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Bildungswissenschaftler/in im Bereich politischer Erwachsenenbildung

Grundlagen des 4C/ID-Modells

Studienarbeit 2012 19 Seiten

Pädagogik - Erwachsenenbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen des 4C/ID-Modells am Beispiel eines Bildungswissen- schaftlers im Bereich politischer Erwachsenenbildung
2.1 Lernaufgaben
2.1.1 Kompetenzanalyse
2.1.2 Aufgabenklassen
2.1.3 Entwurf der Lernaufgaben
2.2 Unterstützende Informationen
2.3 Just-in-time Informationen
2.4 Part-Task Practice

3 Das 4C/ID Modell: theoretische Überlegungen
3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Aspekte des situ- ierten Lernens
3.1.1 Behaviorismus
3.1.2 Kognitivismus
3.1.3 Konstruktivismus
3.1.4 Situiertes Lernen
3.2 Didaktische Szenarien zur Integration in das 4C/ID Modell
3.2.1 Vorlesung
3.2.2 Fallmethode
3.2.3 Individueller Lernplatz
3.2.4 Kleingruppenlerngespräch
3.3 Einsatz von Medien zur Unterstützung des Blueprint

4 Zusammenfassende Bewertung - Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im Rahmen dieser Studienarbeit wird auf der Basis eines 4C/ID-Modells ein Blueprint (Lehrplanentwurf) für einen Bildungswissenschaftler1 im Bereich der politischen Erwachsenenbildung entworfen. Dieser Blueprint ist für den eLearning Bereich bestimmt.

Politische Erwachsenenbildung wird in dieser Studienarbeit verstanden als die sozial und öffentlich akzentuierte politische Bildung, die der Information und Urteilsbildung zu den Themen und Problemen dient, die der öffentlichen Aus- einandersetzung und der politischen Entscheidungen bedürfen. Das können Themen sowohl der großen Politik, als auch der Politik im Nahbereich sein. Es können Themen sein, die sich auf den direkten Umgang der Menschen mitein- ander oder auf die gesellschaftlichen Verhältnisse und ihre politische Gestalt- barkeit beziehen. Die Zielgruppe sind dabei Erwachsene (Weinberg, 2000, S. 12).

Bildungswissenschaftler die z.B. als Bildungsreferent in der politischen Er- wachsenenbildung tätig sein wollen, sollten also in der Lage sein, die poli- tische Bildung Erwachsener zu arrangieren und zu begleiten, gesellschaftli- che, institutionelle und individuelle politische Bildungsbedarfe zu analysieren und Bildungsangebote zu organisieren. Darüberhinaus sollten sie grundlegen- de Kenntnisse der zu vermittelnden politischen Materie erlangen. Für die Ver- mittlung solch umfangreicher Kompetenzen bietet sich das 4-Komponenten- Instruktionsdesign-Modell (engl. four-component instructional design model (4C/ID)) des Kognitionspsychologen Van Merriënboer (1997) an.

2 Grundlagen des 4C/ID-Modells am Beispiel eines Bildungswissenschaftlers im Bereich politischer Erwachsenenbildung

Das 4C/ID-Modell ist ein Instruktionsdesign-Modell für das Training komple- xer kognitiver Fertigkeiten und besteht aus umfassenden Problemstellungen, die realistisch die geforderten Lerninhalte wiedergeben. Unter Instruktionsde- sign wird die systematische Vorgehensweise zur Gestaltung und Entwicklung von Lernumgebungen verstanden. Ziel ist es, absichtsvolles Lernen im Unterschied zum inzidentellem Lernen zu fördern. Instruktion umfasst dabei die gesamte Bandbreite an Aktivitäten, die dazu geeignet sind, Lernen und Kompetenzen zu fördern (Bastiaens, Deimann, Schrader & Orth, 2011).

Wie der Name andeutet, geht dieses Modell von der Annahme aus, dass das Lernen von komplexen Kompetenzen am besten mit vier Komponenten bewältigt werden kann:

Lernaufgaben: diese konkreten, authentischen, ganzheitlichen Aufgaben sind der Kern des Modells und werden dem Lernenden zur Verfügung gestellt um kognitive Schemata für die Bewältigung nicht-wiederkehrender Aufgaben zu erwerben. Zusätzlich unterstützen sie bei der Bewältigung von wiederkehren- den Aufgaben, in dem sie die hierfür benötigten Schemata automatisieren.

Unterstützende Informationen: dies sind Informationen die den Lernenden bei der Bewältigung von nicht-wiederkehrenden Lernaufgaben unterstützen. Sie erklären ihm wie man sich den jeweiligen Problemstellungen annähert. Sie müssen eine Verbindung zwischen dem vorhandenen Wissen des Lernenden und dem neu zu Lernenden schaffen.

Just-in-Time-information: diese Informationen werden dem Lernenden zur Verfügung gestellt um sich wiederholende Aspekte der Lernaufgaben zu üben. Sie stehen dem Lernenden erst während der Bewältigung der Aufgaben zur Verfügung und werden in kleine Einheiten zerlegt. Just-in-time Information werden nicht nur für die Bewältigung der Lernaufgaben benötigt sondern auch für das Part-Task Practice.

Part-Task Practice: diese Übungseinheiten werden dem Lernenden zur Verfügung gestellt um wiederkehrende Aufgaben schnell und automatisiert einzuüben (van Merriënboer, Clark & Crook, 2002).

Die systematische Entwicklung eines Blueprint wird von den Entwicklern dieses Modells in zehn Schritte ( “Ten Steps to complex learning” ) 1 zerlegt, die in einem iterativen Verhältnis zueinander stehen (van Merriënboer & Kirschner, 010c)

2.1 Lernaufgaben

2.1.1 Kompetenzanalyse

Die Analyse der Kompetenz stellt den ersten Schritt zur Erstellung der Lern- aufgaben dar. Hierzu muss zunächst einmal die zu erlernende komplexe Fä- higkeit analysiert werden, über die die Lernenden am Ende des Trainings verfügen sollen (Bastiaens et al., 2011, S. 95). Dazu wird die Kompetenz in Teil-Fertigkeiten zerlegt. So entsteht eine F ertigkeitenhierarchie:

Die komplexe, ganzheitliche und authentische Kompetenz, für die dieser Lehr- planentwurf erstellt wird, ist die Arbeit des Bildungswissenschaftlers im Be- reich der politischen Erwachsenenarbeit. Hier wird diese Kompetenz einge- grenzt auf das Konzipieren, das Durchführen und das Evaluieren einer Veranstaltung der politischen Erwachsenenbildung, z.B. einen Workshop, einen Informationsabend, eine Diskussion zu einem aktuellen politischem Thema etc. Diese Kompetenz deckt bereits einen Grossteil der für die Ausübung der Tä- tigkeit notwendigen Fertigkeiten ab und stellt dabei einen in sich geschlossenen Aufgabenbereich dar.

Nun werden zum einen horizontale (temporäre) und zum anderen vertikale (konditionale) Relationen dargestellt. Hieraus lassen sich die Zusammenhänge zwischen den konstituierenden Teilen einer komplexen Fertigkeit ablesen. Die temporären Relationen beziehen sich auf den Zeitpunkt, zu dem die jeweiligen Tätigkeiten erfolgen müssen, und werden von links nach rechts gelesen. Die Einhaltung dieser Reihenfolge ist sinnvoll. Dabei können in der Praxis auch mehrere Fertigkeiten gleichzeitig abgefragt werden (Bastiaens et al., 2011, S. 95) Auf der temporalen Ebene des hier vorgelegten Lehrplanentwurfes (siehe Abb. 2.1) finden sich die drei Punkte, konzipieren, durchf ü hren, und evaluieren.

Die vertikalen bzw. konditional zueinander in Beziehung stehenden Fertigkeiten schließen sich entsprechend an und werden von unten nach oben gelesen dabei müssen die untenstehenden Fertigkeiten vorhandensein sein, um die darüberliegenden ausüben zu können.

Ein Beispiel: der Bildungswissenschaftler konzipiert seinen Workshop (tem- poral: links). Eine der dafür nötigen Fertigkeiten (konditional: ganz unten) ist es, zunächst einmal mit einer best-practice Recherche herauszufinden wie der übliche Weg ist, eine solche Veranstaltung anzubieten und welche Me- thoden sich hier besonders bewährt haben. (Unter best-practice/good-practice versteht man vorbildliche und nachahmenswerte Verfahrensweisen und Lösun- gen, die als Modell für eine Übernahme in Betracht kommen). Es wird hier davon ausgegangen, das dem Bildungswissenschaftler die gängigen Methoden einen Workshop zu gestalten nicht geläufig sind. Mit dieser Fertigkeit kann die im Sinne der didaktischen Vorstellungen richtige Präsentationsmethode aus- gewählt werden. Auch hier muss der Bildungswissenschaftler sich erst mit der von ihm ausgewählten Methode vertraut machen. Mit diesen Voraussetzungen kann ein Ablaufplan erstellt und abschliessend die Veranstaltung im Detail geplant werden. Es muss nun noch unterschieden werden, ob es sich bei den einzelnen Fertigkeiten um eine wiederkehrende oder nicht-wiederkehrende Aufgabe handelt. Diese Information entscheidet darüber in welcher Form (Unter st ü tzende Informationen oder Just-in-Time-Informationen) die zweite, bzw. dritte Komponente gestaltet wird. Während die meisten Teil-Fertigkeiten in diesem Beispiel nicht-wiederkehrend sind, könnte man das Auswerten der Fra geb ö gen als wiederkehrend klassifizieren.

2.1.2 Aufgabenklassen

Den zweite Schritt stellt das Festlegen von Aufgabenklassen dar. Diese definie- ren Kategorien, nach denen geeignete Lernaufgaben ausgewählt und entwickelt werden können und legen damit die grundlegende Sequenz eines Trainingspro- gramms nach dem 4C/ID Modell fest (van Merriënboer et al., 2002, S. 44).

Beim 4C/ID Modell ist es entscheidend, dass die Lernenden in jeder Auf- gabenklasse mit der komplexen Fertigkeit arbeiten müssen und somit einen ganzheitlichen Überblick über das erforderliche Können erhalten. Während jede Aufgabenklasse in sich gleich anspuchsvoll ist, unterscheiden sich die ver- schiedenen Aufgabenklassen im ansteigenden Schwierigkeitsgrad. Dabei sollte die erste Aufgabenklasse idealerweise immer einen einfachen Einstieg bieten, denn zu komplexe Aufgaben am Beginn eines Lehrgangs können eine kognitive Überlastung des Lernenden erreichen mit negativen Folgen für die Motivation und den Lernerfolg.

Es gibt insgesamt vier Sequenzprinzipien zur Erarbeitung von Aufgabenklas- sen:

Vereinfachende Annahmen (engl. simplifying assumptions), hier steigt die Komplexität der Aufgabenklassen linear an, wobei die erste Aufgabenklasse den einfachsten und die letzte den höchsten Komplexitätsgrad darstellt.

Nachdruck-Manipulation (engl. emphasis manipulation approach), bei welchem jeweils der schwierigsten konstituierenden Fertigkeit in einer Lernaufgabe Nachdruck verliehen wird.

Mentale Modelle Progression (engl. mental model progressions) hier muss die Aufgabe unter Zuhilfenahme eines mentalen Modells gelöst werden.

Systematisches Problemverfahren (engl. systematic approach to problem solving, SAP), bei dem der Lernende immer komplexere Pfade einer detaillierten Anleitung zur Problemlösung verfolgt.

[...]


1 Aus Gründen der Lesbarkeit wird im Text nur die männliche Form gewählt. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichwohl für beiderlei Geschlecht.

1 Die Reihenfolge der 10 Schritte folgt in dieser Arbeit dem Studienmaterial.

Details

Seiten
19
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656190189
ISBN (Buch)
9783656191407
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v193264
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Institut für Bildungswissenschaft und Medienforschung
Note
1,3
Schlagworte
Van Merriënboer 4C/ID-Modell Instruktionsdesign politische Erwachsenenbildung Lehrplanentwurf Blueprint Bildungswissenschaftler eLearning blended learning

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Titel: Bildungswissenschaftler/in im Bereich politischer Erwachsenenbildung