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Industrielle Verlagerungsprozesse der Bekleidungs- und Lederwarenindustrie - Die Beispiele Bangladesch und Indien

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 30 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Globale Wertschöpfungsketten - Industrielle Verlagerungsprozesse in Entwicklungsländer
2.1 Globale Wertschöpfungsketten
2.2 Umbau von Nord-Süd Beziehungen in der Weltwirtschaft

3. Internationalisierung im Textil- und Bekleidungsgewerbe - eine Einführung
3.1 Handelsabkommen im Textil- und Bekleidungssektor
3.2 Auswirkungen und Bewertung der Abkommen

4. Die Bekleidungsindustrie in Bangladesch - ein Beispiel
4.1 Etablierung und Einbindung der Bekleidungsindustrie in den Weltmarkt
4.2 Arbeitsbedingungen und Lebenssituation der Arbeiter

5. Die Lederindustrie in Indien
5.1 Kanpur - indisches Leder für den Weltmarkt
5.2 Umweltprobleme

6. Die Textilindustrie als Motor für die Industrialisierung der Entwicklungsländer - Zukunftsperspektiven
6.1 Umstrukturierung der gebundenen globalen Wertschöpfungskette durch „upgrading“
6.2 „environmental upgrading“ - ein Sonderfall

7. Fazit

8. Abbildungen

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung - Verlagerungsprozesse der Textil- und Bekleidungsindustrie: Fluch oder Segen für die Länder des Südens ?

Ob T-Shirts, Hosen oder Kleider, Schuhe, Taschen oder Reitsportartikel; nahezu jeder Bewohner der westlichen Industrienationen kommt zwangsläufig in Berührung mit Artikeln, deren Innovation und Produktion zwar im eigenen Land organisiert, die aber weit weg im fernen Asien gefertigt wurden. „Made in Bangladesh“ oder „Made in India“ - so steht es heutzutage auf den Etiketten zahlreicher Kleidungsstücke und fast jedes große Kaufhaus hat Bekleidungs- oder Lederwaren aus diesen Regionen in seinem Sortiment.

Denn billige Arbeitskräfte und niedrige Umweltauflagen führen heute zu einer weltweiten Produktionsverlagerung in die Länder des Südens, die sich davon wohl mehr erhoffen als eine zerstörte Natur oder eine ausgebeutete Bevölkerung.

Die Folgen dieser industriellen Produktionsverlagerungen sind verheerend. Schlechte Arbeitsbedingungen und gravierende Umweltbelastungen, die sich auf die Gesundheit der Bevölkerung ausweiten, belasten die Produktionsländer und ihre Bewohner. Doch ungeachtet dessen, geht es den global agierenden Unternehmen um eine Verbesserung der „Effizienz“, die sowohl den Unternehmen selbst als auch den Konsumenten zu Gute kommt - billige Produkte aus Fernost haben Konjunktur.

Das führt in Zeiten der Globalisierung vermehrt zur Entwicklung neuer Strategien, die eine neuartige Einbindung der Entwicklungsländer in die Produktionsprozesse miteinschließen und letztendlich zu einem weltweiten Umbau der Nord-Süd Beziehungen in der Weltwirtschaft führen - Organisation im Norden und Produktion im Süden durch den Aufbau globaler Wertschöpfungsketten.

Doch was sind diese neuen Verflechtungen und was bedeuten sie für die Entwicklungsländer ?

„Entwicklungspolitische Chance oder Begrenzung lautet damit die letztendlich hervorstechende Frage“ (Schamp 2008:4).

Diese Ausarbeitung widmet sich dieser Frage im Folgenden anhand zweier Beispiele und versucht zu beleuchten, inwieweit industrielle Verlagerungsprozesse insbesondere der Bekleidungs- und Lederwarenindustrie, als Anstoß für Entwicklungsprozesse in den Entwicklungsländern dienen können oder inwiefern die Risiken und sozialen, sowie umweltbedingten Kosten für diese Länder überwiegen ?

Stellt die weltweite Arbeitsteilung im Zeichen der Globalisierung, einen Fluch oder aber einen Segen für die Länder des Südens dar ?

Ein einleitendes Kapitel beschäftigt sich zunächst mit dem globalisierungsbedingten Wandel des weltweiten Standortgefüges, der sich aus einem Umbau von Nord-Süd Beziehungen in der Weltwirtschaft, als Ergebnis globaler Wertschöpfungsketten, ergibt. Damit soll zu Beginn der Begriff der „Globalen Wertschöpfungskette“ geklärt werden, um so einen Grundstein zum Verständnis derzeitiger, allgemeiner industrieller Verlagerungsprozesse zu legen.

Eine gesonderte Betrachtung dieser Verlagerungsprozesse findet anschließend in Kapitel 3 statt, welches sich speziell mit der Internationalisierung im Textil- und Bekleidungsgewerbe auseinandersetzt. Im Fokus stehen hier vor allem die zahlreichen Handelsabkommen, die den internationalen Textil- und Bekleidungshandel seit Jahrzehnten reglementieren. Daran anknüpfend wird in Kapitel 4 versucht, die oben genannte Thematik, anhand der Bekleidungsindustrie in Bangladesch, die stellvertretend für viele Produzenten-Regionen im Süden steht, zu verdeutlichen. Es soll dargestellt werden, wie sich Bangladesch auf dem Weltmarkt für Bekleidung etablieren konnte, welche Chancen dies für das Land mit sich bringt, aber auch auf die dadurch bedingten Probleme hinweisen, mit denen sich das Land und die Menschen dort konfrontiert sehen.

Ergänzung findet diese Darstellung anschließend durch das Beispiel der Lederwarenindustrie Indiens, die unabhängig von der Textil- und Bekleidungsindustrie existiert und aufgrund dessen in Kapitel 5 gesondert betrachtet wird. Der Aufschwung des Industriezweiges, sowie Chancen und Risiken für Indien und seine Bewohner, werden auch hier detailliert beleuchtet. Abschließend werden in Kapitel 6 die positiven und negativen Auswirken der industriellen Verlagerung verglichen und Perspektiven für die Zukunft der Entwicklungsländer aufgezeigt. Neben einer Betrachtung der industriellen Verlagerungen als Motor für die Industrialisierung der Entwicklungsländer, stehen hier auch Lösungsansätze für die umweltbedingten und sozio- ökonomischen Probleme, durch eine Neuorganisation der globalen Wertschöpfungsketten, im Vordergrund.

Ein Fazit am Ende der Ausarbeitung greift noch einmal die wichtigsten Aspekte auf.

2. Globale Wertschöpfungsketten - Industrielle Verlagerungsprozesse in Entwicklungsländer

Anfang der 1990er Jahre entwickelten Sozialwissenschaftler das Konzept der „Globalen Wertschöpfungskette“ mit dem Interesse, die neue Einbindung der Entwicklungsländer in die Produktion der Industrienationen zu analysieren und zu bewerten.

Mit diesem Ansatz sollte herausgestellt werden, inwieweit die neuen vertikalen Organisationsformen, die Industrie- und Entwicklungsländer miteinander verknüpfen, als „einengende Ketten oder ermöglichende Netze“ (Schamp 2008:4) für die Entwicklungsländer zu betrachten sind.

Eine neue Sichtweise wurde notwendig, um die neuen, globalisierungsbedingten Formen der weltweiten Arbeitsteilung verstehen zu können. Die klassischen Ansätze der Volkswirtschaftslehre mit einem „[...] von Sektoren und Branchen bestimmten Welthandel [...]“ (a.a.O) erschienen überholt.

In den folgenden Ausführungen soll nun kurz der Begriff der „Globalen Wertschöpfungskette“ geklärt werden um dann den für die Bekleidungs- und Lederwarenindustrie relevanten Typus der „gebundenen globalen Wertschöpfungskette“ näher betrachten zu können. In Kapitel 2.2 soll anschließend betrachtet werden, wie diese Entwicklung gerechtfertigt wird und wie sie so zu einem Umbau der Nord-Süd Beziehungen in der Weltwirtschaft beiträgt.

2.1 Globale Wertschöpfungsketten

Globale Wertschöpfungsketten zeichnen sich zunächst durch verschiedene Produktionsstufen aus.

Bei der textilen Wertschöpfungskette reichen diese von der Faser- und Textilindustrie, zur weiterverarbeitenden Industrie, die für die Fertigung von Heimtextilien, Bekleidung und technischen Textilien zuständig ist, über den Handel bis hin zum Gebrauch und der Entsorgung (Abb. 1).

Desweiteren hat jede globale Wertschöpfungskette eine bestimmte Geographie, die von den Produktionsländern, etwaigen Zwischenlagern bis hin zum Distributionsort in der Industrienation reicht.

Fasst man die einzelnen Produktionsstufen und die spezifische Geographie nun zusammen, spricht man von der „Konfiguration“ einer globalen Wertschöpfungskette, die nur durch effiziente Kontrolle (governance) und die dafür nötigen Institutionen wie „lead firm“ oder Produzentenbetriebe aufrechterhalten werden kann (vgl. Schamp 2008:6). Nur so kann eine effiziente „Koordination“ der Wertschöpfungsprozesse zwischen den einzelnen Stufen gewährleistet werden (vgl. a.a.O) (Abb. 2).

Konfiguration und Koordination unterscheiden sich allerdings je nach Art der globalen Wertschöpfungskette, was sich v.a im Abhängigkeitsverhältnis der produzierenden Betriebe vom starken Leitunternehmen in der Industrienation äußert.

Neben der marktgetriebenen globalen Wertschöpfungskette, bei welcher Exporteure eines Landes ihre Produkte auf einem fiktiven Weltmarkt den Importeuren eines anderen Landes anbieten (klassischer Außenhandel), und der hierarchischen Wertschöpfungskette, die sich durch ein transnationales Führungsunternehmen mit eigenen Betriebsstätten im Entwicklungsland auszeichnet, existiert in Produktbereichen wie der Bekleidungsindustrie die sog. gebundene globale Wertschöpfungskette (Abb. 3).

Diese käufergetriebene Wertschöpfungskette kennzeichnet sich insbesondere durch die starke Abhängigkeit kleiner, selbstständiger Produzenten von einer starken „lead firm“. Diese „lead firm“ verfügt allein über einen direkten Zugang zum Markt und/oder Endverbraucher im Konsumland und kann so „[...] ihre privilegierte Stellung beispielsweise einsetzen um Preise zu drücken, kurzfristige Liefertermine zu erzwingen oder bestimmte Qualitätsstandarts durchzusetzen“ (Braun u. Dietsche 2008:12).

Die Produzentenbetriebe verfügen also in dieser Art der Wertschöpfungskette über nur geringe bis gänzlich fehlende Kompetenzen und sind somit für die führenden Unternehmen einfach ersetzbar, wenn gewisse Anforderungen, hinsichtlich Preis und Qualität der Waren, nicht erfüllt werden konnten. Dieser Austausch kommt für die Produktionsbetriebe oft überraschend und stellt diese vor diverse Schwierigkeiten, da neue Abnehmer, aufgrund der starken Konkurrenz und der meist stark standardisierten Produkte schwer zu finden sind.

Infolge dessen werden die Betriebe in einen Preiswettbewerb gezwungen „indem alle legalen, halblegalen und z.T. auch illegalen Möglichkeiten zur Kostensenkung realisiert werden müssen“ um weiterhin Käufer für ihre Produkte finden zu können (a.a.O). Dieser „race to the bottom“-Prozess kann dann letztendlich zu einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, zu einer Reduzierung der Arbeiterlöhne oder aber zu einem rücksichtsloseren Umgang mit der Umwelt führen und so Arbeitsbedingungen und Umweltsituation in den Produktionsräumen immer weiter verschlechtern.

Ein Ausblick inwieweit dieser Prozess und die Abhängigkeit der Kleinbetriebe von den „lead firms“ durch eine Reorganisation der gebundenen Wertschöpfungsketten reduziert werden könnte, wird in den Kapiteln 6.1 und 6.2 noch einmal vertieft.

Zunächst soll aber die Frage geklärt werden, warum globale Wertschöpfungsketten heute einen so großen Zuspruch erfahren und inwieweit sie aufgrund dessen die Nord-Süd Beziehungen in der Weltwirtschaft stetig verändern.

2.2 Umbau von Nord-Süd Beziehungen in der Weltwirtschaft Ökonomische Tätigkeiten von Unternehmen zielen zumeist darauf ab, neue Werte zu schöpfen um so ihren Umsatz zu erhöhen und wettbewerbsfähig bleiben zu können. Dieser Vorgang wird als Wertschöpfungsprozess verstanden.

In den Zeiten der Globalisierung weiten sich diese Wertschöpfungsprozesse auf die globale Ebene aus und so werden die angestrebten Wettbewerbsvorteile, im Sinne einer verbesserten „Effizienz“, heute durch den Aufbau und die Organisation globaler Wertschöpfungsketten erlangt (vgl. Schamp 2008:5).

So finden „Dienstleistungen“ wie die Produktentwicklung und das Marketing in der Industrienation selbst, die eigentliche Produktion aber im Entwicklungsland statt, das hauptsächlich durch geringe Lohnkosten oder niedrige Umweltauflagen besticht (vgl. Braun u. Dietsche 2008:12).

Durch diese Veränderung der Anteile einzelner Wertschöpfungsarten an der Gesamtwertschöpfung eines Produktes, hier durch die Produktionsverlagerung in die Niedriglohnländer des Südens, können für das Unternehmen interne Skaleneffekte erzielt werden, die im Einklang mit dem Ziel der verbesserten Effizienz stehen. So wird beispielsweise ein nur geringer Anteil in die eigentliche Herstellung einer Ware investiert und ein erheblich größerer Teil kann so in die Produktentwicklung fließen, was letztendlich zu Gewinnen für das Unternehmen führt (vgl. a.a.O.), die eine industrielle Verlagerung und die dadurch bedingte Veränderung des weltweiten Standortgefüges rechtfertigen und vorantreiben.

Die Unternehmen können so „[...] ihre eigenen Ressourcen stärker auf die Entwicklung der Marke, auf neue Produkte und neue Absatzanstrengungen konzentrieren“ (Schamp 2008:6), um auf den gesättigten Märkten der wohlhabenden Ländern überleben zu können. „In der vertikalen Produktionskette müssen viele, teils weltweit verteilte Standorte verknüpft, effizient koordiniert und daher gut kontrolliert werden [...]“ (Schamp 2008:6), damit sich ein Unternehmen auf dem Markt gegen die starke Konkurrenz durchsetzen kann und den Marktzugang nicht verliert.

Ermöglicht wurde diese Entwicklung de facto durch die neuen Bedingungen der Globalisierung: Liberalisierung der Warenmärkte durch das Allgemeine Zoll- und Handelsrecht (näheres dazu in Kapitel 3.1), Deregulierung globaler Finanzmärkte, Entstehung globaler Dienstleistungsunternehmen in der Logistikbranche etc.

Eine weitere entscheidenden Rolle kommt aber auch diversen Veränderungen in den nationalen Wirtschaftsstrategien mancher Entwicklungsländer zu, die beispielsweise von einer Importsubstitution zu einer Strategie der Exportorientierung wechselten (vgl. a.a.O).

3. Internationalisierung im Textil- und Bekleidungsgewerbe - eine Einführung

Der weltweite Export von Bekleidung hat ein enormes Ausmaß angenommen. Mit 340 Mrd. US $ trug er im Jahr 2004 zu ca. 5,6 % des Welthandelsaufkommen bei. Im Vergleich dazu belief sich dieser Wert im Jahre 1990 auf nur 120 Mrd. US $.

Knapp zwei Drittel des gesamten Exportwertes, in Höhe von ca. 172 Mrd. US $, entfielen dabei auf Entwicklungsländer (vgl. Haas u. Zademacher 2005:30).

Vor allem asiatische und südamerikanische Länder konnten in den 1970er Jahren, u.a. aufgrund von Rohstoffvorkommen, eine eigene Textil- und Bekleidungsindustrie aufbauen und einen Großteil der weltweiten Textilproduktion zu Lasten der Industrienationen auf sich konzentrieren. Das führte zu einem Strukturwandel und zur Schließung zahlreicher Unternehmen in Europa, weshalb mitunter auch die deutsche Textil- und Bekleidungsbranche heute auf die Strategie der gebundenen globalen Wertschöpfungskette setzt.

Ein Abkommen von Billigprodukten aus Entwicklungsländern (marktgetriebene GWK), hin zu einer differenzierten Arbeitsteilung, bei der qualitativ hochwertige und modische Produkte im günstigen Ausland produziert, letztendlich aber am Unternehmenssitz entwickelt, designed und kommisioniert werden, kennzeichnet heute auch die deutsche Textil- und Bekleidungswirtschaft.

Hierbei spielen v.a Personal- und Lohnkosten eine entscheidende Rolle, da ca. 30% der Gesamtausgaben auf diesen Bereich entfallen, und die Entwicklungsländer mit günstigen Arbeitskräften bei gleicher Arbeitsintensität bestechen.

„Laut Deutscher Bundesbank hatte das heimische Bekleidungsgewerbe bis Ende 2001 rund 3,8 Mrd. Euro in insgesamt 266 Unternehmen an ausländischen Standorten investiert“ (Haas u. Zademach 2005:33).

„Entsprechend ist die deutsche Textil- und Bekleidungswirtschaft - trotz des scharfen internationalen Wettbewerbs - auf den Weltmärkten erfolgreich und rangiert beim Export von Textilien und Bekleidung auf den ersten Plätzen“ (Haas u. Zademacher 2005:31-37). Wie schon zuvor angedeutet, kann so mehr Kapital in Produktentwicklung und Marketing fließen um neue, vielversprechende und langlebige Marken entwickeln zu können. Um dies jedoch gewährleisten zu können und dem Importdruck seitens der Niedriglohnländer standzuhalten, wird der internationale Handel mit Textilien und Bekleidung seit den 1960er Jahren im Rahmen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen durch diverse Regelungen festgelegt. Die UN-Organisation für Handel und Entwicklung (UNCTAD) schätzt allerdings, dass den Entwicklungsländern aufgrund dessen jährlich ca. weitere 75 Mrd. US $ entgehen (vgl. Haas u. Zademach 2005:30).

Diese Handelsabkommen, ihre Ursachen und v.a ihre Auswirkungen auf die Entwicklung der Länder des Südens, sollen nun vorgestellt werden.

3.1 Handelsabkommen im Textil- und Bekleidungssektor

Seit 1960 reglementiert das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen, GATT, den Güterhandel zwischen seinen Mitgliedsstaaten im Sinne der weltwirtschaftlichen Entwicklung und des Wohlstandes durch den Abbau von Handelshemmnissen (vgl. www.bmz.de). Es beruht dabei auf den Grundprinzipien der Gegenseitigkeit, Liberalisierung und Meistbegünstigung: Handelspolitische Leistungen die sich die GATT-Signatare gegenseitig einräumen, müssen demnach gleichwertig sein, die Zoll- und Handelsvorteile die sich zwei Staaten einräumen können, sollen allen Unterzeichnerstaaten zu Gute kommen und es soll im Allgemeinen ein Abbau von Zöllen und nicht-tarifären Handelshemmnissen angestrebt werden (vgl. www.weltalmanach.de).

Die Textil- und Bekleidungsbranche nimmt im Rahmen des GATT einen Sonderstatus ein.

Diese gesonderte Behandlung, die sich in diversen Sonderrechtsordnungen und sektoralen Ausnahmeregelungen äußert, beruht auf der starken Wettbewerbsfähigkeit der Entwicklungsländer hinsichtlich ihres deutlich geringeren Lohnkostenniveaus bei gleicher Arbeitsintensität. Dadurch stellen sie eine enorme Bedrohung für die Märkte der Industrienationen dar, die sich gezwungen sahen ihre Märkte mithilfe von Exportselbstbeschränkungen und Importquoten schützen zu lassen (vgl. Haas u. Zademach 2005:33-34).

Ihren Anfang nahm diese Entwicklung v.a. mit den bilateralen Verhandlungen zwischen Japan und den USA, da sich die USA durch Baumwollexporte aus Japan bedroht fühlten.

Innerhalb dieser Verhandlungen verpflichtete sich Japan 1961 in einem Selbstbeschränkungsabkommen seine Exporte von Baumwollwaren in die USA einzuschränken. Dieses Short-Term Arrangement, kurz STA, wurde 1962 in das sog. Long- Term Arrangement Regarding International Trade in Cotton Textiles, kurz LTA, umgewandelt und regelte seitdem den Handel mit Waren, die aus mindestens 50 % Baumwolle bestanden.

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Details

Seiten
30
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656177104
ISBN (Buch)
9783656177616
Dateigröße
783 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v192716
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Geographisches Institut
Note
2,3
Schlagworte
Textilindustrie Bekleidung Indien Bangladesch Leder

Autor

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Titel: Industrielle Verlagerungsprozesse der Bekleidungs- und Lederwarenindustrie - Die Beispiele Bangladesch und Indien