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Lebenslanges Lernen und berufliche Bildung

Potentiale und Grenzen des europäischen Bildungsprogramms „Leonardo da Vinci“

Hausarbeit 2011 20 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Begriff „lebenslanges Lernen“

3 Entstehung des Programms für lebenslanges Lernen
3.1 Die Einzelprogramme im Überblick
3.1.1 Comenius
3.1.2 Erasmus
3.1.3 Grundtvig
3.1.4 Leonardo da Vinci
3.2 November 2006: Beschlüsse des Europäischen Parlaments
3.2.1 Erwartungen an das Programm
3.2.2 Maßnahmen zur Eingrenzung von Risiken

4 Chancen und Risiken staatlicher Förderprogramme am Beispiel „Leonardo Da Vinci“
4.1 Stärken des Programms für lebenslanges Lernen
4.2 Grenzen und Schwächen bei der Durchführung der Maßnahmen

5 Fazit und Ausblick: Optimierung der Nutzung staatlicher Förderprogramme seitens aller Beteiligten

1 Einleitung

Im Jahr 2007 legten das Europäische Parlament, der Rat und die Kommission die ‚Charta der Grundrechte der Europäischen Union’ vor. Dort heißt es in Arti- kel 14 (1): „Jede Person hat das Recht auf Bildung sowie auf Zugang zur beruf- lichen Ausbildung und Weiterbildung“ und weiter, in Artikel 15 (2): „Alle Unions- bürgerinnen und Unionsbürger haben die Freiheit, in jedem Mitgliedstaat Arbeit zu suchen, zu arbeiten, sich niederzulassen oder Dienstleistungen zu erbrin- gen.“

Um von diesen Rechten Gebrauch machen zu können, müssen jedoch einige Voraussetzungen erfüllt sein. Zu diesen Voraussetzungen zählen unter ande- rem sprachliche und kulturelle Kompetenzen der europäischen Bürger, ein möglichst einheitlicher Bezugsrahmen für berufliche Qualifikationen und die Bereitschaft von Einrichtungen und Unternehmen, innovative Ideen und Verfah- ren der europäischen Nachbarländer in bestehende Bildungs- und Ausbil- dungssysteme zu übertragen. Nur unter diesen Bedingungen können die Her- ausforderungen, die aus einem schnellen gesellschaftlichen und wirtschaftli- chen Wandel resultieren, gemeistert werden und die Wirtschaft Europas wach- sen. Um die oben genannten Voraussetzungen zu schaffen, hat die Europäi- sche Union in der Vergangenheit verschiedene Programme ins Leben gerufen. Im Jahr 2006 wurden bestehende Programme unter dem Dach des ‚Aktions- programms für den Bereich des lebenslangen Lernens’ zusammengefasst.

Ziel dieser Hausarbeit ist es, der Frage nachzugehen, worin die Chancen die- ses Programms liegen, inwieweit diese Chancen ergriffen werden und an wel- chen Punkten die Umsetzung der Maßnahmen an ihre Grenzen stößt. Zugunsten einer flüssigeren Lesbarkeit bezieht sich die maskuline Form von Personengruppen und Berufsbezeichnungen im Folgenden auf beide Ge- schlechter.

2. Der Begriff „lebenslanges Lernen“

Wie die meisten Begriffe, die nicht nur in einem wissenschaftlichen Kontext, sondern ebenso im alltäglichen Sprachgebrauch Verwendung finden, ist auch der Begriff des ‚lebenslangen Lernens’ definitorisch schwer zu fassen. Eduard Lindeman schrieb bereits 1926 in seinem Werk The Meaning of Adult Education: „The whole life is learning, therefore education can have no endings“. Da mit benennt er die zwei zentralen Aspekte, die dem lebenslangen Lernen immanent sind - Learning und Education.

80 Jahre später definiert die Europäische Union den Begriff in ihrem ‚Beschluss über ein Aktionsprogramm im Bereich des lebenslangen Lernens’ vom 15. November 2006 wie folgt: „Im Sinne dieses Beschlusses bezeichnet der Ausdruck […] ‚lebenslanges Lernen’ alle Formen der allgemeinen, der beruflichen und der nicht-formalen Bildung sowie des informellen Lernens während des gesamten Lebens, aus denen sich eine Verbesserung von Wissen, Fähigkeiten und Kompetenzen im Hinblick auf persönliche, staatsbürgerliche, soziale und/oder beschäftigungsbezogene Ziele ergibt.“

Akteure auf dem Arbeitsmarkt, sei es auf Arbeitgeber- oder Arbeitnehmerseite, sehen sich im Zuge der Globalisierung ständigen Veränderungen gegenüber und sind immer wieder genötigt, sich dem raschen Wandel der Märkte anzu- passen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Maßnahmen im Rahmen des Programms Leonardo da Vinci sollen dazu beitragen, die berufliche Mobilität europäischer Bürger zu steigern und lebenslanges Lernen zu fördern.

3. Entstehung des Programms für lebenslanges Lernen

In ihrem ‚Beschluss über ein Aktionsprogramm im Bereich des lebenslangen Lernens’ vom 15. November 2006 legten das Europäische Parlament und der Europäische Rat die Zusammenführung der Bildungsprogramme Sokrates (be- stehend seit 1995) und Leonardo da Vinci (bestehend seit 1999) zu einem Pro- gramm fest, um dem im März 2000 in Lissabon formulierten Ziel, die Europäi- sche Union zum „wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt“ (S. 3) zu machen, näher zu kommen. Mit Hilfe des Programms für lebenslanges Lernen (PLL) sollten und sollen wirtschaftliche Entwicklungen nachhaltig gefördert, die Arbeitsplatzsituation in Europa verbes- sert und die Anerkennung von Qualifikationen möglichst transparent gemacht werden. Durch Koordination und finanzielle Unterstützung fördert das PLL die Mobilität von Einzelpersonen, bi- und multilaterale Partnerschaften und Projekte sowie die Erstellung einheitlicher Qualifikationskriterien für berufliche tenzen. Die Unterteilung des Programms in vier Einzelprogramme soll helfen, den „Besonderheiten der einzelnen Bereiche des Bildungswesens“ (S. 6) Rechnung zu tragen; das zusätzliche Querschnittsprogrogramm sorgt für eine größtmögliche Kohärenz der einzelnen Programme und dient gleichzeitig der Vermeidung von Überschneidungen.

Ein Projekt von der Größenordnung des Aktionsprogramms für lebenslanges Lernen, das länderübergreifend agiert und auf mehrere Jahre angelegt ist, steht zwangsläufig vor großen Herausforderungen. Die vorliegende Hausarbeit möchte sowohl die Chancen hervorheben, die sich Bürgern und Unternehmen durch staatlich organisierte und geförderte Bildungsprogramme bieten, als auch die Risiken und Grenzen beleuchten, an die Teilnehmende und Organistoren bei der Umsetzung stoßen. Entsprechend dem Umfang der vorliegenden Arbeit können nicht alle Stärken und Schwächen des Programms herausgearbeitet werden. Das Augenmerk liegt deshalb insbesondere auf folgenden Aspekten: Wie wird die Finanzierung organisiert? Besteht die Gefahr der Veruntreuung von Geldern? Wie gestaltet sich die Verteilung der Gelder auf die einzelnen Projekte und Maßnahmen?

Desweiteren soll hinterfragt werden, welche Schritte notwendig sind, um Ideen und Ziele der Europäischen Kommission, also des „Überbaus“, auf die Ebene der Endnutzer herunterzubrechen. Auf welchen Wegen gelangen wiederum Vorschläge und Angebote der Nutzer an die Organisatoren und welche Chancen auf Umsetzung haben diese?

Inwiefern berücksichtigt das Programm für lebenslanges Lernen förderbedürftige Personen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen? Kann das Programm die Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen garantieren? Besteht die Tendenz zur Eliteförderung?

Welchen Einfluss hat das Programm auf die Einstellung der Teilnehmer zum lebenslangen Lernen? Lassen sich Einflüsse in dieser Richtung überhaupt er- fassen?

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, werden zunächst die Einzelprogramme vorgestellt. Es folgt eine Übersicht über die wichtigsten Beschlüsse der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2006 sowie der Ergebnisse der Zwischenevaluation 2011. In einem abschließenden Fazit soll dargelegt werden, welche Maßnahmen erfolgreich umgesetzt werden konnten und in welchen Bereichen Verbesserungen vorgenommen werden müssen.

3.1 Die Einzelprogramme im Überblick

Da sich lebenslanges Lernen, wie im vorangegangenen Kapitel beschrieben, auf alle Lebensbereiche erstreckt, soll im Folgenden ein kurzer Überblick über das Programm der Europäischen Union zur Förderung lebenslangen Lernens gegeben werden, das mit vier Einzelprogrammen die Bereiche Schul- und Hochschulbildung, Erwachsenenbildung sowie Berufsbildung abdeckt. Wie der Homepage des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zu entnehmen ist, ist für die Durchführung der Programme für den Zeitraum von 2007 bis 2013 ein Budget von 6,97 Milliarden Euro vorgesehen. Dabei existiert für jedes der vier Einzelprogramme eine Betragsgrenze, die nicht unterschritten werden darf. Entsprechend der hier zu untersuchenden Fragestellung steht das Programm Leonardo da Vinci im Fokus des Interesses.

3.1.1 Comenius

Das Programm Comenius bezieht sich auf den Bereich der Schulbildung. Durch die Unterstützung von Schulpartnerschaften soll die Mobilität von Schülerinnen und Schülern gefördert werden. Aber auch der Lehrerschaft soll es leichter ge- macht werden, an Schulen im europäischen Ausland zu unterrichten. Auf diese Weise können sinnvolle und innovative Lehrmethoden leichter über Landes- grenzen hinweg transportiert und neue Wege des Unterrichtens entwickelt wer- den.

3.1.2 Erasmus

Das Hochschulbildungsprogramm Erasmus richtet sich an Studierende und koordiniert und fördert den Aufenthalt an ausländischen Hochschulen innerhalb Europas sowie seit Kurzem auch Unternehmenspraktika im Rahmen des Studiums. Auch die Mobilität von Dozenten und Dozentinnen soll unterstützt werden, mit dem Ziel, länderübergreifende Lehrpläne zu entwickeln und internationale Kooperationen zu ermöglichen.

3.1.3 Grundtvig

Das Förderprogramm für den Bereich der Erwachsenenbildung wurde im Jahr 2000 in das Gesamtprogramm aufgenommen. Durch Aktivitäten wie Weiterbil dungen, Workshops oder Austauschprogramme werden ältere Menschen, Erwachsene ohne qualifizierende Ausbildung sowie benachteiligte Jugendliche in der Erweiterung ihres Wissens unterstützt.

3.1.4 Leonardo da Vinci

Im Rahmen des PLL deckt das Programm Leonardo da Vinci den Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung ab. Auch hier soll durch Aufenthalte im eu- ropäischen Ausland, Projekte und Partnerschaften die Entwicklung neuer Lehr- und Lernmethoden über nationale Grenzen hinweg gefördert werden. Ähnlich wie im Hoschulwesen werden die Einführung eines Kreditpunktesystems auch in der beruflichen Bildung (ECVET) sowie ein Europäischer Qualifikationsrah- men (EQR) angestrebt.

Die Angebote im Bereich der beruflichen Bildung orientieren sich an den Lehr- und Lernbedürfnisse der beteiligten Akteure sowie an Einrichtungen, die ent- sprechende Bildungsgänge anbieten. Zu den potentiellen Teilnehmern des Programms zählen laut Beschluss der Europäischen Kommission alle Perso- nen, die sich in einem beruflichen Bildungsgang der Tertiärstufe befinden, Lehrkräfte und Ausbilder der entsprechenden Einrichtungen, Unternehmen, Sozialpartner und andere Vertreter des Arbeitslebens, wie beispielsweise Han- delskammern oder Berufsverbände, sowie jede Form von Vereinigungen von in beruflicher Bildung befindlichen Personen, aber auch solche von Eltern oder Lehrkräften.

Neben den allgemeinen Zielen des PLL formulierte die Kommission 2006 auch spezifische Ziele für das Programm Leonardo da Vinci. Hierzu zählt, die Teil- nehmer „beim Erwerb und beim Einsatz von Wissen, Fähigkeiten und Qualifika- tionen zur Förderung ihrer persönlichen Entwicklung, ihrer Beschäftigungsfä- higkeit und ihrer Teilnahme am europäischen Arbeitsmarkt“ (S. 48) zu unter- stützen. Die Umsetzung innovativer Ideen und Projekte im Bereich der berufli- chen Aus- und Weiterbildung, die durch intensivere Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Einrichtungen und Sozialpartnern erreicht werden soll, wird unter anderem durch Finanzierung gefördert. Der Transfer der innovativen Produkte oder Verfahren findet unter Berücksichtigung der kulturellen und rechtlichen Bedingungen des Ziellandes statt. Im Ergebnis soll die Anerkennung von Quali- fikationen, auch im informellen Bereich, transparenter werden. Als eines der operativen Ziele wird die Steigerung der europaweiten Mobilität genannt; durch vorbereitende Maßnahmen in Bezug auf Sprachkenntnisse sowie Betreuung und Unterstützung vor Ort werden mögliche Schwierigkeiten minimiert.

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Details

Seiten
20
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656170358
ISBN (Buch)
9783656171454
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v192201
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Kultur- und Sozialwissenschaften
Note
2,7
Schlagworte
lebenslanges lernen bildung potentiale grenzen bildungsprogramms leonardo vinci

Autor

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Titel: Lebenslanges Lernen und berufliche Bildung