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Aspekte nachhaltigen Wirtschaftens am Beispiel von Puma

Facharbeit (Schule) 2011 27 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Geographie als Schulfach

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zum Begriff Nachhaltigkeit.

3. Volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen..
3.1. Notwendigkeit zur Neuorientierung
3.2. Problemstellung in der Umweltökonomie.

4. Ökologieorientierte Betriebswirtschaftslehre
4.1. Notwendigkeit zur Neuorientierung aus betriebswirtschaftlicher Sicht
4.2. Ökologischer und ökonomischer Nutzen

5. Strukturpolitischer Umweltschutz

6. Unternehmerische Nachhaltigkeitsstrategien
6.1. Effizienzstrategie
6.2. Konsistenzstrategie.
6.3. Suffizienzstrategie

7. Puma als praktisches Beispiel.
7.1. Geschichte und Inhalt des PUMA.Safe - Konzepts
7.2. Clever Little Bag.
7.3. Umwelt Gewinn- & Verlustrechnung.

8. Resümee

Literaturverzeichnis

Internetbeiträge

Anhang

1. Einleitung

Der Klimawandel ist ein unglaublich vielschichtiges Problem - die Ursachen sind genau so vielfältig, wie die Folgen und Lösungsansätze. Eine Reihe von multikausa- len und multidisziplinären Aspekten macht ihn zu einer der größten Aufgaben des 21. Jahrhunderts.

Das W-Seminar „Klimawandel“ ist als geographisches Seminar ausgelegt und so mag es auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen, dass es in dieser Arbeit um Ökonomie und wirtschaftliche Problemstellungen geht. Aber spätestens seit dem Stern-Report ist offensichtlich geworden, dass ökologische und ökonomische Frage- stellungen stark verwoben sind. Der Ökonom Nicholas Stern zeigt in seinem Report aus dem Jahr 2006 auf, dass der Klimawandel ein unglaublich hohes ökonomisches Risiko darstellt. Er geht dabei davon aus, dass eine Erwärmung der Erde um durch- schnittlich 6°C Schäden in der Höhe von 20 % des globalen Bruttoinlandsprodukts zur Folge hätten. Schäden dieses Ausmaßes könnten ganze Volkswirtschaften in die Rezession führen1. Demgegenüber kann die Ökonomie, welche sicherlich die größ- ten, das Klima bedrohenden, Probleme unserer Zeit impliziert, durch eine Neuaus- richtung, den Schaden für die Umwelt und das Klima radikal reduzieren und so zu einer Nachhaltigen Wirtschaft (Sustainable Economy) werden.

Meine erste Begegnung mit ökologischen und ökonomischen Schnittpunkten mach- te ich bei meinem Referat über die volkswirtschaftlichen Risiken des Klimawandels. Es ist ein Thema, welches Komplexität, Aktualität und Kontroverse verspricht. Zu Beginn der Arbeit war es schwierig das ganz Feld dieses großen Teilbereichs der Wirtschaftswissenschaften zu überblicken, aber im Laufe meines wissenschaftlichen Arbeitens konnte ich mich gut einarbeiten und Zusammenhänge verstehen. Ein wei- teres Problem beim Erstellen der Arbeit war, dass ich mich mit teils sehr tiefgehen- den volks- und betriebswirtschaftlichen Fragestellungen auseinander zu setzen hat- te.

Die Arbeit soll eine Einführung in das Thema Nachhaltiges Wirtschaften geben. Da es nicht möglich ist, alle Aspekte in diesem Zusammenhang in einer Seminararbeit zu beleuchten, kann auf viele Teilaspekte nicht näher eingegangen und die Proble- matik nur oberflächlich und aus einer interdisziplinären Perspektive dargestellt werden. Zuerst wird auf die Notwendigkeit einer Neuorientierung eingegangen und Argumente sowohl aus volkswirtschaftlicher, als auch aus betriebswirtschaftlicher Perspektive aufgezeigt. Im zweiten Teil werden unternehmerische Strategien und die Instrumente des Staates erläutert, die diese Entwicklung möglich machen kön- nen. Im letzten Teil wird dargestellt, wie Nachhaltiges Wirtschaften in der Praxis bei dem Sportartikelhersteller Puma funktioniert. Es sollen die Fragen geklärt werden, wieso die derzeitige Ökonomie eine Mitschuld an der ökologischen Krise trägt, wel- che Argumente eine Transformation der Ökonomie unabdingbar machen und wie das Ziel einer nachhaltigen Wirtschaft erreicht werden kann. Zudem prüft die Arbeit, ob und wie das Konzept in der Praxis funktionieren kann.

Die Arbeit gliedert sich dabei folgendermaßen: Zu Beginn wird der Begriff „Nach- haltigkeit“ geklärt und wie er in der Arbeit verwendet wird (2). Daraufhin wird auf die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen eingegangen (3) und Argumente werden für eine Umorientierung aus ökologischer und ökonomischer Sicht darge- legt (3.1). Es folgt ein kurzer Exkurs in die Wirtschaftstheorie, der wichtig ist, um zu verstehen, wo das bisherige Problem beim ökonomischen Umgang mit der Natur lag (3.2). Von der Makro- geht die Arbeit im folgenden Kapitel auf die Mikro-Ebene und untersucht die betriebswirtschaftliche Seite des Klimawandels (4) mit seinen Risiken (4.1) und Chancen (4.2). Da die Umweltpolitik mit Sanktionen und Anreizen Mittel besitzt, die die Ökonomie lenken können, wird ihr ein Kapitel gewidmet und die wichtigsten Instrumente werden kurz erklärt (5). Im folgenden Kapitel werden die drei unternehmerischen Nachhaltigkeitsstrategien (6) basierend auf Effizienz (6.1), Konsistenz (6.2) und Suffizienz (6.3) erläutert. Davon ausgehend wird Puma als praktisches Beispiel für Nachhaltiges Wirtschaften eingeführt und zunächst ein Überblick über das Nachhaltigkeitsprogramm gegeben (7.1). Nachdem die Clever Little Bag als Beispiel für eine gesteigerte Ressourcenproduktivität dargestellt wur- de (7.2), wird näher auf die Ökobilanz des Unternehmens eingegangen (7.3). Zuletzt werden die Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst und diskutiert (8).

2. Zum Begriff „Nachhaltigkeit“

Als nachhaltig kann eine Gesellschaft ganz allgemein dann definiert werden, wenn sie so strukturiert ist, dass sie den Anforderungen der Gegenwart gewachsen ist und dabei nicht die Möglichkeit der nächsten Generationen einschränkt, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.2 Grundsätzlich kann man drei „Nachhaltigkeitsbegriffe“ unterscheiden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Die drei Nachhaltigkeiten aus der Vorlesung Ziele, Konzeptionen und Kriterien einer dauerhaft umweltgerechten Entwicklung aus ökonomischer Sicht von Jürgen E. Blank an der Uni Münster Nachhaltigkeit ist ein gesamtwirtschaftliches Problem und betrifft sowohl die Welt- gemeinschaft, als auch Nationen, Institutionen und das Individuum als wirtschaf- tende Einheiten. Dabei sind die knappen natürlichen Ressourcen vor allem auf der weltgemeinschaftlichen Ebene das primäre Nachhaltigkeitsproblem (siehe auch Anhang 1).3

Denken notwendig; „(͙) weg von der früher üblichen Lösungsbessesenheit, hin zu einem wachsenden Interesse an differenzierten umweltpolitischen Lösungen, die wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch umsetzbar sind.“4 Daraus ergibt sich, dass sich ökologische und ökonomische Interessen nicht ausschließen dürfen bzw. müssen.5

3. Die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen

3.1 Notwendigkeit zur Neuorientierung

Im Jahr 1972 wurde ein Bericht mit dem Titel „Die Grenzen des Wachstums“ veröf- fentlicht. Verfasst wurde er vom Club of Rome und befasste sich mit der Zukunft der Weltwirtschaft. Die Gruppe von Wirtschaftswissenschaftlern zeigte damals auf, dass das Wirtschaftswachstum Grenzen hat und dass Wohlstand in Zukunft wohl nicht mehr allein mit Indikatoren wie dem Bruttoinlandsprodukt gemessen werden kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Die Grafik zeigt das Ergebnis eines Standarddurchlaufs des von den Meadows benutzen Wachstumsmodells. Das Bevölkerungswachstum und die Industrieproduktion nehmen so lange zu bis die Umweltverschmutzung und der Rohstoffverbrauch ihre Grenzen erreicht haben und der Mangel mit Investitionen nicht mehr auszugleichen ist (aus Meadows et al., 1992, S. 166)

Ihr Fazit war damals: „Wenn die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen unverändert anhält, werden die absolu- ten Wachstumsgrenzen auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre er- reicht.“6 Inzwischen sind über 30 Jahre vergangen und es gibt Anzeichen dafür, „dass sich die Welt seit einigen Jahren in einem Zustand der Degenerierung befin- det“7.

Das grundlegende Problem ist also, dass Bevölkerung und Wirtschaft rapide wach- sen im Gegensatz zu den Ressourcen, von denen beide abhängig sind.8 Zu diesem grundsätzlich ökonomischen Problem kommt noch hinzu, dass trotz aller bisher getroffenen Maßnahmen für eine nachhaltige Entwicklung die Emissionen von Treibhausgasen weltweit weiter zunehmen werden.9 Wenn die Emissionen wei- ter im bisherigen Tempo zunehmen, riskieren wir den Kollaps des Ökosystems Erde, aber „Gesellschaften können auf den Klimawandel reagieren, indem sie sich an sei- ne uswirkungen anpassen und indem sie Treibhausgasemissionen reduzieren“10.

Diese Fähigkeit hängt maßgeblich von sozioökonomischen Faktoren ab. 11 1992 fand in Rio de Janeiro die Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung (United Nations Conference on Environment and Development - UNCED) statt12. Im Mittelpunkt der Diskussion standen die Bemühungen das globa- len Ökosystem durch nachhaltige Entwicklung zu entlassten. Die Debatte verdeut- lichte auf Entschiedenste, dass Umwelt und Entwicklung einfach nicht mehr zu trennen sind13 und somit die beiden großen ökologischen und ökonomischen Prob- lemfelder Klimawandel und Ressourcenknappheit.14 Der Grundstein für eine Neu- orientierung wird in den Punkten 3 und 4 der Erklärung von Rio gelegt und wie folgt formuliert:

Grundsatz 3

Das Recht auf Entwicklung muss so verwirklicht werden, dass den Entwicklungs- und Umweltbedürfnissen der heutigen und der kommenden Generationen in gerechter Weise entsprochen wird

Grundsatz 4

Damit eine nachhaltige Entwicklung zustande kommt, muss der Umweltschutz Bestandteil des Entwicklungsprozesses sein und darf nicht von diesem getrennt betrachtet werden15

Unsere Gesellschaft steht ohne Frage vor der Aufgabe, das industrielle Gebäude, in dem wir arbeiten und leben, umzubauen und damit eine Naturkrise zu bewältigen, „ohne deren Lösung es kein Weiterkommen gibt.“16 Paul Hawken, eine Vertreter des sogenannten Ökokapitalismus, resümiert: „Man *kann] hier ohne weiteres von der nächsten industriellen Revolution sprechen“17.

3.2 Problemstellung der Umweltökonomie

Aus der Feststellung, dass ein Wandel in der Ökonomie und unserem Verständnis von Ökonomie notwendig ist und was Grundlage und Ziel dieser Nachhaltigen Entwicklung ist, stellt sich die Frage nach dem „Wie“.

Der erste Schritt besteht darin, das derzeitige Wirtschaften zu verstehen. Dieses profitorientierte Wirtschaften im Bezug auf die ökologische Krise liegt folgenden Annahmen zugrunde: Es wird davon ausgegangen, dass ein steigendes Bruttosozial- produkt das menschliche Wohlergehen maximiert. Weiterhin ergeben sich Wett- bewerbsvorteile, wenn effektivere Betriebe immer mehr Produkte für einen expan- dierenden Markt herstellen. Dabei sollen reinvestierte Gewinne Arbeitskraft und Kapital immer produktiver machen. Das Bewusstsein, dass Sorge für die Umwelt getragen werden muss, ist zwar vorhanden, aber wenn wir unseren Lebensstandart halten wollen, müssen die Bedürfnisse der Umwelt dem Wirtschaftswachstum an- glichen werden. Zudem geht die herkömmliche Wirtschaftsordnung davon aus, dass ein Mangel an Ressourcen mit der Entwicklung eines Ersatzstoffes ausgeglichen werden kann.18

[...]


1 siehe Stern, S.1f

2 vgl. Meadows (1992), S.250, zit. WCED, Our Common Future, Oxford University Press, 1987

3 vgl. Müller-Christ, S. 17 ff Auf dem Weg zur ökologischen Nachhaltigkeit ist eine Veränderung im ökologischen

4 Dieren, S. 105

5 Vgl. Dieren, S. 105

6 Meadows (1972), S. 17

7 Dieren, S. 22

8 Vgl. Dieren, S. 66

9 Vgl. IPCC, S. 48

10 IPCC, S. 62

11 Vgl. IPCC 2007, S. 62; siehe hierzu auch Henzelmann, S. 27 ff

12 Vgl. http://www.worldsummit2002.de/web/joburg/167.html

13 Vgl. Weizsäcker, S. 238

14 Vgl. Henzelmann, S. 18

15 UNCED, S. 1

16 Immler, S. 9

17 Hawken, S. 28

18 Vgl. Hawken, S. 24

Details

Seiten
27
Jahr
2011
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v192713
Note
1,0
Schlagworte
Nachhaltigkeit Ökonomie Ökologie Klimawandel

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