Lade Inhalt...

Experimentelle lebensmittelchemische Untersuchung von Aromen mittels Gaschromatographie am Beispiel von Kaugummi

Facharbeit (Schule) 2011 46 Seiten

Chemie - Analytische Chemie

Leseprobe

Inhalt

1. Aromen
1.1 Allgemeine Definition
1.2 Wirkung von Aromen unter Betrachtung der Interaktion mit dem menschlichen Organismus
1.3 Aromawirksame chemische Verbindungen
1.3.1 Terpenoide
1.3.2 Aromaten
1.3.3 Carbonsäureester und Lactone
1.4 Natürliches Vorkommen von Aromen und Biosynthese
1.5 Weitere aromarelevante Stoffe

2. Einsatz und gesundheitliche Eigenschaften von industriell verwendeten Aromen ..
2.1 Zusatz von Aromen zu Lebensmitteln
2.2 Verschiedene Arten an zugesetzten Aromen
2.3 Der Gehalt an Monoterpenen in kommerziell erhältlichen Nahrungsmitteln.
2.4 Stabilität von Aromen
2.5 Negative gesundheitliche Folgen der in Lebensmitteln eingesetzten Aromen

3. Analyse der Proben mithilfe von Gaschromatographie
3.1 Einleitung
3.2 Materialien und Methoden
3.2.1 Materialien
3.2.2 Vorbereitung der Proben
3.2.3 Einstellungen der Gaschromatographen
3.3 Ergebnisse und Auswertung
3.3.1 Probenvorbereitung
3.3.2 Gaschromatographische Untersuchung
3.3.3 Analyse der Proben mittels GC/FID
3.3.4 Untersuchung der Proben mittels GC/MS
3.3.5 Auswertung und Identifizierung der Einzelkomponenten
3.3.7 Auswertung des Anteils der Aromen in den einzelnen Proben und Folgerungen über deren Herkunft
3.3.7.1 Probe 1
3.3.7.2 Probe 2
3.3.7.3 Probe 3
3.3.7.4 Zusätzliche Aromen
3.3.8 Genauigkeitsuntersuchung der Methode
3.3.9 Vergleich der Analyseergebnisse mit weiteren Untersuchungen

4. Schluss

Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Danksagung

1. Aromen

1.1 Allgemeine Definition

„ Es ist eine merkwürdige Thatsache, dass sich die chemische Wissenschaft und eine auf ihr fussende Industrie verhältnissmässig spät mit der näheren Erforschung und Befriedigung derästhetischen Bedürfnisse gerade derjenigen Sinne befasst hat, welche wir recht eigentlich unsere ,,chemischen Sinne" zu nennen berechtigt sind. “1

So beginnt Dr. Ernst Erdmann im Jahre 1900 seinen Artikel „Über den Geruchssinn und die wichtigsten Riechstoffe“ in der Zeitschrift für Angewandte Chemie. Heute ist die Wissenschaft mit ihren Erkenntnissen, auch bedingt durch die neuen instrumentellen Methoden, sehr viel weiter als es Herr Erdmann im Jahre 1900 nur zu träumen gewagt hätte.

Beim Genuss eines Lebensmittels wirkt eine Vielzahl an Reizen auf unseren Körper. Dieser Geschmackseindruck eines Lebensmittels, der aus einer Kombination von Geschmacks-, Geruchs- und Tastempfinden entsteht, ist dann im Allgemeinen dem Esser als ‘Geschmack‘ bekannt. Doch gilt es die unterschiedlichen Substanzen, die diesen Eindruck hervorrufen, weiter zu untergliedern, nämlich in Geschmacksstoffe und Aromastoffe, wobei zweite auch als Geruchsstoffe bekannt sind.2

Geschmacksstoffe sind Stoffe, die unser Körper über die Geschmacksrezeptoren auf der Zunge wahrnehmen kann. Unterscheiden können wir nach dem aktuellen wissenschaftlichen Stand zwischen vier Hauptgeschmacksqualitäten: sauer, süß, bitter und salzig3. Zudem ist noch die Geschmacksqualität Umami, welche weniger für sich allein - sie wird als „leicht salzig - süßsäuerlich“ beschrieben - sondern vielmehr als Geschmacksverstärker wirkt4.

Allerdings geht unser Geschmackseindruck weit über diese fünf Grundrichtungen hinaus. Dafür entscheidend ist nicht unser Geschmacks-, sondern vielmehr der Geruchssinn. Die Geruchsrezeptoren können flüchtige chemische Verbindungen, die oben erwähnten Aromastoffe, sowohl nach Einatmen über die Nase als auch nach deren Freisetzung in den Rachenraum wahrnehmen2. Diese Stoffgruppe ist das Thema der folgenden Arbeit.

1.2 Wirkung von Aromen unter Betrachtung der Interaktion mit dem menschlichen Organismus

Damit die Aromen in unserem Körper einen Geruchseindruck auslösen können, müssen diese zunächst über die Nase aufgenommen werden, oder nach ausgiebigen Kauen über den Rachenraum zur Riechschleimhaut gelangen5. Auf dieser sitzen die Riechsinneszellen, in welchen sich wiederum die olfaktorischen Rezeptoren (sog. G-Protein-gekoppelte Rezeptoren) befinden. Jeder einzelne Rezeptor ist in der Lage nur genau ein molekulares Merkmal eines Duftstoffes zu detektieren. Man schätzt, dass der Mensch über etwa 360 verschiedene Arten dieser Geruchsrezeptoren verfügt. Die Geruchsreize entstehen, wenn ein Molekül des Aromastoffes „mit seinen funktionellen Gruppen mehrere Geruchsrezeptoren mit unterschiedlicher Intensität aktiviert und dadurch ein für diesen Duftstoff charakteristisches Muster an aktivierten Rezeptoren entsteht“ [ebd.]. Wenn also ein Geruchsstoffmolekül an eines der Rezeptorproteine gelangt, wird dieses nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip reversibel an das Protein gebunden, wobei es zu einer Konformationsänderung des Proteins kommt. In Folge wird eine Signalkaskade, die so genannte cAMP-Kaskade, ausgelöst. Durch die Verarbeitung der Nervenreize im Gehirn entsteht schließlich der Geruchseindruck. [ebd.]

1.3 Aromawirksame chemische Verbindungen

Von den vielen flüchtigen Stoffen, die in Lebensmitteln enthalten sind, weisen nur Vertreter relativ weniger Stoffgruppen intensivere und vor allem von uns Menschen wahrnehmbare Geruchseigenschaften auf. Diese lassen sich grob in folgende Verbindungsklassen einteilen (ungefährer Wertanteil in %): „Terpenoide (40%), Brenzcatechin-Derivate (17%), Phenol-Derivate (13%), sonstige Aromaten (20%), Aliphaten, Alicyclen und Heterocyclen (10%)“6. Auf einige davon, besonders allerdings auf Terpenoide, welche auch im späteren praktischen Teil der Arbeit eine Rolle spielen, soll nun ausführlicher eingegangen werden.

1.3.1 Terpenoide

In der Klasse der Terpenoide, die weiter nach der Teilchengröße unterteilt werden kann, sind nach aktuellem Stand der Forschung zwischen 30.0007 und 40.000 Substanzen8 bekannt, welche in Pflanzen gefunden wurden. Dort finden sie sich meist in ätherischen Ölen, die unter anderem in den Blättern von Pflanzen vorkommen. Terpene folgen der sog. Isopren-Regel, d. h. es handelt sich um organische Verbindungen, deren Grundgerüst sich aus Isopreneinheiten (2- Methylbuta-1,3-dien) zusammensetzt. Zu den Terpenoiden gezählt werden auch noch die jeweiligen Hydrierungs- und Dehydrierungsderivate und die davon abgeleiteten Alkohole, Ketone, Aldehyde und Ester. Monoterpene sind so beispielsweise aus zwei, Sesquiterpene aus drei Isopreneinheiten zusammengesetzt 9. Für den Einsatz in Lebensmitteln werden Terpene seit der Antike wegen ihrer ausgeprägten und intensiven Geruchs- und Geschmackseigenschaften verwendet 8, die mit steigender Größe der Moleküle und der damit einhergehenden geringeren Flüchtigkeit verschwindet6. So haben die meisten Mono- und Sesquiterpene einen intensiven Geruch, während die höheren Terpene als geruchslos anzusehen sind. Eine Illustration des Aufbaus kann mit Abbildung 1 entnommen werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1.: Isoprengrundgerüst der Monoterpene Limonen und Menthol10.

Da die meisten Terpene über ein oder mehrere dreidimensionale stereogene Zentren verfügen, gibt es von ihnen eine Vielzahl an Stereoisomere. Bei manchen Terpenen kommen sehr viele Isomere auch natürlich vor, wobei diese sich allerdings in ihrer Geruchsnote z.T. deutlich voneinander unterscheiden. Vom Carvon riecht so beispielsweise das (-)-Isomer minzig und lässt sich auch in einigen Minzarten finden, während die (+)-Isomer einen Geruch nach Kümmel aufweist11. Von den acht Stereoisomeren des Menthols (siehe Abbildung 2), hat sowohl das (+)- und (-)- Menthol das typische, frische Minzaroma wobei nur das (-)-Menthol einen stärkeren kühlenden Effekt aufweist. Der Geruch von Isomenthon hingegen wird als „leicht muffig“ und teilweise „lästig“ beschrieben. Neoisomenthol hat überhaupt keinen Minzgeruch mehr: der Geruch ist angeblich „widerlich“12.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Überblick über die Stereoisomere des Menthols13.

1.3.2 Aromaten

Der Name dieser Stoffklasse lässt schon auf eine Verwendung als Aroma schließen. Der aromatische Ring bildet eine Basis für viele Aromen. Besonders bedeutend sind hier die bereits erwähnten Derivate des Phenols und des Brenzcatechins, wobei das Vanillin bzw. das sehr ähnliche Ethylvanillin (siehe Abbildung 3) hier wohl die populärsten Beispiele sind. Innerhalb dieser Stoffklasse sind die Phenylpropan- Derivate noch erwähnenswert, aromatische Verbindungen mit einer Propyl- Seitenkette [14,15].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Strukturformel von A: Vanillin, B: Ethylvanillin16.

1.3.3 Carbonsäureester und Lactone

Für das Aroma von Früchten hingegen sind häufig auch Carbonsäureester oder Lactone (cylische Ester) verantwortlich, die aus kurz- bis mittelkettigen Carbonsäuren und Alkoholen entstehen [17,18]. Diese bilden das charakteristische Aroma einiger Früchte wie der Erdbeeren, der Äpfel, der Birnen oder auch der Bananen. Ein Bestandteil des Erdbeeraromas ist zum Beispiel das Lacton Furaneol19. Die Konstitutionsisomere des Essigsäurepentylester weisen je nach Isomer ein Bananen- bzw. Birnenaroma auf. Der Geruch der Essigsäure-n-propylester wird meist als obst- oder birnenartig beschrieben. Einige der genannten Verbindungen sind in Abbildung 4 dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Strukturformeln von A: Furaneol (4-Hydroxy-2,5-dimethyl-3-furanon), B: Essigsäure-n-propylester, C: Essigsäure-n-pentylester20.

1.4 Natürliches Vorkommen von Aromen und Biosynthese

In der Natur erfüllen Aromen vielfältige Aufgaben: So dienen Terpene beispielsweise Lebewesen sowohl zur Verteidigung, Kommunikation als auch zur Erfüllung wichtiger Aufgaben im Körper. Einige Terpene wirken als Pheromone und dienen durch ihren Geruch als Boten- oder Lockstoffe, während Monoterpene wie Limonen beispielsweise in der Rinde von manchen tropischen Bäumen enthalten sind, um einen Schutz vor Insekten zu bewirken21. Die Biosynthese erfolgt bei Terpenen auf Basis von Isopentenyldiphosphat (IDP) und dessen isomerer Verbindung 3,3- Dimethylallyldiphosphat (DMADP). In Folge mehrerer Reaktionsschritte bilden sich Isopren-Einheiten aus, die durch weitere Kopplungen zu einer Vielzahl von Verbindungen weiterreagieren [8,22].

1.5 Weitere aromarelevante Stoffe

Neben den Aromen finden sich in Lebensmitteln auch noch weitere Stoffe, die an der Qualität des Geschmackseindruckes mitwirken. Ein Beispiel hierfür sind sogenannte ‚Aromenträger‘, welche als geschmacksneutrales und - wenn möglich - gesundheitlich unbedenkliches Lösungsmittel für die Aromastoffe wirken. Ein bekanntes Beispiel für Aromenträger sind Glycerinderivate wie auch die als Fette bekannten Triacylglyceride. In Lebensmitteln wie Kaugummis findet so unter anderem auch Triacetin Verwendung, welches zusätzlich auch als Weichmacher für die Gummimasse wirkt [23,24].

2. Einsatz und gesundheitliche Eigenschaften von industriell verwendeten Aromen

2.1 Zusatz von Aromen zu Lebensmitteln

Seit vielen Jahrhunderten werden aromatisierte Lebensmittel hergestellt und auch verzehrt. Anfangs, hauptsächlich durch Hinzufügen von Kräutern oder Gewürzen aus natürlichem Ursprung um beispielsweise Süßwaren, Gebäck etc. zu verfeinern, entwickelte sich die Verwendung von Aromen bis zum heutigen, großindustriellen Einsatz25. Der Anteil an aromatisierten Lebensmitteln beträgt so heute in Deutschland 15% bis 20% des Lebensmittelverbrauches. Dies liegt unter anderem auch daran, dass die heute den Markt beherrschenden industriellen Lebensmittel aufgrund von potentiellen Aromaverlusten während der Herstellung einer Aromatisierung fast zwangsweise bedürfen, um die vom Konsumenten erwartete Geschmacksqualität zu liefern [ebd.].

2.2 Verschiedene Arten an zugesetzten Aromen

Allgemein wird bei Aromen zwischen verschiedenen Arten unterschieden. Die sog. ‚natürlichen Aromastoffe‘ machen in Deutschland einen Anteil von rund 70% an den aromatisierten Lebensmitteln aus und wurden in ihrer Herstellung aus Pflanzen mithilfe der Verfahren der Lebensmitteltechnologie, so zum Beispiel Extraktion, Destillation etc., abgetrennt 25. Diesen natürlichen Aromastoffen stehen die Synthetischen gegenüber, wobei bei diesen wiederum zwischen ‚naturidentischen Aromastoffen‘ und ‚künstlichen Aromastoffen‘ unterschieden wird. Naturidentische Aromastoffe sind chemisch mit einem natürlichen Aromastoff identisch, wurden aber auf Basis eines kostengünstig verfügbaren Naturstoffes oder einer anderen Chemikalie synthetisiert. Unter den synthetischen Aromastoffen machen diese rund 98% aus, während die restlichen zwei Prozent auf die künstlichen Aromen entfallen. Diese kommen in der Natur so nicht vor und finden heute bis auf Ausnahmen wie Ethylvanillin, welches auch wie das natürliche Vanillin einen Vanillegeschmack aufweist und im Vergleich zu natürlichem Vanillearoma vielfach preisgünstiger ist, nur noch sehr wenig Anwendung (vgl. 1.3.2; Abbildung 3) [25,26].

Für die Aromatisierung eines Lebensmittels mit einem natürlichen Aroma wird dem Rohprodukt ein ätherisches Öl zugesetzt, welches beispielsweise aus Minze mithilfe von Wasserdampfdestillation und anschließender Aufreinigung gewonnen wurde. Ist der Gehalt an ätherischen Ölen in einem Rohstoff nur sehr gering, werden die Aromastoffe meist extrahiert. Dabei finden die ‚klassischen‘ Lösungsmittel wie Hexan, Aceton, Ethanol etc. häufigen Einsatz; doch hat sich in den letzten Jahren auch die Extraktion mittels flüssigem Kohlenstoffdioxid auf dem Markt etablieren können, da dieses exzellente Lösungsmitteleigenschaften besitzt und zudem gesundheitlich unbedenklich ist. Wenn dem Lebensmittel nicht ein reines Aroma, zum Beispiel ein Pfefferminzöl, zugesetzt werden soll, so kann auch auf Basis verschiedenen Aromaextrakte durch einen sog. Flavoristen - dies ist eine Person, die für die Lebensmittelindustrie neue Aromaessenzen entwickelt - eine Mischung zusammengestellt werden25.

2.3 Der Gehalt an Monoterpenen in kommerziell erhältlichen Nahrungsmitteln

Die einem Lebensmittel zugesetzten Aromen sind je nach Herkunft in unterschiedlicher Art und Menge enthalten. Da allerdings fast alle aromarelevanten Stoffe eine sehr niedrige Wahrnehmungsschwelle haben, ist meist nur eine sehr geringe Dosis zur Aromatisierung eines Lebensmittels erforderlich. Die Menge des zugefügten Aromas variiert sowohl abhängig von der Art des Aromas und des Einsatzzweckes.

Bei Pfefferminzöl beträgt der in der Quelle angegebene Anteil in Süßigkeiten rund 0,104%27. Limettenaroma zeigt schon bei geringerem Anteil seine Wirkung; hier beträgt der maximale bisher gefundene Anteil rund 0,078%28.

2.4 Stabilität von Aromen

In Folge der Lagerung und Einwirkungen von Luftsauerstoff und anderer reaktiver Stoffe, können sich Aromen chemisch verändern, was zu sogenannten „Aromafehlern“ führt. Als in den von mir untersuchten Proben vorhandenes Beispiel lässt sich Limonen nennen, welches zu Carvon oxidiert werden kann29. Auch die enthaltenen Aldehyde werden in Folge äußerer Einflüsse unter Umständen zu Carbonsäuren oxidiert. Am Beispiel des Kaugummis, bei dem zudem die Kaumasse, ein natürliches Polymer, in dem auch C=C-Doppelbindungen vorhanden sind, oxidationsanfällig ist, entgegnet man diesem Problem durch den Zusatz von Antioxidantien30. Im Rahmen der Untersuchungen an den Kaugummiproben ließen sich in allen drei Proben über die massenspektrometrische Untersuchung Butylhydroxytoluol (BHT) und Butylhydroxyanisol (BHA) in Spuren finden (siehe Abbildung 5) (vgl. Anhang IV). Diese Stoffe wirken dadurch, dass sie durch äußere Einflüsse entstehende Radikale unter Bildung von resonanzstabilisierten Phenoxy- Radikalen abfangen, welche aufgrund ihrer eigenen Stabilität nicht radikalisch weiterreagieren können [31,32]. Allerdings ist der Zusatz solcher Stoffe aufgrund der potentiell cancerogenen Wirkung, welche bei BHT schon beobachtet werden konnte, umstritten32.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Strukturformel von A: Butylhydroxytoluol (BHT), B: Butylhydroxyanisol (BHA)33.

2.5 Negative gesundheitliche Folgen der in Lebensmitteln eingesetzten Aromen

Viele Aromen haben nicht ganz unbedenkliche gesundheitliche Eigenschaften. So zeigt beispielsweise Limettenöl aufgrund enthaltener Cumarine eine phototoxische Wirkung28. Bei Minzöl wurde Zytotoxizität beobachtet27, jedoch auch antimikrobielle Eigenschaften. Die Hauptkomponente Menthol kann unter Umständen bei manchen Personen auch allergische Reaktionen auslösen, es wird offiziell als reizend klassifiziert34. Doch sind diese gesundheitlichen Eigenschaften meist in Anbetracht der geringen Mengen von Aromastoffen, welche sich tatsächlich im Lebensmittel befinden, vernachlässigbar (vgl. 2.3).

Allgemein lässt sich feststellen, dass im Bereich der Aromen nur für sehr wenige Stoffe wegen akuter Giftigkeit eine gesetzliche Mengenbeschränkung besteht, so zum Beispiel Safrol35 oder das in den letzten Jahren in die Schlagzeilen geratene und auch oben schon erwähnte Cumarin [ebd.].

3. Analyse der Proben mithilfe von Gaschromatographie

3.1 Einleitung

Das Ziel der Untersuchung ist die Analyse von in Kaugummi enthaltenen Aromen, sowohl nach qualitativer als auch z.T. quantitativer Hinsicht. Durch das so erhaltene Bild über die in den Proben enthaltenen Stoffe soll, wenn möglich, ein Schluss über die Art und den Ursprung der Aromen getroffen werden können. Aufgrund des geringen prozentualen Gehaltes der Aromastoffe in den Proben und der Schwierigkeit in der Auswertung, schloss sich eine Analyse per Dünnschichtchromatographie aufgrund des zu hohen Verbrauchs von Chemikalien, wie beispielsweise der Referenzsubstanzen, und Genauigkeitsproblemen, aus. So wurden nach der Extraktion der Aromaträger von der Matrix die Lösungen der Proben zunächst mittels eines Gaschromatographen (GC) analysiert, um ein allgemeines Bild über die in der Probe vorkommenden Stoffe zu erlangen. Falls sich der Grad an für den Gaschromatographen schädlichen Verschmutzungen in der Probe in einem tolerierbaren Bereich hielt, wurde eine weitere Untersuchung an einem Gaschromatographen mit einem Massenspektrometer als Detektor durchgeführt. Die in der Probe enthaltenen Substanzen konnten anschließend über deren Massenspektrum identifiziert und auch die Inhaltsstoffe anderer Proben über einen Vergleich der Retentionszeiten zugeordnet werden.

3.2 Materialien und Methoden

3.2.1 Materialien

Analysiert wurden drei kommerziell erhältliche Kaugummis, die in Supermärkten in Kempten und Umgebung erworben wurden (eine Auflistung findet sich in Tabelle I im Anhang I.). Der als Lösungsmittel eingesetzte und über die Firma Sigma-Aldrich bezogene Diethylether wies eine Reinheit von mindestens 99,8% auf. Weiter eingesetzte Lösungsmittel, z. B. Heptan, stammten aus dem Inventar der Technischen Universität München. Das für den Gaschromatographen eingesetzte Wasserstoffgas wurde über einen Wasserstoffgenerator vor Ort in hoher Reinheit hergestellt, das ebenfalls hochreine Heliumgas stammt aus dem Hausleitungsnetz der Universität.

3.2.2 Vorbereitung der Proben

Die Probenaufbereitung stützt sich auf die Ergebnisse einer taiwanesischen Forschergruppe, welche eine Methode zum Nachweis von Antioxidantien in Kaugummis entwickelt hat. Hsiu-Jung Lin et al. haben herausgefunden, dass sich in einer Vergleichsuntersuchung die Extraktion mithilfe von Diethylether in einem Ultraschallbad als am effektivsten erwies, da nur durch dieses Lösungsmittel die Gummisubstanz gelöst werden konnte36.

Eine Menge von 1 g der zuvor zerkleinerten Kaugummiproben wurden mit einer Genauigkeit von 0,0005 g in ein Rollrandglas eingewogen und 10 ml Diethylether (Genauigkeit +/- 0,04 ml) hinzugefügt. Die so vorbereitete Probe wurde 15 Minuten in einem Ultraschallbad bei geschlossenem Deckel extrahiert. Danach wurde der Inhalt des Glases in ein vorher mit Aceton ausgespültes und getrocknetes Zentrifugenglas gegeben und bei einer Geschwindigkeit von 5000 Umdrehungen pro Minute rund zwei Minuten zentrifugiert, um sämtliche festen, noch in der Probe vorhandenen Rückstände abzutrennen. Vom klaren Überstand wurden 5 ml mit einer Pipette abgenommen (Genauigkeit +/-0,05 ml), die anschließend in ein neues Schnappdeckelglas eingefüllt wurden. Direkt vor der Analyse der Proben wurde rund 1 ml des Extraktes in eine Einwegspritze aufgezogen und über einen HPLC Spritzenfilter in ein Gaschromatographie-Probenglas gepresst. Das Probenglas wurde hierauf mit einem Septum verschlossen und in den Autosampler des Gaschromatographen gestellt.

[...]


Details

Seiten
46
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656179535
ISBN (Buch)
9783656179801
Dateigröße
2.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v192824
Note
1,0
Schlagworte
Chemie Aromen Gaschromatographie GC/MS Analytik Kaugummi Minze Menthol Massenspektrometrie Lebensmittelchemie Lebensmittel BHT Antioxidantien Gesundheit Massenspektroskopie GC MS Menthon Limonen Zitrone Wrigleys Terpene Ester Carbonsäure

Autor

Zurück

Titel: Experimentelle lebensmittelchemische Untersuchung von Aromen mittels Gaschromatographie am Beispiel von Kaugummi