Lade Inhalt...

Tiergestützte Therapie bei Demenz

Hausarbeit 2010 16 Seiten

Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Definition und Symptomatik dementieller Erkrankungen

Entwicklung und Definition der tiergestützten Therapie

Theoretische Erklärungsmodelle der Mensch-Tier-Beziehung

Tiere und ihre positive Wirkung auf den Menschen

Die Bedeutung von Tieren für Menschen mit Demenz

Studienanalyse

Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Der demographische Wandel ist geprägt durch die stetig wachsende Zahl älterer Menschen. Dabei stellt vor allem die Betreuung und Versorgung alter Menschen mit physischen und psychischen Erkrankungen eine besondere Herausforderung dar. Die Hälfte der Pflegeheimbewohner ist heutzutage an Demenz erkrankt (Weyerer, 2005, zitiert nach Hegedusch/Hegedusch, 2007). Der Heimalltag ist häufig geprägt durch ein beziehungsloses Nebeneinander, Isolation und Rückzug. All dies hat einen negativen Einfluss auf das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Bewohner. In vielen Fällen erschwert die dementielle Erkrankung durch den zunehmenden Verlust kognitiver Fähigkeiten die verbale Kommunikation, die Kontaktaufnahme und den Beziehungsaufbau zu den Betroffenen. Studien über die Interaktion zwischen Mensch und Tier haben gezeigt, dass Tiere die Möglichkeit bieten, über die Ansprache aller menschlichen Sinne Kontaktprozesse zu initiieren, die sich wiederum positiv auf den gesundheitlichen, kognitiven, sozialen und emotionalen Status dementiell erkrankter Menschen auswirken (Hegedusch/Hegedusch, 2007). Auf diesem Weg erscheint es möglich, mit den Dementen, die oft in ihrer Welt versunken leben, mit Hilfe von Tieren intensiver in Interaktion zu treten. Die Fragestellung, mit der sich diese Arbeit beschäftigt, lautet daher, ob und wieso von Tieren eine besondere Wirkung ausgeht, über welche gesundheitsfördernden Potentiale sie verfügen und ob diese die Lebensqualität und das Wohlbefinden der dementiell Erkrankten positiv beeinflussen können. Aufgrund des beschränkten Umfangs der Arbeit kann hier nur ein Überblick über die verschiedenen Themenbereiche gegeben werden.

Definition und Symptomatik dementieller Erkrankungen

Dementielle Erkrankungen gehören zu den häufigsten und folgeschwersten psychiatrischen Störungen im höheren Alter und sind häufig der Grund für eine Pflegebedürftigkeit. Ihre Prävalenz und Inzidenzraten steigen mit wachsendem Alter. Demnach liegt die Prävalenzrate aktuell bei 65-69jährigen bei ca. 1,2% und verdoppelt sich etwa alle fünf Lebensjahre (Hauser, 2005). Die Inzidenzrate der Demenz liegt im Durchschnitt bei jährlich 20.000 Menschen (Bickel, 2002, zitiert nach Hauser, 2005). Die derzeit verwendeten klinischen Diagnosemanuale ICD-10 und DSM-IV beschreiben beide als wesentliches Merkmal der Demenz die Abnahme multipler kognitiver Funktionen, dazu zählen das Gedächtnis, das Denken, die Orientierung, das Auffassungsvermögen, die Rechenfähigkeit, Lernfähigkeit, Sprache und das Urteilsvermögen. Zu den Diagnosekriterien des ICD-10 gehören des Weiteren affektive Symptome und Verhaltensauffälligkeiten sowie eine Beeinträchtigungsdauer auf die Aktivitäten des täglichen Lebens von mindestens sechs Monaten. Das Bewusstsein ist nicht getrübt. Die kognitiven Beeinträchtigungen werden gewöhnlich von Veränderungen der emotionalen Kontrolle, des Sozialverhaltens und der Motivation begleitet. Die Folgen dieser degenerativen Erkrankung des Gehirns sind daher häufig Beeinträchtigungen der selbstständigen Bewältigung von sozialen und beruflichen Funktionen. Auch die Informationsverarbeitung und damit die Fähigkeit zur Gesprächsführung werden mit fortschreitender Krankheit immer eingeschränkter. Es können verschiedene Demenzformen unterschieden werden, die am häufigsten auftretende Form der Demenz ist vom Alzheimer-Typ.

Meist ist die Erkrankung nicht oder nur eingeschränkt therapierbar. Zu unterscheiden sind hierbei die medikamentöse Therapie und die nicht- medikamentöse Therapie. Die Ziele sind jedoch dieselben: eine Linderung der Symptomatik sowie die Verzögerung des fortschreitenden degenerativen Prozess.

Entwicklung und Definition der tiergestützten Therapie

Tiere sind seit jeher ein enger Freund und Gefährte für den Menschen, sodass sich zwischen ihnen eine enge emotionale Bindung entwickelt hat. Aufgrund der Erkenntnisse aus der Psychologie kann man davon ausgehen, dass für sichere und stabile Bindungen Vertrauen, Achtung und Zuneigung eine wichtige Rolle spielen und wichtig für die menschliche Psyche und Gesundheit sind. Sie bilden die Basis für die Entwicklung von Gefühlen und sozialen Kompetenzen. Nach Bergler (2000) vermitteln das Streicheln und Berühren des Tieres, Gespräche sowie auch Beobachten ein Gefühl von Sicherheit, Intimität und Beständigkeit. Dies fördert die positive Wirkung auf das Wohlbefinden und die Gesundheit. Tiere werden somit als Bindungspartner verstanden, deren therapeutische Wirkung sich in komplexen Beziehungsprozessen entfaltet. Im Zuge des wachsenden wissenschaftlichen Interesses an der Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung kam es zu einer Vielfalt an Begrifflichkeiten, die diese beschreiben sollten. 1977 wurden mit der Gründung der Delta Society (2010) erstmals Standards und Richtlinien eingeführt, sodass anhand der Rolle von Tieren zwei Bereiche unterschieden werden können. Einerseits die Animal-assisted Activities, welche sich durch das ungezwungene, spontane Zusammentreffen von Tier und Mensch auszeichnen. Hierbei wird im Zusammensein kein bestimmtes Ziel verfolgt. Den zweiten Bereich bildet die Animal-assisted Therapy, in der das Tier als integraler Bestandteil des therapeutischen Konzeptes und des Behandlungsprozesses verstanden wird. Des Weiteren legte die IAIHIO (International Association of Human-Animal Interaction Organization) 1998 fest, dass zur tiergestützten Therapie und zu tiergestützten Aktivitäten nur domestizierte Tiere herangezogen werden sollen.

Theoretische Erklärungsmodelle der Mensch-Tier-Beziehung

Im Laufe der Erforschung der besonderen Beziehung zwischen Mensch und Tier entwickelten sich unterschiedliche Erklärungsansätze. Zu den bekanntesten gehören der evolutionstheoretische Ansatz der Biophilie-Hypothese, die tiefenpsychologische Perspektive sowie die Aspekte des Anthropomorphismus und der Du-Evidenz, auf die ich im Folgenden kurz eingehen werde.

Der aus der Soziobiologie stammende Begriff der Biophilie wurde vor allem von Edward O. Wilson geprägt. Wilson postulierte die Grundthese, dass Menschen sich aufgrund ihres angeborenen Interesses zu anderen Lebewesen und zu der Natur hingezogen fühlen. Dazu zählen auch Landschaften, Ökosysteme und Habitate, die selbst nicht lebendig sind, aber Leben ermöglichen (vgl. Olbrich 2003). Diese aus der Biophilie begründete physische, emotionale und kognitive Hinwendung zu Leben und Natur spielt eine bedeutende Rolle in der gesunden psychischen Entwicklung des Menschen.

Die tiefenpsychologischen Ansätze beziehen sich vorwiegend auf innerpsychische, unter dem Bewusstsein liegende Prozesse. Dabei wird davon ausgegangen, dass eine kindliche, umfassende Verbundenheit zur lebendigen Natur und Tieren besteht, die persönlichkeitsformend ist und durch fehlende Reflexion und „eine noch nicht vorrangig kognitive Konstruktion des eigenen Lebensraumes innerhalb kulturell vorgegebener Schemata“ (Hegedusch/Hegedusch, 2007) begründet ist. Es wird vermutet, dass die Verbundenheit zu Tieren durch die kulturelle Entwicklung und zivilisatorische Prägung überlagert wird und erst im Alter durch das Nachlassen der kognitiven Fähigkeiten wieder empfunden wird.

Der Begriff des Anthropomorphismus beschreibt im Allgemeinen das Zusprechen menschlicher Eigenschaften auf „Nicht-Menschliches“, wie z.B. Tiere, Götter oder Naturgewalten. Die Beziehung zum Tier basiert nach diesem Ansatz darauf, dass im Gegenüber ausreichende Gemeinsamkeiten in Lebens- und Gefühlsäußerungen mit sich selbst entdeckt werden. Dies verleite den Menschen dazu, mit dem Tier in Kontakt zu treten.

[...]

Details

Seiten
16
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656172673
ISBN (Buch)
9783656172994
Dateigröße
771 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v192364
Institution / Hochschule
Universität Wien
Note
1
Schlagworte
tiergestützte therapie demenz

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Tiergestützte Therapie bei Demenz