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Kooperation kommunaler Krankenhäuser führen zu einer Verbesserung der medizinischen Versorgung

Forschungsarbeit 2012 17 Seiten

BWL - Sonstiges

Leseprobe

Kooperationen kommunaler Krankenhausträger führen zu einer Verbesserung der medizinischen Versorgung

Die Sicherstellung einer ausreichenden und wirtschaftlichen Versorgung der Bevölkerung mit stationären Krankenhausleistungen ist eine wesentliche öffentliche Aufgabe der Städte und Landkreise. Zur nachhaltigen Erfüllung dieser Aufgabe müssen die kommunalen Gebietskörperschaften bestrebt sein, das Überleben ihrer Kliniken zu sichern. So müssen neue Versorgungsstrukturen etabliert und die Versorgungsangebote innerhalb einer Vernetzung mit anderen Leistungserbringern abgestimmt werden.

Im Raum Bamberg/ Forchheim stellen 4 kommunale Krankenhäuser mit unterschiedlichen Versorgungsschwerpunkten die flächendeckende Krankenhausversorgung der Bevölkerung sicher. Derzeit stehen diese Gesundheitsunternehmen im Wettbewerb zueinander und müssen sich gegen eine starke Konkurrenz umliegender Kliniken zum Teil in universitärer als auch in privater Trägerschaft behaupten.

Am Beispiel dieser Kliniken soll dargestellt werden, wie durch Kooperation und eine strukturierte Abstimmung der Leistungsangebote der betroffenen Kliniken eine Vielzahl von Synergien erzeugt werden können.

Der deutsche Krankenhausmarkt ist durch umfangreiche staatliche Eingriffe geprägt. Eine erhebliche Anzahl von Krankenhäusern ist hinsichtlich ihrer Existenz bedroht, ein Investitionsstau von vielen Milliarden Euro besteht und die Kosten der Krankenhäuser sind durch die Leistungsvergütung nicht gedeckt.

Ursachen für diese Notstände in deutschen Krankenhäusern beruhen wesentlich auf strategischen externen und internen Faktoren. Die externen Faktoren sind vom Krankenhaus kaum beeinflussbar; das Krankenhaus kann aber richtig oder falsch, langsam oder schnell darauf reagieren. Beispiele sind das Wettbewerbsumfeld, die Bevölkerungsentwicklung, die Patientenanforderungen, die Lohn- und Preisentwicklung, das Arbeitskräfteangebot und insbesondere auch gesetzliche Regelungen.

Interne Faktoren sind vom Krankenhaus weitgehend selbst gestaltbar. Hierzu zählen wirtschaftliches Handeln bei Investitionsentscheidungen, Gestaltung von Einkaufs-, Leistungs- und Verwaltungsprozessen, Innovationsbereitschaft und Innovationsfähigkeit, Personalrekrutierung und -motivation, Leistungsstrukturierung, aber auch zunehmend die Beschaffung von Finanzmitteln.

Die Identifizierung der Verbesserungspotentiale und die Strategien, nach welchen die Krankenhäuser ihre Geschäftspolitik ausrichten, bestimmen mittelfristig die Marktposition und letztendlich den Erhalt ihrer Existenz.

Bedeutenden Einfluss auf die Strategie hat die Trägerstruktur. So sind Krankenhäuser in öffentlicher Trägerschaft strategisch mehr auf Sanierung und Bestandssicherung ausgerichtet als auf Stabilisierung und Verbesserung der Wettbewerbsposition.

Die Verbesserungspotentiale bei öffentlichen Krankenhäusern können aus den unterschiedlichsten Gründen nicht ausgeschöpft werden. Zum einen begrenzt die Gemeindeordnung territorial das wirtschaftliche Handeln. Andererseits verhindern Investitionsstau, überdurchschnittlich hohe Personalaufwendungen und Rücksichtnahme auf parteipolitische Interessen die Erzielung ausreichender Betriebsergebnisse, um Innovationen einzuführen und wettbewerbsfähig zu bleiben.

Eine strukturierte Kooperation bei klarer Abgrenzung der Leistungsangebote fehlt insbesondere im ländlichen Raum, wo viele kleine Krankenhäuser im Wettbewerb zueinander stehen. Die Mehrfachvorhaltung von teurer Infrastruktur bei kleinen Größen der medizinischen Abteilungen verhindert den wirtschaftlichen Einsatz der erforderlichen Sachmittel. Die Akquise um Patienten und zuweisende Ärzte nimmt abstruse Formen an.

In Bayern haben die kommunalen Krankenhäuser einen sehr hohen Stellenwert. Während der Anteil der öffentlichen Krankenhäuser in der Bundesrepublik 2009[1] bei 31% lag, befanden sich in Bayern 63 % der Kliniken in kommunaler Trägerschaft. Seit 2004 ist die Zahl der öffentlichen Krankenhäuser in Bayern von 230 auf 217 zurückgegangen, wobei 14 Kliniken von privaten Trägerketten übernommen wurden, 3 Kliniken mussten geschlossen werden..

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Anzahl der Kliniken in Bayern nach Trägern

Quelle: Bayerische Krankenhausgesellschaft, Bayerischer Krankenhausplan 2010

Neben dem steigenden Kostendruck mit einer deutlichen Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage -insbesondere für die Kliniken, die in den vergangenen Jahren mit Verlusten oder nur knapp profitabel gearbeitet haben- nimmt der Konkurrenzdruck durch die Mitbewerber stetig zu. Der Krankenhaussektor entwickelt sich zu einem Markt im eigentlichen Sinne, nachdem auch die Patienten sich immer mehr über die Leistungsangebote und –qualität informieren und bereit sind , Kliniken in größerer Entfernung aufzusuchen, wenn in der Klinik vor Ort Verbesserungspotentiale vorliegen und Wettbewerbshäuser sich durch Spezialisierung, innovativere diagnostische und therapeutische Möglichkeiten oder auch im Bereich der Hotellerie besser positioniert haben. Während private Trägergesellschaften über Kapitalerhöhungen Geldmittel beschaffen können, wirkt sich die Wirtschaftskrise über die Steuerausfälle sowohl bei kommunalen als auch bei kirchlichen Krankenhausträgern dergestalt aus, als diese zum Ausgleich von Betriebsdefiziten oder für investive Maßnahmen keine Mittel mehr bereitstellen können.

Die Folgen der gesundheits-, kommunal- und tarifpolitischen Einflüsse auf die kommunalen Krankenhäuser sind die Verschlechterung der Leistungsqualität, damit einhergehend Belegungsprobleme und wirtschaftliche Notlagen. Dies führt dazu, dass immer mehr kommunale Krankenhäuser schließen bzw. an private Krankenhausträgerketten veräußert werden.

Umso wichtiger ist es für die öffentlichen Krankenhausträger, Strategien zu entwickeln, welche durch Kooperationen eine gemeinsame, die Zukunft sichernde Positionierung am Markt ermöglicht.

Die Zusammenarbeit von kommunalen Klinikträgern in unterschiedlichen Gebietskörperschaften entwickelt sich langsam in Deutschland. In erster Linie gibt es Einkaufsverbünde, aber auch Kooperationen unter einer gemeinsamen Organisationsstruktur, wobei die kooperierenden Kliniken ihre rechtliche Selbständigkeit oftmals behalten.

Beispiel Versorgungsraum Bamberg/ Forchheim

Im Bezirk Oberfranken/Bayern werden 15 Akut-Kliniken, vorgehalten mit 5509 Betten zur Versorgung von 1.110.000 Einwohnern. Dies entspricht 497 Betten pro 100.000 Einwohner, der Bundesdurchschnitt weist 570 Betten aus. Erschwert wird die Wettbewerbssituation durch die im Bezirk Unterfranken liegende Universitätsklinik Erlangen, welche als Klinik der Maximalversorgung mit ihrem Einzugsbereich weit in den westlichen Teil Oberfrankens einstrahlt.

Die 4 kommunalen Gesundheitsunternehmen im Raum Bamberg/Forchheim betreiben Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Rehabilitationseinrichtungen und medizinische Versorgungszentren. Mit diesen Dienstleistungen stehen sie im harten Wettbewerb zueinander und gefährden teilweise ihre Existenzen. Zusammenarbeit gibt es sporadisch im medizinischen Sektor bei der Erbringung spezialisierter diagnostischer Leistungen wie Untersuchungen in den Bereichen Pathologie, Labordiagnostik oder Links- Herzkathedermessungen.

Im nahen Umfeld etablieren sich private Klinikketten durch den Erwerb ehemals kommunaler Krankenhäuser.

Trotz einer gemeinsamen Gesellschaft zur Förderung der Wirtschaftsregion Bamberg/ Forchheim fand die Zusammenarbeit der Gesundheitseinrichtungen bislang keine Priorität bei den kommunalen Parlamenten. Die unterschiedlichen parteipolitischen Gewichtungen innerhalb dieser Gremien und die Besetzung der 4 Spitzenämter durch Politiker aus 4 verschiedenen politischen Gruppierungen erschwert die sachliche und konstruktive Auseinandersetzung. Die Kommunalgesetze wie die Gemeinde- und Städteordnung lassen eine interkommunale Zusammenarbeit nur unter klar festgelegten Bedingungen zu. Zu beachten ist ferner das Stiftungsrecht, nachdem zwei der Krankenhausträger in der Rechtsform einer kommunalen Stiftung geführt werden.

[...]


[1] DEUTSCHE KRANKENHAUSGESELLSCHAFT: Zahlen; Daten Fakten 2011

Details

Seiten
17
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656166764
ISBN (Buch)
9783656166832
Dateigröße
839 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v191763
Institution / Hochschule
Univerzita Komenského v Bratislave
Note
Schlagworte
kooperation krankenhäuser verbesserung versorgung

Autor

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