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Die Darstellung der Einigung Italiens in österreichischen Tageszeitungen

Seminararbeit 2011 27 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wiener Zeitung, Die Presse, Neue Freie Presse und Innsbrucker Nachrichten als Teil der österreichischen Medienlandschaft

3. Plebiszite im März
3.1 Darstellung der Ereignisse
3.2 Berichterstattung in den Zeitungen

4. Die Ausrufung des Königreichs Italien
4.1 Der weitere Weg der italienischen Einigung
4.2 Die Darstellung in den Zeitungen

5. Der Krieg zwischen Österreich und Italien
5.1 Der verlorene gewonnene Krieg
5.2 Die Berichterstattung über den Krieg

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der italienische Nationalismus, der so genannte Risorgimento, des 19. Jahrhunderts führte im März 1861 zur Schaffung des (Zweiten) Königreichs Italien. Dieser neue Staat umfasste Gebiete, die lange Zeit zum Heiligen Römischen Reich und später zum Habsburgerreich gehörten. Der Einigungsprozess stand deshalb in klarer Konfrontation zu Österreich, welches sich als legitimer Herrscher über die oberitalienischen Länder sah und diese auch völkerrechtlich im Wiener Kongress zugesprochen bekam (v.a. das neu geschaffene Königreich Lombardo-Venetien). Dennoch kam es in Zuge internationaler Verflechtungen und zwei Kriegen (1859 und 1866) zum Verlust Lombardo-Venetiens und damit zum Ende der österreichischen Herrschaft in Oberitalien; ein Prozess der durch die Niederlage im ersten Weltkriegs und dem Verlust des Trentinos abgeschlossen wurde.

In dieser Arbeit wird untersucht, wie über den italienischen Einigungsprozess in den österreichischen Tageszeitungen berichtet wurde. Dabei soll der Frage nachgegangen werden, wie man versuchte, gegen diesen unaufhaltbaren Prozess zu argumentieren. Worauf stützte man die österreichische Legitimation über die betroffenen ober- und mittelitalienischen Gebiete und wie verneinte man eine eben solche Legitimation dem neuen italienischen Königreich unter der Vorherrschaft Piemont-Sardiniens?

Untersucht werden dabei drei bzw. vier österreichische Tageszeitungen. Zum einem die Wiener Zeitung, welches als offizielles Sprachrohr des Kaisers bzw. der Regierung diente und damit die Sichtweise des Habsburgerstaates am besten wiedergeben kann. Die zweite Tageszeitung ist Die Presse, welche sich selbst als liberal und teilweise auch regierungskritisch sieht. Nach der Abspaltung der Neuen Freien Presse 1864, welche sich nochmals als liberaler sieht, wird auch diese analysiert. Als letzte Tageszeitung werden die Innsbrucker Nachrichten behandelt. Sie ist damit die einzige Tageszeitung, welche nicht in der Hauptstadt Wien, sondern in der Provinz entsteht und publiziert. Damit ist sie zwar weiter weg von den Entscheidungsprozessen des Habsburgerstaates, jedoch ist sie den Vorgängen in Italien geographisch näher. Zudem grenzen die betroffenen Gebiete direkt an Tirol an und sind somit politisch äußerst wichtig. Deshalb beherrschen Nachrichten aus Italien aus dieser Zeit auch meist den Außenpolitikteil der Innsbrucker Nachrichten.

Der Verlauf des Risorgimento ist ein sehr langwieriger, deshalb beschränkt sich die Analyse der Zeitungen in dieser Seminararbeit auf einige wichtige Abschnitte des italienischen Einigungsprozesses. Zum einem sind dies die Plebiszite in einigen oberitalienischen Gebieten über einen Anschluss an das Königreich Piemont-Sardinien im März 1860. Damit verwendete man von italienischer Seite aus ein gänzlich neues Instrument der Legitimation, nämlich eine Zustimmung von Politikentscheidungen durch ein allgemeines Wahlrecht aller erwachsenen männlichen Bürger ohne Zensus oder Kurien. Auch spielt in diesem Zusammenhang eine europäische Komponente mit, da gleichzeitig auch ein Plebiszit in Savoyen und Nizza über den Anschluss an Frankreich stattfand.

Der zweite Untersuchungszeitraum betrifft den März 1861 und damit die Ausrufung des Königreichs Italiens. Dabei geht es vor allem auch um die Frage der (völkerrechtlichen) Anerkennung des neuen Staates. Diese wurde von Österreich bis ins Jahre 1866 verwehrt.

Die letzte Periode betrifft den Krieg zwischen dem neu geschaffenen Königreich Italien und Österreich 1866. Dabei werden die Abschnitte des Kriegsgeschehens und jene des Friedensvertrages von Zürich im gleichen Jahr analysiert. Bemerkenswert wird hierbei der der Wandel in der Berichterstattung sein.

Die Gliederung dieser Arbeit wird sich an diesen drei Untersuchungszeitrahmen orientieren. Davor werden noch die einzelnen Tageszeitungen und ihre politisch Eingliederung in das damalige österreichische Mediensystem beschrieben. Anschließend werden die drei Perioden nacheinander behandelt. Neben einer Analyse der Darstellung in den Zeitungen wird es auch eine kurze nähere Beschreibung der Ereignisse anhand von Sekundärliteratur geben. Wichtig wird dabei ein Vergleich zwischen den einzelnen Zeitungen und damit auch zwischen Wien und Innsbruck sein. Abschließend werden diese drei Zeiträume miteinander verglichen und eine Entwicklung in der Berichterstattung zwischen 1860 und 1866 aufgezeigt.

2. Wiener Zeitung, Die Presse, Neue Freie Presse und Innsbrucker Nachrichten als Teil der österreichischen Medienlandschaft

Rahmenbedingungen

Der untersuchte Zeitraum von 1860 bis 1866 stellte auch für die Habsburgermonarchie im Gesamten eine Zeit des Umbruchs dar. Diese Jahre befinden sich zwischen den Revolution von 1848/49 und dem Ausgleich mit Ungarn 1867, welcher eine komplette Neugestaltung der Monarchie bedeutete.

Diese Zeitspanne wird auch als Neoabsolutismus bezeichnet. Dabei stand der Kaiser der Bevölkerung ein Parlament zu, welche eine Verfassung ausarbeiten sollte. Der daraus resultierende Kremser Entwurf trat jedoch nie in Kraft. Mit dem Neoabsolutismus einher ging ein hohes Ausmaß von polizeilicher Überwachung und Zensur. Bei der Analyse der Zeitungsberichterstattungen muss deshalb berücksichtigt werden, dass im Kaiserreich Österreich die Presse nicht völlig frei berichten konnte. Gerade Österreich-kritische, das heißt regierungskritische Meldungen sind aus diesem Grund äußerst selten.[1]

Es gab in Österreich im 19. Jahrhundert auch eine liberale Kraft, welche zeitweise auch die Regierung stellte. Nach dem verlorenen Krieg 1866 kam die liberale Fraktion an die Macht; die Folgen sind dabei auch für die Zeitungen sichtbar. So konnte man nun kritischer berichten, wie man beim Kapitel 5 dieser Arbeit auch sehen wird.[2]

Die österreichische Zeitungslandschaft

Im Jahr 1869 gab es in der cisleithanischen Reichshälfte 61 Tageszeitungen, wovon etwa 56% alleine in Wien erschienen, mit einer Gesamtauflage von etwa 320.000.[3] Tageszeitungen waren dabei vor allem ein urbanes, an das Bürgertum gerichtetes Medium; Lokalteile entwickelten sich erst. Im Zuge der Revolutionen von 1848 wurde das staatliche Anzeigemonopol aufgehoben, wovon private Zeitungen profitieren konnten. Wie bereits erwähnt, kam es in den folgenden Jahren zu einer schrittweisen Demokratisierung, welche in der Dezemberfassung 1867 im Zeichen des Liberalismus gipfelte. Der österreichische Zeitungsmarkt florierte aufgrund dieser Lockerungen der Zensur; zahlreiche neue Blätter entstanden.

Wiener Zeitung

Die erste Ausgabe der Wiener Zeitung entstand unter dem Namen Wienerisches Diarium bereits 1703. Sie war damit eine der ersten Blätter im Habsburgerreich und ist die älteste behandelte Tageszeitung. In der Zeit des Wiener Kongress wurde das Blatt endgültig zur Tageszeitung und erschien in jener Form, in der auch über die Einigung Italiens berichtet wurde. Jede Ausgabe ist dabei unterteilt in einen Amtlichen und einen Nichtamtlichen Teil. Letzterer ist wiederum zuerst in Inland und Ausland unterteilt. Die Wiener Zeitung unterhielt ein Nahverhältnis zur Regierung und diente auch als Amtsblatt. Die Berichterstattung ist dadurch auch sehr regierungsfreundlich und vertritt im Wesentlichen die Meinung des Hofes.[4]

Die Presse

Die Presse entstand im Zuge der Revolutionen von 1848 von August Zang gegründet. Als eines der wenigen in dieser Zeit gegründeten Blätter konnte Die Presse weiterhin bestehen und entwickelte sich zu einem wenn auch gemäßigten, in der Selbstwahrnehmung sehr, liberalen Blatt. Im Zentrum jeder Ausgabe steht dabei ein ausführlicher Leitartikel zu nationalen oder internationalen Themen auf der Titelseite. Besonders während der Plebiszite 1860 widmet sich dieser Leitartikel auch öfters der Lage in Italien. Die Berichterstattung der Presse ist im Vergleich zu den anderen behandelten Zeitungen breiter. So wird der lokale Kontext der Situation in Italien auch in einen größeren europäischen Kontext gelegt. Obwohl es sich bei der Presse um ein liberales Blatt handelt, muss man trotzdem beachten, dass durch die herrschende Zensur die Berichterstattung nicht zu sehr regierungskritisch war. Man bemerkt in diesem Punkt aber durchaus Unterschiede zur Wiener Zeitung.[5]

Neue Freie Presse

Die Neue Freie Presse entstand 1864 und war eine Abspaltung von der Presse, welche große Teile der Redaktion in Richtung der neuen Zeitung verließen. Die Neue Freie Presse konnte seinen Vorgänger schon bald in der Gunst abhängen und profilierte sich als die liberale bürgerliche Zeitung im Kaiserreich. In dieser Arbeit werden lediglich Ausgaben der NFP aus dem Jahr 1866 analysiert. Die Berichterstattung ist dabei, auch aufgrund der gelockerten Zensur, kritischer. Der Aufbau ist mit jenem der Presse beinahe ident.[6]

Innsbrucker Nachrichten

Die Innsbrucker Nachrichten sind die einzige behandelte Tageszeitung, welche nicht in der Hauptstadt Wien erschien. Damit hat sie zwar eine größere Differenz zum Hof, jedoch ist sie auch näher an den Ereignissen in Italien. Die Zeitung entstand 1854 und ist auch in den lokalen Tiroler Zeitungsmarkt einzugliedern. Dieser bestand aus dem Bothen für Tirol und Vorarlberg, dem Innsbrucker Tagblatt und der Innsbrucker Zeitung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Zeitung als Tiroler Tageszeitung wiedergegründet.

3. Plebiszite im März 1860

3.1 Darstellung der Ereignisse

Österreichs Besitzungen in Italien umfassten seit dem Wiener Kongress 1814/15 neben dem neu geschaffenen Königreich Lombardo-Venetien, auch das nun zu Tirol gehörende Trentino, sowie das Großherzogtum Toskana und die kleineren Gebiete um Modena und Parma. Im Zuge des heranwachsenden Nationalismus des 19. Jahrhunderts, welche sich in Italien unter dem Namen Risorgimento manifestierte, kam es 1848/49 auch auf der Apennin Halbinsel zu Aufständen und Revolutionen. Diese waren jedoch nicht erfolgreich und konnten von österreichischer Seite unter Radetzky niedergeschlagen werden.

1859 kam es nach 1848 zu einem weiteren Krieg zwischen Piemont-Sardinien und Österreich. Nachdem Sardinien ein Ultimatum zur Beendigung von Kriegsvorbereitungen verstrichen ließ, erklärte Österreich dem Königreich den Krieg. Zuvor kam es zu einem Bündnis zwischen Piemont-Sardinien unter König Vittorio Emanuele II und Frankreichs Kaiser Napoleon III. Frankreich erhoffte sich durch einen Krieg mit Österreich eine Schwächung der Habsburger und Gebietsgewinne. Nach Schlachten von Navaro und Solferino ging diese Allianz als Sieger hervor. Durch den Vorfriedensvertrag von Villafranca musste Österreich die Lombardei abtreten; Venetien blieb jedoch unter habsburgischer Herrschaft.[7]

Gleichzeitig zum Kriegsgeschehen kam es in mehreren italienischen Gebieten, darunter die Toskana und Teile des Kirchenstaates, zu revolutionären Aufständen. Die Aufständischen stürzten die Fürsten der jeweiligen Provinzen und forderten unter anderem auch einen Anschluss an Piemont-Sardinien. Dieser wurde zunächst durch den bereits erwähnten Vorfrieden von Villafranca zwischen Österreich und Frankreich unterbunden. Napoleon III. hatte diesen Frieden zu Ungunsten der Italiener angesichts dieser scheinbar ungebremsten und unüberschaubaren revolutionären Kräften in Mittelitalien rasch geschlossen. Piemont war dabei zunächst der Verlierer, da man nur einen Teil des Königreichs Lombardo-Venetien annektieren konnte und Venetien vorerst habsburgisch blieb. Jedoch verfolgten die Honoratioren in den Gebieten von Modena, Parma, der Toskana und Teilen der Romagna eine weitere Initiative zur Angliederung an das sardische Königreich. Österreich beharrte jedoch weiterhin auf eine Restauration in den betroffenen Gebieten. Besonders wichtig war dabei die Toskana, welche man unter allen Umständen weiter habsburgisch sehen wollte. Auf internationaler Bühne stand man dabei jedoch alleine da. Die anderen Großmächte verfolgten entweder wie Frankreich eigene Interessen oder wollten wie beispielsweise England Ruhe und Frieden in Italien herrschen sehen. Aus diesen Gründen kam es schließlich nicht zu einem im Friedensvertrag festgelegten Kongress, welcher den zukünftigen Status Mittelitaliens festsetzen hätte sollen. Napoleon III. von Frankreich trat schließlich aktiv für eine Vereinigung der italienischen Gebiete ein und erhält dafür im Ausgleich Savoyen und Nizza von Piemont.[8]

Diese Angliederung sollten auf Vorschlag Frankreichs durch Plebiszite legitimiert werden. Dabei waren alle erwachsenen, männlichen Bürger ohne Zensus und Kurien wahlberechtigt. Die Abstimmungen wurden schließlich im März 1860 durchgeführt und brachten ein eindeutiges Ja der Befragten zu einem Anschluss an Piemont bzw. bei Savoyen und Nizza Dieses Prozedere war etwas völlig Neues und war kein Inhalt einer Verfassung oder eines vergleichbaren Statuts und wurde deshalb auch noch nachträglich vom piemontischen Parlament abgesegnet.

[...]


[1] Vgl. Vocelka, Geschichte Österreichs, S. 206-208.

[2] Vgl. Vocelka, Geschichte Österreichs, S. 216.

[3] Vgl. Melischek und Seethaler, Entwicklung der Tagespresse, S. 240.

[4] Vgl. Antoni, Wiener Zeitung, S. 327-335.

[5] Vgl. Chorherr, Die Presse, S. 257ff.

[6] Vgl. Ebd.

[7] Vgl. Feldbauer, Geschichte Italiens, S. 36 und Reinhardt, Geschichte Italiens, S. 213f.

[8] Vgl. Reinhardt, Geschichte Italiens, S. 214f. und Procacci, Geschichte Italiens und der Italiener, S. 270f. Ebenso Vgl. Furlani, Das Risorgimento, S. 136f.

Details

Seiten
27
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656161998
ISBN (Buch)
9783656162261
Dateigröße
586 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v191404
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Note
Schlagworte
darstellung einigung italiens tageszeitungen österreich-italien beziehungen presse

Autor

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