Die hierin entwickelten Spielformen sollen eine Orientierung für das Fußballtraining im Verein aber auch in der Schule darstellen - aufgrund von Variationen auch für unterschiedliche Leistungsgruppen.

1.2 Aufbau der Arbeit

Zu Beginn der Arbeit gebe ich in einem theoretischen Rahmen einen Überblick über die Ausbildungskonzeption des DFB. Dabei geht es zunächst um grundsätzliche Leitlinien, Prinzipien und Ziele. Im Anschluss daran werden die Inhalte dieses Konzeptes erörtert, im Schwerpunkt geht es dabei um die Grundlagenschulung und hier explizit um das Training mit D-Jugendlichen. Die empfohlene methodische Umsetzung des DFB wird in Kapitel 2.4 mit verschiedenen spieldidaktischen Ansätzen der Literatur in Beziehung gesetzt. Das sportliche Leitbild des DFB und daraus resultierend Konsequenzen für das Fußballtraining werden in Kapitel 2.5 erläutert. Im Anschluss geht es um die vom DFB vorgesehene Basisförderung in der Schule, bevor der theoretische Hintergrund des TGfU den Abschluss des zweiten Kapitels bildet.

Im dritten Kapitel widme ich mich konkreter den Inhalten der Ausbildungsstufe der D- Junioren. Im DFB-Ausbildungskonzept sind in dieser Altersklasse vier Bausteine vorgesehen, auf die ich in theoretischer Hinsicht eingehe und darüber hinaus Gütekriterien zur Lösung der taktischen Probleme des jeweiligen Bausteins entwickle, die die Basis für die in Kapitel vier konstruierten Spielformen darstellt. Dort gebe ich zunächst einige Erläuterungen bezüglich der Auswahl der Spielformen, um darauf für jeden Baustein mehrere Spielformen vorzustellen. Den Abschluss bildet ein Fazit, in dem ich zum einen die Unterschiede zwischen meinem Konzept und dem des DFB erläutere. Zum anderen gebe ich dort auch einen Ausblick über die weitere Verwendung dieser Arbeit.

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Leitlinien des Ausbildungskonzeptes des DFB

Die Ausbildungskonzeption des DFB soll Trainern im deutschen Fußball eine sportliche Orientierung bieten. Sie soll Trainern, aber auch Vereinsmitarbeitern, Eltern oder Fußballunterrichtenden an Schulen einen Überblick über Ausbildungs- ziele und -schwerpunkte, spezielle Inhaltsbausteine für eine attraktive Trainingsarbeit und ideale Wettspielformen geben. Darüber hinaus beschreibt die Konzeption Leitlinien für Trainer, die helfen sollen, ein motivierendes und leistungsförderndes Training anbieten zu können (vgl. DFB-Ausbildungskonzeption, o.J.). Dieser Überblick ist in die einzelnen Altersklassen unterteilt. Dabei bestimmen drei Grundsätze das Ausbildungskonzept.

1. Individuell fördern und fordern.
2. Ausbildungsziele und -schwerpunkte konsequent am biologischen und psychischen Entwicklungsstand der Kinder und Jugendlichen ausrichten.
3. Das Fußballspielen im Verein muss auch die Persönlichkeit der Kinder und Jugendlichen fördern:

„Fußballspielen im Verein hatüber effektive, motivierende Trainingseinheiten und attraktive Wettspiele hinaus gleichzeitig noch andere wichtige Ziele und Funktionen. Sportliche und außersportliche Aktivitäten im Fußballverein fördern die soziale Kompetenz und Lebensperspektive der Kinder und Jugendlichen, indem sie,

1. für lebenslangen Sport und zu einer lebenslangen Gesundheitsvorsorge motiviert werden,
2. Selbstverantwortung für die eigene Leistung und das eigene Leben entwickeln,
3. lernen, sich in einer Gruppe zurecht zu finden!“ (DFB-Ausbildungskonzeption, o.J., S. 5)

Mit seiner Ausbildungskonzeption verfolgt der DFB drei übergeordnete Ziele:

1. Spitzenposition im Weltfußball: Dabei sind vordere Platzierungen und Titelgewinne bei Europa- und Weltmeisterschaften sowie Olympischen Spielen angestrebt.
2. Faszination Fußball: Vom Anfänger bis zum Spitzenspieler - viele Menschen sollen die Freude und Begeisterung am Fußball erleben.
3. Motivation zur Bewegung: Durch vielseitige Bewegungserfahrungen einschließlich Fußballspielen soll lebenslange Begeisterung für Sport und Gesundheitsvorsorge entwickelt werden (vgl. ebd.).

Das Ausbildungskonzept umfasst im Kern die Ziele, inhaltlichen Schwerpunkte und Methoden für die einzelnen Alters- und Entwicklungsstufen der Sportler, wobei sich diese auch am Können und an den Interessen der jungen Fußballer orientieren sollen. Es gibt jedoch drei Leitmotive, die für alle Juniorentrainer allgemein gültig sind:

Leitlinie 1: Persönlichkeitsförderung

Die Spieler sollen ganzheitlich ausgebildet werden. Das bedeutet, dass sie nicht nur auf den Fußball, sondern auch auf das Leben vorbereitet werden sollen. Zudem ist eine Entwicklung von Eigenverantwortlichkeit und Eigeninitiative gewünscht. Ebenfalls unter dieses Leitprinzip fällt das Fördern von Selbstbewusstsein, Selbstkritik, Motivation und Leistungswillen sowie der Aufbau von „psychischer Stärke“, um positive oder negative Einflüsse zu verarbeiten. Abschließend sollen Fairness und Toleranz gegenüber dem Gegner, Trainer und Schiedsrichter im Speziellen und allen Menschen gegenüber im Allgemeinen vermittelt werden.

Leitlinie 2: Individuelle Förderung

Dieses Leitmotiv fordert vom Trainer ein intensives persönliches Interesse an jedem Spieler sowie eine intensive individuelle Begleitung nicht nur auf dem Fußballplatz, sondern auch darüber hinaus. Eine detaillierte und regelmäßige Analyse des aktuellen Leistungsstands und ein umfangreiches individuelles Trainingsprogramm sollen ebenso zu einem stärker individualisierten Ausbildungsprozess gehören wie die für den einzelnen Spieler angepasste Erhöhung der psychischen und physischen Belastung.

Leitlinie 3: Schlüsselfunktion Trainer

Dem Trainer fällt in der Ausbildung von Nachwuchsfußballern eine entscheidende Rolle zu. Seine Hauptaufgaben bestehen in der Vermittlung von Freude und Motivation für das Fußballspielen, einer Herausbildung einer positiven Einstellung zum leistungsorientierten Fußball, der Planung und Steuerung des Ausbildungs- prozesses und „dem effektiven, erfolgsorientierten Coachen des Teams und der Spieler rund um ein Spiel“. Zudem soll sich der Trainer seiner Vorbildfunktion und seiner Autorität auf und neben dem Platz zu jeder Zeit bewusst sein und diese ausführen (vgl. ebd.).

Darüber hinaus sind weitere Aspekte bezüglich der zu trainierenden Spieler vom Übungsleiter zu beachten:

„Der ‚ typische ’ Entwicklungsverlauf vom Kleinkind bis zum Eintritt in das Erwachsenenalter lässt sich in einzelne Phasen einteilen. Ein systematischer sportlicher Ausbildungsprozess beachtet diese speziellen psychomotorischen, physischen und kognitiv-affektiven Reifungsprozesse. Andererseits muss der Trainer immer auch die individuellen Besonderheiten jedes Spielers berücksichtigen!“ (DFB- Ausbildungskonzeption, o.J., S. 11)

Darauf basierend verfolgt das Ausbildungskonzept des DFB drei Prinzipien. Zum einen zählt dazu der systematische Leistungsaufbau. Durch eine koordinative Grundausbildung als „sportliche Basis“, die Berücksichtigung der „gesetzmäßigen“ Reihenfolge der Entwicklungsvoraussetzungen, die Förderung der Persönlichkeit, eine Prognose internationaler Trends sowie Geduld, Leidenschaft, Identifikation und Enthusiasmus bei Trainern und Spielern soll die Entwicklung der Nachwuchsfußballer umgesetzt werden (vgl. ebd.).

Zweites Prinzip ist der altersgemäße Leistungsaufbau. Dieser berücksichtigt die altersspezifischen psychischen Voraussetzungen angepasst an die sportlichen Ziele ebenso wie die psychomotorischen und physischen Fähigkeiten der Spieler. Zudem fällt unter dieses Prinzip die individuelle pädagogische Begleitung der Spieler und eine vielseitige sportliche Bewegungsausbildung, die die Basis für fußballerisches Können darstellen soll. Ein dosierter Aufbau soll schließlich für eine stabilere und größere Leistungsfähigkeit sorgen (vgl. ebd.).

Prinzip Nummer drei beschreibt den individuellen Leistungsaufbau. Die Ausprägung der jeweiligen psychomotorischen und physischen Reife wird dabei ebenso berücksichtigt wie die außersportliche Situation (Schule, Beruf, Familie) und die individuelle Belastung des Spielers insgesamt (hervorgerufen durch Wettspiel, Training, Schule/Beruf). Zudem fällt unter dieses Prinzip die Kommunikation des Trainers mit dem einzelnen Spieler, um das Training und die Leistung optimal zu steuern. Daraus folgt eine „umfassende Individualisierung und Differenzierung des Trainingsprozesses“(vgl. ebd.).

2.2 Inhalte der Ausbildungskonzeption des DFB

Die Inhalte der Ausbildungskonzeption sind gegliedert in die einzelnen Altersstufen der Spieler. Anhand dieses Stufensystems erhält der Trainer Orientierung für seine Tätigkeit in Training, Spiel und Pädagogik. Die jeweiligen Teilziele der einzelnen Ausbildungsstufen bauen dabei aufeinander auf, wobei diese Ziele, aber auch die Inhalte und Methoden jeder Stufe vom individuellen Entwicklungsstand abhängen. Die Ausbildungsstufen sind auf die Entwicklungsphasen der Spieler abgestimmt und das Auslassen einer solchen Stufe stört den systematischen Leistungsaufbau (vgl. ebd.).

Beginnend mit den Bambini und jünger (3-6 Jahre) sieht die Ausbildungskonzeption in dieser Altersstufe die umfassende Bewegungsschulung als Ziel und Inhalt an. Technisch-spielerische Vielseitigkeitsschulung steht bei F- und E-Junioren (7-10 Jahre) im Vordergrund. Inhalt der in dieser Arbeit im Schwerpunkt behandelten D- Junioren (und auch der C-Junioren; 11-14 Jahre) ist das fußballspezifische Grundlagentraining. Genauer gehe ich darauf im folgenden Kapitel ein.

In der Altersstufe der B- und A-Junioren (15-18 Jahre) bildet das beginnende Spezialisierungstraining den inhaltlichen Schwerpunkt, bevor ein belastungsgerechtes Übergangstraining den Schritt vom Junioren- in den Seniorenbereich ermöglichen soll (Perspektivspieler; 17-20 Jahre). Die Perfektionierung (21-29 Jahre) bzw. Stabilisierung (ab 30 Jahre) beschließen letztlich das Stufenmodell des DFB. Die Übergänge der einzelnen Stufen sind dabei fließend und geschlechtsspezifisch (vgl. ebd.). Allerdings ist diese Einteilung für männliche Fußballer ausgelegt, die Unterschiede in der Entwicklung zu Weiblichen (vgl. Steinhöfer, 2008) werden in dem Modell des DFB nicht spezifisch berücksichtigt.

2.3 Grundlagenschulung: Ziele und Inhalte der D-Junioren

In seiner Ausbildungskonzeption spricht der DFB von der Altersstufe der D-Junioren vom „goldenen Lernalter“. Spieler in diesem Alter zeichnen sich demnach durch Bewegungs-, Spiel- und Leistungsfreude aus und setzen Bewegungsaufgaben schnell und geschickt um (vgl. DFB-Ausbildungskonzeption, o.J.). Allerdings ist damit nicht gesagt, dass Spieler die Inhalte dieser Altersstufe zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr lernen können, denn auch nach der Pubertät und auch im Erwachsenenalter können im Bewegungslernen deutliche Fortschritte erzielt werden (vgl. Willimczik, Voelcker-Rehage & Wiertz, 2006).

In den Altersstufen zuvor wurde durch eine breit angelegte Grundausbildung in den Bereichen Bewegungsschulung und technisch-spielerischer Vielseitigkeitsschulung die Basis gelegt. Im D-Juniorenalter soll nun systematisches Fußballtraining beginnen (vgl. DFB-Ausbildungskonzeption, o.J.).

Die Schwerpunkte im Training mit D-Junioren setzen sich aus vier Inhaltsbausteinen zusammen (Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Inhaltsbausteine für das Training mit D-Junioren (DFB-Ausbildungskonzeption, o.J.)

Baustein 1 beinhaltet die spielerische Konditionsschulung. Durch komplexere Laufund Fangspiele, Bewegungsaufgaben der Lauf- und Sprungkoordination, motivierende Ganzkörperkräftigung und Koordinations- und Kraftparcours sollen Inhalte des Bausteins gefördert werden (vgl. ebd.). Das systematische TechnikTraining stellt Baustein 2 dar. Neben dem systematischen Erlernen aller BasisTechniken steht hierbei auch die Förderung der Geschicklichkeit am und mit dem Ball im Vordergrund. Zudem soll dieser Baustein individuell nach den Stärken und Schwächen der Spieler ausgerichtet sein (vgl. ebd.).

Individualtaktische Grundlagen bilden den dritten Baustein. Dabei sollen die Spieler das Verhalten im 1 gegen 1 sowohl in der Offensive als auch in der Defensive in verschiedenen Situationen erlernen. In der Offensive wird unterschieden zwischen dem Dribbling auf einen Gegner zu und dem Fordern des Balles mit dem Gegner im Rücken. In der Defensive geht es zum einen um die Balleroberung gegen einen auf den Abwehrspieler zudribbelnden Gegner. Zum anderen geht es um die Balleroberung gegen einen Angreifer, der sich mit dem Rücken zum Tor befindet (vgl. ebd.).

Baustein 4 besteht aus Fußballspielen mit Schwerpunkten und freiem Spiel. Spielformen mit Zusatzregeln, variabler Aufstellung der Tore, mit verschieden großen Teams (Überzahl/Unterzahl) oder Spielvariationen mit neutralen Spielern oder äußeren Anspielern sollen taktisches Verständnis aber auch die Umsetzung der adäquaten Techniken in der jeweiligen Situation fördern. Die Spieleranzahl soll dabei von 1 gegen 1-Situationen bis Spielformen mit maximal 7 gegen 7 Akteuren variieren (vgl. ebd.).

Trainer sollten dabei darauf achten, die Basistechniken schrittweise und im Detail zu verbessern. Insbesondere auf die konsequente Anwendung der Beidfüßigkeit ist zu achten. Empfohlen wird für die Wettspiele im Meisterschaftsbetrieb eine Feldgröße von etwa 50 x 70 Metern und einer Mannschaftsstärke von sieben bis neun (inklusive Torhüter) (vgl. ebd.).

2.4 Spieldidaktische Prinzipien und methodische Umsetzung

Der DFB empfiehlt in der trainingspraktischen Umsetzung einen Wechsel zwischen Übungs- und Spielformen. Mit dieser gemischten Methode will der DFB die Vorteile beider Vermittlungsansätze zusammenfügen und nutzen. Wiederholungen in kurzer Zeit, ungestörtes Konzentrieren auf einen Bewegungsablauf, das Einschleifen eines Bewegungsablaufs sowie methodische Vereinfachung (übersichtlicher Trainings- aufbau und damit gute Übersicht auch über große Gruppen) sind die Vorteile des Übens, die gepaart mit denen des Spielens (Spaß, Lösen einer Spielsituation mittels der richtigen Technik, Kopplung von Technik-Schulung mit taktischer Anwendung und ständige Mitschulung von Spielfreude, Kreativität, Reaktion und Kondition) in der Trainingspraxis eingesetzt werden sollen (vgl. DFB-Talentförderprogramm: Info- Abende für Vereinstrainer 16, o.J.). Dabei soll zunächst der trainingsinhaltliche Schwerpunkt per Übung ohne Druck und mit vielen Wiederholungen eingeschliffen werden, um ihn danach in einer Spielsituation im taktischen Kontext umzusetzen. Spielformen sollen jedoch innerhalb einer Trainingseinheit überwiegen (vgl. ebd.).

Unerwähnt bleiben beim DFB die Nachteile von Übungsformen. Diese sind, dass sie nicht sehr motivierend sind, der Spielbezug fehlt und die Gefahr der Vermittlung einseitiger Techniken, wie sie in Spielhandlungen teilweise nicht vorkommen, besteht (vgl. Frizi, 2008).

Ebenfalls eine Kombination aus Spielen und Üben schildert der Ansatz von Roth (2005), um Sportspiele zu erlernen. Allerdings - und das ist der große Unterschied zu der vom DFB präferierten Methode - gilt dort das Motto „Spielen vor Üben!“. Als „methodische Grundpfeiler“ gelten demnach erstens das „Spielen und Üben“ und zweitens das „spielerische Probieren vor technischem Studieren“ (vgl. Roth, 2005). Dabei erwähnt Roth drei Ansätze. Zum einen geht es um den Einsatz von Bausteine- Spielen. Dabei werden Spielformen entwickelt, die in hoher zeitlicher Dichte in einfachen sportspielübergreifenden und sportspielgerichteten Bausteine-Spielen basistaktische Anforderungen, in komplexen mehrere Aufgabenstellungen in Addition und Interaktion, gelöst werden sollen. Dabei gelten die Regeln „Vom Sportspielübergreifenden zum Sportspielgerichteten!“ und „Vom Einfachen zum Komplexen!“ (vgl. ebd.).

Der zweite Ansatz beruht auf dem Einsatz von Basisspielen. Diese sollen durch ein Minimum an Regeln und durch eine Spielidee, die in Grundsituationen und Handlungsmöglichkeiten den Gemeinsamkeiten der großen Sportspiele ähneln, so einfach gestaltet sein, dass nach kurzer Eingewöhnungszeit ein abwechslungsreiches Spiel stattfinden kann. Aus diesen Basisspielen soll später über ein etappenweises Verändern der Regeln schrittweise zu den Zielspielen ähnlichen Spielen übergegangen werden (vgl. ebd.).

Der Einsatz von kleinen (Ball)-Spielen liegt dem dritten Ansatz zu Grunde. Dabei geht es um Spielformen, die keinen vereinbarten Regeln unterliegen, dabei aber die grundlegenden Ideen des Zielspiels beinhalten sollen. Durch kooperative Anforderungen, den Grad der Rollendifferenzierung und den Gegnerdruck kann eine Reihenfolge verschiedener Schwierigkeiten in der Vermittlung der Spiele erfolgen. Die kleinen (Ball)-Spiele ermöglichen somit schon frühzeitige Erfahrungen in Bezug auf die Grundidee und typischen Handlungssituationen (vgl. ebd.).

Auch bei Bunker und Thorpe (1982) in ihrem Modell TGfU, das ich in Kapitel 2.7 genauer beschreibe, sowie bei Griffin, Mitchell und Oslin (1997) mit ihrem Tactical Awareness Approach steht das Spielen zur Vermittlung von Sportspielen im Vordergrund. Der Tactical Awareness Approach zeigt anhand von Beispielstunden, wie ein Sportspiel eingeführt werden kann.

Dabei gilt die Reihenfolge, dass sich nach einer ersten Spielform eine Frage-und Antwortrunde in der Unterrichtseinheit oder Trainingsstunde anschließt, in der die Lernenden befragt werden, wie sie die in der Spielform auftauchenden (taktischen) Probleme lösen können (vgl. Griffin, Mitchell & Oslin, 1997). Das kann einerseits taktische Lösungen betreffen (z. B. den eigenen Ballbesitz gewährleisten durch Freilaufen, Anbieten, Lösen vom Gegner) aber auch technische Antworten beinhalten (z. B. um den Ball präzise in den eigenen Reihen halten zu können: Standbein neben dem Ball, Fußspitze zeigt in die Richtung, in die der Ball gespielt werden soll, Fußgelenk des Schussbeines feststellen, Bein ausschwingen). Nach dieser ersten Theorierunde folgt eine Übungsform, die sich an den ausgewählten Schwerpunkten orientiert (im oben erwähnten Beispiel das Passen). Einer zweiten Frage- und Antwortrunde schließt sich die zweite Spielform an. Diese kann eine Modifikation des vorherigen Spiels sein oder eine Wiederholung dessen (vgl. ebd.).

Für den Fußball speziell stellt Cassia (2010, S. 4) fest:

„Man sollte sich vergegenwärtigen, dass Trainingsmethoden, die das Entscheidungs vermögen der Spieler und ihre Anpassungsfähigkeit an die stets wechselnden Spielsituationen nicht weiter entwickeln, heute nicht mehr zeitgem äß sind.“

Auch Jansson kritisiert eine Isolierung technisch-koordinativer Komponenten in der Vermittlung des Fußballspiels. Techniken sollten im Sportspiel besser als „Bewegungslösungen situativer Aufgaben“ bezeichnet werden (vgl. Jansson, 2004). Das Problem isolierten Techniktrainings besteht dabei in der Annahme, dass ein in dieser Art erworbenes Bewegungsprogramm ohne Weiteres in den Spielkontext transferiert werden kann.

„Lernen im Sportspiel bedeutet demzufolge die Koordination vielfältiger, systeminterner Teilprozesse, wobei eine enge Abstimmung mit externen Einflussfaktoren/situativen Bedingungen erfolgen muss. Es kommt darauf an, dass der Spieler Situationen meistert und nicht technische Fertigkeiten losgelöst von der Effektivität der Situationslösung präsentiert.“ (Jansson, 2004, S. 52).

Technikorientierte Vermittlungskonzepte sind demnach nicht geeignet, die Spielfähigkeit im Fußball aufzubauen.

In der Literatur überwiegt also derzeit der Stellenwert der Spielformen. Im Gegensatz zur vom DFB vorgesehenen methodischen Umsetzung, Techniken und Taktiken zunächst ohne Druck einzustudieren, sehen die hier erwähnten Ansätze das Lernen von Technik und Taktik durch Spielen als geeignetere Lösung Sportspiele im Allgemeinen und Fußball im Speziellen zu erlernen.

2.5 Sportliches Leitbild: Trends und Konsequenzen des DFB für das Grundlagentraining

Um den Fußballtrainern in Deutschland (insbesondere im Nachwuchsbereich) eine Orientierung für die Inhalte des Trainings zu bieten, muss feststehen, wohin sich der deutsche Fußball und damit der Nachwuchsfußballer entwickeln soll und welche Schwerpunkte allgemein gesetzt werden sollen (auf die Schwerpunkte im Speziellen für die jeweiligen Altersstufen gehe ich zu einem späteren Zeitpunkt ein).

„Unsere Spielphilosophie berücksichtigt eine langfristige Prognose des Weltfußballs, internationale Trends und typische Stärken des deutschen Fußballs. Die Leitlinien dieser Spielphilosophie bestimmen Qualitätsstandards für zukünftige Spitzenleistungen unserer Teams und Spieler“ (DFB-Ausbildungskonzeption, o.J., S. 13).

Das sportliche Leitbild des Ausbildungskonzeptes des DFB basiert auf aktuellen Trends im Weltfußball gepaart mit den „Stärken des deutschen Fußballs“. Das Leitbild des DFB beinhaltet die Komponenten Spielfreude, Fitness, Techniken unter Druck, das taktische Konzept in der Offensive und Defensive sowie die Persönlichkeitsbildung (vgl. DFB-Ausbildungskonzeption, o.J.).

Internationale Trends im Bereich Spielfreude sind „Lust am Spiel“, Kreativität, mutige individuelle Aktionen, eine positive Körpersprache und das Lösen von (komplizierten) Spielsituationen durch Überraschungsmomente. Als Konsequenzen für das Training mit jungen Fußballern sieht die Ausbildungskonzeption eine intensive motorische Grundausbildung als Basis spielerischer Kreativität, eine vielseitige Schulung der Geschicklichkeit mit dem Ball und das Durchführen vieler kleiner und freier Fußballspiele, um Spielfreude und Kreativität zu fördern (vgl. ebd.).

Trends in Sachen Fitness lassen sich im läuferischen Bereich beobachten. Zum einen dient die Ausdauer als Basis schneller Regeneration. Zum anderen sind läuferische Qualitäten die Grundlage für eine aktive, auf schnelle Balleroberung ausgerichtete Spielauffassung sowie für die Umsetzung eigener spielerischer Fähigkeiten. Zudem soll die ausgeprägte Athletik zu einer auch mentalen Stärke führen. Für das Training bedeutet dies, dass das Verbessern der Koordination eine große Rolle spielt. Durch viele fußballspezifische Aufgaben soll die Ball- und Körperbeherrschung trainiert werden. (auch fußballunspezifische Übungen sollten allerdings meiner Meinung nach eine Verbesserung der allgemeinen Koordination hervorrufen wie z.B. Übungen mit Koordinationsleiter, Ringen, Stangen etc.). Außerdem spielen auch im Bereich Fitness die kleinen Fußballspiele eine wichtige Rolle. Ergänzt durch Fang- und Laufspiele sollen sie die Laufaktivität und - Geschicklichkeit verbessern (vgl. ebd.).

Was die Techniken unter Druck angeht, so zeigt sich der Trend, dass auch auf engstem Raum und unter Gegnerdruck die technische Perfektion von entscheidender Bedeutung ist. Sicher beherrschte Basistechniken (Dribbeln, Passen, Ballkontrolle, Finten, Torschuss, Zweikampftechnik, Kopfball) bilden die Grundlage für variable Positionstechniken in der Defensive, im Spielaufbau, beim „letzten Pass“ und beim Torabschluss. Der DFB empfiehlt für das Training ein systematisches Verfeinern einer Technik. Dies soll durch Üben (viele ungestörte Wiederholungen) und Spielen (Anwenden mit Gegner) erfolgen. Der Gegner- und Zeitdruck soll sukzessive erhöht werden und aktive Lernprozesse der Nachwuchsfußballer initiiert werden (vgl. ebd.). Das ungestörte Üben allerdings steht, wie in Kapitel 2.4 dargestellt, in den spieldidaktischen Konzepten in der Kritik.

Im taktischen Konzept der Defensive geht der Trend in Richtung auf Ballgewinn ausgerichtetes Agieren. Dabei soll der Gegner samt Ball gestellt und anschließend gelenkt werden bis zu einem (Schwach-) Punkt, an dem er gedoppelt wird, um den Ball schließlich zu erobern. Weitere Trends sind das Provozieren der Angreifer zu Ballverlusten sowie intelligentes Pressing. Ein bei Spitzenmannschaften wie dem FC Barcelona oder der spanischen Nationalmannschaft zudem sehr offensichtlicher Trend ist das situationsgemäße, flexible und aktionsschnelle Gewinnen des Balles im eigenen Angriffsdrittel. Eine schrittweise Schulung in 1 gegen 1-Situationen sowie die Grundlagen, um den Ball zusammen zu erobern, sind die Konsequenzen für das Fußballtraining (vgl. ebd.).

In der offensiven Konzeption zeigt sich, dass der erste Blick nach eigenem Ballbesitz stets in die Tiefe geht, um mögliche Anspielstationen dort zu realisieren und den Ball möglichst schnell dorthin zu bringen. Dies bedingt eine „offene Spielstellung“. Auch ein Kombinationsspiel mit möglichst wenigen Ballkontakten (bis hin zum Direktspiel und gepaart mit individuellen Dribblingaktionen) sowie eine gruppentaktische Variabilität lassen sich als Trend feststellen. Eine große Dribbelstärke, leichtfüßige und explosive Aktionen sowie Aggressivität und Ballsicherheit vervollständigen die in der Ausbildungskonzeption dargestellten Trends in der Offensive. Daraus ergeben sich als Konsequenzen für das Training die Schulung von leicht- und vor allem beidfüßigem Dribbling auf engem Raum, das Erlernen eines möglichst großen Repertoires an Finten und die Grundlagen sicheren Zusammenspiels (vgl. ebd.).

Ein weiterer in der DFB-Ausbildungskonzeption wichtiger Punkt im sportlichen Leitbild ist „das Team mit Persönlichkeiten“. In internationalen Trends ist zu beobachten, dass psychische und soziale Faktoren wie Willensstärke, Disziplin, Konzentration, Selbstvertrauen und -kritik sowie Eigeninitiative von großer Bedeutung sind. Ebenso wichtig sind eine positive Körpersprache und eine positive Einstellung zum Fußball, insbesondere im Bereich der Offenheit zur Weiterentwicklung und der Lernbereitschaft. Das Abrufen dieser Eigenschaften gerade unter Druck spielt dabei eine immer größere Rolle. Für die Ausbildung bedeutet dies vor allem das Vermitteln sozialer Werte im und durch den Mannschaftssport Fußball. Spielfreude und Kreativität sollen durch den Trainer gefördert werden, gleichzeitig auch Raum zur Förderung von Eigeninitiative gegeben werden (vgl. ebd.).

2.6 Basisförderung Schule

Der DFB sieht sich über die Vereine hinaus verpflichtet, den Fußball auch in der Schule stärker im Sportunterricht zu verankern. Durch eine Schulfußball-Offensive soll der Fußball im Sportunterricht nicht nur motivierend auf die Gesundheits- förderung wirken (durch vielseitige konditionelle und koordinative Bewegungs- aufgaben), sondern auch soziale Werte vermitteln sowie Toleranz und Fair Play lehren (vgl. http://talente.dfb.de). Die Ziele, die der DFB dabei verfolgt, sind außerdem die Vermittlung von Begeisterung am Fußballspielen, Kennenlernen der Spielidee (altersgemäß erlernt), Verbesserung der individuellen Bewegungsfähigkeit (inklusive der Geschicklichkeit am Ball), Aufbau von Selbstbewusstsein und Persönlichkeitsförderung (Kreativität, Selbstsicherheit, Mut) (vgl. ebd.).

[...]


1 In dieser Arbeit wird der Begriff Teaching Games for Understanding durch die Abkürzung TGfU ersetzt.

2 Auf Grund der Übersichtlichkeit werde ich im Folgenden den Deutschen Fußball-Bund durch die Buchstabenfolge DFB abkürzen.

3 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit ist diese Examensarbeit in der männlichen Form geschrieben. Diese schließt die weibliche Form mit ein.

Details

Seiten
58
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656161240
ISBN (Buch)
9783656161370
Dateigröße
4.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v191333
Institution / Hochschule
Universität Bremen
Note
2,5
Schlagworte
teaching games understanding konzept entwicklung spielformen grundlagenschulung fußball

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Teaching Games for Understanding als Konzept für die Entwicklung von Spielformen in der Grundlagenschulung im Fußball