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Linguistische Textanalyse eines Auszuges aus dem Tagebuch von Joseph Goebbels

Eine linguistische Analyse

Seminararbeit 2012 10 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Der kommunikativ-pragmatische Rahmen

2 Die textuelle Makrostruktur

3 Die textuelle Mikrostruktur

4 Resümee

Bibliographie

Einleitung

„In steiler und enger, schwer lesbarer Schrift füllte Joseph Goebbels zwischen dem 1. Oktober 1923 und dem 8. Juli 1941 mindestens 22 Kladden, jeweils mehrere hundert Seiten stark. Insgesamt waren das ursprünglich, wie sich recht gut abschätzen läßt, knapp 5000 Eintragungen auf etwa 6000-7000 engbeschriebenen Seiten. Rund ein Drittel davon, 3545 Eintragungen auf 4494 Seiten, sind erhalten geblieben bzw. bisher entdeckt worden. […]“[1]

Die Dokumente wurden in langwieriger Entzifferungsarbeit transkribiert und im Auftrag des Institutes für Zeitgeschichte verlegt. Dr. Elke Fröhlich ist wissenschaftliche Mitarbeitern des IFZ und Leiterin des Editionsprojektes „Die Tagebücher von Joseph Goebbels“, und sie gab 1998 ff. die Edition in 10 Bänden und 14 Teilbänden heraus. Weitere Bestandteile der Veröffentlichung sind maschinenschriftliche Tagebücher Goebbels von Juli 1941 bis April 1945.

Die vorliegende Ausarbeitung ist die linguistische Textanalyse eines Auszuges von Joseph Goebbels Tagebucheintrag vom 8. November 1932, es wurde mit Hilfe des textsemantischen Analyserasters TEXSEM gearbeitet. Die zur Verfügung stehende Quelle stammt aus der Quellensammlung von Heinz Hürten[2], und liegt nicht in handschriftlicher Originalform vor. Durch Kontaktaufnahme mit dem Institut für Zeitgeschichte habe ich in Erfahrung gebracht, dass die Goebbels-Tagebücher dort auf Mikrofilmen vorliegen, und dass man das Material nur direkt im Institut in München einsehen kann. Der entsprechende E-Mailverkehr liegt im Anhang bei.

Die Analyse umfasst im ersten Schritt den kommunikativ-pragmatischen Rahmen des Textes. Hierzu werden der Textproduzent, das Medium sowie die Ausgangssituation und der Wirkungsbereich des Tagebucheintrages beleuchtet. Anschließend wende ich mich der textuellen Makrostruktur des Schriftstückes zu, Textsorte und Binnenstruktur werden untersucht. Daran anschließend wird die textuelle Mikrostruktur analysiert. Den Abschluss bildet ein Resümee, um ein zusammenfassendes Ergebnis erzielen zu können.

1 Der kommunikativ-pragmatische Rahmen

Joseph Goebbels ist 48 Jahre alt, als er sich am 01. Mai 1945 in Berlin wegen der deutschen Kriegsniederlage mit Zyankali das Leben nimmt.

Er ist unter anderem Reichminister für Volksaufklärung und Propaganda (1933-1945), Generalbevollmächtigter für den totalen Kriegseinsatz (1944/45) sowie Reichskanzler (1945), und somit einer der einflussreichsten und bekanntesten Politiker in der Zeit des Nationalsozialismus.

Durch eine Knochenmarkentzündung, an der er im Alter von vier Jahren erkrankt, leidet er unter einer Gehbehinderung. Dadurch wird der Gymnasiast oft verspottet und entwickelt sich zu einem hasserfüllten Außenseiter.

Goebbels studiert Germanistik und Geschichte in Bonn, München, Würzburg, Heidelberg und Freiburg. Trotz seines erworbenen Doktorates finden seine literarischen Versuche bei Verlagen und Zeitungen keine Abnehmer. Zu dieser Zeit steckt er in einer tiefen Krise, und schlussendlich glaubt er seinen Sinn des Lebens in der nationalsozialistischen Bewegung gefunden zu haben. Goebbels wird zum begeisterten Anhänger Adolf Hitlers und passt sich künftig jeder Meinungsänderung seines Vorbilds an.[3]

Er schreibt sein Tagebuch von 1923 bis 1945, und innerhalb der Kategorie subjektiver Zeugnisse aus dem Kreis der nationalsozialistischen Führung stellt dies mit Abstand die wohl bedeutungsvollste Quelle dar.[4]

In erster Linie schreibt Goebbels das Tagebuch für sich selbst. Er spricht ihm einen fast religiösen Gehalt zu, denn für ihn ist es eine Art „Beichtstuhlersatz“, er nennt es sein „liebes Buch“ und „Gewissensarzt“. Im Normalfall ist ein Tagebuch nicht an einen bestimmten Adressaten gerichtet, doch es gibt eine Reihe von Goebbels-Aussagen, die im Tagebuch selbst oder von Zeugen festgehalten worden sind, in denen klar wird dass er bei Zusammenbruch des Regimes Vorkehrungen getroffen hat, um seine Tagebücher über den eigenen Tod hinaus der Nachwelt zu erhalten.[5] Am 30. März 1941 berichtet er in seinen Aufzeichnungen, er habe

zwanzig umfangreiche Bände zur Sicherheit in die unterirdischen Tresore der Reichsbank bringen lassen, und als Begründung schreibt er:

„Sie sind doch zu wertvoll, als daß sie einem evtl. Bombenangriffe zum Opfer fallen dürften. Sie schildern mein ganzes Leben und unsere Zeit. Läßt das Schicksal mir dafür ein paar Jahre Zeit, dann will ich sie für spätere Generationen überarbeiten. Sie werden draußen wohl einiges Interesse finden.“[6]

Somit hat Joseph Goebbels als antizipierten Leser jeden Menschen ins Auge gefasst, der jemals Zugang zu seinen Tagebüchern bekommen kann und wird, und der sich für diesen Abschnitt der Deutschen Geschichte interessiert.

Goebbels hat die Tagebücher von 1923 bis 1941 handschriftlich, von 1941 bis 1945 maschinenschriftlich auf DIN A5-Papier verfasst.[7] Der Eintrag vom 8. November 1932, welcher in dieser Hausarbeit analysiert wird, ist also im Original handschriftlich verfasst worden. Für diese Ausarbeitung liegt der Eintrag allerdings aus der Quellensammlung von Heinz Hürten vor.[8]

In dem vorliegenden Auszug vom 8. November 1932 bezieht sich Joseph Goebbels auf die innere Lage der NSDAP im November 1932.

Am 16. Juni 1932 hatte Paul von Hindenburg das unter Brüning verhängte Verbot der SA und SS aufgehoben, und nach einer schweren parlamentarischen Niederlage der Regierung unter Franz von Papen löste Hindenburg den Reichstag auf. Somit kam es zu einer neuen Reichstagswahl am 6. November 1932, bei der die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) allerdings rund 2 Millionen Stimmen verlor. Außerdem verschreckte die Partei einen Teil ihrer Sympathisanten dadurch, dass sie die Berliner Verkehrsbetriebe zusammen mit den Kommunisten bestreikte. Der Reichsorganisationsleiter Gregor Strasser versuchte mit der Parole ›Die Sozialisten verlassen die Partei‹ die Abgeordneten zum Austritt aus der Partei und für die neue Regierung Schleicher zu gewinnen.[9]

2 Die textuelle Makrostruktur

Der vorliegende Tagebucheintrag ist ein Gebrauchstext. Er ist ein Erfahrungsbericht, also sozusagen ein selbstdarstellender Text, und er hat somit eine nichtnormative Funktion. Goebbels schreibt hier aus politischer Sicht, denn er bezieht sich auf die Bestreikung der Berliner Verkehrsbetriebe (Z. 1) und darauf, dass die Kommunistische Partei Deutschlands der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei in den Rücken gefallen ist (Z. 2-3) Desweiteren berichtet er von Adolf Hitlers Zorn gegen Gregor Strasser (Z. 12-22).

Es ist ein Prosabericht mit monologischem Charakter, in dem Goebbels seine Erfahrungen des Tages in chronologischer Reihenfolge schildert. Allerdings schreibt er nicht, wie es in Tagebucheinträgen meistens der Fall ist, in der 1. Person Singular, sondern größtenteils in der 1. Person Plural, denn er berichtet überwiegend in der Wir-Form.

Die Überschrift des Textes lautet „8. November 1932“ und steht rechtsbündig über dem Text. Der Eintrag an sich besteht insgesamt aus 25 Zeilen, diese sind in 4 Absätze unterteilt. Anfangs stehen zwei kurze Absätze mit 5 bzw. 6 Zeilen, dann folgt ein größerer Absatz mit 11 Zeilen, abschließend folgt wieder ein kurzer Absatz von 3 Zeilen. Die Kürze des Textes erscheint stimmig, da in der genutzten Textsorte „Tagebuch“ kurze Einträge meistens die Regel sind.

Der Eintrag der zur Analyse vorliegt ist aus einem größeren Kontext herausgerissen, denn Goebbels Aufzeichnungen umfassen insgesamt rund 6000-7000 Seiten.

Goebbels schildert einen für ihn normalen Tagesablauf, aber man kann an den Texteilen die Gliederung „Einleitung-Hauptteil-Schluss“ erkennen. Anfänglich berichtet er von der Bestreikung der Berliner Verkehrsbetriebe und dem Konflikt mit der KPD (Z. 1-11) – was zwei kurze Absätze darstellt – und anschließend kommt er zu einem Gespräch, welches er mit dem Führer Adolf Hitler allein führt (Z. 12-22) – und was den längeren Absatz darstellt. Abschließend berichtet Goebbels knapp von Hitlers Zukunftsvorstellungen (Z. 23-25) – der letzte kurze Absatz dieses Tagebucheintrages.

Laut Brinker beeinflussen situative Faktoren die wesentliche Ausprägung der Textstruktur, und somit müssen sich Textsorten auf Typen von Kommunikationssituationen beziehen.

Die Kommunikationsform wird entscheidend durch das Medium bestimmt, das zur Übermittlung von Texten eingesetzt wird. Die spezifischen Gegebenheiten von denen Brinker bei dem Medium „Schrift“ spricht sind hier gegeben:

[...]


[1] Fröhlich, Elke: Joseph Goebbels und sein Tagebuch. Zu den handschriftlichen Aufzeichnungen von

1924-1941. In: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte. 35. Jahrgang. München 1987. S. 489-522. Hier S. 489.

[2] Hürten, Heinz: Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellungen. Weimarer Republik und Drittes Reich

1918-1945. Band 9. Reclam. Stuttgart 1995. S. 138.

[3] Vgl. Wunderlich, Dieter: Göring und Goebbels. Eine Doppelbiografie. Verlag Friedrich Pustet.

Regensburg 2002. S. 16 – 27.

[4] Vgl. Fröhlich, Elke. S. 490.

[5] Vgl. Fröhlich, Elke. S. 494.

[6] Vgl. Fröhlich, Elke. S. 496.

[7] Vgl. Ebd. S. 489.

[8] Hürten, Heinz: Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellungen. Weimarer Republik und Drittes Reich

1918-1945. Band 9. Reclam. Stuttgart 1995. S. 138.

[9] Vgl. Hürten, Heinz. S. 137.

Details

Seiten
10
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656178057
ISBN (Buch)
9783656178842
Dateigröße
586 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v192668
Institution / Hochschule
Universität Kassel – Germanistik
Note
2,3
Schlagworte
linguistische textanalyse auszuges tagebuch joseph goebbels eine analyse

Autor

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Titel: Linguistische Textanalyse eines Auszuges aus dem Tagebuch von Joseph Goebbels