Lade Inhalt...

Triangulation in der selektiven Fernsehnutzung

Forschungsarbeit 2011 21 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Problemstellung

2. Methodenkombination
2.1. Triangulation: Eine Begriffsdefinition
2.2. Zusammenfassung: Vorteile und Kritik an der Triangulation
2.3. Triangulation in der selektiven Fernsehnutzung

3. Das Forschungsprojekt
3.1. Pilotstudie
3.2. Hypothesenbildung, Operationalisierung und Pretest
3.2.1. Pretest
3.3. Die Hauptstudie

4. Diskussion und Ausblick

5. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Problemstellung

DIE MEDIEN SIND AN ALLEM SCHULD - Ihnen wird vorgeworfen, dass sie dramatisieren, fehl- informieren, Jugendliche von der Schule und sonstigen Pflichten abhalten oder gar durch ge- walttätige Inhalte zu Verbrechen wie Amokläufe anleiten. Dies sind nur einige der Vorwürfe, denen sich die unterschiedlichsten Medien - von Tageszeitung, Fernsehen, Radio bis hin zu TV und Computer/Internet - tagtäglich ausgesetzt sind. Dabei stehen Audiovisuelle Medien besonders im Brennpunkt.

Die Medienwirkungsforschung, die „intensive sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Effekten der modernen Medien“ (Bonfadelli, 2004, S. 9), geht diesen Vorwürfen auf den Grund und erfreut sich daher einer wachsenden, praxisorientierten Nachfrage von Seiten der Medien selbst, aber auch z.B. von Staat und Politik, Wirtschaft oder Pädagogik. Die Erfor- schung von Medienwirkungen greift allerdings zu kurz, wenn sie sich lediglich auf die Hand- lungsfolgen, sprich, die äußeren Auswirkung konzentriert. So sind bereits die Prozesse, die sich vor einer Handlung abspielen, relevant. Beispiele für derartige, innere Auswirkungen, welche durch die Medien hervorgerufen werden, sind Wissenszuwachs, die Verarbeitung von realen Ereignissen bis hin zu Einstellungsänderungen. Aufgabe der kommunikationswissenschaftli- chen Forschung ist es daher, diese und andere Prozesse beim Rezipienten, welcher häufig als „Black-Box“ betrachtet wird, transparent werden zu lassen und schließlich zu erklären. Das Se- minar „Methoden der Rezeptions- und Wirkungsforschung“ im Wintersemester 2010/11 des Masterstudiengangs Medien und Kommunikation fokussierte hierbei die kognitiven Prozesse bei der Rezeption von Filminhalten.

Der vorliegende Bericht soll die Arbeit innerhalb dieses Seminars dokumentieren. Diese glie- dert sich in zwei übergeordnete Teile. Der erste, theoretische Teil widmet sich dem Thema Tri- angulation, die das Ziel hat, durch die Kombination verschiedener Methoden möglichst valide Ergebnisse sowie einen höheren Erkenntnisgewinn, als er durch die Verwendung einer einzi- gen Methode möglich wäre, zu erhalten. Anschließend werden die Vorgehensweisen bei solch einer Methodenkombination sowie die damit einhergehenden Vorteile anhand einer Studie zur selektiven Fernsehnutzung von Bilandzic (2002) aufgezeigt. Im zweiten Teil wird die Studie beschrieben, die von der Dozentin Anne Bartsch innerhalb des genannten Studiensemesters durchgeführt wurde und an der die Studierenden maßgeblich mitwirkten. Der Forschungs- bericht endet mit einer Diskussion, welche die zentralen Aspekte der Studie zur Kognition bei emotionalen Erlebnisinhalten aufgreift und teilweise in Bezug zum theoretischen Teil setzt.

2. Methodenkombination

Im nachfolgenden Abschnitt soll auf die theoretischen Grundlagen zur Methodenkombina- tion eingegangen werden, die bereits Gegenstand des Referats im entsprechenden Seminar darstellte. Dabei soll zunächst eine Begriffsdefinition erfolgen, ehe die verschiedenen Trian- gulationstypen dargestellt werden. Der zweite Teil der theoretischen Abhandlung fokussiert ein konkretes Beispiel für ein mehrmethodisches Forschungsdesign einer Studie, welche die Erklärung von individuellen Handlungsmustern bei der selektiven Fernsehnutzung zum Ziel hatte.

2.1. Triangulation: Eine Begriffsdefinition

Der Begriff der Triangulation stammt ursprünglich aus der Landvermessung und bezeichnet eine Strategie, um von verschiedenen Bezugspunkten aus die exakte Position eines Objek- tes zu bestimmen (Flick, 2007, S.282). Nach Denzin (1978, S.291) stellt die Triangulation eine „Kombination von Methodologien bei der Untersuchung desselben Phänomens“ dar. Bei die- sem Vorgang werden demzufolge unterschiedliche methodische Zugänge vereint, indem bei- spielsweise eine qualitative Methode (Beobachtung) mit einer quantitativen Methode (Frage- bogen) kombiniert wird. Darüber hinaus sind noch weitere Varianten zur Kombination beider Forschungsparadigmen denkbar, wobei die letztgenannten wohl die am häufigsten verwen- deten Methoden darstellen. So identifiziert Bryan (2004) elf Möglichkeiten zur (Kombination) qualitativer und quantitativer Forschung, auf die an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden kann. Den Ausgangspunkt für die Vereinigung von den Forschungsparadigmen bil- det die sich erst seit einigen Jahren konstatierende Ansicht, „dass qualitative und quantitative Methoden eher komplementär denn als rivalisierende Lager betrachtet werden sollten“ (Flick, 2007, S.75). Mittels der Triangulation wird demnach eine gewisse Offenheit gegenüber dem bisher noch nicht verwendeten Forschungsparadigma (also entweder der qualitativen oder der quantitativen Methoden) in „wissenschaftlichen Milieus, die bisher sehr einseitig auf die Methodentradition bezogen sind“ (Kelle, 2007, S. 214) angestrebt.

Bezüglich des zeitlichen Ablaufes der Methodenkombination ist es denkbar, die verschiedenen Methoden entweder parallel im Forschungsverlauf oder nacheinander einzusetzen. Die Daten werden anschließend getrennt ausgewertet und verglichen. Dabei können die aus der Me- thodenkombination resultierenden Ergebnisse entweder übereinstimmen, sich gegenseitig ergänzen - d.h. komplementär zueinander verhalten oder gar grundsätzlich divergieren. Ob- schon die Vermutung nahe liegt, dass die Übereinstimmung von Daten in der Erwünschtheit des Forschers liegt, rechtfertigen gerade die letzten beiden Varianten die Durchführung einer Triangulation (Flick, 2007, S. 284), da auf diese Weise ein erheblich höherer Erkenntnisgewinn zu erwarten ist. Ein beim Vergleich beider Datensorten auftretender Widerspruch liefert bei- spielsweise Anhaltspunkte für ein fehlerhaftes methodisches Vorgehen oder ein fragwürdiges theoretisches Konzept (Kelle, 2007, S. 246 f ). Im schlimmsten Fall kann er sogar zur Falsifikation führen (Prein, Kelle & Kluge, 1993). Nach Verfolgung dieser Hinweise kann eine Modifizierung beider Konzepttypen stattfinden. Eine weitere und mittlerweile sehr gängige Vorgehensweise zur Datenintegration stellt die Verwendung der Ergebnisse einer „qualitativen Teilstudie für die Konstruktion des standardisierten Instrumentes einer quantitativen Teilstudie“ (Kelle, 2007, S. 250) dar. Die qualitative Methode wird demzufolge explorativ eingesetzt, um generell mehr Aufschluss über die weitere Forschung zu bekommen. Auf diese Weise kann eine genauere Operationalisierung sowie eine Schärfung der Messinstrumente erfolgen, was die Reliabilität der Untersuchung erhöhen kann. Prein et al. (1993, S. 27) erklären sich diesen eindeutigen Mehrwert durch qualitative Verfahren so folgendermaßen:

„ Der Einsatz qualitativer Verfahren erm ö glicht in zahlreichen Fällen, subjektive Sinnsetzun- gen, Relevanzhorizonte und Handlungsorientierungen der Akteure im empirischen Material zu entdecken,über die der Forscher zuvor keine theoretisch begründeten Annahmen besa ß und die er deswegen auch nicht bei der Konstruktion von Erhebungsinstrumenten berück- sichtigen kann. “

Jedoch lässt diese Art der Kombination beider Forschungsparadigmen ein gewisses Ungleich- gewicht entstehen. So liegt ein eindeutiger Schwerpunkt auf der quantitativen Teilstudie, „während der qualitativen Teilstudie die Aufgabe zugedacht ist, diese zu ergänzen oder be- stehende Unklarheiten aufzuklären“ (Kelle, 2007, S. 250 f ). Zusammengefasst bietet also die qualitative Methode den Vorteil eines ganzheitlichen Herangehens, indem sie neue Erkennt- nisse hervorbringt als auch den Kontext der geplanten Forschung erfasst, während es die quantitative Methode schließlich ermöglicht, zu standardisieren und „messbare“ Ergebnisse wie Häufigkeitsverteilungen zu liefern (Treumann, 2005). Daneben eigenen sich quantitative Methoden besonders zur Erklärung von äußeren Bedingungen, während mit Hilfe qualitativer Verfahren innere Faktoren erfasst werden können (Kelle, 2007, S. 216). Auf diesen resultieren- den Mehrwert wird im nachfolgenden Teil anhand der Studie zur Erklärung von Handlungs- mustern bei der selektiven Fernsehnutzung eingegangen.

Eine Methodenkombination zeichnet sich jedoch nicht nur durch diesen Aspekt (Kombination qualitativer und quantitativer Methoden), sondern durch eine ganze Reihe anderer Faktoren aus. Neben dem bereits erläuterten Einsatz von mindestens zwei unterschiedlichen Methoden während derselben Untersuchung (between-method) ist ebenso eine Verknüpfung innerhalb einer einzigen Methode (within-method) möglich. Ein Beispiel hierfür wäre die Aufnahme von verschiedenen Subskalen in einem Fragebogen (Treumann, 2005). Triangulation kann ebenso als die Einnahme von unterschiedlichen Perspektiven in Hinblick auf den Untersuchungsge- genstand aufgefasst werden (Flick, 2007). In diesem Zusammenhang wird der Begriff „Theo- rien-Triangulation“ angeführt. Daneben führt Flick die Kombination verschiedener Forscher (Investigator-Triangulation), welche ähnlich der Kombination zwischen einer oder mehreren Methoden und anschließendem Vergleich, bezweckt, zu allgemeingültigeren, der Wahrheit am nächsten kommenden Ergebnissen zu gelangen. Beispielsweise können gerade bei Aus- wertungsmethoden wie der qualitativen Inhaltsanalyse durch subjektive Auffassungen und Vorgehensweisen ganz unterschiedliche Ergebnisse hervorgebracht werden. Mehrmaliges Codieren durch verschiedene Personen, ein daran anschließender Vergleich sowie eine ste- tige, angepasste Operationalisierung können diese, der Subjektivität geschuldeten Fehler ausgleichen bzw. vollständig beheben. In diesem Forschungsbericht wird unter dem Begriff „Triangulation“ die Kombination zweier verschiedener Methoden verstanden, wobei die Kom- bination von Methoden innerhalb desselben Forschungsparadigmas an dieser Stelle (wie schon im entsprechenden Seminar) als Triangulation im weiteren Sinne; zwischen verschiede- nen Forschungsparadigmen als Triangulation im engeren Sinne aufgefasst wird.

2.2. Zusammenfassung: Vorteile und Kritik an der Triangulation

Die Ansprüche an eine empirische Kommunikationsforschung sind sehr hoch. Dies ist neben dem generellen Anspruch von Seiten der Forscher, auf die Ansprüche von bspw. Wirtschaft oder Staat, welche die Durchführung gewisser Studien finanziell fördern und demnach eine Art Legitimationsdruck ausüben, zurückzuführen. Z.B. gilt es, den sozialen Kontext, in dem die Untersuchung durchgeführt wurde, möglichst realistisch abzubilden. Nicht zuletzt soll garantiert werden, dass die Wirkung der unabhängigen auf die unabhängige Variable möglichst präzise kontrolliert wird. Nach Treumann (2005) lassen sich alle genannten Intentionen niemals mittels einer Methode gleichermaßen verwirklichen.

Eine Methodenkombination birgt - wie schon oben angeführt - das Potential, eine Steige- rung bezüglich der Validität und Reliabiltät der Ergebnisse zu erzielen. Gleichermaßen wird die Wahrscheinlichkeit der Generalisierung der Ergebnisse erhöht. Die ursprünglich von Den- zin (1970) beschriebene und von Kelle & Erzberger (1999) als Konvergenzmodell betitelte Intention, mittels eines Mehrmethodeneinsatzes gültigere Ergebnisse zu erzielen wurde al- lerdings mittlerweile von Treumanns Komplementaritätsthese abgelöst. Diese besagt, dass die Methodentriangulation vielmehr dazu in der Lage ist, breitere, vielfältigere und tiefere Erkenntnisse über die untersuchten sozialen Phänomene zu liefern (Treumann, 2005). Somit ist zu beachten, dass eine Triangulation keineswegs in jeder Forschung als „Allheilmittel“ - mit dem Anspruch, möglichst valide, verallgemeinerbare und vielfältigere Ergebnisse zu erhalten - verwendet werden kann und soll. Oft wird der Fehler begangen, sich das Ziel der Erlangung „objektiver Wahrheit“ (Flick, 2007, S. 433) zu stecken und infolgedessen Triangulationen ein- zusetzen. Vielmehr ist Vorsicht geraten, eine zu große Menge an Methoden einzuplanen, um nach deren Durchführung festzustellen, dass diese nicht sinnvoll verknüpft werden können. Eine entscheidende Bedingung sollte daher sein, Kenntnisse über die Stärken, Schwächen und Potentiale jeder eingesetzten Methode zu besitzen, um zu garantieren, dass der Einsatz meh- rerer Methoden in Bezug auf die Bearbeitung der Forschungsfragen gewinnbringender als mit einzelnen Methoden ist (Kelle, 2007).

[...]

Details

Seiten
21
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656169550
ISBN (Buch)
9783656169901
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v192063
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,7
Schlagworte
triangulation fernsehnutzung

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Triangulation in der selektiven Fernsehnutzung