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Die epikureische Lehre

Wer bin ich, wo komme ich her und wie werde ich glücklich?

Seminararbeit 2010 17 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Zur Einführung

2 Die Lehre Epikurs
2.1 Das Bild der Wirklichkeit
2.1.1 Die Grundsätze
2.1.2 Der Aufbau des Ganzen
2.1.3 Die Kriterien der Wahrheit - Wahrnehmung, Vorbegriffe, Empfindungen
2.2 Über Begierden und Lust
2.3 Der Versuch einer Modernisierung des Epikureismus

3 Zusammenfassung und Fazit

4 Literaturverzeichnis

1 ZUR EINFÜHRUNG

Was bedeutet glücklich sein? Was heißt eigentlich Glück und worin besteht es? Diese Fragen sind ohne jeden Zweifel äußerst subjektiv zu betrachten. Das Glück stellt sich für jeden Men- schen anders dar. Für den Einen ist es die Familie, für den Anderen der Lottogewinn, für den Einen sei es das wiedergefundene Portemonnaie, für den Anderen ein gerade noch abgewehr- ter Unfall. Empirische Erhebungen zum Thema „Was ist Glück?“ hätten daher auch nur we- nig Aussagekraft. Eine wesentlich höhere Aussagekraft hat allerdings die Frage „Wer war Epikur?“. In einer eigens durchgeführten Befragung anhand zufällig ausgewählter Passanten wurde festgestellt, dass gerade einmal zwei von 37 Befragten diesen Namen kennen. Auf die Frage „Woher?“, fiel zum einen die Antwort „Das ist doch so eine Elektroband auf Youtu- be.“, welche nicht wirklich etwas mit dem Thema zu tun hat. Zum anderen ergab sich verblüf- fenderweise dann doch noch die Antwort “Griechischer Philosoph; Lustprinzip; kenne ich aus der Schule.“. Diese Antwort hätte man sich von der Mehrheit wünschen können, doch an- scheinend ist dieser Name weniger bekannt, als es sein Einfluss auf die heutige Zeit ist. Das Thema der Lust ist dabei in unserer Gesellschaft, in welcher der Verkaufsschlager nun einmal Sex heißt, mannigfaltig integriert.

Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit soll jedoch nicht nur auf dem Lustkalkül, sondern viel- mehr auf der Betrachtung des Glückes im Allgemeinen liegen: Wie und wodurch gelangt der Mensch zum Glück? Das ist die Frage, die versucht werden soll, beantwortet zu werden. Um diesen Punkt auch nur in Ansätzen diskutieren zu können, sind andere Aspekte essentiell. Da- her beschäftigt sich diese Arbeit zunächst mit Epikurs Naturphilosophie und geht dabei im speziellen auf den Aufbau des Ganzen und die drei Wahrheitskriterien ein. Dies ist notwen- dig, da die Naturphilosophie Epikurs eine systematische Vorbedingung der ethischen Frage nach dem Glück ist. Abschließend soll - begründet durch die fatale Umfrage - ein Versuch getätigt werden, in dem veranschaulicht werden soll, dass der Epikureismus moderner ist, als geglaubt wird. Nicht zuletzt soll auch die Frage beantwortet werden „Wer bin ich, wo komme ich her und wie werde ich glücklich?“.

2 DIE LEHRE EPIKURS

Epikur wurde im Jahre 341 v. Chr. auf der Insel Samos als einer von vier Söhnen und als Nachfahre eines alten Athener Geschlechtes geboren. Wie er es später im Brief an Menoikus schrieb (vgl. Epikur (c) 2003, S.223), zögerte Epikur nicht bereits in jungen Jahren zu philo- sophieren und sich mit philosophischen Fragen und Denkvorgängen auseinanderzusetzen. Zunächst war er ein Anhänger der platonischen Philosophie, studierte dann bei einem Demo- kriteer, was sich später noch auf seine Naturlehre auswirken sollte, und kam schließlich noch mit dem Skeptizismus in Berührung. Er wurde demzufolge von bestehenden bekannten philo- sophischen Richtungen ausgebildet und geprägt. (vgl. Forschner 2000, S.16)

Nach seiner Militärzeit in Athen soll er in Mytilene und Lampsakos erste Schüler um sich gesammelt und seine philosophischen Überlegungen weitergegeben haben. Basierend darauf ging er dann im Alter von etwa 35 Jahren mit Teilen seiner Jüngerschaft nach Athen und gründete dort auf einem eigens angekauften Grundstück „eine Schule als Gemeinschaft von miteinander Philosophierenden“ (Forschner 2000, S.17).

Die heute überlieferten Quellen von Epikur sind rar. Es existieren sein Hauptwerk „kyriai doxai“, drei Lehrbriefe und eine vatikanische Spruchsammlung. Des Weiteren sind einige Fragmente späterer Epikureer bekannt. Am bekanntesten darunter ist Lukrez, der mitunter das Testament Epikurs überlieferte. Neben ihm lassen sich auch aus Schriften von Cicero, Plutarch, Seneca und Sextus Empiricus Ideen und Gedanken Epikurs nachvollziehen.

2.1 DAS BILD DER WIRKLICHKEIT

In seinem Brief an Herodot formuliert Epikur in vereinfachter, zusammenfassender und ver- ständlicher Form, worauf es bei seiner Lehre ankommt und wie sie zu verstehen ist. Mit die- sem Brief beabsichtigt er, dass sowohl diejenigen, welche die Lehre bereits verstanden haben und in die Erforschung der Einzelheiten eingestiegen sind, als auch jene, deren Horizont noch nicht die nötige Ausprägung aufweist und erst am Anfang der Forschung stehen, die Grundla- gen der epikureischen Naturphilosophie überblicksartig zu verstehen. Im Folgenden werden anhand dieser Quelle die wesentlichsten Charakteristika dargestellt. Zunächst wird dazu auf Grundsätze eingegangen, um anschließend den Aufbau der Welt zu skizzieren. Dabei sind vor allem die Betrachtung der Atome und deren Bedeutung für Epikur markant.

2.1.1 DIE GRUNDSÄTZE

Sein Bild der Wirklichkeit, seine Sicht von den Dingen wie sie sind, beginnt Epikur mit vier fundamentalen Grundsätzen. Die ersten drei befassen sich im Wesentlichen mit den Dingen, welche sinnlich nicht wahrnehmbar sind, wohingegen die letzte auf die Wahrnehmung Bezug nimmt. Dabei gilt erstens, „dass nichts aus dem Nichtseienden entstehen kann“ (Epikur (a) 2003, S.153). Alles, was also entsteht, beruht auf vorhandenen Materialien und bedarf gewis- sen Bedingungen. Der Beweis für diese Tatsache liegt in der Verneinung dieses Satzes. Wird davon ausgegangen, dass nichts aus dem Nichts entsteht, so bedeute dies, dass auch Alles aus Allem gebildet wird, „ohne dass es einen zeugenden Auslöser [oder Samen] brauchte“ (Epi- kur (a) 2003, S.153).

Während Epikur mit dem ersten Satz die Existenz und die Entstehung beschreibt, deutet er im zweiten Satz auf die Löschung dieser Existenz hin und sagt, dass nichts in nichts vergehen kann. Indem etwas verschwindet oder zerstört wird und in das Nichts übergeht, so muss davon ausgegangen werden, dass alle Dinge zugrunde gehen, da nichts existiert, in das sich diese Dinge auflösen könnten. (vgl. Epikur (a) 2003, S.153) Die Betrachtung der Verneinung zeigt auch hier den eigentlichen Beweis an, denn vergeht einiges ins Nichts, so ist anzunehmen, dass auch Alles ins Nichts vergehen könnte. In der endlosen Zeit der Existenz ist nun davon auszugehen, dass dieser Zustand bereits eingetreten wäre. Demgegenüber steht aber die Wirklichkeit, welche erfahren wird. (vgl. Forschner 2000, S.24)

In seiner dritten These formuliert Epikur das Sein selbst, indem das Ganze schon immer so war, wie es jetzt ist und immer so sein wird. Das Ganze oder auch das All ist für ihn einzigartig, sozusagen das Monopol in Bezug darauf, dass es neben diesem kein zweites gibt, sodass es auch nicht durch von außen eindringende Faktoren verändert werden kann. (vgl. Epikur (a) 2003, S.155; Forschner 2000, S.24)

Seine letzte wichtige Behauptung umfasst den gesamten Aufbau des Alls. Er stellt fest, dass dieses aus dem Leeren und Körpern besteht und sonst aus gar nichts, weil sich nichts anderes durch begriffliches Denken oder Schlussfolgern aus dem Denken vorstellen lässt. Den Beweis für die Körper sieht er in der Wahrnehmung durch die Sinne, welche die Körper sehen, rie- chen, schmecken, hören oder fühlen können. Das Leere dagegen ist nicht sinnlich wahrnehm- bar und muss durch vernünftiges Denken erschlossen werden. (vgl. Epikur (a) 2003, S.155; Forschner 2000, S.24 f.) Zum genauen Aufbau des Ganzen wird im folgenden Punkt einge- gangen.

Diese vier Grundsätze sind maßgebend für die Lehre Epikurs, da sie Sein, Existenz und Nichtexistenz definieren. Somit ergibt sich nun die Möglichkeit einen genaueren Blick auf den Aufbau des Ganzen zu legen.

2.1.2 DER AUFBAU DES GANZEN

Im vorangegangenen Kapitel wurde bereits auf den Aufbau des Ganzen hingedeutet und festgestellt, dass es zum einen aus dem Leeren besteht und zum anderen aus Körpern. Zunächst sollen Letztgenannte im Fokus stehen.

Körper sind in ihrer Grundform unteilbar und stark genug, um auch gegen starke Kräfte erhal- ten zu bleiben. Sowohl in ihrer Anzahl, als auch in ihrer Verschiedenartigkeit sind sie unbe- grenzt, da sie sich auch zusammenschließen können, um neue Körper zu bilden. Bei dieser Veränderung bleiben jedoch die Grundelemente bestehen. Epikur folgt in seiner Bezeichnung der Aussage Demokrits und nennt die Elementarformen der Körper „Atome“. Obwohl sie als wahrnehmbar gelten, sind sie doch gerade für den Menschen nicht zu erkennen, sondern le- diglich in ihrer veränderten Form als zusammengesetzte Körper erreichen sie eine erkennbare Größe, sodass auch erst bei diesen Erscheinungen Eigenschaften wie Farbe oder Geruch auf- treten. Dennoch sind die Atome die Bausteine für alles mehr oder weniger Wahrnehmbare. Das atomare Gefüge ist es, welches das scheinbar Gleiche voneinander unterscheidet. So ist jeder Stein augenscheinlich gleich einem anderen, doch in seinem atomaren Aufbau kann auch nur ein einziges Teilchen fehlen oder zusätzlich vorhanden sein, wodurch sich dieser von jenem Stein unterscheidet. Obwohl auch zusammengesetzte Körper bezüglich ihrer An- zahl und Verschiedenartigkeit unbegrenzt sind, so sind sie in ihrer Gestalt begrenzt. Ein sol- cher Körper kann demnach aus vielen Atomen bestehen, nicht jedoch aus unbegrenzt vielen, weil ein Körper, der Grenzen besitzt, nicht genügend Raum für die Atome bietet. (vgl. Epikur

(a) 2003, S.155)

Die Atome sind ständig in Bewegung, sei es über gigantische Distanzen oder in schwingender Bewegung an Ort und Stelle. Das Medium, welches diese Bewegung ermöglicht ist das Leere. Epikur nennt es auch „den Raum oder die unberührbare Natur“ (Epikur (a) 2003, S.155). Das Leere grenzt ein Atom ab und ermöglicht eine widerstandsfreie Bewegung. Was es aber nicht kann, ist die Richtungsvorgabe. Da das Leere unbegrenzt hinsichtlich seiner Größe ist, bietet es für die Atome keine Möglichkeit ihre Richtung zu ändern. Es wäre somit einer ewig gleichbleibenden Richtung unterworfen. Jedoch ist nicht nur das Leere, sondern auch die An- zahl der Atome unbegrenzt, sodass es zwangsweise zum Zusammenprall von Atomen kommt. Der dabei entstehende Rückstoß versetzt das Atom in eine weitere schnellere oder langsamere Bewegung in eine vermutlich andere Richtung. Dass es diese Bewegung gibt, macht Epikur deutlich, woher sie jedoch kommt und was der Auslöser war, kann auch Epikur nicht sagen. Zur Lösung dieses Problems beruft er sich auf die einfache Ausrede der Ewigkeit des Ganzen – es war immer so und wird immer so sein. (vgl. Epikur (a) 2003, S.157)

[...]

Details

Seiten
17
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656174530
ISBN (Buch)
9783656174424
Dateigröße
835 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v192471
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg – Erziehungswissenschaft, insbesondere Bildungs- und Erziehungstheorie sowie philosophische Grundlagen
Note
1,3
Schlagworte
Epikur Glück Epikureismus glücklich Philosophie

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