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Außenhandelspolitik in einem nicht-demokratischen Umfeld wie China

Seminararbeit 2011 24 Seiten

VWL - Außenhandelstheorie, Außenhandelspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Ausländische Direktinvestitionen (FDI) in China .
2.1 Entwicklung der Ausländische Direktinvestitionen (FDI)
2.2 Anteil der FDI am Gesamtoutput
2.3 Kleinbetriebe und Gewerbe (TVE).
2.4 Entwicklung des Handels zwischen einzelnen Provinzen

3 Das Modell
3.1 Regionen und Produkte
3.2 Konsum und Produktion
3.3 Interesse des Staates und der Staatsunternehmen.
3.4 Multinationale Unternehmen.

4 Überprüfung des Modells anhand empirischer Daten
4.1 Datenerhebung und Auswertung
4.2 Wahl des geeigneten Zollsatzes
4.3 Zollsatzkurve
4.4 Entwicklung Chinas durch den Beitritt in der World Trade Organisation

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Ausländische Direktinvestitionen in China in Millionen US-Dollar

(Quelle: Branstetter and Feenstra, 2002, S. 339)

Abbildung 2: Entwicklung des Outputs in der Provinz Hebei, 1980-1995

(Quelle: Branstetter and Feenstra, 2002, S. 342)

Abbildung 3: Die Zollsatzkurve

(Quelle: Grossman/Helpman, 2002, S. 243)

Tabelle 1: Ausländische Direktinvestitionen aller chinesischen Provinzen

Quelle: Branstetter and Feenstra, 2002, S. 338)

Tabelle 2: Ergebnis der Schätzung von (6)

(Quelle: Branstetter and Feenstra, 2002, S. 351)

Tabelle 3: Gewichtung der Koeffizienten über die verschiedenen Zeitperioden

(Quelle: Branstetter and Feenstra, 2002, S. 351)

1.Einleitung

In dieser Arbeit wird die Wirtschaftspolitik der Volksrepublik (VR) Chinas und die damit einhergehende wirtschaftliche Entwicklung analysiert. Besonders wird hierbei hervorgehoben, wie die Regierung eines nicht-demokratischen Landes ihre wirtschaftspolitischen Entscheidungen trifft und welche Interessengruppen dabei besonders berücksichtigt oder vernachlässigt werden. Das Hauptaugenmerk zur Analyse liegt auf den Investitionen ausländischer Unternehmen im Land, sowie die Zollgebühren und Steuersätze welche die Regierung festsetzt.

Dabei treten zwei Umstände ganz besonders hervor. Zum einem, dass es für China sehr viel stärker als es in einer Demokratie möglich ist die Interessen der Konsumenten und damit deren Wähler zu vernachlässigen, um andere Interessengruppen wie die staatseigenen Unternehmen zu fördern und zu schützen. Zum anderen, auf wie vielen Wegen es der Regierung möglich ist ihren Markt, beziehungsweise gezielt spezielle Regionen, vor ausländischen Investoren zu schützen oder zu fördern. Obwohl China offiziell ihre Wirtschaft und vor allem den Marktzutritt liberalisieren und erleichtern will gibt es mehrere Instrumente wie sie solches indirekt verhindern können. Sei es zum Beispiel durch die Besteuerung oder Erlassung von Beschränkungen auf regionaler Ebene.

Erst seit dem Beitritt in die „World Trade Organisation“ (WTO) werden diese Mechanismen nach und nach abgebaut und der Markt auf internationalen Druck geöffnet. Dadurch verschiebt sich auch die Gewichtung der Interessengruppen. Während davor die staatseigenen Unternehmen noch sehr stark im Mittelpunkt standen hat sich durch den Beitritt das Kräfteverhältnis hin zu den Vorteilen eines weiter geöffneten Marktes verschoben.

2.Ausländische Direktinvestitionen (FDI) in China

Direktinvestitionen werden für diese Arbeit wie folgt definiert:

„Als Direktinvestitionen werden Kapitalanlagen von Gebietsansässigen in fremden Wirtschaftsgebieten bezeichnet, die das Ziel verfolgen, dauerhafte Wirtschaftsverbindungen zu einem Auslandsunternehmen einzugehen, insbesondere durch die Bereitstellung von Technologie, Kapital, Marketingkonzepten und Managementwissen.“1 Dieses Ziel wird hauptsächlich durch die Errichtung oder den Kauf von Unternehmen, Niederlassungen (NL) oder Betriebsstätten erreicht. Aber auch der Erwerb von Unternehmensbeteiligungen fällt unter diesen Begriff.

China ist mit über 1,3 Milliarden Menschen das bevölkerungsreichste Land der Welt. Das Politische System dort ist trotz der Zulassung kleinerer Blockparteien de facto ein Einparteiensystem unter der Führung der Kommunistischen Partei Chinas. Offiziell ist die Volksrepublik ein zentralistisch geführter Einheitsstaat. Doch genauso wie man von vielen chinesischen Märkten reden muss, so muss man gleichzeitig auch von mehreren Provinzen und Regionen mit teils beträchtlicher Verhandlungsmacht gegenüber der Zentralregierung reden. Das aber macht sich meist nur im Detail bemerkbar. China verfolgt eine sozialistische Wirtschaftspolitik, welche fest in der Verfassung verankert ist.2

Doch erhält diese seit den späten 70er Jahren unter der Führung von Deng Xiao-Ping immer mehr liberale wirtschaftspolitische Züge. Ebenso wie die Transformation von einer Planwirtschaft in eine Marktwirtschaft in den 90er Jahren und der Beitritt in die World Trade Organisation (WTO) 2001. Dies half China sich von einem armen, isolierten Land zu einem global Player und wichtige Wirtschaftsmacht zu entwickeln. Trotzdem kann man noch lange nicht von einem wirtschaftlich liberalen Land reden. Anhand der Arbeit von Branstetter und Feenstra (2002) erfolgt die Auswertung wirtschaftlich relevanter Daten, allen voran die ausländischen Direktinvestitionen

(FDI) in China, zwischen den Jahren 1984 und 1995. Sie haben in ihrer Arbeit quantitativ hochwertige Nachweise gefunden, dass China zwischen 4- und 7-mal mehr Wert auf die Interessen und Schutz staatlicher Unternehmen legt, als auf das Wohl der Konsumenten.3

2.1.Entwicklung der Ausländische Direktinvestitionen (FDI)

Das Ergebnis ihrer Untersuchung zeigt, dass die Investitionen ausländischer Unternehmen bisher hauptsächlich an der Küste getätigt wurden. Besonders die Provinz Guangdong und dessen Nachbarprovinz Fujian profitieren davon. Insgesamt wurden 1995 über 50 Millionen US-Dollar in diesen Regionen durch ausländische Unternehmen investiert. Besonders überraschend ist dieses Ergebnis allein für sich stehend nicht, da es doch genau diese zwei Provinzen waren, welche 1979 zu Sonderwirtschaftszonen (SWZ) erklärt wurden. Das bedeutet, dass dort spezielle Vorkehrungen getroffen wurden um sie für ausländische Investoren interessanter zu machen. Dazu gehören Begünstigungen in der Besteuerung ( 15% auf das Einkommen ansässiger ausländischer Firmen gegenüber 33% für Einheimische ) und der Verwaltung.4

Der Erfolg dieser Zonen wurde sehr schnell sichtbar, konnten doch diese Regionen zur Zeit ihrer Ernennung zu SWZ nur wenig wirtschaftliche Aktivitäten vorweisen. Dies führte zu weiteren Lockerungen der Investitionsmöglichkeiten für ausländische Firmen entlang der Küsten. Auch wurden erstmalig Firmen ohne Beteiligung des chinesischen Staates zugelassen. 1984 erhielten 14 weitere Regionen entlang der Küste ähnliche Möglichkeiten um Investoren anzulocken. Falls man hier sogar in den Bereichen Hightech oder Export investierte, wurde der gesamte Steuerbetrag zurückerstattet.5 Folgende Grafik veranschaulicht diesen Vorgang:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 : Ausländische Direktinvestitionen in China in Millionen US-Dollar

Diese Grafik zeigt wie China nach und nach immer mehr Investitionen in das Landesinnere hinein zulässt. Dennoch geht die Regierung dabei sehr bedacht vor, da sie eine Beeinflussung der heimischen Schwerindustrie, welche hauptsächlich im Landesinneren ansässig ist, durch ausländische Firmen und Investoren befürchten. Da diese Industrie in Zeiten des Krieges fast ausschließlich für das Militär produziert gilt diese als besonders schützenswert. Dies ist aber nicht der einzige Grund. In diesem Teil der VR liegt auch der Großteil der reichlichen natürlichen Ressourcen des Landes welche in Zukunft auch weiterhin an Bedeutung gewinnen werden. Eine weitere Ursache ist die schlechte Infrastruktur die dort vorherrscht, welche es Investitionen in diesen Regionen erschweren.6

Die durchschnittlichen ausländischen Investitionen an der Küste und der SWZ, lagen 1995 bei 10,51 Millionen US Dollar. Während sie in den übrigen Regionen im Landesinneren nur 0,82 Millionen betrug. Alleine aus der Größe FDI lässt sich ableiten, dass es nicht möglich ist über einen einzigen chinesischen Markt zu sprechen. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt der Arbeit liegen bereits 2 extrem unterschiedliche Märkte für Investitionsmöglichkeiten vor. Diese weisen wiederum in sich signifikante Unterschiede auf. Zum Beispiel liegt eine der investitionsschwächsten Provinzen, Jiagnxi, mitten zwischen Regionen mit sehr hohem Investitionsvolumen. Die komplette Aufstellung aller FDIs für die Provinzen und weitere relevante Größen können in folgender Tabelle nachgelesen werden.7

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Ausländische Direktinvestitionen aller chinesischen Provinzen

Eine weitere richtungweisende Veränderung in der Steuerung der ausländischen DI wurde 1986 eingeführt, die 22 Regelungen umfasst. Das war die erste einheitliche, über das ganze Land geltende Liberalisierung zur Öffnung Chinas. Diese Regelungen verringerten die Besteuerung der Unternehmen die durch ausländische Investitionen gestützt oder geschaffen wurden (FIE), unabhängig davon in welcher Region sie ihren Standort haben. Des Weiteren wurde ihnen mehr

Freiheiten im Managementbereich eingeräumt. Trotzdem lag die Entscheidung darüber, ob sich eine Firma wo ansiedeln darf, weiterhin bei der lokalen und zentralen Regierungsinstanz. Im Jahre 1999 kam ein weiterer wichtiger Schritt für die Sicherung der FDI. Das Vertragsrecht wurde eingeführt, welches die FDI schützen und für mehr Transparenz sorgen sollte. Anhand der Daten aus dem Jahre 1995 lässt sich schlussfolgern, dass es trotz der Regelungen und dem Vertragsrecht weiterhin viele Möglichkeiten für die Regierung gibt, Ansiedlungen von ausländischen Firmen in bestimmten Regionen zu behindern, beziehungsweise zu verhindern. Ein weiteres Beispiel hierfür ist, dass die Investitionsform „Wholly Foreign Owned Enterprises“ (WFOE) nicht in jeder Region Chinas zulässig ist.8

2.2 Anteil der FDI am Gesamtoutput

Bei den Direktinvestitionen muss zwischen marktorientierten und exportorientierten DI unterschieden werden. Ziel der marktorientierten DI ist es eine Niederlassung (NL) zu gründen um den lokalen Markt mit Produkten zu versorgen. Exportorientierte DI hingegen dienen hauptsächlich der Weiterverarbeitung von Zwischenprodukten und derer anschließender Export in andere Märkte. Hier fallen die geringen Kosten für Arbeiter, sowie die geographische Lage Chinas positiv ins Gewicht. Ein Großteil der FDI bezieht sich auf die Zweite Form der Investitionen. Dieser Teil der FDI ist mittlerweile ein sehr bedeutender Faktor in der weltweiten Güterwirtschaft, aber nicht der Fokus dieser Arbeit. Der liegt auf marktorientierten Direktinvestitionen. Die steigende Wohlfahrt der chinesischen Bevölkerung über die letzten Jahrzehnte macht dies immer interessanter und wichtiger für ausländische Investoren.9

Um diesen Effekt messen zu können wird der Anteil der verkauften Produkte auf chinesischen Heimatmarkt welcher von ausländischen Firmen produziert wird vom Gesamtouput isoliert. Outputjit bezeichnet den Warenverkauf der Firmenart j in der Provinz i im Jahr t. Für den Parameter j gibt es zwei Merkmale:

1. j = d, für Staatsunternehmen
2. j = m, für multinationale Unternehmen mit Zweigstelle innerhalb Chinas

Des Weiteren bezeichnet Exportjit die Exporte an das Ausland der entsprechenden Firmen. Daraus setzt sich der Gesamtkonsum für die Provinz i im Jahr t wie folgt zusammen: Gesamtoutputit - Exportsit + Ordinary Importsit. Der Import von Zwischenprodukten wurde aus dem Gesamtimport herausgerechnet, da dieser nicht für den Binnenmarkt bestimmt ist.

[...]


1 Jahrmann 2001, S.66

2 http://stat.wto.org/CountryProfile/WSDBCountryPFView.aspx?Language=E&Country=CN

3 Branstetter und Feenstra (2002) - S.337

4 Branstetter und Feenstra (2002) - S.337 und folgende

5 Houde und Lee (2000) S.14 und folgende

6 Houde und Lee (2000) - S.9

7 Branstetter und Feenstra (2002) - S.337

8 Branstetter und Feenstra (2002) - S.340 sowie Houde und Lee (2000) - S.14

9 Branstetter und Feenstra (2002) - S.340

Details

Seiten
24
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783668017900
ISBN (Buch)
9783668017917
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v191684
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Volkswirtschaftlichte Fakultät
Note
2,1
Schlagworte
LMU Economic volkswirtschaft volkswirtschaftslehre aussenhandel politik steuern zollsätze kommunismus china volksrepublik außenhandelspolitik außenwirtschaftstheorie wirtschaft entwicklung

Autor

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Titel: Außenhandelspolitik in einem nicht-demokratischen Umfeld wie China