Lade Inhalt...

Bewertung von mündlicher Kommunikation im Fach Deutsch

Seminararbeit 2010 19 Seiten

Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Der Lernbereich Sprechen

3. Kriterien der mündlichen Leistungserfassung

4. Funktionen der Bewertung mündlicher Schülerleistung

5. Bewertungshilfen bei der Beurteilung mündlichen Leistung

6. Probleme bei der Bewertung von mündlicher Kommunikation

7. Fazit

8. Literaturnachweis

1. Einleitung

„Sprache ist eine komplexe, hochentwickelte Fähigkeit, die sich ohne bewusste Anstrengung oder formale Unterweisung beim Kind ganz spontan entwickelt und sich entfaltet, ohne dass das Kind sich der zugrundeliegenden Logik bewusst wird; sie ist qualitativ bei allen Menschen gleich und von allgemeineren Fähigkeiten wie dem Verarbeiten von Informationen oder intelligenten Verhalten zu trennen.“[1]

Sprache ist also in den Erbanlagen verankert, eine Fähigkeit, die man - im Normalfall - nicht erlernen muss.

In einer soziobiologischen Studie von Dunbar aus dem Jahr 1996 wurde festgestellt, das sich „die phylogenetische[2] Entwicklung der Sprache an der kommunikativen Interaktion von zwei bis drei Individuen orientiert“[3], d.h. kommen zu einem Gespräch Menschen hinzu, teilt sich die Gruppe quasi automatisch in mehrere 2er und 3er Gruppen auf. Denn, um in einer größeren Gruppe ein Gespräch zu führen, bedarf es rhetorischer Fähigkeiten, die wiederum nicht angeboren sind.

Hier kommen wir nun zur Gesprächsfähigkeit, die beim Menschen nicht genetisch veranlagt ist, die aber elementar ist, für jegliche mündliche Leistung.

„Gesprächsfähig sind Kinder, wenn sie sachangemessen und partnerbezogen miteinander sprechen. Sie finden sich in verschiedenen gegebenen Gesprächssituationen zurecht und können Sprecher- und Hörerrollen einnehmen, einen Gegenstand oder Sachverhalt richtig erfassen und verständlich wiedergeben, als Person authentisch sein und sich in Kommunikation und Zusammenarbeit mit anderen an vereinbarte Regeln halten. In schwierigen Situationen ergreifen sie die Möglichkeit zur Metakommunikation und thematisieren problematische Punkte.“[4]

Dies bedeutet, ein grundlegendes Ziel muss es sein, Kinder gesprächsfähig zu machen. Mit der Gesprächsfähigkeit erlangen sie eine Befähigung, die wertvoll, ja elementar für ihr gesamtes schulisches, später berufliches, aber auch privates Leben ist. Will man eine Fähigkeit sinnvoll ausbilden, bedarf es einer permanenten Leistungskontrolle, um Stärken und Schwächen heraus zu finden, um diese dann wieder rum bestmöglichst zu unterstützen und zu fördern.

In dieser Hausarbeit wird der Frage nachgegangen, wie man mündliche Kommunikation bewerten kann? Wo treten dabei Probleme auf? Wo liegen die Grenzen? Dabei wird es im Folgenden zuerst um die Vorgaben im Bildungsplan zum Lernbereich Sprechen gehen. Es wird vorgestellt, welche Kompetenzen Schülerinnen und Schüler bis zum Ende der 4. Klasse in diesem Bereich erlangt haben sollen. Anschließend werden mögliche Kriterien der mündlichen Leistungsbewertung aufgezeigt. Danach folgt die Frage nach der Funktion der Bewertung von mündlichen Schülerleistungen und den gängigen Methoden zur Leistungsfeststellung. Zum Schluss werden Probleme und Grenzen bei der Bewertung der mündlichen Kommunikation aufgezeigt.

2. Der Lernbereich Sprechen

Als Willy Brand ,1969, forderte „mehr Demokratie zu wagen“ erreichte dieser Anspruch auch die Lehrpläne. Denn Demokratie erfordert öffentliche Meinungsäußerung. Schüler sollten fortan dazu befähigt werden, ihre Intentionen wirksam und angemessen formulieren zu können.[5] Die „kommunikative Wende“ hatte eingesetzt und Sprechen etablierte sich als eigenständiger Bereich im Fach Deutsch.

In den Leitgedanken des Bildungsplanes 2004 ist formuliert, dass der Deutschunterricht sich zum Ziel setzt den Schülerinnen und Schülern„ die Sprache als wichtigstes Mittel zur zwischenmenschlichen Verständigung, zur Wahrnehmung, Verarbeitung und Vermittlung der realen Welt zur Entwicklung von Vorstellungswelten und zum Nachdenken über sich selbst erfahrbar und nutzbar zu machen.“[6]

Dies soll im Einzelnen durch die Vermittlung folgender Kompetenzen geschehen, die die Schülerinnen und Schüler bis zum Ende der 4. Klasse erlangen sollen.

„1. SPRECHEN

Die Schülerinnen und Schüler können:

- verständlich, situationsangemessen und partnerbezogen sprechen und anderen verstehend zuhören;
- sich zunehmend hochsprachlich artikulieren;
- mit anderen gezielt über ein Thema sprechen, es weiterdenken, eine eigene Meinung dazu äußern, zu anderen Meinungen Stellung nehmen und so grundlegende demokratische Verhaltensweisen anwenden;
- Gesprächsregeln beachten;
- über das Gelingen von Kommunikation nachdenken und Konsequenzen daraus ziehen;
- Spielszenen im medialen und personalen Spiel entwickeln und gestalten;
- ausgewählte Gedichte und Lieder auswendig lernen und vortragen;
- Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Deutsch, den Fremdsprachen und den Herkunftssprachen entdecken;
- Dialekte und Standardsprache situationsgemäß und partnerbezogen einsetzen;
- Originalität und Kreativität von Dialekten erkennen.“[7]

Laut Bildungsplan sollen die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler u.a. mit folgenden Instrumenten der Leistungsmessung überprüft werden:

„Für jede Schülerin und jeden Schüler ist mindestens eine Projektpräsentation am Ende der Eingangsstufe und im ersten Halbjahr des 4. Schuljahres verbindlich. Dazu sind vielfältige Darstellungsformen möglich wie Lerntagebuch, mündliche Berichte, darstellendes Spiel, Ausstellungen und Aufführungen.“[8]

Und weiter heißt es:

„Im Deutschunterricht ist am Ende von Klasse 2 und 4 mindestens eine verbindliche Buchpräsentation vorgesehen, die in die Deutschnote einfließt.“[9]

Den Lehrerinnen und Lehrern wird empfohlen für die Bewertung mündlicher Leistungen „regelmäßige Lernstandsdiagnosen und kontinuierliche Beobachtung der Kinder zum Beispiel mit Hilfe von Beobachtungsbogen“[10] durchzuführen.

Die Kompetenzen im Laufe ihrer Entwicklung zu überprüfen und zu bewerten, stellt die Lehrer vor ein große Herausforderung, denn der Lernbereich Sprechen unterscheidet sich in zwei essentiellen Dingen von den anderen Lernbereichen .

Dies sind „die Flüchtigkeit des Gesprochenen“ und „die konstitutive Interaktivität von Gesprächen.“[11] Die Flüchtigkeit des Gesprochenen schließt die bekannten Methoden zur Messung von schriftlichen Leistungen quasi aus, weil diese hier nicht zum Tragen kommen können. Gesprochenes wird im Moment aufgenommen, in dem es produziert wird und ist später nicht nochmals im Original nachvollziehbar. Es sei denn, man hat eine Audioaufnahme gemacht, die aber wiederum auch nicht die Komplexität eines Sprechaktes wiedergeben kann. Die konstitutive Interaktivität beinhaltet „das Zusammenwirken von Sprecher und Hörer in der mündlichen Kommunikation“[12], dies bedeutet, dass die Qualität des Gesprochenen nicht allein vom Produzierenden abhängt. Diese Merkmale erschweren die Leistungsfeststellung in beträchtlicher Weise, da, im Unterschied zur Bewertung von schriftlichen Leistungen, andere, aufwendigere Methoden verwendet werden müssen. Bevor aber die Methoden bestimmt werden, die man als Lehrer zur Bewertung benutzten möchte, muss man sich über die Kriterien der mündlichen Leistungsmessung bewusst werden.

[...]


[1] PINKER,1996, S. 22

[2] phylogenetisch; Phylogenie (Stammesgeschichte der Lebewesen), vgl DUDENREDAKTION, 2006, S. 784

[3] STEINIG, HUNEKE, 2007, S. 67

[4] POTTHOFF, u. a., 2008, S. 22

[5] vgl. POTTHOFF, u. a., 2008, S. 68

[6] BILDUNGSPLAN

[7] BILDUNGSPLAN

[8] BILDUNGSPLAN/kurz

[9] ebd.

[10] ebd.

[11] BECKER-MROTZEK (2008), S. 52

[12] BECKER-MROTZEK, 2008, S. 52

Details

Seiten
19
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656165996
ISBN (Buch)
9783656166092
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v191666
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
2,0
Schlagworte
bewertung kommunikation fach deutsch

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Bewertung von mündlicher Kommunikation im Fach Deutsch