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"Typisch Balkan“. Fremdheitskonstruktionen und Stereotype in Reiseführern am Beispiel Südosteuropas

von Lisa Fink (Autor)

Seminararbeit 2012 14 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärung
2.1. Fremdheitskonstruktion
2.2. Stereotype

3. Fremdheitskonstruktionen und Stereotype in Balkan-Reiseführern
3.1. Kulinarisches in Reiseführern
3.2. Land und Leute? Bezug auf die Bewohner des Balkans in Reiseführern
3.3. Vermittlung exotischer Phänomene in Reiseführern

4. Verortung – Volkskundliche Tourismusforschung

5. Schlusswort

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Zeitalter der Globalisierung, der offenen Grenzen, der wachsenden Mobilität und Vernetzung, in dem Begriffe wie etwa „interkulturelle Kompetenz“ nicht mehr nur ausschließlich in der Wirtschaft Schlüsselbegriffe darstellen, steigt das Interesse an der Andersartigkeit und Exotik fremder Länder, Sprachen und Kulturen zunehmend. Die Tourismusbranche gilt als Trend-, sowie als Wachstumsbranche.

Seit der Wende 1989, da es Westeuropäern möglich ist, nach dem Fall der sozialistischen Regierungen, in die ehemals sozialistischen Länder einzureisen, erfährt die Tourismusbranche heute auch im Osten Europas deutliches Wachstum.

Mit dem Wachstum der Tourismusbranche verbunden, gewinnt die Reiseliteratur, insbesondere Reiseführer, zunehmend an Bedeutung. Ihre zentrale Aufgabe ist, laut einer Studie von Albrecht Steinecke, im Jahre 1987, zu den Qualitätskriterien eines Reiseführers, die „Vermittlung von Land und Leuten“.[1]

Allerdings sind der Tourismus und die Reiseliteratur auch von Stereotypen geprägt. In dem vorliegenden Text sollen, nach einer Klärung der Begriffe der „Fremdheitskonstruktion“, sowie der „Stereotype“, unterschiedliche Reiseführer über Staaten Südosteuropas, bzw. des Balkans, auf Fremdheitskonstruktionen und Stereotype hin untersucht werden.

Als Basis hierfür dienen, neben Reiseführern unterschiedlicher Herausgeber, Stellungnahmen, sowie Forschungserkenntnisse aus den Bereichen Kulturwissenschaft und Soziologie, für welche die in dieser Arbeit behandelte Thematik, insbesondere in den Bereichen der Tourismus- und Stereotypenforschung, zum Zwecke der Beschäftigung, sowie Enttarnung von diversen kulturellen Verzerrungen, hohe Relevanz hat.

Als ein Beispiel für Stereotype und Fremdheitskonstruktionen in Reiseführern, soll der Fokus in dem vorliegenden Text insbesondere auf den fiktiven Reiseführer „Molwanien“ gelegt werden, der in Anlehnung an das fiktive Land „Molwanien“, geradezu mit Stereotypen über die Länder des Balkans, bzw. Südosteuropas, spielt.

2. Begriffsklärung

2.1. Fremdheitskonstruktion

Um den Begriff der Fremdheitskonstruktion zu verstehen, muss zunächst geklärt werden, was unter dem Begriff des „Fremden“ verstanden wird.

Als Fremder kann eine Person bezeichnet werden, die bislang unbekannt war, weshalb über ihre Eigenschaften und soziale Herkunft nichts bekannt ist. Dies erschwert das Verhalten ihr gegenüber, da lediglich die Rolle des Fremden bekannt ist. Die Rolle ist dabei symmetrisch, da beide sich fremd sind.

Als Fremder kann ebenso bezeichnet werden, wer zwar als Person bereits relativ bekannt ist, die aber Eigenschaften und Verhaltensweisen aufweist, die in dem sozialen Gefüge als unüblich, bzw. abweichend, gelten und deshalb fremd sind. Dessen Integration in die soziale Gruppe wird daher erschwert sein.[2]

Bei einer Fremdgruppe, auch Außengruppe oder out-group genannt, handelt es sich um eine Gruppe, von der man sich distanziert. Sie steht im Gegensatz zur eigenen Bezugsgruppe, bzw. Eigengruppe, welcher man sich zugehörig fühlt und kann auch als „negative Bezugsgruppe“ bezeichnet werden. Oftmals werden Fremdgruppen auch stigmatisiert, stereotypisiert und diskriminiert.[3] Der Begriff spielt daher eine Rolle in der Gruppenpsychologie, sowie in der Vorurteils- und Stereotypenforschung.[4]

Unter einem theoretischen Konstrukt (von lat. construere = entwerfen, errichten), versteht man einen Begriff in der wissenschaftlichen Analyse, der nicht direkt benachbarte Phänomene oder Sachverhalte „abbildet“, sondern nur dazu dient, unterschiedliche Beobachtungen und Erkenntnisse sinnvoll aufeinander zu beziehen.[5]

Die (soziale) Konstruktion der Wirklichkeit, wie Titel und These einer Studie von Berger und Luckmann lauten, geht davon aus, dass die Realität sozial konstruiert und der entsprechende Prozess, in dem dies geschieht, von der Wissenssoziologie zu analysieren ist. Die Schlüsselbegriffe dabei lauten: „Wirklichkeit“ und (Alltags) „Wissen).[6]

2.2. Stereotype

Das Soziologie-Lexikon von Gerd Reinhold definiert Stereotype in der Psychologie als Bezeichnung eines Denkens und Verhaltens nach feststehenden Orientierungen, die häufig zu Vorurteilen, Starrheit und Vereinfachung bei der Beurteilung von Personen oder Dingen führen. Als Beispiele genannt werden die Assoziation „schmutzig und faul“ mit Ausländen, „gefühlsduselig und unlogisch“ mit Frauen, sowie „korrupt und opportunistisch“ mit Politikern. Nach der Definition des Soziologie-Lexikons ist die Bildung von Stereotypen in gewissem Umfang für jeden Menschen zur Erleichterung der Orientierung notwendig und stellt einen Teil des sozialen Lebens dar.[7]

Nach dem Lexikon zur Soziologie versteht man unter dem Begriff „Stereotyp“ eine fest gefügte, über lange Zeit gleich bleibende und durch neue Erfahrung kaum veränderbare, in der Regel positiv oder negativ bewertende und emotional gefärbte Auffassung von Personen oder Personengruppen, Ereignissen oder Gegenständen in der Umwelt und stellen demnach das Extrembeispiel sozialer Einstellung dar.

Bei der Bildung von Stereotypen werden lediglich wenige, oberflächliche Merkmale des betreffenden Sachverhalts beachtet. Im Wechselspiel von verwendeten Merkmalen und „den durch diese Merkmale angesprochenen Denkschablonen des Beurteilers“, entsteht das Stereotyp, das sich später nicht verändert, selbst dann nicht, wenn die selbe Gegebenheit in anderen Kontexten erscheint.

Es wird häufig davon ausgegangen, dass die Bildung positiver oder negativer Stereotype, dem Individuum die Orientierung in, sowie die Interaktion mit der Umwelt vereinfacht und erleichtert.[8]

Unterschieden wird zwischen Autostereotyp und Heterostereotyp. Während das Autostereotyp „die wohlwollende, wenn nicht verklärende Ansicht bezeichnet, die eine Nation von sich selbst hat“, bezieht sich das Heterostereotyp auf „die eher entstellende Ansicht, die Nation A von Nation B hegt“.[9]

[...]


[1] Lauterbach, Burkhard 1992: „Von den Einwohnern“. Alltagsdarstellungen im Spiegel des Reiseführers. In: Zeitschrift für Volkskunde 88/1992, S.49

[2] Reinhold, Gerd 2000: Soziologie-Lexikon. München ; Wien, S.191

[3] Fuchs-Heinritz, Werner/ Rüdiger Lautmann/ Otthein Rammstedt/ Hans Wienold (2007), Lexikon zur Soziologie, Wiesbaden, S.215

[4] Reinhold, Gerd 2000: Soziologie-Lexikon. München ; Wien, S.191

[5] Hillmann, Karl Heinz 2007: Wörterbuch der Soziologie. Stuttgart, S. 449

[6] Reinhold, Gerd 2000: Soziologie-Lexikon. München ; Wien, S.567

[7] Reinhold, Gerd 2000: Soziologie-Lexikon. München ; Wien, S.651

[8] Fuchs-Heinritz, Werner/ Rüdiger Lautmann/ Otthein Rammstedt/ Hans Wienold (2007), Lexikon zur Soziologie, Wiesbaden, S.657

[9] Hansen, Klaus P. 2000: Kultur und Kulturwissenschaft. Eine Einführung. Tübingen/Basel, S.321

Details

Seiten
14
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656164623
ISBN (Buch)
9783656164715
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v191548
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Insitut für Volkskunde/Europäische Ethnologie
Note
3,0
Schlagworte
Fremdheit Osteuropa Balkan Reiseführer Stereotype Klischee

Autor

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    Lisa Fink (Autor)

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