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In welcher Weise wird durch das Stationspersonal, infolge nicht situationsgerechter Kommunikation das Verhalten und Erleben des Patienten auf der Intensivstation beeinflusst?

Welche Mittel stehen mir als Krankenpflegekraft zur Verfügung, damit dieser Zustand vermieden werden kann?

Facharbeit (Schule) 2011 15 Seiten

Medizin - Krankenhauswesen, Klinische Medizin

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Fallbeschreibung

1.1. Begründung der Fallauswahl
1.2. Patientendaten und Anamnese
1.3. Problemsituation
1.4. Fragestellung

2. Fallbearbeitung
2.1. Darstellung der Vorgehensweise
2.2. Darstellung der Ergebnisse
2.3. Auswertung der Daten
2.4. Ergebnisse

3. Bewertung und Implementierung
3.1. Bewertung der Arbeit
3.2. Möglichkeiten der Umsetzung

4. Literaturverzeichnis
4.1 Standardwerke
4.2 Aufsätze in Herausgeberwerken
4.3 Aufsätze in Zeitschriften, Pflegeleitfäden
4.4 Quellen aus dem Internet

1. Fallbeschreibung

1.1 Begründung der Fallbeschreibung

Bevor ich meine Fachweiterbildung für Anästhesie - und Intensivpflege begann, habe ich auf einer Neurologischen Intensivstation gearbeitet. Im Rahmen meiner Weiterbildung arbeite ich derzeitig auf einer medizinischen Intensivstation der Uniklinik Freiburg. Der Alltag in einem Kran- kenhaus - insbesondere auf einer Intensivstation - kann laut und hektisch sein und von weiteren Faktoren negativ beeinflusst werden. Strukturelle Bedingungen machen die Versorgung mehrerer Patienten in einem Raum erforderlich und begünstigen die Tatsache, dass viele verschiedene Personen- und Berufsgruppen auf engem Raum zusammen arbeiten und kommunizieren. Nicht selten werden die Pausenzeiten in Reichweite der Patientenbetten verbracht…

In allen Bereichen, die ich bisher kennengelernt habe, sind klassische kommunikative Phänome- ne zu beobachten, denen oft zu wenig Beachtung geschenkt wird und damit im alltäglichen Ge- schehen untergehen. Gemeint sind paradoxe Verhaltensweisen der Patienten wie Angstzustände, Nesteln oder Sich-an-der-Pflegekraft-festhalten. Diese signalisieren, dass selbst im tief sedierten Zustand (RASS -2-4) äußere Einflüsse wahrgenommen werden, die später oft nur nebulös und von der Realität entrückt wiedergegeben werden können. Diesem Kuriosum werde ich im Rah- men meiner Facharbeit nachgehen, erläutern und versuchen, Erklärungsansätze zu geben.

1.2 Patientendaten/ Anamnese

1.2.1 Soziale Anamnese

Frau X. (Name geändert) ist 58 Jahre alt, verheiratet und hat Kinder. Besuch kann aufgrund des langen Anfahrtswegs nur unregelmäßig kommen. Geistig gesund, jedoch körperlich eingeschränkt (siehe 1.2.2), wurde Frau X. aufgrund von rezidivierenden Fieberschüben zunächst in einer heimatnahen Klinik aufgenommen.

1.2.2 Medizinische Anamnese

- Lymphom (Stadium IV bei Befall Liquor und Knochenmark, generalisierte Lymphadeno- pathie)
- Respiratorische Insuffizienz mit Vigilanzminderung
- Intubation, im Verlauf fiberoptische Umintubation
- Dilative Tracheotomie
- SIRS/ SEPSIS
- Akutes Nierenversagen
- Nierenparenchym-Tumor

Vorerkrankungen

- Diabetes mellitus Typ 2
- Arterieller Hypertonus
- Z.n. mehrfacher Cholezystolithiasis, eitrige Cholangitis
- GERD, Refluxösophagitis Grad I
- Z.n. Hysterektomie
- Z.n. Schlittenprothese Knie links
- Gonarthrose rechts
- Herzrhytmusstörungen

1.2.3 Pflegeanamnese

Frau X. hat bereits einen dreiwöchigen Intensivaufenthalt hinter sich und ist aktuell tracheotomiert. Die wechselweise augmentierte bzw. mandatorische Beatmung wird begleitet von einer Analgo- sedierung mit Paracefan, Propofol und Sufenta in niedriger Dosierung. Sowohl zur Überprüfung der Vigilanz und des neurologischen Status als auch zur Teilnahme am Umweltgeschehen sowie Erleben ihrer Umwelt wird ein RASS-Score (Richmond-Agitation-Sedation-Scale) / Tag von -3 bis -1/0 angestrebt. Die Patientin versucht zu sprechen und kann schreiben.

1.3 Problemsituation

Ich übernahm Frau X. zum Nachtdienst. Obwohl ich sie zuvor nie betreut hatte, kannte ich sie vom gemeinsamen Betten und Lagern mit Kollegen und konnte beobachten, auf welche Weise sie kommuniziert.

Zur Situation: Ich stellte mich Frau X. vor, erkundigte mich nach ihrem Wohlbefinden und prüfte ihre Orientierung. Sie kommunizierte schriftlich. Desweiteren fragte ich, ob sie müde sei oder etwas zum Schlafen brauche. Sie reagierte erschrocken, ängstlich und misstrauisch: Sie wollen mich doch nur austricksen. „ Ich will noch nicht sterben, ich will leben und morgen wieder aufwachen. Sie sagten, es muss auch mal Schluss sein. “

Es muss auch mal Schluss sein - der Satz galt Tage zuvor einem anderen Adressaten.Scheinbar war sich Frau X. der Situation bewusst, im Krankenhaus zu sein; dass sich weitere Patienten im Zimmer befinden, schien sie nicht zu wissen. Ich klärte sie darüber auf. Dieses Beispiel verdeut- licht die Wichtigkeit zielgerichteter Ansprache und klare Ausdrucksformen insbesondere in dieser Umgebung.

1.4 Fragestellung

In welcher Weise wird durch das Stationspersonal infolge nicht situationsgerechter Kommunikati- on das Verhalten und Erleben des Patienten auf der Intensivstation beeinflusst? Welche Mittel stehen mir als Krankenpflegekraft zur Verfügung, damit dieser Zustand vermieden werden kann?

2. Fallbearbeitung

2.1 Darstellung der Vorgehensweise

Bei der Literaturrecherche zu dieser Thematik stellte ich zwar fest, dass diesbezüglich in der Theorie viel geschrieben wurde, in der Praxis jedoch viel zu selten adäquate Kommunikationsformen umgesetzt werden und die Kommunikation an der Schnittstelle Patient -Pflege ein noch unbeantwortetes Problem darstellt.

Zur Klärung dieser Problematik bedarf es daher neben der Auseinandersetzung mit verschiede- nen Kommunikationsmustern der Annäherung an die Begriffe Wahrnehmung und Bewusstsein, um einschätzen zu können, wie bewusstseinsgetrübte Patienten den Aufenthalt auf einer Intensiv- station erleben.

2.2 Darstellung der Ergebnisse aus den vier Quellen einer beweisbaren Praxis

2.2.1 Forschung/ Literaturrecherche

„Man kann nicht nicht kommunizieren. Kommunikation findet immer statt, wo Menschen als soziale Wesen zusammen sind. Unser Körper verrät uns.“ (Watzlawick, P. et.al.1974, S. 53) Kommunikation, egal ob verbal oder nonverbal, ist ein nicht ganz zu unterschätzendes “Experiment“. Schnell kann es zwischen Rezipient und Perzipient aufgrund von Fehlinterpretationen zu Missverständnissen kommen, selbst zwischen gesunden Menschen.

Verbale Kommunikation bezieht sich ausschließlich auf sprachliche Informationsübertragung, welches einen Gesprächsprozess in vier Ebenen einteilt. (Schulz von Thun1981, S.30) In welcher Weise wird ein Patient in Verhalten und Erleben durch Kommunikation verändert?

- eine Sachinformation
- eine Selbstkundgabe
- einen Beziehungshinweis
- einen Appell

„Nonverbale Kommunikation [hingegen] ist die älteste Form zwischenmenschlicher Verständigung und ist der Teil menschlicher Kommunikation, der sich durch Gestik, Mimik und andere optische Zeichen ausdrückt. Gesichtsausdruck und Körpersprache passen zum Inhalt der Aussage oder verraten etwas ganz anderes.“ (http://www.nonverbale-kommunikation.info/definition.php) Wie aber kommuniziert ein Patient, der sich in einem eingeschränkten Bewusstseinszustand be- findet? Es ist beschrieben, dass wir mit 55% intuitiv eher auf die Körpersprache und gerade einmal 38% auf die Stimmlage reagieren (Sponring, H.2006: S.148). Aufgrund der hohen Belastung mit der Folge von Schlafdeprivation und eingeschränkter Kommunikationsfähigkeit durch Sedierung und Intubation können Sinneserregungen wie Ohnmacht, Angst und Verwirrung erzeugt werden, heißt es in dem Artikel „Wie erleben postoperative, herzchirurgische Patienten die pflegerische Versorgung auf der Intensivstation?“. Desweiteren schreibt die Autorin, dass diese Einschränkung der Selbstständigkeit Depressionen begünstigt sowie die Überlastung durch Akustik des Moni- torings bei sensorischer Deprivation, also einem Mangel an Außenreizen (Farben, Geräusche, Mitmenschen, Gespräche), zu Halluzinationen und Denkstörungen führen kann (Roth-Isigkeit, A. 2001, S.24ff).

Nach einem Modell von Fröhlich und Bienstein (Hannich, H.-J. et al2005, S. 66) setzt sich die Erlebniswelt eines Intensivpatienten aus folgenden sechs Ebenen zusammen:

- Körpererfahrung (Verlust / Veränderung des Persönlichkeitsgefühls)
- Gefuhle (Nah-Tod-Erfahrungen und somit Angst)
- Bewegung (dyskinetische Bewegungsabläufe)
- Kognition (verminderte Fähigkeiten von erkennen, erfahren, kennenlernen)
- Wahrnehmung (veränderte Selbst- und Fremdwahrnehmung)
- Sozialerfahrung ( Vereinsamung / Isolation)

In Anlehnung an dieses Modell nimmt der Intensivpatient seine Außenwelt auf eine komplexere Art wahr als der Gesunde. Was aber wird wahrgenommen, wenn der Mensch zum Werkzeug in der Berufswelt des therapeutischen Teams wird; wenn Sätze wie: „ An Frau Berger wird noch gearbeitet “ , „ Fahre den Patienten auf Arbeitshöhe “ und „ Die TEP ist in zehn Minuten fertig “, fallen? (Bienstein, C. et. al.2010, S.20)

Die Ansprache des Patienten im Sinne von Körperkontakt und sprachlicher Rede entscheidet, ob dieser uns folgen oder aber aufgrund von Reizüberflutung nicht adäquat reagieren kann. Aus diesem Grund müssen Handlungen des Intensivpersonals klar und deutlich sein und dem Patienten die Zeit gewähren, zu antworten (Brunke, A.2007, S. 167).

Adäquate Kommunikation geht stets einher mit zwei weiteren Faktoren:

- Bewusstsein und
- Erleben.

[...]

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Titel: In welcher Weise wird durch das Stationspersonal, infolge nicht situationsgerechter Kommunikation das Verhalten und Erleben des Patienten auf der Intensivstation beeinflusst?