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Human-Trafficking in Osteuropa

Frauenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung und die daraus resultierende Bedeutung für die Soziale Arbeit

Hausarbeit 2012 20 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Gliederung:

1. Begriffsdefinition

2. Hintergründe und Ursachen -: Womit erreichen die Menschenhändler die Betroffenen?
2.1 Sozio-ökonomische und politische Situation
2.2 Anwerbung der Frauen
2.2.1 offene Anwerbung
2.2.2 verdeckte Anwerbung

3. Herkunfts-,Transit- und Bestimmungsländer

4. Rechtliche Situation Deutschlands, den Menschenhandel/Frauenhandel betreffend
4. 1 Probleme bei der Strafverfolgung der TäterInnen
4.2 sexuelle und finanzielle Ausbeutung der Betroffenen
4.3 Die Hilflosigkeit der Frauen in einem fremden Land
4.4 Vermittlung in die Prostitution
4.5 Wie kommt man an die Aussagen der Betroffenen?

5. Rolle der Sozialen Arbeit im Kampf gegen Human- Trafficking
5.1 Zielsetzungen
5.2 Ausgewählte Organisation: SOLWODI e.V.
5.2.1 Das Projekt „Schutz, Beratung und Betreuung von Gewaltopfern und Opferzeuginnen, von Menschenhandel“, im Rahmen des „Daphne-Programms“
5.2.2 Inhalte des Daphne-Programms

6. Auftretende Probleme

1. Begriffsdefinition

Menschenhandel gibt es schon immer und von der Prostitution sagt man, dass sie das älteste Gewerbe der Welt sei. Und so lange ein „starkes Wirtschafts- und Wohlstandsgefälle [auf der Welt]existiert, wird [auch], die sexuelle Ausbeutung von Frauen [und die erzwungene Prostitution] ein Geschäft bleiben. (Färber-Husemann, 1999,7)Eine neuere Schätzung der IOM (Internationale Organisation für Migranten) gibt an, dass 2010, von 82 Millionen, Einwohner, etwa 13% Migranten, waren. Davon waren 45% Frauen. Derzeit leben auf dem Gebiet der EU 492,8 Millionen Einwohner. In den einzelnen EU-Ländern ist die Präsenz von Ausländern sehr unterschiedlich ausgeprägt(vgl. http://www.iom.int, 8.12.2011).

Die Maßnahmen die viele europäische Staaten restriktiv gegen Ausländer und deren Einwanderung vorgenommen haben, führten zu einer erheblichen Einschränkung der Chancen, bzw. komplizierten den Vorgang, legal in eines, dieser Länder zu gelangen und Geld zu verdienen(vgl. http://www.ueber-lebt.de, 8.12.2011).

Gab es vorher noch die Möglichkeit von Familienzusammenführungen, wurde durch die Regulierungspolitik oft nur die Chance auf saisonale Beschäftigung offen gehalten. Durch die deutlich erschwerten Bedingungen für Ausländer, in die „gewünschten“ Zielländer zu kommen, trat mehr und mehr das Phänomen des Menschenhandels, in den verschiedensten Variationen auf.

„Im kriminellen Milieu bildet die Sexindustrie in all ihren Ausprägungen einen bedeutenden, internationalen Markt“(vgl. http://www.ueber-lebt.de, 8.12.2011). Diese wird meist von kriminellen Organisationen geleitet und ist meist mehr, oder weniger gut strukturiert.

Was genau unter dem Begriff, des Frauenhandels, mit dem Ziel der sexuellen Ausbeutung- was international auch als „Human Trafficking“, bezeichnet wird- fällt, hat die Europäische Kommission in einer Mitteilung definiert, wie folgt:

„Das Verschleppen von Frauen aus Drittländern in die Europäische Union zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung (evtl. mit weiteren Transporten innerhalb der Mitgliedsstaaten). Unter Frauenhandel mit dem Ziel sexueller Ausbeutung, fallen Frauen, die durch die Einschüchterung oder mit Gewalt zur Prostitution gezwungen werden. Dabei ist eine etwaige ursprüngliche Einwilligung der Frauen insofern unbedeutend, als einige Frauen zwar wissen, dass sie als Prostituierte arbeiten werde, dann aber anerkennen müssen, dass sie ihrer menschlichen Grundrechte beraubt und unter sklavenmäßigen Bedingungen „gehalten“ werden.“(Färber-Husemann 1999, 18)

Frauen aus Osteuropa werden fast ausschließlich zum Zwecke, der Prostitution angeworben, denn in keinem anderen Metier, erreicht man so hohe Gewinne mit ihnen, wie hier. „Das ist auch ein Grund warum innerhalb der EU von Frauenhandel nur im Zusammenhang mit Zwangsprostitution und anderen erzwungenen Jobs im Sex-business gesprochen wird“(Färber-Husemann 1999, 18)

2. Hintergründe und Ursachen: Womit erreichen die Menschenhändler die Betroffenen?

2.1 Sozio-ökonomische und politische Situation

Wie schon vorher festgestellt, hat Human Trafficking eine lange Geschichte, doch bestanden vorher nicht die Möglichkeiten für die TäterInnen, die es dann gab als Ende der 80er Jahre, die Mauer fiel. Durch die Öffnung des Eisernen Vorhangs eröffneten sich für die organisierte Kriminalität, ganz neue Dimensionen, der Frauenhandel erlebte einen rasanten Aufstieg in Europa allgemein und in Deutschland, als Bestimmungsland, im besonderen (vgl. Färber-Husemann,1999, 7). Nach dieser „scheinbaren“ Öffnung der Grenze, stieg die Zahl der gehandelten Frauen enorm an. Wobei man dabei nicht davon ausgehen darf, dass wirklich alle Frauen komplett unwissend in das Zielland gebracht wurden. Manchen war, bzw. ist durchaus bewusst, dass sie sich, im Zielland angekommen, prostituieren würden, dennoch war/ist ihnen das Ausmaß nicht bewusst(vgl. Nautz/Sauer 2008, 12).“Sie wissen nicht in welche Abhängigkeiten sie sich begeben“ (Färber-Husemann 1999 11) Und unter welchen menschenunwürdigen Bedingungen sie dort weiterhin „gehalten“ werden

Laut einer Schätzung werden jährlich, in der organisierten Kriminalität mit dem Handel und der Vermarktung, Osteuropäischer Frauen, ins sex-business, mehr Gewinne erzielt, als mit dem illegalen Waffen- und Drogenhandel erzielt werden können (vgl. http://www.bka.de, 14.12.2011). „Die Internationale Arbeitsorganisation rechnet vor, dass der Menschenhandel jedes Jahr weltweit fast 32 Milliarden US-Dollar Gewinn abwirft. Rund 28 Milliarden davon, werden mit sexueller Ausbeutung verdient“ (www.welt.de/multimedia/archive/01264/zwangsprostituiert_1264949z.jpg, 1. 1. 2012).

Hinzu kommt auch, dass es durch die Öffnung des Eisernen Vorhangs, im Zusammenhang mit der Globalisierung, zu „dramatischen, ökonomischen und sozialen Verschiebungen und Verwerfungen [kam]“(Nautz/Sauer 2008, S12). Dies führte zu einem verstärkten Armutsgefälle zwischen Ost- und Westeuropa. Diese Neuordnung Westeuropas führte u.a. zu einer gestiegenen Nachfrage nach ungesicherten Arbeitskräften. Dies führte auf der anderen Seite aber auch zu Neubegrenzungen, d. h. zur Schließung der Schengen-grenzen und zur Reduktion von Arbeitsmigration in die Europäische Union. Durch diese Marktintegration Europas, wurde die Einwanderung der Arbeitskräfte in die EU verringert, (vgl. Nautz, Sauer 2008, 12). Grenzübertritte in die EU sind oft nur auf illegalem Weg möglich. Die Frauen sind Abhängig von den Schleppern, die ihnen ein besseres Leben versprechen Diese Abhängigkeit von Menschen aber ist eine Struktur für Gewalt durch den Handel mit Menschen“(Nautz, Sauer 2008, 12)

“Heute sind es junge Frauen, die Opfer der sozialen und wirtschaftlichen Umbrüche werden“ (Färber-Husemann, 1999, 15). Selten bekommen sie das, was sie sich vorstellen: ein besseres Leben und einen Ausweg aus der Armutsfalle, ohne Arbeit, mit einem Ausblick auf eine schlechte Zukunft und viel Hoffnungslosigkeit (vgl. Färber-Husemann 1999, 15) Die meisten Frauen haben vor allem kurz nach dem Mauerfall, diesen als eine Statusverschlechterung erlebt, die Arbeiten im Heimatland, waren und sind viel schlechter bezahlt als es im Zielland, Deutschland der Fall ist. Und die Verantwortung für die soziale Verantwortung für die Familie ist nur schwer zu tragen. So wurde und ist Human Trafficking nach wie vor ein erheblicher Wirtschaftsfaktor (Färber-Husemann 1999, 15)

Diese Frauen versuchen mit aller Macht in den „goldenen Westen“ zu kommen und hoffen dort auf eine bessere Zukunft und auf ein besseres Leben für Familien, für die sie evtl. sorgen müssen. Es gibt verschiedene Faktoren, die in zwei Kategorien eingeteilt werden und die als Ursache für den Menschenhandel gesehen werden, bzw. die diesen Begünstigen oder vereinfachen. Es gibt „jene, die [die]mit Menschenhandel in Verbindung stehende Aktivitäten auslösen, die sog. Push-Faktoren und diejenigen Faktoren, die dazu beitragen. Westeuropäische Staaten als attraktiv erscheinen [zu]lassen, die sog. Pull-Faktoren, (http://www.ueber-lebt.de/hauptseite.phtml?show=global-menschenhandel-kriminelle-aktivitaeten, 29.12.2011)

Zum einen, wie vorher schon beschrieben, die wirtschaftliche Notsituation: Oft ist es für die Frauen die einzige und letzte Möglichkeit, sich, ihre Kinder und evtl. ihre Eltern vor dem Hunger zu bewahren (vgl. Färber-Husemann, 1999, 11) Meist sind sie verantwortlich für die Familie, da der Ehemann verstorben ist, Sie Gewalt in der Ehe erfahren haben ,oder-obwohl hoch qualifiziert-sie, in den Ostblockstaaten keine Arbeit bekommen. Sie könne sich alltägliche Dinge nicht leisten und das Überleben wird zum Kampf. Dazu kommt häufig noch die Verunsicherung durch die derzeitige politische Situation im Heimatland, der Betroffenen, oder Krieg im jeweiligen Land. Ihnen wird gesagt, dass im Zielland z.B. das soziale Netz, sehr gut ist. Es wäre bestens für sie gesorgt, da das Gesundheitssystem, sehr viel besser wäre und auch die Gesetzgebung sehr liberal sei. Das Wohlstandsniveau ist sehr hoch und die politische Situation sei sehr stabil und friedlich. Und vor allem: die Arbeitsplätze sind sehr gut bezahlt! (vgl., http://www.solwodi.de/424.0.html, 14.12.2011). Das ist wohl auch alles richtig, nur wird bei den offenen Anwerbungen den Frauen vorenthalten, dass sie nicht Nutznießer, dieser ganzen Vorteile sein werden.

2.2 Anwerbung der Frauen

2.2.1 offene Anwerbung

Bei den offenen Anwerbungen, werden oftmals Prostituierte in Bordellen oder auf dem Straßenstrich angesprochen und ihnen wird versprochen, dass sie ihm Zielland zu einem deutlich höheren Verdienst arbeiten können, als im Herkunftsland. Oft wird ihnen gesagt, dass sie sich die Zeit frei einteilen können und jederzeit aus dem Gewerbe aussteigen können. Darüber, wie ihre Arbeitsbedingungen tatsächlich aussehen wissen sie erst mal nichts. Sie werden Ausgebeutet, arbeiten unter Zwang und erfahren oftmals Gewalt (vgl. http://www.solwoldi.de/422.0.html, 14.12.2011)

2.2.2 verdeckte Anwerbung

Dann gibt es noch die verdeckte Anwerbung, bei der den Frauen, eine gut bezahlte, legale Arbeit im Ausland angeboten wird (meist von Inländischen Mittelsmännern – oder frauen), dabei wird ihnen in Aussicht gestellt, sie könnten als Modell, Tänzerin, Nannie, oder Bedienung arbeiten(vgl.Cameron 2008, 85).Für die Frauen klingt das sehr verlockend, können sie damit doch ihren und den Lebensunterhalt ihrer Familien sichern. „ Vielfach werden sie dann durch Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und Körperverletzung zur Prostitution gezwungen“ (http://www.frauenberatung-sh.de/frauenhandel-und-zwangsprostitution, 29.12.2011). Laut polizeilichen Schätzungen sind etwa 25% der Prostituierten in Deutschland, Osteuropäerinnen

Einige werden auch einfach ohne deren Zustimmung entführt und verschleppt.

Sind die Frauen dann erst mal in die Hände der Schlepper geraten, ist es schwierig für sie zu entkommen. Wenn es nicht schon während der Einreise geschehen ist, werden ihnen spätestens im Zielland die Papiere abgenommen und sie werden ihrem späteren Arbeitsplatz zugeteilt (vgl. www.solwodi.de/424.0.html, 15.12. 2011)

Sie befinden sich in absoluter Abhängigkeit zu den Menschenhändlern, da sie meist ihre Reisekosten zurückzahlen müssen, horrende Mieten berechnet werden und sie aufgrund der fehlenden Papiere, illegal in Deutschland sind(vgl. http://www.solwodi.de/424.0.html, 19.12.2011).

Das Bundeskriminalamt gab bekannt, dass 2005, von 642 Betroffenen aus abgeschlossenen Verfahren, 220 bei der Anwerbung über den wahren Grund der späteren Tätigkeit getäuscht worden sind. 166 Frauen wurden über Inserate in Zeitungen oder Künstleragenturen angeworben. 78 Frauen wurden gewaltsam zur Ausreise gezwungen. 199 waren einverstanden, mit der Ausübung der Prostitution(vgl. http://www.bka.de, 19.12.2011), wobei man von diesen wieder, mit Sicherheit behaupten kann, dass ihnen die späteren Umstände, in denen sie sich befinden würden nicht bewusst waren.

Die Frauen stehen unter großen Druck. Ihre Situation ist geprägt von Angst und Gewalt. „Reichen Drohungen und Einschüchterungen nicht mehr aus, sind Vergewaltigung und körperliche Gewalt Mittel, um sie weiterhin zur Prostitution zu zwingen“, (http://www.frauenberatung-sh.de/frauenhandel-und-zwangsprostitution, 20.12.2011)

Sie sind ihrer Grundrechte beraubt und werden unter sklavenähnlichen Bedingungen "gehalten". D.h. Sie werden unter Verschluss gehalten, haben nicht die Möglichkeit Kontakte zu knüpfen und die Landessprache zu erlernen. Außerdem müssen sie sich- im Gegensatz zu „normalen“ Prostituierten- für alle, oft inakzeptable, Praktiken zur Verfügung stellen.

Ihnen wird der Verdienst abgenommen um ihre angeblich hohen Schulden bei Bordellbesitzern und Schleppern ab zu bezahlen. Manchmal werden auch Drogen verabreicht um die Frauen gefügig zu machen. Ein illegaler Aufenthaltsstatus, fehlende Papiere und keine oder wenig Sprachkenntnisse untermauern die Abhängigkeit. Drohungen, die Familie im Herkunftsland über die Tätigkeit zu informieren oder Gewaltandrohungen gegen die Familie verstärken die Angst und lassen die Frauen, sich weiter fügen(vgl. http://www.solwodi.de/423.0.html, 20.12.2011)

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Details

Seiten
20
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656181538
ISBN (Buch)
9783656183433
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v193066
Institution / Hochschule
Fachhochschule Regensburg
Note
1,3
Schlagworte
human-trafficking osteuropa frauenhandel zweck ausbeutung bedeutung soziale arbeit

Autor

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Titel: Human-Trafficking in Osteuropa