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§25 Der Ansatz der existenzialen Frage nach dem Wer des Daseins / §26 Das Mitdasein der Anderen und das alltägliche Mitsein aus Martin Heideggers "Sein und Zeit"

Essay 2011 5 Seiten

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts

Leseprobe

Viertes Kapitel: Das In-der-Welt-sein als Mit- und Selbstsein. Das »Man« §25 Der Ansatz der existenzialen Frage nach dem Wer des Daseins

§26 Das Mitdasein der Anderen und das alltägliche Mitsein

aus Martin Heideggers Sein und Zeit

Bisher hat Heidegger die Welt als Bewandtnisganzheit zunächst ohne ausdrückliche Berücksichtigung der Vielheit von Dasein behandelt. Dieser „Vielheit“ widmet sich Heidegger ab dem vierten Kapitel von SuZ, indem er nach der Identität des Daseins fragt[1], um das Existenzial „Weltlichkeit“ genauer fassen zu können. Wer ist es, der in der Alltäglichkeit identisch mit dem Dasein ist, bzw. wer ist es, der in der Alltäglichkeit als Dasein fungiert? Dasein wurde von Heidegger als eine Struktur beschrieben und die Frage, die sich nun stellt, ist, wer exemplifiziert diese Struktur? Die nahe liegende Antwort, je ich selbst und das letztendlich als etwas „allein existierendes“[2], wird von Heidegger zurückgewiesen. Eine erste Antwort auf diese Frage, liefert Heidegger in §25.

Erstmals in dem Paragraphen 9 und anschließend ausführlicher in Paragraph 12, wurde deutlich, dass Heidegger die Vorstellungen von einem Selbst, Ich oder Subjekt (im Sinne der cartesianischen Substanz res cogitans oder des Husserlschen Ichs als Subjekt von Akten) ablehnt. Denn dies würde nebenbei bemerkt bedeuten, dass wir bereits schon wissen, was mit dem Ich gemeint ist. Mit der Ablehnung dieser Begriffe macht Heidegger darauf aufmerksam, dass jene (Ich, Selbst, Subjekt) keine geeigneten Kandidaten für die Frage „wer das Dasein ist“ darstellen, da diese Begriffe auf dem ontologischen Fundament der Vorhandenheit fussen.[3]

Um eine Alternative anzubieten, arbeitet Heidegger letztendlich mit dem Begriff des Daseins, der sich in seinem Charakter am In-Sein orientiert. Somit umgeht Heidegger ebenfalls eine Subjekt-Objekt-Spaltung, sodass er bei der Beantwortung der Frage, wer das Dasein ist, nicht auf ein allein Existierendes hinweist, sondern auf die Begriffe Mitsein und Mitdasein.[4] Das Dasein ist immer schon mit Anderen, die aber nicht als etwas Vorhandenes oder Zuhandenes verstanden werden dürfen. Vereinfachend zusammengefasst, ist das Mitdasein lediglich anderes Dasein, eben ein Dasein, das ich nicht gerade selbst bin, sondern ein Anderer ist. Und Mitsein ist ein Sein in Hinblick auf dieses andere Sein. Somit sind Mitdasein und Mitsein Momente des Daseins selbst und stellen keine Relationen im Sinne einer einer „Außenwelt“ des Daseins dar.[5]

Zurückkommend auf das Ich - als Substanz - gibt es ein weiteres Argument, weshalb dieses kein Kandidat für die Beantwortung der Frage „wer ist das Dasein“ darstellt. In der phänomenalen Aufweisung ignoriert die Rede die Aussage, dass das Dasein je »Ich« selbst bin, nämlich das ich mich an die Welt verloren habe. Ich selbst bin in einer Verlorenheit, in der ich eigentlich nicht ich selbst bin.[6] Heidegger versucht hiermit erneut aufzuzeigen, weshalb mit der Substantialität nicht gearbeitet werden kann. Deutlich wird ebenfalls, dass er somit den Schlusssatz des ersten Kapitels aus dem 7. Buch der Metaphysik von Aristoteles umdreht. „ w, welche vor alters so gut wie jetzt und immer aufgeworfen und Gegenstand des Zweifels ist, die Frage, was das Seiende ist, bedeutet nichts anderes als, was die Wesenheit [Ousia] ist.“[7] Die Frage nach dem Seienden wird zugespitzt auf die Frage, was ist die Ousia? Und genau diese Frage geht Heidegger umgekehrt an, indem er meint, dass der Mensch überhaupt nicht im Besitz der Möglichkeit ist, eine Antwort auf die Substanz-Frage zu erhalten, sofern er nicht die Seinsfrage selbst, die Frage nach dem Sinn von Sein, grundlegend neu aufgerollt hat. Erst am Abschluss dieser Frage, könnte die Frage nach der Ousia gestellt werden. In Bezug auf die Frage des „Wer ist das Dasein“ bedeutet dies, das eine Substanz an dieser Stelle nicht eingesetzt werden kann.

[...]


[1] Vgl. Heidegger 1967, S. 114 „[...] wer ist es, der in der Alltäglichkeit des Daseins ist?

[2] Luckner 2001, S. 54

[3] Vgl. Heidegger 1967, S. 114 „ Dasein ist Seiendes, das je ich selbst bin, das Sein ist je meines. Diese Bestimmung zeigt eine ontologische Verfassung an, aber auch nur das.

[4] Vgl. Heidegger 1967, S. 114

[5] Vgl. Luckner 2001, S. 54

[6] Vgl. Heidegger 1967, S. 116: „ Das »Ich« darf nur verstanden werden im Sinne einer unverbindlichen formalen Anzeige von etwas, das im jeweiligen phänomenalen Seinszusammenhang vielleicht sich als sein »Gegenteil« enthüllt. Dabei besagt dann »Nicht-Ich« keineswegs so viel wie Seiendes, das wesenhaft der »Ichheit« entbehrt, sondern meint eine bestimmte Seinsart des »Ich« selbst, zum Beispiel die Selbstverlorenheit.

[7] Aristoteles, Metaphysik 1028b

Details

Seiten
5
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656168881
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v191977
Institution / Hochschule
Universität Kassel – Philosophie
Note
1,0
Schlagworte
ansatz frage daseins mitdasein anderen mitsein martin heideggers sein zeit

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Titel: §25 Der Ansatz der existenzialen Frage nach dem Wer des Daseins / §26 Das Mitdasein der Anderen und das alltägliche Mitsein aus Martin Heideggers "Sein und Zeit"