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Ist die frühe Religionswissenschaft ein Kind der Aufklärung oder der Romantik?

Referat (Ausarbeitung) 2006 4 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Referatsausarbeitung

Ist die frühe Religionswissenschaft ein Kind der Aufklärung oder der Romantik?

Vorbemerkung

Die frühe Religionswissenschaft ist zum einen untrennbar mit der christlichen Theologie verbunden, zum anderen mit dem Kulturraum des Abendlandes, da schon der Begriff „Religion“ (von lat. „religio, s. Smith und Hock) in seiner etymologischen Herkunft ein Abendländischer ist. Die frühe Religionswissenschaft folgte zeitlich nach der Aufklärung und während der Romantik, beide Strömungen sind für die Entwicklung der Disziplin äußerst relevant und sollten bei der Betrachtung der Disziplingeschichte eine große Rolle spielen.

Aufklärung contra Romantik? Ein Ergebnis und eine Vermischung beider Strömungen

Nur Kant und Schleiermacher können jeweils klar der Aufklärung beziehungsweise der Romantik zugeordnet werden. Alle anderen vermischen Gedanken beider Strömungen mehr oder weniger stark.

Zunächst war Kant Mitbegründer der Aufklärung, er forderte den Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit und die Ausprägung von Toleranz. Die Aufklärung hob die Unantastbarkeit der Religion auf, die bis dahin stark vom katholischen Klerus bestimmt war, auf und führte zur Reflexion über die Religion. Außerdem führte sie zu Distanz beim Umgang mit dem eigenen Glauben, Kant postulierte „eine Vernunftreligion auch ohne Gott“, kategorisierte zwischen Vernunftreligion und historischer Religion und wandte sich strikt gegen kirchliche Riten wie den Kirchgang ohne Hinterfragen des eigenen Geistes, und forderte die Instanzen des Gewissens und der Moral („Das Gesetz in uns“). Ein „Objektivitätsanspruch“ entstand, und der Begriff der Religion wurde verallgemeinert und zum Gattungsbegriff.

Daraufhin hatte Schleiermacher wesentlichen Anteil an der Begriffsdefinition „Religion“, er war ein typischer Romantiker und war durch seine Definition von „Anschauung und Gefühl“ und den Begriff des Unendlichen und des „Schauen des Göttlichen im Wirklichen“ Wegbereiter der Religionswissenschaft. Schleiermacher betonte die Individualität religiöser Erfahrung und betonte, die Analyse dessen sei unmöglich, wenn man über religiöse Erfahrung reden könne, dann nur poetisch (s. Brautmystik), da das Religiöse nicht rational fassbar sei.

Schleiermacher führte in gewisser Weise das Modell der Aufklärung fort, indem er die forderte, es gäbe noch etwas höheres als die Vernunft, nämlich das Unendliche, dies griffen später auch Otto und Eliade durch den Gedanken des Heiligen wieder auf, das eine Tatsache absolut eigener Kategorie sei („sui generis“). Schleiermacher wandte sich jedoch wütend gegen Moral und Metaphysik, die seiner Ansicht nach nichts mit Religion zu tun haben.

Die Romantik brachte der Religionswissenschaft eine philosophische Beschäftigung mit Fokus auf das individuelle Erleben, wohingegen die Aufklärung mit Distanz, dem Mittel des Vergleiches und wissenschaftlichem Anspruch den Gattungsbegriff Religion prägten. Die Romantik ergänzt in gewisser Wiese die Aufklärung, da sie aus Sicht der Romantiker durch Anschauung und Gefühl die Vervollkommnung des Menschen zur Ganzheit als Gegenstand hat.

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Details

Seiten
4
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783656161455
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v191355
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,7
Schlagworte
religionswissenschaft kind aufklärung romantik

Autor

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Titel: Ist die frühe Religionswissenschaft ein Kind der Aufklärung oder der Romantik?