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Die Low-Cost-Hypothese als Erklärungsversuch der Kluft zwischen Umweltbewusstsein und Umweltverhalten.

Hausarbeit 2002 11 Seiten

Soziologie - Sonstiges

Leseprobe

Gliederung der Hausarbeit

1. Einleitung

2. Die Diekmann und Preisendörfer - Studie

3. Die Low - Cost - Hypothese
3.1 Inhalt
Beispiel I: Das Verkehrsverhalten
Beispiel II: Das Supermarktexperiment
3.2 Umweltbewusstsein: Einflussgrößen
3.3 Bemerkungen und Kritik

4. Zusammenfassende Betrachtung

5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Nachdem die Ergebnisse einer grundlegenden Studie von Diekmann und Preisendörfer im Punkt 2 kurz umrissen wurden, folgt im weiteren die Erläuterung ein Ansatzes (Gliederungspunkt 3), welcher versucht die Kluft zwischen dem Umweltbewusstsein und dem tatsächlichen Verhalten der Menschen erklärbar zu machen: die Low - Cost - Hypothese.

Ihr liegt die Annahme zu Grunde, dass menschliches Verhalten vor allem durch Kosten gesteuert wird. Dies bedeutet für die anfangs angeführte Problematik, dass das Umweltverhalten am ehesten in Situationen mit geringen Verhaltenszumutungen oder monetären Kosten vom Umweltbewusstsein beeinflusst werden kann. Um die Low - Cost - Hypothese zu veranschaulichen, stelle ich des weiteren zwei Untersuchungen mit Beispielcharakter vor. Im Unterpunkt 3.1 werden Variablen vorgestellt, die das Umweltbewusstsein beeinflussen können. Danach folgen im Punkt 3.2 Bemerkungen und Kritik zum Thema. Den Abschluss dieser Arbeit bilden eine zusammenfassende Schlussbetrachtung und die Quellenangaben.

2. Die Diekmann - Preisendörfer - Studie

Diekmann und Preisendörfer führten 1990 und '91 eine parallele Befragungen in Bern und Wien mit insgesamt 1357 Personen durch. Dabei wurden die Befragten per Zufall ermittelt und telefonisch über ihre Umwelteinstellungen und ihr tatsächliches Umweltverhalten befragt. Die These, die der Studie zu Grunde lag war, dass auf der Basis individueller Kosten - Nutzen - Erwägungen positive Umwelteinstellungen nur dort wirksam werden könnten, wo die

" Kosten " für Verhaltensänderungen für den einzelnen gering ausfallen.[1]

Die Ergebnisse, welche in Bern und Wien ähnlich ausfielen, zeigten, dass es sich beim Umweltbewusstsein um eine heterogene Angelegenheit handelt, d.h. umweltschonende Handlungen verteilen sich nicht gleichmäßig auf verschiedene Bereiche, sondern sind unterschiedlich ausgeprägt. Weiterhin wurde erneut nachgewiesen, dass eine Kluft zwischen Umweltbewusstsein und Umweltverhalten existiert. Das daraufhin entwickelte Pfadmodell veranschaulicht die Kluft und deren Ursachen nur mangelhaft. Um diesem Sachverhalt besser gerecht zu werden, gliederten Diekmann und Preisendörfer das Umweltverhalten in vier Sektoren: Verkehrsverhalten, Abfall, Energie und Einkauf.[2]

Die Ergebnisse verwiesen darauf, dass zwar der überwiegende Teil der Bevölkerung über ein ausgeprägtes Umweltbewusstsein verfügt, dies aber nicht bedeuten muss, dass auch entsprechend umweltgerecht gehandelt wird. Dies zeigt sich vor allem in den Bereichen Verkehrsverhalten und Energie, in denen umweltschädigendes Verhalten aus verschiedenen Gründen, auf die ich im Folgenden noch eingehen werde, überwiegt.

3. Die Low - Cost - Hypothese

3.1 Inhalt

Die Low - Cost - Hypothese ist ein verhaltenspsychologischer Ansatz, der die Kluft zwischen Umweltbewusstsein und Umweltverhalten vor dem Hintergrund des Rational Choice erklären will. Ihr liegt die Annnahme zu Grunde, dass menschliches Verhalten vor allem durch Kosten gesteuert ist.[3] Genauer formuliert bedeutet dies, dass positive Umwelteinstellungen das Umweltverhalten bevorzugt in Situationen beeinflussen, welche mit vergleichsweise geringen Kosten bzw. Verhaltenszumutungen verknüpft sind.[4]

Kosten bezeichnen hierbei nicht nur monetäre Aufwendungen, sondern vor allem Verhaltensänderungen, welche durch umweltschonendes Verhalten von den einzelnen Akteuren verlangt werden. So verursachen umweltfreundliche Verhaltensweisen im Einkaufs- oder Abfallbereich weniger Bemühungen als in anderen Bereichen. Diese sogenannten Low - Cost - Situationen sind im Verhalten der Personen schon internalisiert und durch Wertauffassungen begründet ( easy - to - perform actions). Sie bilden sozusagen eine Alltagsnorm. Beispiel dafür sind das sparsame Verhalten im Umgang mit warmen Wasser oder Heizenergie. Dem gegenüber stehen High - Cost - Situationen. Diese sind meist mit einmaligen finanziellen Ausgaben größerer Art verbunden und werden durch rationale Überlegungen gesteuert. Hierbei spielen umweltbewusste Überlegungen eine eher untergeordnete Rolle. Beispiele dafür sind die Modernisierung des Heizsystems oder die Abdämmung eines Hauses.[5]

Um die auffälligen Diskrepanzen zwischen dem Umweltverhalten und Umwelteinstellungen zu kompensieren bzw. das individuelle Umweltgewissen zu beruhigen, versuchen die meisten Akteure kostspielige umweltbezogene Verhaltensweise durch weniger kostspielige zu substituieren.[6]

[...]


[1] van Haan und Kuckartz: Umweltbewusstsein. Denken und Handeln in Umweltkrisen. Opladen: Westdeutscher Vlg, 96. S. 121-125.

[2] Ebd. S. 123

[3] Franzen, Axel: Trittbrettfahren oder Engagement? Überlegungen zum Zusammenhang zwischen Umweltbewusstsein und Umweltverhalten. In: Diekmann/Franzen. Kooperatives Umwelthandeln. Chur/Zürich: Rüegger, 1995. S.133

[4] AG Preisendörfer/Diekmann Prognos: Wertewandel und Verkehrsverhalten.1999. S. 58

[5] van Haan und Kuckartz ,96 S. 123

[6] AG Preisendörfer/Diekmann, 99. S. 60

Details

Seiten
11
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638234023
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v19228
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Soziologie
Note
2
Schlagworte
Low-Cost-Hypothese Erklärungsversuch Kluft Umweltbewusstsein Umweltverhalten

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Titel: Die Low-Cost-Hypothese als Erklärungsversuch der Kluft zwischen Umweltbewusstsein und Umweltverhalten.