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Musik im Radio

Seminararbeit 2012 20 Seiten

Medien / Kommunikation - Rundfunk und Unterhaltung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Entwicklung des Hörfunks

3 Musikformate in Deutschland
3.1 Das AC-Musikformat
3.2 Das CHR-Musikformat
3.3 Das AOR-Musikformat
3.4 Weitere Musikformate

4 Gestaltung eines Musikprogramms
4.1 Ermittlung der Zielgruppe und deren Eigenschaften
4.2 Gestaltung des Musikprogramms

5 Motive und Formen der Musikrezeption über das Radio

6 Zusammenfassung und Fazit

Literatur

1 Einleitung

Um einen Einstieg in dieses Thema zu finden, sollte man zuerst der Frage nachgehen, warum Personen überhaupt Medien bzw. Medieninhalte nutzen. Einen möglichen Er- klärungsansatz für diese Fragestellung liefert der sogenannte „Uses and Gratification Approach“, der im deutschen Sprachgebrauch auch als Nutzen- und Belohnungsansatz bekannt ist. Der Grundgedanke dieses Ansatzes ist, dass die Nutzung gewisser Medien der Bedürfnisbefriedigung von Menschen dienen soll. Bei diesen Bedürfnissen handelt es sich konkret um das Informations- und Unterhaltungsbedürfnis (Schweiger, W. 2007; S. 61). Die zweite Annahme geht davon aus, dass die Initiative zur Mediennutzung nicht von den Medien selbst, sondern von den Rezipienten ausgeht. Diese Betrachtungsweise steht damit im Gegensatz zur klassischen Medienwirkungsforschung, die die Auswirkun- gen von Medieninhalten auf die Rezipienten untersucht (Schweiger, W. 2007; S. 61f). Die dritte Annahme besagt schließlich, dass die Mediennutzung lediglich eine Möglichkeit zur Bedürfnisbefriedigung darstellt. Deshalb lässt der Uses and Gratification Approach nur die Art der Befriedigung zu, die durch die Medien beeinflussbar ist (Schweiger, W. 2007; S. 62).

Gegenwärtig existiert eine Vielzahl von Medien, die in unterschiedlich starkem Maß da- zu geeignet sind, Bedürfnisse zu befriedigen. Ein Medium, dass dem Rezipienten diesen Nutzen stiftet, stellt das Radio dar. Es ist wohl unumstritten, dass das Radio in der deutschen Gesellschaft in der Vergangenheit einen sehr hohen Stellenwert hatte und auch heute immer noch hat. Fast jeder Haushalt in Deutschland besitzt zumindest ein Radiogerät und die durchschnittliche Hördauer pro Tag liegt bei ca. 182 Minuten (Krug, H.J. 2010; S. 1). Beachtet man weiterhin, dass der durchschnittliche Musikanteil eines Privatradiosenders je nach Musikformat bei ca. 70 % liegen kann, so hört jeder Deutsche täglich im Durchschnitt ca. 127 Minuten Musik im Radio (Schramm, H. 2009; S. 98). Da- mit ist das Radio bestens dafür geeignet gewisse Bedürfnisse der Hörer zu befriedigen. Radiosender und ihre Radioprogramme befriedigen einerseits das Informationsbedürf- nis durch Nachrichten und Wortbeiträge und andererseits das Unterhaltungsbedürfnis durch die jeweilige Musik, die gespielt wird. In dieser Arbeit soll das Hauptaugenmerk insbesondere auf den zweiten Aspekt gelegt werden. Zu diesem Zweck werden, nach ei- nem kurzen Überblick über die Entwicklung des Hörfunks, die gängigsten Musikformate in Deutschland, die Gestaltung eines Musikprogrammes, sowie Motive und Formen der Radionutzung präsentiert.

2 Entwicklung des Hörfunks

Um die Vielfältigkeit der deutschen Radiosender und dadurch auch des Musikangebots zu verdeutlichen, soll nun zuerst auf die Entwicklung des Hörfunks eingegangen werden. Am 29. Oktober 1923 nahm der Rundfunk in Deutschland offiziell seinen Sendebetrieb in Berlin auf (Schramm, H. 2009; S. 90). In Abgrenzung zur Zeitung, war das Radio damit das erste elektronische und einzig mit einem Empfangsgerät nutzbare Massen- medium (Krug, H.J. 2010; S. 13). Bald darauf etablierte sich das Radio auch in an- deren deutschen Großstädten, obwohl der Radioempfang sich allerdings immer nur auf die entsprechenden Regionen beschränkte (Krug, H.J. 2010). Mit der Einführung weite- rer Übertragungsmöglichkeiten wie dem Kurzwellenfunk und der Weiterentwicklung des Mittelwellenempfangs (Krug, H.J. 2010; S. 18), wuchs das Radio zu dem wichtigsten und schnellsten Massenmedium heran. Es konnte die Bevölkerung einerseits mit Infor- mationen versorgen und andererseits mit Musik unterhalten (Schramm, H. 2009; S. 92). Ab 1935 machten sich die Nationalsozialisten das Radio für ihre Propagandazwecke zu Nutze (Schramm, H. 2009; S. 92). Nach dem 2. Weltkrieg bildeten, die durch die Besat- zungsmächte eingeführten regionalen Radiosender, mit ihren knappen Sendefrequenzen, die Grundlage für die Entwicklung der öffentlich-rechtlichen Radioanstalten (Krug, H.J. 2010; S. 19). Da sich die öffentlich-rechtlichen Radiosender durch Gebührengelder finan- zieren, ist das Programmangebot hauptsächlich nach gesellschaftlich-relevanten Zielen ausgerichtet (Popp, J. 2008; S. 9, 11). Desweiteren kann man sagen, dass das Radiopro- gramm der öffentlich-rechtlichen Radiosender eher wortlastig ist und die gespielte Musik vorwiegend im Bereich Rock und Pop einzuordnen ist (Popp, J. 2008; S. 10).

Ein weiteres gravierendes Ereignis war die Einführung privater Radiosender Mitte der 80er Jahre (Popp, J. 2008; S. 9). Hatten bis 1984 die Radioprogramme der öffentlich- rechtlichen Sendeanstalten noch Monopolstellung, so bekamen sie nun mit der Einfüh- rung privater Radiosender Konkurrenz (Schramm, H. 2009; S. 96). Durch die Einführung des dualen Rundfunksystems hat sich die deutsche Radiolandschaft deutlich verändert. Einerseits ist das Radioprogramm wesentlich vielfältiger geworden und andererseits hat sich das Musikangebot auch deutlich ausgeweitet (Popp, J. 2008; S. 9). Das Medium Ra- dio hat sich also von einem Angebots- zu einem Nachfragemedium entwickelt (Schramm, H., Hofer, M. 2008; S. 113). Im Unterschied zu den öffentlich-rechtlichen Radiosendern, die sich durch Gebührengelder finanzieren, erfolgt die Finanzierung der privaten Ra- diosender über die Werbung, die im Radio gespielt wird. Tabelle 1 soll das Spektrum öffentlich-rechtlicher, sowie privater Hörfunkprogramme visualisieren.

Tabelle 1: Spektrum öffentlich-rechtlicher sowie privater Hörfunkprogramme

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Popp, J. (2008; S. 12f); Eigene tabellarische Darstellung.

Dieser Tabelle kann man entnehmen, dass es im Jahr 2008 56 öffentlich-rechtliche Hörfunkprogramme gibt, die sich insgesamt auf 10 Sendeanstalten aufteilen. Dabei strahlen die Sendeanstalten der ARD neun und das Deutschlandradio ein Hörfunkprogramm aus (Popp, J. 2008; S.11). Betrachtet man die privaten Hörfunkprogramme, so existieren im Jahr 2008 ca. 205 verschiedene Radioprogramme. Dabei fällt auf, dass es gerade in größeren Bundesländern tendenziell mehr Radioprogramme gibt (Bayern mit 66 Radioprogrammen), als in kleineren Bundesländern (Niedersachsen mit drei Radioprogrammen). Aus dieser Tabelle wird ersichtlich, dass der Radiomarkt der privaten Radiosender im Gegensatz zu dem Radiomarkt der öffentlich-rechtlichen Radiosender deutlich differenzierter ist und eine höhere Programmanzahl aufweist.

3 Musikformate in Deutschland

Bevor nun im Einzelnen die verschiedenen Musikformate in Deutschland dargestellt wer- den, soll an dieser Stelle zuerst geklärt werden, was man im Allgemeinen unter dem Be- griff des Formatradios versteht. Zu diesem Zweck hat Goldhammer, K. (1995; S. 139ff) zahlreiche englische, sowie deutsche Definitionen aus unterschiedlichen Publikationen zusammengetragen und schließlich eine eigene Definition des Begriffs aufgestellt:

„Ein Formatradioprogramm verfolgt das Ziel, im Hörfunkmarkt auf der Grundlage von Marktforschungsinformationen und einer daraus entwickelten Marketingstrategie ein unverwechselbares Radioprogramm als Markenprodukt zu etablieren, das genau auf die Bedürfnisse einer klar definierten Zielgruppe abgestimmt wird. Dies geschieht, indem alle Programmelemente sowie alle übrigen Aktivitäten eines Senders konsequent auf die strategischen Marke- tingvorgaben ausgerichtet und konstant empirisch auf ihre Hörerakzeptanz überprüft werden. Es dient dazu, die Hörbedürfnisse der Zielgruppe möglichst optimal zu befriedigen, um so möglichst viele Hörer an das Programm zu bin- den und im Falle einer Werbefinanzierung des Senders diese Einschaltquoten gewinnbringend an Werbekunden zu verkaufen.“ (Goldhammer, K. 1995; S. 142)

Nach der Einführung des dualen Rundfunksystems kann man in Deutschland drei Arten von Programmformaten unterscheiden (Schramm, H. 2009; S. 98):

- News-, Informations- und Talk-basierte Programme
- „Full-Service-Programme“
- Musikbasierte Radioformate

Da die musikbasierten Radioformate die wichtigste Einnahmequelle, im Hinblick auf die Werbung, darstellen und weil sich die einzelnen Radiosender über diese Formate definieren und voneinander abgrenzen (Schramm, H. 2009; S. 98), sollen sie im Folgenden nun näher betrachtet werden.

3.1 Das AC-Musikformat

Das AC-Musikformat ist wohl das gängigste und am weitesten verbreitete Musikfor- mat unter den Privatradiosendern. Im Jahr 2006 strahlen 56,9 % aller Privatradiosender dieses Musikformat aus (Schramm, H., Hofer, M. 2008; S. 114). Dabei setzt sich die- ses Musikformat aus zwei Komponenten zusammen. Das „A“ steht für „adult“ und das „C“ steht für „contemporary“. Nach Stack, B. (2008; S. 169) sind mit „adult“ Personen im Alter zwischen 25 und 49 Jahren gemeint, die gleichzeitig die Kernzielgruppe die- ses Radioformates darstellen.1 Dass die vorher festgelegte Definition der Kernzielgruppe entscheidend ist, zeigt sich daran, dass die Auswahl der gespielten Songs strikt an dieser Zielgruppe orientiert ist. Es werden vorwiegend solche Songs gespielt, die die betreffen- den Personen noch aus ihrer Vergangenheit kennen (Stack, B. 2008; S. 169). Gleichzeitig will der erwachsene Radiohörer nicht als altmodisch gelten, sondern sich mit dem Strom der Zeit bewegen. Deshalb ist ein ausgeglichenes Programm aus älteren Songs, sowie aktueller Musik (contemporary) von zentraler Bedeutung, wenngleich die Auswahl der Songs ein zusammenhängendes Programm ergeben müssen (Stack, B. 2008; S. 169).

Die Playlist dieses Musikformats setzt sich also aus Hits der 80er und 90er Jahre, sowie aktuellen Hits zusammen. Die Hauptmusikrichtung dieses Formats sind melodiöse Pop- und Rock-Titel. Kein Bestandteil dieses Formats sind hingegen anspruchsvollere Musik wie Jazz oder Klassik (Schramm, H., Hofer, M. 2008; S. 114). Da die Bandbreite der gespielten Songs in diesen Jahrzehnten und in dieser Musikrichtung sehr umfangreich ist, ist die Playlist auch dementsprechend groß (Schramm, H. 2009; S 98). Die Moderation in diesem Musikformat fällt gemäßigt jugendlich und eher zurückhaltend aus (Schramm, H. 2009; S. 98).

Tabelle 2: Subformate des AC-Musikformats

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Stack, B. (2008; S. 170ff); Eigene tabellarische Darstellung.

[...]


1 Je nach Autor variiert diese Altersgruppe. So setzt sich die Kernzielgruppe bei Schramm, H., Hofer, M. (2008; S. 114) aus Personen im Alter zwischen 14-49 Jahren zusammen.

Details

Seiten
20
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656177838
ISBN (Buch)
9783656177449
Dateigröße
649 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v192708
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
2,0
Schlagworte
musik radio

Autor

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